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Balistier Verlag Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhalt | ||||||
| 7 | Vorbemerkung | |||||
| 11 | Hors d'oeuvre | |||||
| 13 | Auf der Flucht vor dem Europatief Kirsten | |||||
| 19 | Irgendwo im Nirgendwo | |||||
| 22 | Ins Paradies | |||||
| 27 | Wannenbäder und Pinienhaine | |||||
| 34 | Griechische Messen - Schweizer Messer | |||||
| 42 | Höllenhunde, Himmelstürmer und Hexenweiber | |||||
| 47 | Michaeliten und Marien | |||||
| 53 | In der Treibsand-Falle von Falassarna | |||||
| 59 | Von alten Schäfern, gealterten Hippiemädchen und sonstigen alten Spinnern | |||||
| 63 | Das Gesicht des Straßenschusters von Chania | |||||
| 67 | Kynisch-zynisch - heilig-hehr | |||||
| 71 | Grüße aus der Sahara | |||||
| 77 | Heilige, Hebammen, Hetären, Huren und Hexen | |||||
| 83 | Die verlorene und die wieder gefundene Identität | |||||
| 90 | Die zweitägige Kulminationsetappe der Tour | |||||
| 98 | Regen, Regen und noch mal Regen | |||||
| 106 | Loutro, eine sturmfreie Bude für Jungvolk | |||||
| 111 | Der längste Tag - der weiteste Weg | |||||
| 123 | Vorläufig schon einmal angekommen | |||||
| 129 | Auf der Feuerspur des Eliaswagens | |||||
| 140 | Auf dem Psiloritis | |||||
| 149 | Stürmische Begrüßung ist manchmal wie wehmütiger Abschied | |||||
Vorbemerkung
Alte Leute trekken anders als junge!
Die Lust am Abenteuer mag beide beflügeln. Alte haben aber eine andere Vorstellung von Belustigung.
Für Junge ist Abenteuer das Herankommende, das sich Ereignende (von lat. ad venire: heran kommen). Abenteuer ist für sie auch das Erregende, Spannende, Prickelnde, weil es aus einer noch zu entschleiernden Zukunft heran kommt.
Alte hingegen sind dem Stoff, aus dem ihre Abenteuer sind, schon oft begegnet. Wie aber steht es mit der Entschleierung ihrer Abenteuer, dem, was in alten Texten Erkennen genannt wird?
Die Entschleierung ihrer Abenteuer gelingt Alten selten, das wird ihnen irgendwann bewusst. Die noch verbleibende Lebenszeit drängt. Vielleicht haben sie schon einmal von saelde gehört, jenem inneren Frieden, jenem Glück und Heil, jener Ruhe und Lebenssicherheit, um deretwillen die Ritter im Mittelalter aventiure (Abenteuer) suchten. Aber nur selten wissen Alte, warum ihnen ein biografisches Leit(d)motiv auf ihrer Fahrt durchs Leben in immer neuen Variationen begegnet ist.
Alte gehen deshalb noch einmal auf die Reise, um die Bedeutung ihrer Abenteuer zu erfahren, schlussendlich vielleicht.
Die Touristikbranche mit ihren Adventure-Reisen für Rentner! Sind das nicht Abwegigkeiten? Müssen denn Senioren oder zahlungskräftige WOOFs (well-off older folks) mit immer Neuem aus den Altersdomizilen gelockt werden? Sie sind doch keine Bungee jumpende Youngsters oder kraftstrotzende Rafter auf den Colorado-Flüssen der Welt.
Auch Studiosus-Kunden sind nicht besser bedient. In der schweißgeschwängerten Luft der Pharaonengräber von Luxor beinahe zu ersticken oder bei Xi'an von den Terracottakriegern (und den Touristen) im Mausoleum des ersten Kaisers von China Qin Shihuangdi niedergetrampelt zu werden - dient das etwa dem apollinischen Erkenne dich selbst!?
Alte haben andere Laufambitionen. Sie wünschen sich, dass ihnen ihr Lebenslaufthema beim Laufen in der Fremde (draußen vor der Tür) verfremdet (also wach rüttelnd) noch einmal begegnet, dass sie im Spiegel reflektierter Erlebnisse ihr eigenes Gesicht erkennen. Dann dämmert es ihnen plötzlich: Ach deshalb. Ja klar. Ach deshalb. Das Wesen von Gewesenem tritt (zu guter Letzt wenigstens) ins Bewusstsein. Kurz gesagt: Jungen erschließt ein Trekking-Abenteuer ein Stück Zukunft - Alten bringt es ein Stück Vergangenheit zum Abschluss.
Um diesen Unterschied geht es in diesem Reisejournal hauptsächlich! Weniger geht es um noch nie dagewesene, faszinierend-fotogene Szenerien, mehr um Altbekanntes, das zum Abschied noch einmal (oft augenzwinkernd) vorbei schaut, um den Blick auf das naheliegende Eigentliche (Goethes offenbares Geheimnis) freizugeben.
Da Altbekanntes alltäglich daher kommt, geht es um das Eigentliche im Alltäglichen. Besonders dort, wo es in der zwischenmenschlichen Begegnung zutage tritt. Ich brauche keine Audienz beim Papst, um Entscheidendes zu erfahren. Entscheidendes kann sich auch ereignen, wenn ich der Aushilfspo s tzustellerin im Treppenhaus begegne. Es kommt nur darauf an, durch die Begegnung den Schlüssel zu einer bisher verschlossenen Ich-Kammer zu erhalten. Dafür muss ich offen sein. In der Fremde gelingt das natürlich leichter.
Um in der unscheinbaren Muschelschale der Alltäglichkeiten die Perle zu finden, hat der alte Trekker das Bedürfnis, dem urbildhaft Wortenden seiner Erlebnisse zunächst prosaisch, dann aber auch potenziert wortend (lyrisch verdichtet nämlich) auf die Spur zu kommen. Zusätzlich hat er das Bedürfnis, seine Erlebnisse mit Zeichnungen zu illustrieren, weil Zeichnungen immer verwesentlichen, selbst wenn sie ironisieren oder karikieren.
Ihm ist auch die Nacht wichtiger als der Tag. Besonders der raunende Übergang vom Getriebe des Tages in die traumbildende Stille der Nacht, der Nacht, deren Schweigen beredt sein kann, weil sie eidetischer Schau die Augen öffnet.
Nicht weil ein alter Trekker gebrechlicher ist als ein junger, ist sein Gepäck leichter. Es ist leichter, weil Ballast nicht taugt für einen, der sich mit dem Tod anzufreunden hat. Wenn (wie es die Etymologie sagt) Ballast schiere Last ist, eben bare Last (und nicht zunehmend bar aller Last), dann ist zu tragende Last für ihn tatsächlich nur Ballast (tote Last) und als solche Totentänzern nicht zuträglich.
So und ähnlich ließe sich das Anliegen vieler dieser Kreta-Episoden charakterisieren. Natürlich ist von der Funktion, die eine Trekking-Tour für den alten Abenteurer haben kann, in den Aufzeichnungen nicht expres sis verbis die Rede. Um mit fokussierender Attitüde lesen zu können, sind die Bemerkungen zur Funktion des Abenteuers jedoch wichtig. Die merk- und denkwürdigen Ereignisse dieser Trekking-Tour sind das (man entschuldige die Pseudoetymologie) was am Abend des Lebens als lieb und teuer erkannt wird: Abenteuer als Aben(d) teuer.
Vielleicht stoßen in einer immer älter werdenden Gesellschaft Erlebnisbeschreibungen dieser Art auf Interesse. Vielleicht interessieren sie aber auch jugendliche Trekker, weil sie vor der Jugendwahnfalle innehalten lassen und dazu auffordern, die auch für sie geschriebenen Botschaften auf den Wegweisern ihrer Trekking-Touren zu entziffern.
Michael Schnell, im Frühjahr 2009
Wandern, laufen, trekken - 23 Tage ist Michael Schnell unterwegs, allein, immer draußen in freier Natur, auch nachts. Von Kissamos im Nordwesten der Insel führt ihn ein atemberaubender Weg zwischen den Weißen Bergen und dem Libyschen Meer nach Triopetra, der Drei-Felsen-Bucht an der Südküste Kretas und von dort aus auf den höchsten Gebirgsstock der Insel, den Psiloritis. Er berichtet von seinen Zwiegesprächen mit Winden und Wettern, Bäumen und Bergen, Hunden und Hirschkäfern und von den oft erheiternden, oft auch nachdenklich stimmenden Begegnungen mit besonderen Menschen.
Michael Schnell erläuft sich die Insel bewußt als älterer Trekker. Anders als bei jungen Leuten soll ihm das Reiseabenteuer nicht Zukunft erschließen. Seine Reiseerlebnisse bringen Vergangenes zum Abschluß, weil sie längst bekannte Leit oder auch Leidmotive des Lebens noch einmal ins Bewusstsein heben, damit ihre sinnstiftende Bedeutung für die eigene Biografie erkannt werde. Das erhöht das Identitätsgefühl und verschafft Lebenssicherheit und inneren Frieden.
Ein poetisches Reisejournal mit Zeichnungen des Autors.
ISBN 978-3-937108-17-9
Michael Schnell, geboren 1940 in Koblenz, Schulzeit in Stuttgart, Studium der Germanistik und Romanistik in Heidelberg und Tübingen, Ausbildung zum Grund- und Hauptschullehrer in Esslingen, Architekturstudium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin, Ausbildung zum Sonderschullehrer in Reutlingen; Vater dreier Kinder aus erster Ehe.
Verschiedene Tätigkeiten als Lehrer an Grund- und Hauptschulen sowie Höheren und Sonderschulen; zuletzt Direktor einer privaten Heimsonderschule für geistig und körperlich behinderte Schüler und Leiter des Camphill-Seminars für Heilerziehungspflege am Bodensee. Begründer einer Einrichtung für Behinderte in der Republik Irland. Nach der Wende Gründung mehrerer Schulen für Behinderte in der ehemaligen DDR und in Osteuropa sowie Mitbegründer einer Lehrerausbildungsstätte, des Instituts für Heilpädagogik in St. Petersburg, Russland. Michael Schnell arbeitet seit seiner Pensionierung als Bauunternehmer und veranstaltet mit seiner Frau Tango-Argentino-Workshops auf Kreta.