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Europäische VA , Hamburg Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| INHALT | ||||||
| VORWORT | 11 | |||||
| EINLEITUNG | 13 | |||||
| KAPITEL I ANGST ALS VORAUSSETZUNG DER ERBSÌNDE UND ALS RÌCK WÄRTS GEWENDETE ERKLÄRUNG DER ERBSÜNDE IN RICHTUNG AUF DE REN URSPRUNG | 26 | |||||
| § 1 Historische Andeutungen in Hinsicht auf den Begriff Erbsünde | 26 | |||||
| §
2
Der
Begriff | 30 | |||||
| § 3 Der Begriff Unschuldigkeit | 34 | |||||
| § 4 Der Begriff Sündenfall | 37 | |||||
| § 5 Der Begriff Angst | 40 | |||||
| § 6 Angst als Voraussetzung der Erbsünde und als rückwärts gewendete Erklärung der Erbsünde in Richtung auf deren Ursprung | 44 | |||||
| KAPITEL IIANGST ALS ERBSÌNDE | 50 | |||||
| § 1 Objektive Angst | 53 | |||||
| § 2 Subjektive Angst | 57 | |||||
| A. | Die Folge des Generationsverhältnisses | 58 | ||||
| B. | Die Folge des historischen Verhältnisses | 68 | ||||
| KAPITEL IIIANGST ALS FOLGE DERJENIGEN SÌNDE, WELCHE DAS AUSBLEIBEN DES SÌNDENBEWUSSTSEINS IST | 75 | |||||
| § 1 Die Angst der Geistlosigkeit | 86 | |||||
| § 2 Angst dialektisch bestimmt in Richtung auf Schicksal | 89 | |||||
| § 3 Angst dialektisch in Richtung auf Schuld | 95 | |||||
| KAPITEL IVDIE ANGST DER SÌNDEoderANGST ALS FOLGE DER SÌNDE IM EINZELMENSCHEN | 102 | |||||
| § 1 Angst vor dem Bösen | 104 | |||||
| § 2 Angst vor dem Guten (Das Dämonische) | 108 | |||||
| I. | Die Freiheit, somatisch-psychisch verloren | 124 | ||||
| II. | Die Freiheit, pneumatisch verloren | 125 | ||||
| KAPITEL VDIE ANGST, DIE DURCH DEN GLAUBEN ERLÖST | 141 | |||||
| ZUM VERSTÄNDNIS DES WERKES | 148 | |||||
| GLOSSAR | 178 | |||||
| BIBLIOGRAPHIE | 198 | |||||
VORWORT
Nach meinem Begriff tut der, der ein Buch schreiben will, gut daran, gründlich über die Sache nachzudenken, über die er schreiben soll. Er tut auch nicht übel daran, sich soweit wie möglich bekannt zu machen mit dem, was früher über dieselbe Sache geschrieben wurde. Sollte er auf diesem Wege einen Einzelnen treffen, der die eine oder andere Partie erschöpfend oder zufriedenstellend behandelt hat, dann tut er wohl daran, sich zu freuen, wie sich der Freund des Bräutigams freut, wenn er steht und auf die Stimme des Bräutigams lauscht. Wenn er dies in aller Stille und mit der Schwärmerei der Verliebtheit, die immer die Einsamkeit sucht, getan hat, dann ist nichts weiter nötig; dann schreibe er sein Buch frischweg wie der Vogel sein Lied singt; gibt es jemand, der Freude oder Nutzen dadurch hat, um so besser; dann gebe er es sorglos und unbekümmert heraus, ohne sich wichtig zu machen, als wollte er über alles Abschließendes sagen, oder als sollten alle Geschlechter der Erde in seinem Buche gesegnet werden. Jede Generation hat ihre Aufgabe und braucht sich nicht so überaus anzustrengen, um für die vorhergehende und nachfolgende alles zu sein. Jeder einzelne in der Generation hat wie jeder Tag seine Plage und genug mit sich selbst zu tun und braucht nicht alle seine Zeitgenossen mit landesväterlicher Fürsorge zu umfassen oder eine neue Ära und Epoche mit seinem Buche beginnen zu lassen, noch weniger mit dem Neujahrsaufflammen seines Versprechens oder den weit vorausschauenden Verheißungen seiner Andeutung oder dem Hinweis seiner Versicherung einer zweifelhaften Valuta. Nicht jeder, der einen runden Buckel hat, ist deshalb ein Atlas oder ist davon bucklig geworden, daß er eine Welt zu tragen hatte, nicht jeder, der «Herr, Herr!> sagt, kommt deshalb ins Himmelreich, nicht jeder, der sich anbietet, für sein ganzes Zeitalter zu bürgen, hat damit bewiesen, daß er ein zuverlässiger Mann ist, der für sich selbst einstehen kann, nicht jeder, der ruft:
Was meine eigene geringe Person angeht, so gestehe ich in aller Aufrichtigkeit, daß ich als Verfasser ein König ohne Land bin, aber auch in Furcht und vielem Zittern ein Verfasser ohne alle Ansprüche. Wenn es einer edlen Mißgunst, einer eifrigen Kritik zuviel erscheint, daß ich einen lateinischen Namen trage, dann will ich mit Freude den Namen Christen Madsen annehmen, am liebsten möchte ich als Laie angesehen werden, der wohl spekuliert, aber doch weit außerhalb der Spekulation steht, wenn ich auch devot bin in meinem Autoritätsglauben, wie der Römer tolerant war in seiner Gottesfurcht. Was menschliche Autorität angeht, bin ich ein Fetischanbeter und bete gleich fromm wen auch immer an, wenn es bloß hinreichend mit Trommelschlag bekannt gemacht wurde, daß er es ist, den ich anbeten soll, und daß er in diesem Jahr Autorität und das Imprimatur hat. Die Entscheidung geht über mein Begreifen hinaus, mag sie geschehen durch das Los oder durch Kugelwahl, oder mag die Würde reihum gehen und der Einzelne als Autorität gleichsam wie ein Bürgerschaftsabgeordneter in einer Vergleichskommission sitzen.
Weiteres habe ich nicht hinzuzufügen, außer jedem, der meine Anschauung teilt, ebenso wie jedem, der sie nicht teilt, jedem, der das Buch liest, ebenso wie auch jedem, der vom Vorwort genug hat, ein gutgemeintes Lebewohl zu wünschen!
Kopenhagen
Hochachtungsvoll Vigilius Haufniensis
Ich bin ein Mensch, wie er in einer Krise notwendig werden könnte: eine Art Probemensch, welcher das Dasein braucht, um sich wohlzufühlen.
SÖREN KIERKEGAARD
Unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis erschien 1844 Kierkegaards Der Begriff Angst mit dem Untertitel: Eine simple psychologisch-hinweisende Erörterung in Richtung des dogmatischen Problems der Erbsünde. Im Begriff Angst wird die Grenze der Freiheit, also die negative Voraussetzung des Glaubens, in ihrem «psychologischen» Aspekt beschrieben: Der Mensch vermag aus sich heraus die «Synthese des Endlichen und des Unendlichen» nicht zu setzen, obwohl er als Geist auf sie angelegt ist. Diese paradoxe Lage bezeugt sich in der Angst; denn die Angst ist unmittelbares Vorblicken auf die eigene, künftige, noch unergriffene Möglichkeit (die Möglichkeit vor Möglichkeit); sie hebt jede vermeintliche Geborgenheit im «Ästhetischen» und «Ethischen» außerhalb des «Religiösen» auf, sie isoliert die Freiheit auf ihr Genötigtsein zur Existenz.
Die als Bände 21 -25 der Reihe eva-Taschenbücher vorgelegten Schriften Sören Kierkegaards sind ein Nachdruck der zu Beginn der sechziger Jahre in der Reihe «Rowohlts Klassiker der Literatur und Wissenschaft» in 5 Einzelbänden erschienenen Auswahl, die übersetzt und jeweils mit Glossar, Bibliographie sowie einem Essay «Zum Verständnis des Werkes» von Liselotte Richter herausgegeben wurden. Damit sind wichtige Werke des dänischen Philosophen werkgetreu in der bisher als Beste gerühmten Übersetzung wieder zugänglich.