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    Expeditionen in die Südsee

    Geschichte der Berliner Südsee-Sammlung

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    Expeditionen in die Südsee
    Geschichte der Berliner Südsee-Sammlung

    Verlag:
    Reimer, Dietrich  Weitere Titel dieses Verlages anzeigen

    Erschienen: Juni 2006
    Seiten: 189
    Sprache: Deutsch
    Illustration: 160 Abb., 7 Ktn.
    Maße: 298x193x17
    Einband: Kartoniert / Broschiert
    ISBN: 3496027800
    EAN: 9783496027805

    Inhaltsverzeichnis

    © ABC Advanced Book Catalog

    Inhalt


    Vorwort7
    Einführung9
    Markus Schindlbeck
    Die Sammlungen13
    Markus Schindlbeck
    Tjurunga für die Mission: Ethnographica aus Australien43
    Markus Schindlbeck
    Unterwegs mit der Kolonialgesellschaft65
    Anette Schade
    Fragen, Sammeln, Fotografieren - Die Deutsche Marine-Expedition nach Neuirland (1907-1909)91
    Christine Suck
    Ein vergebliches Ringen in der Wildnis: Der Sammler Johann S. Kubary119
    Markus Schindlbeck
    Federmäntel und Kalebassen: Eduard Arning, Arzt und Sammler auf Hawai'i147
    Hilke Thode-Arora
    Verflochten in Beziehungen165
    Ausstellungsplan188

    Vorwort

    © ABC Advanced Book Catalog

    Vorwort


    Seit der Veröffentlichung Südsee von Gerd Koch aus dem Jahre 1969 - mit einer zweiten Auflage von 1976 - hat es keine umfassende Darstellung der Sammlung und Dauerausstellung Südsee des Ethnologischen Museums in Berlin mehr gegeben. Anlass für die hier vorgelegte Publikation ist die Überarbeitung der Dauerausstellung am Ende des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 2001 wurde das Obergeschoss, im Jahre 2004 das Erdgeschoss der Berliner Dauerausstellung Südsee in veränderter Form der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Dauerausstellungen haben ihre eigenen Lebenszeiten, im Allgemeinen rechnete man bisher mit einem Zeitraum von einer Generation, also ungefähr 25 Jahren. Damit war die Dahlemer Südsee-Ausstellung, die 1970 eröffnet worden war, längst überfällig geworden. Andere größere Südsee-Ausstellungen, wie in Stuttgart, Köln, Basel oder Chicago, sind im gleichen Zeitraum teilweise schon mehrmals erneuert worden. Vor allem aus technischen, aber auch aus konservatorischen und wissenschaftlichen Gründen war eine Überarbeitung dringend geboten.

    Hauptgedanke bei der inhaltlichen Neugestaltung war, die Gegenstände in einen stärkeren historischen Kontext einzubauen. Während Gerd Koch noch von einem voreuropäischen Zustand spricht, den die Ausstellung repräsentieren sollte, so lässt sich nach heutigem Wissensstand dies nicht mehr rechtfertigen. Sehr viele Sammelreisen sind gerade viele Jahrzehnte nach der ersten Ankunft der Europäer unternommen worden, wie die Ausführungen in diesem Band zeigen. Die in den letzten Jahrzehnten vermehrt durchgeführten Untersuchungen zur Sammlungsgeschichte haben vor allem auf die Veränderungen hingewiesen, die in der Herstellung von materiellen Gütern während der Zeit der Europäisierung stattgefunden haben. Das Bildmaterial innerhalb der Ausstellung soll diese historische Kontextualisierung betonen. Die innen oder außen an den Rückwänden der Vitrinen fixierten, meist großformatigen Reproduktionen von Stichen berichten von der imaginierten Welt der Europäer zu Beginn der Begegnung mit meist unverstandenen Kulturen. Die kleinformatigen Fotografien innerhalb der Vitrinen dagegen verweisen auf die Zeit der Sammlungsentstehung, sie zeigen eine schon im Äußerlichen veränderte Welt. Ausgewählte Original-Fotografien heben im Wechsel dazu besondere Personen, Fotografen und historische Ereignisse hervor. In die Gegenwart dagegen führen die Vergrößerungen von fotografischen Arbeiten von Sabine Sauer und Marie-Helene Villierme. Damit möchte ich die herausragende Bedeutung, welche die Fotografie im ethnologischen Museum früher und auch heute einnimmt und parallel zu den ethnographischen Sammlungen immer gehabt hat, den Museumsbesuchern vor Augen führen. Einige dieser historischen Fotografien sind auch in diesem Band wiedergegeben.

    Vor kurzem ist in dem weit verbreiteten Nachrichtenblatt der Oceanic Art Society (Bd. 10, 2, 2005) die Berliner Südsee-Ausstellung als "Mother Museum" der Südsee-Kunst genannt worden, und tatsächlich ist sie in ihrer Größe und Ausführlichkeit einmalig in der Welt. Die Überarbeitung und Neugestaltung 2001/04 hat zusätzlich gegenüber 1970 die Gesamtfläche um 300 qm auf 3300 qm erhöht, allerdings wurde der enzyklopädische Ansatz von Gerd Koch -jedem Inselstaat oder jeder Kulturregion eine Vitrine - zugunsten einer Heraushebung der Sammlungsschwerpunkte (Sepik-Gebiet, Neuirland, Hawai'i) aufgegeben. Andererseits wurden Objekte zu Themengruppen zusammengefasst: Schifffahrt, Architektur, Töpferei, Geld und Tausch, Methoden des Memorierens, Mensch und Tier, Religion, Wirtschaftsformen, Schmuck und Masken. Ein Überblick der verschiedenen Kunstformen Melanesiens steht am Beginn der Ausstellung, Australien wird anhand von Zentralaustralien, einem Vergleich von Schilden und einer gerafften Präsentation der Sammlungsgeschichte vorgestellt.

    Im Obergeschoss weist eine Galerie der zeitgenössischen Kunst Ozeaniens auf die Gegenwart hin, die mit den übrigen Sammlungsbeständen aus der Südsee nur wenig repräsentiert werden kann. Schwerpunkte bilden hier die Arbeiten aus Australien und Neuseeland, die erst in den letzten Jahrzehnten erworben werden konnten. Seit der Jahrhundertwende ist leider die eigene Sammlungstätigkeit des Ethnologischen Museums wegen fehlender Mittel fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die hier vorgestellten neuen Erwerbungen auf Niue konnte nur dank Spenden ermöglicht werden. Sammlungsarbeit bildete bisher einen wesentlichen Teil der Aktivitäten des Berliner Museums, noch ganz in der Tradition von Adolf Bastian, dem Begründer des Museums, stehend. Auf ähnlicher Tradition bauten auch die großen Dauerausstellungen anderer Regionen des Berliner Völkerkunde-Museums auf, die umfassend über die Kulturen und nicht nur über aus dem Kontext herausgelöste Kunstobjekte informieren wollten. Die Zukunft wird weisen, ob in dem geplanten Humboldt-Forum bzw. Berliner Schloss auch wirklich an das Erbe von Alexander von Humboldt, auf dem Bastian ja gebaut hatte, mit seinem universalen Anspruch und dem Impetus auf eine wissenschaftliche Durchdringung der Welt, angeknüpft werden kann.


    März 2006Markus Schindlbeck