Vorwort
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Vorwort
Liebe Kollegen*,
es musste ja so kommen: Nach den Arbeitsblättern Deutsch für den allgemeinen Einsatz im Deutschunterricht und den Arbeitsblättern Grammatik für den speziellen Gebrauch tat sich offenkundig eine Lücke im Hinblick auf den Umgang mit Sätzen und Satzkonstruktionen auf. Hier nun also die Arbeitsblätter Satzbau, die gewissermaßen die Trilogie vollenden und hoffentlich den Mangel beheben mögen.
Nun ist das Thema Satzbau nicht unbedingt attraktiver als die vielfach ungeliebte Grammatik. Doch Sätze sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Wir sprechen sie, wir hören sie, wir lesen sie. Wir leben und erleben Sprache, ohne darüber pausenlos zu reflektieren. So gesehen ist Satzbau in Form von Arbeitsblättern eine staubtrockene Angelegenheit. Wie wollte man auch das Leben in Arbeitsblätter pressen?
Dennoch muss sich der Deutschunterricht dieser Aufgabe stellen und beständig den Versuch unternehmen, das theoretische Gebilde Sprache mit dem gelebten Sprachempfinden abzugleichen. Dass Sprache sich stetig verändert, ist nicht neu. Festzustellen ist allerdings, dass auch unsere Sprache von der vielzitierten Globalisierung eingeholt wurde. Wer einmal im Internet in Newsforen (sic!) gestöbert hat, wird feststellen, dass er ohne ein Wörterbuch Englisch-Deutsch nicht mehr auskommt. Und auch sonst finden elementare Sprachregelungen kaum mehr statt. Fragen werden mit Ausrufezeichen abgeschlossen, Aussagesätze mit Fragezeichen. Der semantische Gehalt des Geschriebenen wird nicht weiter hinterfragt. Man schreibt, wie man - gedankenlos - plappert. Veränderung von Sprache ist normal; was wir derzeit erleben, ist jedoch eher das Aufgeben vor der Sprache. Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, beklagte ein "unterkühltes Verhältnis" in der jüngeren Generation zur eigenen Muttersprache und stellte eine um sich greifende Manie der Anglizismen fest. Nüchtern betrachtet sieht es wohl so aus, dass jugendliche das sprachliche Lernen vielfach als zu mühsam empfinden, weil ihnen a) adäquate Angebote fehlen und b) in ihrem persönlichen Umfeld Sprache nicht mehr als Faktor des Austausches und des Zusammenhalts gewertet wird.
Was zu tun ist, gleicht einer Wiederbelebung: Verschüttete oder verlorene Sprachnormen müssen vorsichtig restauriert werden. Die Lesebereitschaft der Schüler gilt es zu wecken oder zu reaktivieren. Lesen sollte ein primäres Ziel heutigen Deutschunterrichts sein. Und der unvermeidliche Umgang mit Sätzen und ihren Zusammenhängen macht nur dann inn, wenn die Inhalte nachvollziehbar bleiben. Lebensnähe ist daher unabdingbar.
Die Arbeitsblätter Satzbau erheben nicht den Anspruch auf höchstes Sprachniveau. Es geht aber darum, grundlegende Einblicke in Sprachkonstruktion zu verschaffen und Normen zu vermitteln, die in der weiteren Arbeit mit und an Texten abrufbar bleiben. Unabdingbar ist ein grammatisches Grundwissen, denn ohne Kenntnisse über Wortarten, Satzglieder, Konjugation oder Tempusformen lässt sich kaum sinnvoll über korrekten Satzbau diskutieren. Die Vermittlung von Satzbauregeln ist zudem kein einfaches Geschäft. Es lässt sich über weite Strecken nur über die Orientierung an Beispielen und Mustersätzen und deren konsequente Nachahmung und Einübung bewältigen. Es kann aber eigentlich nicht um das Auswendiglernen von Regeln gehen. Wer beim Verfassen von Texten permanent über Regeln nachdenkt, verliert leicht den inhaltlichen Bezug und schreibt am Ende schlechtes, weil hölzernes Deutsch. Der Weg der Verinnerlichung, der unmerklichen Anwendung, scheint daher angebracht und sinnvoll. Vergessen sollten wir niemals, dass Sprache auch ein Element des Spielerischen und Zufälligen bewahrt. Dem wird an vielen Stellen der Arbeitsblätter Satzbau Rechnung getragen.
Verwenden Sie daher die Arbeitsblätter Satzbau in homöopathischen Dosen: zwanglos da und dort in den Deutschunterricht eingestreut, wo Mängel erkannt wurden; als kursorisches Angebot in Freiarbeit und Wochenplan; als über das Jahr verteilte stete Übung. Ich bin überzeugt, dass Ihre Schüler den eigenen sprachlichen Fortschritt als Wert an sich begreifen und schätzen lernen, je kontinuierlicher und je zwangloser Sie mit ihnen daran arbeiten.
Rolf Esser, im Mai 2005
| * | Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir in diesem Buch durchgehend die männliche Form verwendet. Natürlich sind damit auch immer Frauen und Mädchen gemeint, also Lehrerinnen, Schülerinnen etc. Wir bitten daher unsere Leserinnen, sich ebenso angesprochen zu fühlen. |
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