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Spektrum-Akademischer Vlg Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhalt | ||||||
| Vorwort oder "Warum der Blick zurück?" | 9 | |||||
| 1. | Milzbrandentdecker Robert Koch entgeht feuchtem Grab | 14 | ||||
| Robert
Koch
züchtet
Anthrax
in
Reinkultur
-
Millionenschäden
durch
Milzbrand;
ohne
Therapie
auch
heute
noch
tödlich
-
Die
vier
Henle-Kochschen
Postulate - Rudolf Virchow verweigert Anerkennung - Entdeckung des Tuberkelbazillus - Expeditionen zur Seuchenbekämpfung Auf einen Blick: Milzbrand, Tuberkulose | ||||||
| 2. | Geburtstag des Deutschen Kolonialreiches: 24. April 1884 | 28 | ||||
| Fregatte
"Novara"
auf
Weltreise
-
Bismarck
gibt
Widerstand
gegen
Erwerb
von
Kolonien
auf-Rochus
Schmidt
schwer
verletzt,
trinkt
eigenes
Blut
aus
Stiefel -Journalist der Kölnischen Zeitung ohne Lebensversicherung unter Kannibalen - Neven du Mont Berg - Machtmißbrauch durch Kolonialbeamte - Guter Rat aus England: keine Kolonien! | ||||||
| 3. | Seuchenbekämpfung in den Kolonien - aussichtslos? | 46 | ||||
| Nocht
gewinnt
Kampf
um
Institut
für
Tropenkrankheiten
-
Ärzte
im
Kolonialdienst
-
Was
verdient
ein
Sanitätsoffizier?
-
Knappe
Kassen
behindern
Gesundheitsdienst
-
Robert
Koch
weckt
öffentliches
Interesse
an
Expeditionen -Wie ein Gifthauch liegt die Malaria über den schönsten Kolonien | ||||||
| 4. | Kolonial- und Reisefieber | 54 | ||||
| Werbung
für
Kolonialtourismus
und
die
Erika-Reiseschreibmaschine - Expeditionsausrüstungen auf dem Prüfstand - Pickelhaube als Vorbild für den Tropenhelm - Agar-Agar - Eigentumsrechte an Expeditionsfotos - Lebensregel: Ausbildung des Gefühls absoluter Wurschtigkeit - Dr. Kades Tropenapotheke - Etikette für Schiffsreisen - Askaris sichern Expeditionen | ||||||
| 5. | Die Cholera bedroht Europa - wieder einmal | 78 | ||||
| Koch-Expedition in Ägypten und Indien - Nährböden entscheiden Wettlauf mit französischen Forschern - Choleranachweis im Trinkwasser - Mit Kleinbahn in das Hochland von Darjeeling - Pettenkofer will Harmlosigkeit des Cholerabazillus durch Selbstversuch beweisen - Erfolge steigern Ansehen tropenmedizinischer Einsätze Auf einen Blick: Cholera | ||||||
| 6. | Sanitätsoffiziere als Expeditionsbegleiter | 92 | ||||
| Werner
Steuber
und
Friedrich
Fülleborn
-
Europäerschießen
in
Ostafrika - Antimalariagetränk: Chinin mit dem Saft wilder Limonen - Blutproben bei feindlichen Stämmen - Berliner Tiermaler wehrt Aufständische ab - Speischlangen - Als Meeresbiologe auf Bananenfloß Auf einen Blick: Erblindung durch Speischlangen | ||||||
| 7. | Im besten Mannesalter wider die Pest | 104 | ||||
| 17-jährige
"fesselt"
Robert
Koch
-
Hilfeersuchen
aus
Indien
-
Beulen
und
Lungenpest
-
Englisch-Japanisches
Zusammenspiel
gegen
gebürtigen
Schweizer
-
Erfolgreich,
weil
Brutschrank
fehlt?
-
Deutsche
Pestkommission
in
Indien
-
Flöhe
als
Pestüberträger
-
Pestherd
in
Deutsch-Ostafrika? - Zupitza unternimmt für Koch dreimonatigen Fußmarsch Auf einen Blick: Pest | ||||||
| 8. | Seuchenspezialist an der Malaria front in Neuguinea | 126 | ||||
| Vorstudien in Italien - Aufsehen in der deutschen Kolonie: kokette Schauspielerin an der Seite eines älteren Wissenschaftlers - Chininprophylaxe und Immunität - Robert-Koch-Geysir - Wie ist der "Menschenfraß" zu verstehen? - Goldene Worte Auf einen Blick: Malaria, Frambösie, Syphilis | ||||||
| 9. | Auch Robert Koch infiziert | 148 | ||||
| Dempwolff setzt Expeditionsarbeit in Neuguinea fort - Boluminski mit kleiner List erfolgreich - Malariarezidiv quält Koch - Einladung der englischen Regierung nach Rhodesien - Fern der Heimat, befreit von Freund und Feind - Nobelpreis, Pour le Mérite - Schlafkrankheits-Expedition nach Ostafrika noch "secret" | ||||||
| 10. | Erster Fall von Creutzfeldt-Jakob in Neuguinea? | 162 | ||||
| Emil
Stephan
auf
S.M.S.
"Möwe"
-
Reichsmarine
sichert
deutsche
Interessen - Kanaker trepanieren Schädel - Prophylaktische Schädelöffnung bei Kopfschmerzen - Fieberschub als Magenverstimmung interpretiert - Stephans Tod in Namatanai -"Reflexe erhöht, Klonus, Verstand fortgegangen" - Creutzfeldt veröffentlicht 15 Jahre später eine ähnliche Krankengeschichte | ||||||
| 11. | Schlafkrankheits-Expedition nach Deutsch-Ostafrika | 178 | ||||
| Seuche
im
Vormarsch
-
Zu
den
Seseinseln
im
Viktoriasee
-
Kampf
gegen
Moskitos
bei
jämmerlicher
Verpflegung
-
Krokodile
als
Überträger?
-
Koch
von
Sandflöhen
gepeinigt
-
Neues
Medikament
erfolgreich
gegen
sonst
tödliche
Krankheit
-
Kitasato
bereitet
seinem
Lehrer
triumphalen
Empfang
in
Japan Auf einen Blick: Schlafkrankheit, Tungiasis | ||||||
| 12. | Stiftung chartert Forschungsdampfer | 200 | ||||
| Generalstabsplan
für
Hamburger
Südsee-Expedition
-
Fadenwurmspezialist
Fülleborn
übernimmt
erstes
Jahr
-
Mit
105
Patronen
im
Inneren
von
Neupommern
-
Filariendurchseuchung
-
Zweiter
Expeditionsabschnitt
1909/1910
unter
Krämer
-
Schlendrian
beendet
und
Sitzordnung
geklärt
-
Ehefrau
an
Bord - Archäologische Meisterleistung auf Lölö Auf einen Blick: Tropische Elephantiasis | ||||||
| 13. | Als Augenarzt in der Südsee | 222 | ||||
| Alfred
Leber
und
Stanislaus
von
Prowazek
am
Institut
für
Infektionskrankheiten - Vom Mumu-Fieber auf Samoa befallen - Erstbeschreibung von Netzhautveränderungen bei Elephantiasis - Fotos aus dem Nachlass von Parkinson? - Tod von Prowazek - Bekanntschaft mit Maler Emil Nolde - Berühmter Onkel: Theodor Leber Auf einen Blick: Gonorrhoe (Tripper) | ||||||
| 14. | Letzte Neuguinea-Expedition mit Maler Emil Nolde | 244 | ||||
| Warum stirbt die indigene Bevölkerung aus? - Ludwig Külz: Tropenarzt und Forscher im Busch - Augenarzt Leber kann Tod von Expeditionsmitglied nicht verhindern - Nolde porträtiert mit entsichertem Revolver - Kaisers Stellvertreter auf einer Südseeinsel - Besorgniserregende Botschaft aus der Heimat Auf einen Blick: Onchozerkose (Flussblindheit), Typhus abdominalis | ||||||
| 15. | Attentat in Sarajewo - Krieg und Ende der Kolonialzeit | 284 | ||||
| Deutsches Geld und Schiffsbilletts plötzlich wertlos - Heimreise von Leber, Zwanzger und Dauthendey am 6.8.1914 in Amboina gestoppt - Noldes verkaufen Jagdgewehr und Paradiesvogel in Port Said | ||||||
| 16. | Expeditionsmitglieder auf der Flucht | 290 | ||||
| Detzner,Thurnwald,
Külz
bei
Kriegsanbruch
im
Kaiser-Wilhelms-Land -Träger auf der Flucht getötet und verspeist-Thurnwald entdeckt Sepikquellbecken - Basislager geplündert - Külz und die verlorenen Schätze der Expedition - Britischer Geheimdienst fängt Berichte ab | ||||||
| 17. | Der "lachende Tod", Erbe der Kolonialzeit? | 304 | ||||
| Schafkrankheit
Scrapie
seit
1730
bekannt
-
Gajdusek
in
Neuguinea - Krankheitsbild: Schüttellähmung-Kannibalismus während des 2. Weltkrieges - Film über Menschenfresserei unter Verschluß - BSE, Kuru und Creutzfeldt-Jakob lassen sich übertragen - Spongiforme Enzephalopathien: Prionkrankheiten - The last case ever? | ||||||
| 18. | Was hat heute noch Bedeutung? | 324 | ||||
| Anhang | 331 | |||||
| Bildnachweise | 332 | |||||
| Literaturverzeichnis | 340 | |||||
| Namensverzeichnis | 370 | |||||
| Dank | 377 | |||||
| Die Autoren | 378 | |||||
Vorwort oder
"Warum der Blick zurück?"
Wer heute "Kolonialpolitik" hört, verbindet mit diesem Begriff die Zeit von auswärtigem Besitztum eines Staates und die Ansiedlung von Menschen in diesen Kolonien, noch mehr jedoch die Vorstellung von Unterdrückung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung.
Kaum bewusst ist, dass mit der Kolonialgeschichte die Tropenmedizin gewaltige Fortschritte machte, die allen Menschen zu Gute kam. Immer wieder auftretende Epidemien mit Tausenden von Toten wurden Dank der tropenmedizinischen Entwicklung wirksam bekämpft. Das rätselhafte Auftreten von Epidemien konnte durch Erkennen der Übertragungswege der Mikroorganismen weitgehend eingedämmt werden. Über Jahrtausende waren Seuchen als Bestrafung oder unabänderliches Phänomen betrachtet und vielfach mythologisch gedeutet worden.
Aufbauend auf den ersten Erkenntnissen, vor allem auch deutscher Tropenmediziner, setzte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert eine anhaltende explosive Entwicklungsphase ein, die als ein Königsweg in der Medizingeschichte anzusehen ist. Die hier beschriebenen Wissenschaftler sind große Persönlichkeiten, deren Ringen um die Probleme durch kleine Originalbeiträge deutlich gemacht wird. Ihre Begeisterung, vielleicht auch ihr brennender Ehrgeiz zu wissenschaftlicher Leistung war so groß, dass sie sowohl ihre Gesundheit als auch in vielen Fällen ihr Leben aufs Spiel setzten. Und nur aus diesem Blickwinkel heraus ist zu verstehen, dass wissenschaftliche Kolonialexpeditionen gewagt wurden, die aus damaliger und auch heutiger Sicht als Himmelfahrtskommandos zu bezeichnen sind.
Bis zur Gründung des neuen Deutschen Reiches im Jahre 1871 konnten nur England und Frankreich auf umfangreichen Kolonialbesitz zurückgreifen. Hingegen wurde anfänglich im Deutschen Reich sogar eine strikt antikoloniale Politik verfolgt. Doch durch den erfolgten Wandel von einer Agrar zur Industriegesellschaft folgte nahezu zwangsweise ein Umdenken, da neue Rohstoffquellen und Absatzmärkte erschlossen werden sollten. Mit deutscher Gründlichkeit rückte das Deutsche Reich sehr rasch in die vorderste Reihe der Kolonialmächte auf und verfügte innerhalb weniger Jahre über Gebiete in Afrika, Asien und in der Südsee, die wirtschaftlich nutzbar gemacht werden sollten. Doch ein großes Problem war der bedrohliche Hygienestandard dieser Länder, verbunden mit Arbeitermangel bei sehr hoher Bevölkerungssterblichkeit. Durch den gleichzeitig einsetzenden und stetig zunehmenden Güterverkehr verbunden mit einem wachsenden "Weltreiseverkehr" - sicherlich nicht zu vergleichen mit der heutigen globalen Reisefreudigkeit - wurde die Gefahr der Einschleppung von alten und neuen Seuchenerregern in das Mutterland erheblich vergrößert .
Gleichzeitig entwickelten sich im Mutterland, bedingt durch die Landflucht, so genannte Slums mit medizinisch unterversorgten Industriearbeitern. Diese Eilendsviertel bildeten einen idealen Nährboden nicht nur für die unbesiegten einheimischen Seuchen wie Tuberkulose, Diphtherie, Pocken und Kinderlähmung, sondern auch für eingeschleppte Erreger wie die der Pest oder Cholera, die 1892 Hamburg im Würgegriff hielt und Tausende von Todesopfern forderte.
Mit dem Fortschreiten der biologischen und chemischen Kenntnisse sowie der Entdeckung neuer physikalischer Messmethoden entwickelte sich zugleich aus einer beschreibenden eine experimentelle Wissenschaft, die es ermöglichte, innerhalb von nur vierzig Jahren - von etwa 1870 bis 1910 - alle wichtigen bakteriellen und parasitären Erkrankungen nachzuweisen. Lediglich die Viren blieben wegen ihrer submikroskopischen Größe noch verborgen.
Durch die vielfältigen und auch rasch aufeinander folgenden Entdeckungen entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, die gefürchteten Geißeln der Menschheit seien handhabbar, man könne sie zähmen und durch Medikamente oder hygienische Maßnahmen vernichten. Dies verführte1 zu einem weltweiten Wissenschaftsoptimismus, nach dem Mott Wir haben alles im Griff! In der Tat wartet heute die biomedizinische Forschung täglich mit Höchstleistungen auf. Während es nach der europäischem Erstbeschreibung der Syphilis im Jahre 1494 über vierhundert Jahre bis zur Entdeckung des Erregers dauerte, war bei der erst vor wenigen Jahren erkannten neuen Seuche AIDS schon innerhalb kürzester Zeit der Erreger bestimmt. Trotzdem gibt es bisher keine wirksame Therapie und die Plage breitet sich weiter aus! Auf der anderen Seite beschwört die Beherrschbarkeit der in der Gründerzeit entdeckten Erreger eigene und neue Gefahren: In falschen Händen - in denen von Terroristen, nach Macht strebenden Politikern oder Militärs - können sie zu einer "Büchse der Pandora" werden und Millionen von Menschen töten. Dies belegen d ie Anschläge mit Milzbrandsporen 2002 in den USA und die UNO-Suchaktionen nach Biowaffen im Irak. Der 1876 erstmals in Reinkultur gezüchtete Milzbranderreger gilt heute als eine der gefährlichsten biologischen Waffen überhaupt. Zwar stehen wirksame Therapeutika zur Verfügung, d ie aber nur hellen, wenn der Erreger frühzeitig identifiziert und nicht genetisch manipuliert ist. Nach einer jüngsten Gefahreneinschätzung der US-Armee lässt sich Anthrax einfach produzieren und ohne besondere Vorkehrungen als biologischer Kampfstoff einsetzen. Die Sporen können als Pulver gelagert, in Sprengköpfe gefüllt oder als Aerosol versprüht werden. Wegen der unspezifischen Symptome wie Fieber, Husten und Kopfschmerzen, die an eine Grippe erinnern, ist eine frühe Diagnose schwierig. Der Tod tritt aber mitunter innerhalb weniger Stunden ein. Zu dem biologischen Kampfstoffen zählen außerdem die schon lange bekannten Erreger von Pocken, Pest und Botulismus. Der Vorwurf, solche "Schurken-Waffen" zu besitzen, diente im Jahre 2003 als Teilargument für einen militärischen Präventivschlag gegen den Irak.
Die fortschreitende Globalisierung steigert auch die Gefahr der Seuchenverbreitung. Scheinbar schon besiegte Krankheiten kehren zurück oder stehen auf dem Sprung, dies zu tun. Das Auftauchen neuer Erreger, wie Ebola-Viren und Prionen zeigt, dass kein Anlass zur Selbstgefälligkeit und optimistischen Vorstellung besteht, die Seuchen ausrotten zu können. So schreckten kürzlich Meldungen aus China von einer neuen Lungenkrankheit, verursacht von einem nicht genau identifizierten Virus mit hoher Sterblichkeitsrate, weltweit die Staaten auf. Das Stadtbild von Peking war geprägt von der Seuchenangst, selbst die Hotelpagen trugen Schutzmasken. Schlagzeilen wie "SARS führt zu ersten Panikreaktionen in Peking" oder "Peking vertuschte Hunderte von SARS-Krankheitsfällen" bestimmten die Titelseiten'". Am 28. April 2003 meldete "Die Welt", dass diese Seuche des so genannten Schweren Akuten Respiratorischen bzw. Atemwegs-Syndrom (SARS) gefährlicher sei als bisher angenommen und wie das Beispiel Kanada mit mehreren Toten zeige, hoch entwickelte Länder ebenso bedroht seien wie Asien. Man befürchtete, die Seuche könnte sich über Flugpassagiere weltweit verbreiten. Der Reiseverkehr wurde daraufhin stark eingeschränkt, Flüge gestrichen, öffentliche Gebäude und Schulen geschlossen.
Im Zeichen solcher Bedrohungen und plötzlich auftretender, hochgefährlicher und sich weltweit schnell ausbreitender Krankheiten, finden kulturpessimistische Einstellungen, wonach das Zeitalter der Globalisierung das Zeitalter der universellen Ansteckung sei(2) , große Anhängerscharen. Andererseits erscheinen die Leistungen der damaligen Seuchenpioniere in einem neuen Licht und es verstummen die jahrzehntelang wiederholten Anwürfe, sie seien Handlanger des Kolonialimperialismus gewesen.
In der vorliegenden Publikation versuchen wir die oft lebensgefährlichen, mit dem Untertitel "Himmelfahrtskommandos" sicher zu Recht überschriebenen Expeditionen der damaligen deutschen Forschergilde nachzuzeichnen. Vielleicht sollte sich der Leser die Frage vorlegen, ob er bereit wäre, für zwei Jahre, zu Fuß und im Zelt lebend, klimatisch extreme Gebiete zu bereisen, in denen die Bevölkerung zu Millionen an oftmals unbekannten Erregern stirbt, gegen die es keine Medikamente gibt.
Lassen sie uns mit diesem Buch die großen wissenschaftlichen Ergebnisse und den persönlichen Einsatz der Expeditionsteilnehmer würdigen, indem wir aus ihren Tagebüchern, Briefen und heute kaum noch zugänglichen Publikationen, deren Illustrationsseiten oft herausgerissen sind, berichten. Zusammenfassende Darstellungen der wesentlichen tropenmedizinischen Krankheiten am jeweiligen Schluss eines Kapitels schlagen die Brücke zum derzeitigen Wissensstand.
Welche Ausrüstungsgegenstände und Lebensmittel galt es mitzunehmen, bei wem bestellte man die Reiseapotheke, wie schützte man sich vor Malaria und Schlafkrankheit? Konnte man die Expedition fortsetzen, obwohl ein oder mehrere Mitglieder schwer erkrankt waren? Und stets die quälende Frage im Gepäck: Werde ich den wissenschaftlichen Wettlauf um die Entdeckung des Krankheitserregers gewinnen? Wie von selbst werden Bezüge zu Heute ins Auge fallen.
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei diesem Rück- und Ausblick auf alte und doch neue Forschungshorizonte!
Johannes W. Grüntzig, Heinz Mehlhorn
Düsseldorf, im Dezember 2004
Rückkehr ungewiss...
Kaum jemandem ist heute bewusst, dass im Zuge der - politisch so fragwürdigen - Kolonialgeschichte die Tropenmedizin gewaltige Fortschritte machte, die der gesamten Menschheit zu Gute kamen. Vor allem deutsche Forscher leisteten hier Pionierarbeit. Das vorliegende Buch versucht, die aufregenden Entwicklungen jener Jahrzehnte nachzuzeichnen, als wagemutige Mediziner sich auf oft abenteuerlichen Expeditionen zu den Ursprüngen der Seuchen begaben. Dabei setzten diese Persönlichkeiten in ihrer Begeisterung-vielleicht auch in ihrem brennenden Ehrgeiz zu wissenschaftlicher Leistung - nicht nur ihre Gesundheit, sondern in vielen Fällen sogar ihr Leben aufs Spiel. So lassen sich manche der wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen jener Zeit wohl nur als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr charakterisieren.
Die Ergebnisse dieser medizinischen Forschungsreisen waren bahnbrechend. Erstmals konnte man gezielte Maßnahmen gegen immer wieder auftretende Epidemien mit Tausenden von Toten ergreifen. Indem man Mikroorganismen als Auslöser erkannte und ihre Übertragungswege aufklärte, mussten Seuchen nicht länger mythologisch gedeutet werden.
Mit der zunehmenden Kolonialwirtschaft und dem aufkeimenden Tropentourismus fanden aber die Erreger auch den Weg in die Mutterländer der Kolonien - eine Entwicklung, die mit dem heutigen globalen Fernreiseverkehr eine neue Dimension gewonnen hat. Indem dieses Buch einen Blick zurück in jene wissenschaftlich turbulenten 40 Jahre zwischen 1870 und 1910 wirft, beleuchtet es zugleich die Herausforderungen, vor die uns die vielfältigen Infektionskrankheiten und ihre wandlungsfähigen Erreger auch heute noch stellen.
Lektionen der Vergangenheit... für die Seuchenbekämpfung heute
Mit einem wissenschaftlichen Paukenschlag eröffnet Robert Koch 1876 den Kampf gegen die gefährlichsten Krankheiten seiner Zeit. Berlin wird das logistische Zentrum für bahnbrechende Experimente und Expeditionen. Ob in Choleraleichen am Ganges oder in den Zecken an den Karawanenstraßen Afrikas, überall spüren "Mikrobenjäger" nach den Ursachen der Seuchenzüge. Neue Medikamente und vorbeugende Maßnahmen der Hygiene erleichtern das Leben in den Tropen. Fernreisen und Kolonialwirtschaft boomen.
Jene aufregende Zeit wird in dem ungewöhnlichen Buch des Arztes Johannes W. Grüntzig und des Parasitologen Heinz Mehlhorn wieder lebendig. Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und weiteren, oft schwer zugänglichen Quellen gelingt es den Autoren, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910 zu zeichnen. In diesen wenigen Dekaden vermochten entschlossene Forscher in den Kolonien die Auslöser und Übertragungswege vieler gefürchteter Tropenkrankheiten aufzuklären - Grundlage für eine effektive Seuchenbekämpfung auch in den Mutterländern.
Die Autoren belegen in dem spannend geschriebenen und mit zahlreichen historischen Aufnahmen ausgestatteten Buch zudem, welche Bedeutung die damaligen wissenschaftlichen Durchbrüche für den heutigen Kampf gegen aktuelle Epidemien haben, sei es nun AIDS, BSE oder SARS. Manch ein medizinisches "Himmelfahrtskommando" jener Zeit mag sich so als segensreich für gesundheitspolitische und seuchenmedizinische Entscheidungen im 21. Jahrhundert erweisen.
ELSEVIER
SPEKTRUM AKADEMISCHER VERLAG
ISBN 3-8274-1622-1
ISBN 978-3-8274-1622-3
www.elsevier.com
www.elsevier.de
Die Autoren
Johannes W. Grüntzig
wird am 24. Dezember 1937 in Dresden geboren. Er studiert Medizin in Heidelberg, verbunden mit einer tropenmedizinischen Ausbildung bei Ernst Rodenwaldt und Helmut J. Jusatz. Nach Ethnologiestudium und Felduntersuchungen über den Indigenismus in Mexiko wird er Assistent am Institut für Sozialmedizin in Hannover und leitender Stabsarzt der Abteilung Ergonomie am Schifffahrt medizinischen Institut der Marine in Kiel. Seit 1970 unternimmt er als Ophthalmologe mehrere tropenmedizinische Forschungsreisen. In dieser Zeit (1075) entsteht in Kamerun sein mehrsprachiger Lehrfilm über den Augenwurm "Loa loa". Er habilitiert 1078 in Düsseldorf und wird 1982 zum Professor für Augenheilkunde ernannt. Es folgen gemeinsame Arbeiten mit Heinz Mehlhorn über Fadenwürmer, mit Dietrich W. Büttner und Eberhard. J. Albiez vom Tropeninstitut Hamburg über die "Flussblindheit" in Liberia und Burkina Faso.
Heinz Mehlhorn
wird am 30. September 1944 in Aussig/Sudetenland geboren. Er studiert Biologie und Chemie in Bonn, ist Mitarbeiter bei Gerhard Piekarski und habilitiert. 1975 in Düsseldorf. Zwei Jahre später erfolgt die Ernennung zum Professor für Parasitologie. Seit 1981 ist er Chefeditor der internationalen Zeitschrift "Parasitology Research ´´ Von 1991 bis 1995 ist er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie und Präsident der Weltgesellschaft für Protozoologie. Er übernimmt mehrere Gastpofessuren im Ausland und leitet Forschungsexpeditionen in Afrika und Asien. Im Jahre 2000 beteiligt er sich an der Jahrtausendexpedition des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung in die Antarktis. Durch zahlreiche Fernsehbeiträge über Parasiten und ihre Bekämpfung wird er einem breiten Publikum bekannt. Er ist Lehrstuhlinhaber und Leiter des Instituts für Zoomorphologie, Zellbiologie und Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Johannes W. Grüntzig ist Professor für Augenheilkunde und praktizierender Augenarzt in Düsseldorf. Nach dem Studium war er zunächst Assistent am Institut für Sozialmedizin in Hannover und anschließend leitender Stabsarzt der Abteilung Ergonomie am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kiel. Mehrere tropenmedizinische Forschungsreisen haben den Ophthalmologen nach Kamerun, Liberia und Burkina Faso geführt.
Heinz Mehlhorn ist Professor für Parasitologie und Leiter des Instituts für Zoomorphologie, Zellbiologie und Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Von 1991 bis 1995 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie wie auch der Weltgesellschaft für Protozoologie. Mehrere Gastprofessuren und Forschungsexpeditionen haben ihn nach Afrika und Asien geführt. Im Jahre 2000 nahm er an der Jahrtausendexpedition des Alfred-Wegener-lnstituts für Polarforschung in die Antarktis teil. Mehlhorn zählt zu den angesehensten Parasitologen in Deutschland und ist durch zahlreiche Fernsehbeiträge über Parasiten und ihre Bekämpfung einem breiten Publikum bekannt.
Eine sehr lesenswerte und anregende Veröffentlichung für alle tropenmedizinische, seuchenhistorisch und/oder politisch-historisch Interessierte - nicht zuletzt auch im öffentlichen Gesundheitsdienst. Blickpunkt öffentliche Gesundheit Das Buch schildert facetten- wie auch farbenreich das unheilvolle Zusammentreffen von Parasiten mit überforderten europäischen Immunsystemen. Ärzte Woche Mit der Auswertung von Tagebüchern, Briefen und weiteren, oft schwer zugänglichen Quellen gelingt es den Autoren, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910 zu zeichnen. (...) Herzlichen Glückwunsch für das gelungene - und preiswerte - Werk der Kollegen. Der Augenarzt Ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910. Der Allgemeinarzt Die Autoren haben es verstanden, mit großer Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen wichtige Expeditionen vor dem Leser wieder erstehen zu lassen. Die Texte sind lesbar und so geschrieben und so geschrieben, dass auch andere interessierte Kreise dieses Buch mit Gewinn zur Hand nehmen können. Die Abbildungen sind durchweg von hoher Qualität und verdeutlichen die geschriebenen Informationen. Die Ausstattung des Buches sowie Druck und Papier sind einwandfrei. Der Preis kann nur als erstaunlich günsitg bezeichnet werden. Der Mikrobiologe Ein sehr interessantes gut zu lesendes und umfassend recherchiertes Buch, das eine gelungene Kombination aus Wissenschaft und Geschichte der deutschen Kolonialzeit liefert. Pharmazie Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und Quellen staatlicher und privater Archive gelang es ihnen, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlichen Expeditionsfiebers des 19. und 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Autoren verstehen es ausgezeichnet, die Verknüpfung politisch-ökonomischer Schachzüge mit persönlichem Idealismus einzelner Forscher und der Misere seuchenheimgesuchter Bevölkerungen darzustellen. Osnabrücker Zeitung Es begegnen einem Robert Koch, Bernhard Nocht, Jesco von Puttkamer und viele andere bekannte Namen; das im besten Wortsinne populärwissenschaftliche Buch vermag durch den Text zu fesseln, analysiert seltene Quellen und bietet hochinteressante Fotografien zu Expeditionen, aber auch Erregern und Erkrankungen. Angesprochen sind geschichtlich und (tropen-)medizinisch Interessierte gleichermaßen, denn es gelingt eine Mischung aus Geschichts- und Medizinbuch, die sich wie ein Abenteuerroman liest, aber dennoch authentisch ist. Dass das Buch zudem noch in hervorragender Ausstattung zu einem günstigen Preis vorliegt, lässt den Kauf umso empfehlenswerter werden. Medibook Das vorliegende Buch zeigt die aufregenden Entwicklungen der Medizin in der damaligen Zeit und bietet einen Einblick in die Risiken, die die Forscher auf sich nahmen: Die wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen stellten sich oft genug als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr heraus. In insgesamt 18 Kapiteln beschreiben die Autoren, unterlegt von zahlreichen historischen Aufnahmen, wie z.B. Robert Koch nicht nur den Milzbranderreger in Reinkultur züchtet, sondern auch eine Chiningabe als Malaria-Prophylaxe in den Kolonien empfiehlt und maßgeblich an der Identifizierung des Choleraerregers beteiligt ist, aber auch in Max von Pettenkofer einen erbitterten wissenschaftlichen Widersacher findet. Dabei gelingt es den Autoren, die damaligen technischen aber auch zum Teil politischen Schwirigkeiten sehr anschaulich zu beschreiben - nicht zuletzte durch zahlreiche zitierte Textpassagen. Als Leser fühlt man sich praktisch in diese Zeit "entführt" und erlebt die Expeditionen quasi mit. Fazit: Ein sehr interessantes, sehr gut lesendesund umfassend recherchiertes Buch, das eine gelungene Kombination aus Wissenschaft und Geschichte der deutschen Kolonialzeit liefert. Pharmazie in unserer Zeit Kein Buch, um in einem Rutsch durchgelesen zu werden, aber ein Buch, das die eine oder andere Nacht schon mal kürzer ewrden lässt. Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewand