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    Heilige Gräber in Tirol

    Nordtirol - Osttirol - Südtirol. Mit Beiträgen von Franz Caramelle, Herlinde Menardi, Waltraud Kofler-Engl, Herta Arnold-Öttl u.a.

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    Heilige Gräber in Tirol
    Nordtirol - Osttirol - Südtirol. Mit Beiträgen von Franz Caramelle, Herlinde Menardi, Waltraud Kofler-Engl, Herta Arnold-Öttl u.a.

    Verlag:
    Tyrolia Verlagsanstalt Gm  Weitere Titel dieses Verlages anzeigen

    Erschienen: Januar 2009
    Seiten: 350
    Sprache: Deutsch
    Illustration: 250 großteils ganzseitige farb. Abb.
    Maße: 302x250x35
    Einband: Leinen (Buchleinen)
    ISBN: 3702229256
    EAN: 9783702229252

    Inhaltsverzeichnis

    Inhaltsverzeichnis
    Vorwort7
    Die Entwicklung der Heiligen Gräber in Tirol11
    Katalog der Heiligen Gräber (in alphabetischer Reihenfolge nach Gemeinden geordnet)27
    Künstlerbiografien311
    Vorschläge zu einer Einbindung des Heiligen Grabes in die österliche Liturgie324
    Autoren- und Autorinnenverzeichnis327
    Glossar328
    Abbildungsnachweis331
    Literaturverzeichnis332
    Routenvorschläge335



    Vorwort

    Vorwort

    Die Entstehung der sogenannten Heiligen Gräber verdanken wir dem Bedürfnis der heimischen Bevölkerung, die Passion und Auferstehung Jesu möglichst authentisch nachzuvollziehen und mitzuerleben. Seit dem Mittelalter gibt es bewegliche und unbewegliche Sepulchra. Die beweglichen, nur während der Karwoche bzw. in der Osterzeit aufgestellten Heiligen Gräber bestanden zunächst lediglich aus einer Grabliegerfigur und einer schreinartigen Truhe. Erst im Barock erhielten sie die heute bekannte Form mit in der Tiefe gestaffelten Kulissenbögen.

    Unter Kaiser Joseph IL wurden die Heiligen Gräber 1782 als "Sensationen", die die wahre Andacht behindern, verboten. So fielen zahlreiche Barockheiliggräber den josephinischen Reformen und der bayerischen Herrschaft (1805-1814) zum Opfer. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem erneuten Aufschwung, der erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein jähes Ende fand.

    Seit Beginn der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts ist in Tirol eine wahre Renaissance der Heiligen Gräber festzustellen. Zahlreiche Gräber wurden wiederentdeckt und die kunstvollen Kulissenaufbauten restauriert. Dies führte schon 1982 zur Ausstellung "Fastenkrippen und Heilige Gräber" vom Krippenverband im Tiroler Volkskunstmuseum.

    Während 1987 rund 80 Heilige Gräber in den Kirchen Tirols aufgestellt wurden, hat sich deren Anzahl inzwischen mehr als verdoppelt. Seit der ersten systematischen Erfassung der Heiligen Gräber 1987 wurden erneut zahlreiche Gräber wiederentdeckt, restauriert und in die Osterliturgie eingebunden. Es schien angebracht, eine neue Publikation zu diesem Thema herauszubringen, die in verstärktem Ausmaß auch der kulturellen Einheit Tirols Rechnung trägt. Ziel der vorliegenden Publikation ist eine möglichst weitgehende Erfassung der in den Kirchen Tirols aufgestellten Heiligen Gräber, wenngleich ein Anspruch auf Vollständigkeit nicht erhoben werden kann. Obwohl viele derzeit (noch) nicht aufgestellte Ostergräber beschrieben und mittels Fotomontage gezeigt werden können, war eine lückenlose Dokumentation nicht aufgestellter, jedoch zur Gänze bzw. teilweise erhaltener Kulissenaufbauten nicht möglich, da die Inventarisierung des beweglichen Kulturgutes in den Diözesen Innsbruck, Salzburg und Bozen-Brixen noch nicht abgeschlossen ist. Als Aufnahmekriterium in den Katalog wurde die künstlerische, geschichtliche und kulturelle Bedeutung sowie die Vollständigkeit der Ostergräber vorgegeben, einfache Grabnischen ohne besondere Bedeutung konnten nicht berücksichtigt werden. Thematisch ergänzt wurde die Dokumentation noch durch verschiedene gezielt ausgewählte Miniaturheiliggräber, die Zeugnis von der großen Verbreitung dieses Osterbrauches ablegen. Als notwendig erwies sich auch eine Neudarstellung der künstlerischen Entwicklung der Ostergräber, die in verstärktem Maße auch die zahlreichen Wiederentdeckungen der letzten Jahre berücksichtigt. Die topografische Erfassung des Heiliggrab-Bestandes ermöglichte nicht nur viele neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Malerei in Tirol vom Ende des 17. Jahrhunderts bis in den Beginn des 21. Jahrhunderts, sondern auch bezüglich der gegenseitigen Beeinflussung von Hoch- und Volkskunst. Da sich eine geografische Vorstellung der einzelnen Gräber als nicht zielführend erwies, wurden dieselben im Katalogteil nach Gemeinden alphabetisch geordnet, wenn möglich einem Künstler zugeordnet, datiert und beschrieben. Als Information für die Benutzer des Buches werden auch der Aufstellungszeitraum angegeben, Routenvorschläge erstellt sowie Quellen und Literatur im Anhang zitiert. Thematisch ergänzt wird die topografische Beschreibung der Heiligen Gräber durch ein Künstlerregister, das die wichtigsten biografischen Daten der jeweiligen Maler liefert.

    Obwohl der Brauch, Heilige Gräber in der Osterzeit in den Kirchen aufzustellen, ursprünglich in Europa weit verbreitet war, hat sich außerhalb des in der vorliegenden Publikation untersuchten Gebietes nur ein verhältnismäßig geringer Bestand an Ostergräbern erhalten. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Heiligen Gräber in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariabrunn in Wien (um 1770, ganzjährig zu besichtigen), in der Jesuitenkirche in Landshut (1738), der ehemaligen Klosterkirche von Höglwörth (1836), der Pfarrkirche von Wessobrunn (1819), der Pfarrkirche von Reit im Winkl in Bayern, der Pfarrkirche von Ettenheim in Baden (1778) und im Kloster Neuzelle in Brandenburg (um 1750). In der Schweiz ist das kürzlich restaurierte und nach einem Vierteljahrhundert erstmals wieder aufgestellte, 1771 entstandene Heilige Grab in der Stiftskirche von Beromünster von großer künstlerischer Bedeutung.

    In Anbetracht der überwältigenden Dichte, in der die Kulissenaufbauten im hier behandelten Gebiet aufgestellt werden bzw. (noch) deponiert sind, kann die ehemalige "gefürstete Grafschaft Tirol" mit Recht als Kernland der Heiliggrab-Aufbauten angesehen werden, zumal auch hier ein sicher nicht unbeträchtlicher Verlust im Zuge der josephinischen Reformen und als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils einkalkuliert werden muss. Dennoch lassen sich auch in Tirol Schwerpunkte feststellen: Kerngebiete sind das Pustertal, das Wipptal, das Unterinntal, das Oberinntal, das Lechtal und das Tannheimer Tal mit den jeweiligen Seitentälern, während im ladinischen Gebiet nur zwei Kulissengräber erhalten sind. Im Tiroler Anteil der Erzdiözese Salzburg stehen hingegen nur wenige Kulissengräber, wohl eine Folge der diesbezüglichen Verbote des josephinisch geprägten Erzbischofs Hieronymus von Colloredo, die bis ins 19. Jahrhundert nachwirkten.

    Für die Mitarbeit an diesem Projekt, das sich auf Grund der besonderen Problematik über vier Jahre erstreckte, konnten Denkmalpfleger in beiden Landesteilen, Mitarbeiter der Kulturabteilung des Landes Tirol, der Diözesen Innsbruck, Bozen-Brixen und Salzburg, die jeweiligen Diözesankonservatoren und fachlich qualifizierte Fotografen gewonnen werden. Ein besonderer Dank gilt den verschiedenen Autoren, die sich trotz ihres arbeitsintensiven Alltags bereit erklärt haben, neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch die Mühe der Besichtigung, Beschreibung und wissenschaftlichen Recherche der zahlreichen Ostergräber zu übernehmen. Im Bundesland Tirol stellten sich Frau Hofrat Dr. Herta Arnold und Dr. Karin Schmid-Pittl von der Kulturabteilung des Landes, Dr. Herlinde Menardi vom Tiroler Volkskunstmuseum, Dr. Norbert Drexel vom Augustinermuseum Rattenberg und Hofrat Dr. Franz Caramelle, Mag. Dr. Michaela Frick, MMag. Gabriele Neumann vom Bundesdenkmalamt sowie Diözesankonservator Pfarrer Mag. Rudolf Silberberger und der Diözesaninventarisator Dr. Martin Kapferer als Autoren zur Verfügung. In Südtirol waren Direktor Dr. Leo Andergassen und seine Mitarbeiterinnen Dr. Heidrun Schroffenegger, Dr. Hildegard Thurner und Dr. Evi Wierer sowie der freiberuflich tätige Kunsthistoriker Dr. Martin Laimer vor Ort tätig.

    Einen herzlichen Dank schulde ich auch auch den Diözesankonservatoren Prälat DDr. Johannes Neuhardt aus Salzburg, Pfarrer Mag. Rudolf Silberberger aus Innsbruck und Dr. Karl Gruber aus Bozen, die Fotomaterial beistellten, zahlreiche wertvolle Hinweise zur Thematik lieferten und sich auch bei kunsthistorischen und liturgischen Fragen stets hilfreich zeigten. Für die Hilfe bei der Ergänzung, Korrektur und richtigen Zuordnung der Zitate aus dem Alten und Neuen Testament gebührt Herrn Universitätspfarrer Monsignore Prof. MMag. Bernhard Hippler ein herzliches Vergeltsgott. Tatkräftige Unterstützung fand das Buchprojekt auch bei den Kustoden der Stifts Sammlungen der Prämonstratenserabtei Stams, Pater Mag. Norbert Schnellhammer OCist, und der Prämonstratenserabtei Wilten, Herrn Dr. Florian Schomers, sowie beim Stiftsarchivar der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht, Pater Mag. Thomas Naupp. Notwendige Auskünfte und Informationen lieferten dankenswerterweise auch die zuständigen Pfarrherren und die Mesnerinnen der jeweiligen Kirchen sowie Gemeindeamtsleiter. Hilfreich zur Seite stand dem Projekt auch Professor Wolfram Köberl, der sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mit dem Werk von Christoph Anton Mayr besonders auseinandergesetzt hat. Jederzeit hilfreich waren auch Frau Dr. Patrizia Mair vom Diözesanmuseum Hofburg Brixen sowie der Leiter der Bibliothek des Tiroler Landesmuseums, Roland Sila, sowie seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

    Wohlwollende Unterstützung fand das Buchprojekt auch beim Leiter der Abteilung für Denkmalforschung des Bundesdenkmalamtes, Hofrat Dr. Andreas Lehne, der im Zuge der Erhebungen für die Kunsttopographie eine Fotokampagne zur Dokumentation des Osttiroler Heiliggrab-Bestandes ermöglichte. In Südtirol stellte die Amtsdirektorin des Landesdenkmalamtes, Dr. Waltraud Kofler-Engl, dankenswerterweise das amtseigene Fotomaterial zur Verfügung. Wohlwollende Unterstützung fand das Buchprojekt auch durch Dr. Walter Werth, den Chefredakteur des Südtiroler Sonntagsblattes.

    Für die zahlreichen Abbildungen zeichnen die Fotografen und Fotografinnen Bettina Neubauer/BDA Wien, Alexa Rainer, Peter Scheiber/Landeck, Albert Steger/St. Lorenzen, Hubert Walder/Brixen, Gerhard Watzek/Hall sowie Egon Wurm/ Innsbruck und zum Teil auch die Autoren verantwortlich. Besondere Verdienste haben sich in diesem Zusammenhang Herr Dr. Martin Kapferer und Mag. Josef Kral erworben, die derzeit nicht aufgestellte Ostergräber mittels einer Fotomontage wieder als Gesamtkunstwerk erstehen ließen.

    R. R.

    Klappentext

    "Heilige Gräber schauen gehen"

    dieser Brauch gehört in Tirol untrennbar zur Karwoche und den Ostertagen. Nachdem sie in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Dachböden der Kirchen und Pfarrhäuser gelandet waren, wurden die Heiligen Gräber in den letzten Jahren wieder hervorgeholt und vielerorts mustergültig restauriert. Die Ostergräber haben in Tirol eine lange Tradition, die sich bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen lässt. Sie erfüllten den Zweck, den Gläubigen die Passion Christi in eindrucksvollen Bildern anschaulich näherzubringen. Bald wurden Seitenkapellen, ja ganze Presbyterien mit Heiliggrab-Aufbauten ausgefüllt. Die frühesten erhaltenen Gräber stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie sind von hervorragender künstlerischer Qualität, wie beispielsweise das Heilige Grab der Stiftskirche Wilten (1708), dem größten und bedeutendsten Ostergrab der Tiroler Kunstgeschichte. Im Rokoko erlebten die Heiligen Gräber in Tirol ihre große Blüte. Es entstanden riesige Scheinarchitekturen, wie das vierkulissige Ostergrab der Pfarrkirche von Moos in Passeier (1770). Unter Kaiser Joseph II. wurden die Heiligen Gräber als "Sensationen", die die wahre Andacht verhindern, verboten. Zahlreiche Ostergräber fielen auch der bayerischen Herrschaft (1805-1814) zum Opfer. Im 19. Jahrhundert kam es jedoch zu einem erneuten Aufschwung der Verehrung Heiliger Gräber, die erst mit den Liturgiereformen Mitte des 20. Jahrhunderts ein jähes Ende fand. Seit den 1980er-Jahren erstrahlen jedoch in immer mehr Tiroler Gemeinden die oft wertvollen Kunstwerke wieder in neuem Glanz. Sowohl aus kunsthistorischer als auch aus volkskundlicher Sicht gehören sie zum kulturellen Erbe des Landes. Wenn die bunten Glaskugeln aufgestellt werden, geht man wieder "Heilige Gräber schauen" in Tirol.

    Autor

    Dr. Reinhard Rampold (Hrsg.) Mitarbeiter am Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Tirol, Innsbruck

    An diesem Buch haben mitgewirkt: