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| Inhalt | ||||||
| Teil 1 | 10 | |||||
| Was Französische Revolution, Gründerzeitkrise und die Große Depression von 1929 für die Gesellschaft bewirkt haben und was wir aus diesen Krisen lernen können. | ||||||
| Teil 2 | 61 | |||||
| Die Ursachen und Hintergründe der aktuellen Weltwirtschaftskrise und wie wir sie als Chance nützen können. | ||||||
| Epilog | 168 | |||||
| Warum unsere Sicht der Finanzwirtschaft völlig veraltet ist und | ||||||
| wie sie die Krise der Weltwirtschaft mitverursacht hat. | ||||||
UMSCHAU
Das wirtschaftliche System, das wir seit mehr als 250 Jahren kennen, befindet sich in einem markanten Umbruch. Noch in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte es so ausgesehen, als hätte der Kapitalismus über den Kommunismus den endgültigen Sieg davongetragen. Die heilige Formel hieß spätestens seit Ende der 70er Jahre: "Lasst die Märkte regieren!" Und tatsächlich: sie regierten.
Der Liberalismus in seiner reinsten Form hielt Einzug in den Tempeln der Währungshüter und Politiker. Schutz durch den Staat? Schutz der Pensionen? Schutz der Sozialeinrichtungen? Galt das nicht alles als vollkommen veraltet? Die dazu gängigen Maßnamen "Privatvorsorge'' / "Dritte Säule" hatten zur Folge, dass die Bürger Milliarden in die "freien" Kapitalmärkte investierten, die dort nun in Anleihen- und anderweitig gebundener Form dahinschmelzen. Nun stehen Experten, Politiker, Banker, Finanzgurus und Wirtschaftsforscher gleichermaßen staunend wie ohnmächtig vor einem sich selbst verwaltenden Niedergang der sich angeblich selbst regulierenden Finanzmärkte. Und sie alle furchten eine Jahre andauernde Weltwirtschaftskrise.
Die großen Industrienationen - allen voran die USA - verschuldeten sich allein in den vergangenen Jahren so stark, dass Generationen damit beschäftigt sein dürften, die Schulden und Hypotheken wieder auf ein erträgliches Maß zurückzuführen.
Am 15. September 2008 um 9.00 Uhr ertönte die letzte Warnglocke für den Turbokapitalismus. Da musste das größte US-Brokerhaus, Lehman Brothers, Insolvenz anmelden. Die Folge war eine Panik, wie sie die Welt seit dem großen Börsencrash von 1929 nicht mehr gekannt hatte, es kam zu einem weltweiten Kurseinbruch an den Börsen, der nicht einmal durch die kühnsten Interventionen der Notenbanken wieder aufgeholt werden konnte. Der Finanz- und Immobilien-Markt wurde von immer neuen Schockwellen getroffen, die globale Wirtschaft steuerte im Kielwasser der USA auf eine der schlimmsten Rezessionen seit den 30er Jahren zu. Banken, die noch in den vergangenen Jahren alles und jedem Geld borgten, geben nun gar keinen Kredit mehr. Auch in Österreich mussten bereits mehrere Banken vom Staat aufgefangen werden.
Der von den Banken ausgelöste Kreditengpass bringt uns erst zu Bewusstsein, dass unser gesamtes Wirtschaftsleben von geborgtem Geld abhängig ist. Gibt es keine Kredite, gibt es keine Investitionen und in der Folge keine Arbeitsplätze. In Österreich könnte das für Hunderttausende Menschen den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeuten, für Unternehmen eine Pleitewelle, für die Staaten eine enorme Belastung der Sozial- und Wohlfahrtssysteme und damit der Budgets. Einige der vielen Autoren, die sich mit dem Problem auseinandersetzen, sprechen selbst schon von einem Dritten Weltkrieg, den die weltweite Depression auslösen könnte.
Dieses Buch stimmt nicht in den Chor der angeblich bevorstehenden Apokalypse mit ein. Wir glauben nicht, dass der Kapitalismus am Ende seiner Entwicklung angelangt ist. Im Gegenteil sind wir davon überzeugt, dass die Krise dem System der Marktwirtschaft und der Politik einen heilsamen Schock versetzt, der eine nachhaltige Reform der Märkte und des Umgangs mit Arbeit und Geld nach sich ziehen wird. Die Entwicklungen, deren Zeugen wir heute sind, sind nicht einmalig in der Weltgeschichte, denn Wirtschaftskrisen und -flauten haben den Fortschritt der Menschheit nicht gebremst sondern meist entscheidend beschleunigt. So entsprangen das Sozialsystem, die Entwicklung der Demokratie, die flächendeckende Gesundheitsversorgung, die soziale Marktwirtschaft und die Mechanismen der gesellschaftlichen Umverteilung immer einschneidenden Krisen der Wirtschaft. Im ersten Teil dieses Buches zeichne ich diese historischen Lernprozesse, von denen wir noch heute profitieren, nach.
Die Stärke, aus den Entwicklungen von einst zu lernen, könnte dem System des Kapitalismus nun einen entscheidenden Fortschritt bringen: eine soziale, zumindest verantwortungsvolle Dimension, von der sich die moderne Marktwirtschaft so weit abdrängen hat lassen.
Eben dies ist der Gegenstand des zweiten Teils des Buches, in dem Markus Wolschlager zunächst die Ursachen und Fehlentwicklungen aufzeigt, die zur aktuellen Krise der Weltwirtschaft geführt haben. Was sind die wahren Hintergründe der Rezession? Welche Mittel gibt es, sie zu bekämpfen? Welche Zukunftsprojekte und Technologien sollen dabei besonders gefördert werden? Welchen Nutzen, welche Lehren soll die Welt aus dieser Krise ziehen? Experten, Wissenschafter und Philosophen bringen dazu ihre Gedanken ein. Schließlich werde ich hinterfragen, ob nicht auch unser eigenes, im Frühchristentum verwurzeltes ökonomisches Denken mit zum Entstehen der Krise beigetragen hat.
Dieses Buch soll dazu beitragen, die Vorgänge der Finanzwelt, die Möglichkeiten, welche die Zukunft bietet, darzustellen. Es soll aber auch Einstellungen offen legen, die uns unbewusst leiten - und vielleicht falsch beraten. Diese Krise birgt die Chance, eine neue Weltordnung zu schaffen. Es liegt an uns, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.
Oliver Tanzer, Dezember 2008
Oliver Tanzer spannt mit Co-Autor Markus Wolschlager einen Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit von frühchristlichen Konzilen über die Französische Revolution bis zur Großen Depression der 1930er Jahre. Meist haben Politiker und Völker Krisen als Keimzellen für eine bessere Welt genutzt - aber manchmal haben sie die Chance auch vertan und damit nachhaltige Fehlentwicklungen ausgelöst.
Die Autoren analysieren den aktuellen Einbruch der Weltwirtschaft, erklären die Ursachen der Rezession und zeigen, wie auch diese Krise unsere Gesellschaft auf Dauer sicherer und gerechter machen könnte. Ein Buch für alle, die wissen wollen, was nach Krisenangst und Panik kommt.
Die gute Nachricht zur Wirtschaftskrise:
Ökonomische Desaster waren in der Geschichte der Welt fast immer Vorboten nachhaltiger Veränderungen zum Positiven und treibende Kräfte sozialer und politischer Quantensprünge.
Die Entwicklung unserer Demokratie, der Menschenrechte, des Sozialstaates, der Mitbestimmung der Arbeitnehmer, der gerechteren Marktwirtschaft - all dem gingen schwere Wirtschaftskrisen voraus.
Auch diese Krise bringt Chancen - wir müssen sie nur nützen.
Oliver Tanzer, geboren 1967, ist leitender Redakteur der Wochenzeitung "Die Furche". Er war langjähriger Korrespondent des ORF bei der Europäischen Union in Brüssel und arbeitete davor als Redakteur für "Standard" und "profil".
Co-Autor Markus Wolschlager, Jahrgang 1979, ist Politikwissenschafter und Journalist mit dem Spezialgebiet Wirtschafts- und Konsumentenpolitik.