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Frommann-Holzboog Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhalt | ||||||
| Teilband | 1 | |||||
| Vorwort des Herausgebers | IX | |||||
| I. | AUS DEN JAHREN 1826-1831 | 1 | ||||
| 1. | Beim Abschied eines neuen Freundes (1827) | 3 | ||||
| 2. | Aus Briefen an die Schwestern Auguste und Mathilde (1826-29) | 4 | ||||
| 3. | Der neuen Zeit (1828) | 13 | ||||
| 4. | Künstlerleben (1828). Bei Raphaels Cäcilia | 17 | ||||
| 5. | Von der Oper (1828) | 18 | ||||
| 6. | Ueber die Passions-Musik von J . S. Bach (1829) | 24 | ||||
| 7. | Aus einem Brief an die Schwester Mathilde (1831) | 27 | ||||
| II. | AUS DEN JAHREN 1833-1838 | 29 | ||||
| 8. | Antrittsvorlesung zum Privatdozenten (1833) | 31 | ||||
| 9. | Aus der Rezension von F. W. Benickens Roms Staats- und Kriegsgeschichte (1834) | 40 | ||||
| 10. | Aus der Rezension von W. Havemanns Geschichte der italienisch-französischen Kriege (1835) | 44 | ||||
| 11. | Die Droysen zuzuschreibenden Beiträge zu dem von A. Schöll und ihm verfaßten Bericht über die Berliner Kunst-Ausstellung (1834) | 47 | ||||
| 12. | Der Aufsatz Ueber Heinrich Stieglitz und dessen »Dionysosfest« (1836) | 80 | ||||
| 13. | Aus Briefen an F. Perthes (1836-37) | 91 | ||||
| 14. | Die Einleitung in die Vorlesung über Alte Geschichte (1838) | 96 | ||||
| III. | AUS DEN JAHREN 1840-1847 | 105 | ||||
| 15. | Zur Ordnung des geschichtswissenschaftlichen Studiums an der Kieler Universität (1840-45) | 107 | ||||
| 16. | Das Gelehrtenschulwesen betreffend (1846) | 112 | ||||
| 17. | Der erste Abschnitt der Einleitung in die Vorlesungen über Alte Geschichte (1843) | 139 | ||||
| 18. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Alte Geschichte (1846) | 144 | ||||
| 19. | Die Einleitung in die Vorlesungen über die Geschichte des Mittelalters (1840) | 167 | ||||
| 20. | Der erste Abschnitt der Einleitung in die Vorlesungen über Neuere Geschichte (1842) | 174 | ||||
| 21. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Neuere Geschichte (1847) | 179 | ||||
| 22. | Die Vorbemerkung von 1840 zu den Vorlesungen über die Geschichte der neuesten Zeit seit 1815 | 192 | ||||
| 23. | Die Einleitung in die Vorlesungen über die Geschichte der neuesten Zeit seit 1815 (1843) | 196 | ||||
| 24. | Über die deutsche Geistesgeschichte von Kant bis auf Schleiermacher (1842) | 203 | ||||
| 25 | Die sog. >Privatvorrede< zu Band 2 der Geschichte des Hellenismus (1843) | 225 | ||||
| 26 | Die Rede zur tausendjährigen Gedächtnißfeier des Vertrages zu Verdun (1843) | 246 | ||||
| 27. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Deutsche Culturgeschichte vom Anfang des 18. Jahrhunderts (1841) | 276 | ||||
| 28. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Die Freiheitskriege (1842) | 280 | ||||
| 29. | Die Einleitung in die Vorlesungen über die Geschichte des Deutschen Bundes und der Bundesstaaten (1843) | 292 | ||||
| 30. | Aus der Einleitung in die Vorlesungen über die Deutsche Geschichte seit 1786 (1845) | 302 | ||||
| 31. | Die Einleitung der Vorlesungen Ueber den öffentlichen Zustand Deutschlands (1845) | 308 | ||||
| Teilband 2 | ||||||
| IV. | AUS DEN JAHREN 1850-1858 | 319 | ||||
| 32. | Die Einleitung der Vorlesungen Aus der practischen Politik (1850) | 321 | ||||
| 33. | Rede beim Antritt der Jenenser Professur zum Wintersemester 1851/52 (1851) | 334 | ||||
| 34. | Aus einem Brief an H. von Sybel (1852) | 352 | ||||
| 35. | Aus der Einleitung in die Vorlesungen über Alte Geschichte (1857) | 352 | ||||
| 36. | Der erste Abschnitt der Einleitung in die Vorlesungen über Neuere Geschichte (1856) | 372 | ||||
| 37. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Das Zeitalter der Revolution (1858) | 376 | ||||
| 38. | Die Einleitung in die Vorlesungen über Geschichte und Politik der Gegenwart (1854) | 389 | ||||
| 39. | Aus Briefen an W. Arendt, R. Ehmck und H. von Sybel (1857) | 395 | ||||
| 40. | Bendemann's Wandgemaelde im Ball- und Concert-Saal des Koeniglichen Schlosses zu Dresden (1857) | 399 | ||||
| V. | AUS DEN JAHREN 1858-1882 | 435 | ||||
| 41. | Aus Briefen an seinen Sohn Gustav (1862, 1864, 1884) und an H. Baumgarten (1881) | 437 | ||||
| 42. | Antrittsrede bei der Berliner Akademie der Wissenschaften (1867) | 444 | ||||
| 43. | Denkschrift über eine zu gründende Historische Kommission (1858) | 449 | ||||
| 44. | Denkschrift, die historischen Studien betreffend (1860) | 454 | ||||
| 45. | Denkschrift, das preußische Archivwesen betreffend (1866) | 467 | ||||
| 46. | Gutachten betreffend die Förderung des Studiums der preußischen Geschichte (1866) | 479 | ||||
| 47. | Der Aufsatz Über die wissenschaftlich-praktischen Studien der Studenten an den deutschen Universitäten, vorzüglich im Fach Geschichte (1869) | 497 | ||||
| 48. | Entwurf für eine Studienordnung für das Fach Geschichte (1882) | 511 | ||||
| 49. | Die Einleitung in die Vorlesungen Ueber die Quellen der Geschichte seit 1500 (1878) | 521 | ||||
| 50. | Die Sammelrezension Philosophie der Geschichte (1880) | 542 | ||||
| Kommentierende Anmerkungen | 559 | |||||
| Namenregister | 691 | |||||
| Sachregister | 702 | |||||
Vorwort des Herausgebers I.
Es ist bald 150 Jahre her, daß Johann Gustav Droysen eine Vorlesung über die Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte bzw., in anderer Terminologie, über Historik gehalten hat. Dies geschah zuerst im Sommersemester des Jahres 1857. Im Folgejahr publizierte Droysen einen thesenartigen Grundriß der Historik in der Form eines Manuskript-Druckes. Dieser Text wurde mehrfach überarbeitet und erschien in mehreren Auflagen, auch ordentlichen, die letzte im Jahre 18821. Seine Historik -Vorlesung hat Droysen insgesamt 17mal gehalten, wobei die Abstände zwischen den einzelnen Vorlesungszyklen unregelmäßig waren, jeweils zwischen zwei bis sechs Semester betrugen2; das letzte Mal hielt Droysen seine wohl berühmteste Vorlesung im Wintersemester 1882/83.
Zu Lebzeiten Droysens blieb die Historik-Vorlesung - anders etwa als die Vorlesung über die Freiheitskriege3 - als ganze ungedruckt; es erschien allein der Grundriß der Historik, der freilich seit dem Jahre 1868 als Beilagen drei einschlägige Aufsätze beinhaltete: Erhebung der Geschichte zum Rang einer Wissenschaft, Natur und Geschichte sowie Kunst und Methode*. Materialien zur Vorlesung wurden erst aus dem Nachlaß publiziert, etwa durch Wach und Pflaum5 . Ein vollständiger, aber problematischer Vorlesungstext, den Droysens Enkelsohn Rudolf Hübner besorgt hatte, erschien 19376 . Weitere 40 Jahre später wurde eine historisch-kritische Ausgabe initiiert; im Jahre 1977 erschien der erste von insgesamt drei geplanten Bänden: Peter Leyh hat die früheste Fassung des Vorlesungstextes rekonstruiert, die Fassung aus dem Jahre 18577 .
Das Erscheinen des zweiten Bandes der historisch-kritischen Ausgabe war reichlich optimistisch für das Jahr 1978 angekündigt8 , ist aber nicht erfolgt. Mit diesem nun endlich vorliegenden Band, der Texte im Umkreis der Historik versammelt, ist eine Lücke geschlossen. (Der Bd. 3 soll in etwa zwei Jahren erscheinen.)
Der hier vorliegende Band enthält allerdings nicht genuine Historik-Texte, sondern, dem Titel gemäß, Texte im Umkreis der Historik. Und dies in zwei Hinsichten. Zum einen trägt dieser zweite Band der Tatsache Rechnung, daß die Historik zweifelsohne nicht als Resultat eines genialen Geistesblitzes über Nacht entwickelt worden ist, sondern sich vielmehr aus verschiedenen Traditionssträngen speist. 1852, nahezu unmittelbar nach seiner Berufung nach Jena, hat Droysen eine Historik Vorlesung angekündigt9 , aber nicht gehalten. Gründe dafür sind nicht bekannt.
Diese verschiedenen Traditionsstränge korrespondieren auch mit unterschiedlichen Textgattungen: mit (l) Vorlesungseinleitungen, (2) Briefen10 , (3) Buchbesprechungen11 , (4) Denkschriften12 , (5) Aufsätzen13 , (6) Vorträgen, auch (7) Gedichten14 sowie schließlich (8) Akten15 . Daneben ist als eine eigenständige Textsorte die sogenannte Privatvorrede in den 2. Band der Geschichte des Hellenismus zu nennen, ein Text, der gelegentlich auch unter dem Titel Theologie der Geschichte publiziert worden ist16 . Mit 20 Nummern bilden zweifellos die Vorlesungseinleitungen die zahlenmäßig größte Gruppe17 ; diese Einleitungen bilden nicht selten so etwas wie Mini bzw., treffender, »Proto-Historiken«18 . Wegen ihres programmatischen Charakters werden auch umfangreichere Auszüge aus einer der Vorlesungen selbst abgedruckt: die Passagen über die deutsche Geistesgeschichte von Kant bis zu Schleiermacher aus der Vorlesung Deutsche Culturgeschichte vom Anfang des 18. Jahrhunderts, die Droysen nur ein einziges Mal, nämlich im Wintersemester 1841/42, gehalten hat19 . Neben den >gewöhnlichen< Vorlesungen sind (als sechster Typus) noch Festvorträge zu feierlichen Anlässen zu nennen - wobei hier noch solche persönlicher Art (alles Antrittsreden)20 und solche nationaler Besinnung21 zu nennen sind.
Die einzelnen Texte sind auf insgesamt fünf Blöcke verteilt; die Grobeinteilung der Dokumente erfolgt chronologisch nach Droysens Lebensstationen: (I) der ersten Berliner Zeit, seiner Studienjahre (1826- 31)22 , (II) der so überaus arbeitsreichen Zeit als Gymnasialschullehrer, universitärer Privatdozent und außerplanmäßiger Professor, gleichfalls in Berlin (1833-38)23 , danach die Zeit als Ordinarius: beginnend mit dem 32. Lebensjahr zuerst (III) in Kiel (1840-47)24 und dann (IV) in Jena (1850-58)25 , beide Male jeweils ein knappes Jahrzehnt. Das Stichjahr für die vorliegende Sammlung von Texten im Umkreis der Historik ist Droysens erste Historik-Vorlesung, die er, wie bereits erwähnt, als 50jähriger im Jahre 1857 gehalten hat. Bis zu diesem Zeitpunkt sind 40 der hier versammelten 50 Texte - also 80 % an Zahl und auch im seitenmäßigen Umfang - erfaßt.
Droysens letzte Lebensphase, erneut eine Berliner Zeit (V), dauerte noch ein Vierteljahrhundert. Aus dieser Zeit (1858-82), die durch die verschiedenen Fassungen der Historik -Vorlesung begleitet wird, werden vor allem solche Texte berücksichtigt, deren Themen im Rahmen jener Vorlesung nicht oder doch nicht sehr ausführlich behandelt worden sind: nämlich Fragen der Wissenschaftsorganisation wie z.B. der Organisation des Geschichtsstudiums usw.26 Im Unterschied zu den Kapiteln über die Kieler und Jenaer Zeit werden - mit Ausnahme des Kollegs über die Quellenkunde (Nr. 49) - keine Vorlesungseinleitungen mehr abgedruckt. Diese wurden zwar weiter gehalten27 , aber es sind, jedenfalls soweit überschaubar, keine über die jeweilige Fassung der Historik hinausgehenden Befunde festzustellen. Die entscheidenden Veränderungen vollzogen sich in der Historik selbst (und werden dementsprechend auch für den Bd. 3 der hier vorliegenden Ausgabe ediert werden).
Texte im Umkreis der-Historik: Gemeint ist im Rahmen der vorliegenden Textsammlung mit dem Begriff >Historik< v.a. Droysens Historik. Diese Historik entstand - ich habe bereits darauf hingewiesen - in einem wissenschaftsgeschichtlichen Kontext; die einzelnen Texte und Textsorten stehen in der Wissenschaftsgeschichte der deutschen Geschichtswissenschaft in einer langen Tradition28. Die 50 hier zusammengetragenen Texte sind zu einem geringeren Teil bereits publiziert worden29 , wobei allerdings zu konstatieren ist, daß eine Reihe dieser Texte heute nur noch schwer zugänglich ist30 . Einige wenige Texte sind erst posthum und dann auch nur ausschnittshaft publiziert worden31 . Der größere Teil der Texte im Umkreis der Historik ist allerdings bislang noch nicht erschienen: ein Text stammt aus dem Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig32 , drei weitere Texte stammen aus dem (unechten) Teilnachlaß Droysens in Jena33 - der größere Teil (27 Texte) stammt aus Droysens Nachlaß, der im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin aufbewahrt wird34 .
II.
Vorliegende Textsammlung beruht - wie auch der in Vorbereitung befindliche Bd. 3 dieser historisch-kritischen Ausgabe - auf den Vorarbeiten Peter Leyhs, der sich vor vielen Jahren aus der Wissenschaft zurückgezogen hat.
Konzeption und Textauswahl. Leyh hat einen Band Texte im Umkreis der Historik konzipiert (freilich ohne ihn so zu nennen: bei ihm hieß der geplante Teilband: Materialien zur Entwicklungsgeschichte von Droysens Theorie der Geschichtswissenschaft), die seiner Meinung sehe Begründung der Geschichte als Fachwissenschaft; Bd. 2: Elemente der Aufklärungshistorik), Stuttgart-Bad Cannstatt 1990 (Fundamenta Historica, Bd. 1.1 u. 1.2); Ranke 1975 (wie Anm. 18). Für Weiteres s.u. S.645f. [Anm.b zu Text 39]. nach in Frage kommenden Texte ausgewählt sowie einen Großteil der Texte transkribiert. An diese Vorarbeiten habe ich angeknüpft, allerdings auf der Grundlage einer erneuten und umfassenden Bestandsaufnahme der DROYSENschen Schriften und der Sichtung seines Nachlasses weitere Texte herangezogen (etwa Nr. 42 u. 43) und einige von Leyh nur ausschnittsweise berücksichtigte Texte ganz abgedruckt (so Nr. 11 u. 12). Meine Absicht war, nicht hinter die LEYHsche Konzeption zurückzufallen. Vielleicht, insbesondere was die frühen Texte betrifft - die Gedichte (Nr. 1, 3 u. 4) und die Briefe an die Schwestern (Nr. 2 u. 7) -, mag die Auswahl der Texte zu großzügig erscheinen, aber es bleibt m.E. zu berücksichtigen, daß es sich dabei um Dokumente aus der Frühzeit Droysens handelt, über die sonst wenig bekannt ist, über die wir jedenfalls ganz unzulänglich informiert sind. Umfangsmäßig fallen diese frühen Texte kaum ins Gewicht. (Die Auswahl der Texte ist oben in Abschnitt I entwickelt worden.)
Transkription und Textgestaltung. Die Texte wurden transkribiert (bzw. bereits vorliegende Transkriptionen überprüft). Da es für die seinerzeit gedruckten Texte im Umkreis der Historik offensichtlich keine Druckvorlagen mehr gibt, erfolgte bei publiziertem Material die Textgestaltung streng nach den Erstdrucken; aber die Seitenzählung der weiteren Auflagen ist jeweils angegeben35 . Bei den handschriftlich vorliegenden Texten erfolgt ihre Gestaltung nach den Originalen36 . In einigen Fällen sind Droysens Originalhandschriften (v. a. Briefe und die Jenaer Antrittsrede) zwar - aus welchen Gründen auch immer - verloren, aber der Textbefund hat sich erhalten: in Form von relativ zuverlässigen handschriftlichen Abschriften der verlorengegangenen DROYSENschen Originale37.
Soviel will ich bereits vorwegnehmen: auch in Bd. 3 wird in den Fällen, in denen es sonst keine Überlieferung mehr gibt, die apographische Überlieferung berücksichtigt. Die Orthographie und Interpunktion wurden jeweils beibehalten, sowohl bei den Drucken als auch bei den handschriftlichen Texten. Anders hatte dagegen Leyh plädiert38 ; aber angesichts ständig neuer und dabei doch großenteils unausgegorener >Rechtschreibordnungen< scheint mir dringend geboten, an die Befunde der Originale anzuknüpfen. So heißt es: >giebt< statt >gibt<, >in Maaßen< statt >in Maßen<, >Reichthum< statt >Reichtum<, >verinciren< statt >verinzieren<, >so zu sagen< statt >sozusagen<, um nur diese Beispiele zu nennen. Ein gewisser Verfremdungseffekt ist durchaus beabsichtigt; er mag das Bewußtsein fördern, daß wir es hier mit Texten zu tun haben, die bereits 130 bis 180 Jahre alt sind.
Die fünf Faksimiles (zu den Texten Nr. 8, 14, 18, 33 u. 35) geben, wie ich hoffe, einen guten Eindruck über die handschriftlichen Befunde.
(1) Das erste Faksimile ist der Antrittsvorlesung zum Privatdozenten entnommen; sie ist der erste Teil einer Vorlesung über die griechische Dramatik aus dem Sommersemester des Jahres 1833 (Text 8). Droysens Methode, seine Vorlesungs-Manuskripte zu erstellen, ist unten in den kommentierenden Anmerkungen kurz beschrieben worden39 ; das Faksimile ist typisch: die gefalteten Blätter, beidseitig und spaltig beschrieben, einen breiten Rand für eventuelle Ergänzungen und Korrekturen lassend. Der Text ist vergleichsweise sauber geschrieben, nur gelegentlich gibt es Streichungen, die teils sofort bei der Niederschrift vorgenommen wurden40 oder die erst nach der Niederschrift, beim nochmaligen Durchgehen des Manuskripts, erfolgten41 .
(2) Das Original des zweiten Faksimiles ist dem Vorlesungs-Manuskript über die Alte Geschichte entnommen (Text 14). Dieser Manuskript-Text ist, wie Droysens Eigenvermerke am Rand zeigen, dreimal für die Vorlesung verwendet worden: nämlich in den Wintersemestern 1835/36, 1836/37 und 1838/39. (Ein viertes Mal - im Wintersemester 1839/40 - bildete dieses Manuskript die Grundlage für eine weitgehende Überarbeitung; Droysen ersetzte die ersten Blätter, so auch dieses Blatt der ersten Niederschrift, sukzessive durch neue Ausarbeitungen.) Der Text ist durch die Hinweise »Montag, 2. Nov. 1835« und »IL 5. Nov. 35« datiert42 . Er enthält Streichungen, Zusätze auf dem Rand; so sind mehrere Überlieferungslagen entstanden, die man allerdings bestimmten Jahrgängen nicht immer genau zuordnen kann - allein die Zuordnung des Textes zum letztgenannten Jahrgang (d.h. dem Jahre 1838) ist sicher. Denn eine - mögliche - Unterscheidung der verschiedenen Tintenfarben (dunkelbraun, schwarz) hilft nicht wesentlich weiter.
(3) Auch das Original des dritten Faksimiles (Text 18) entstammt dem Vorlesungs-Manuskript über die Alte Geschichte. Es stellt eine zweite, überarbeitete Fassung des Textes aus dem Jahre 1838 dar. Die Datierung des Haupttextes auf das Jahr 1846 ist gesichert dank Droysens Bleistift-Notiz »Freitag 5/11 46. II« für den Beginn der 2. Stunde des Vorlesungszyklus im Wintersemester 1846/47. Die Passage ab »Freilich« gibt es als Ergänzung am Rand, die zwar keine genaue Datierung zuläßt, aber wohl auch aus dem Jahre 1846 stammt.
(4) Die Vorlage des vierten Faksimile stammt nicht von der Hand Droysens, sondern aus der Feder seines Enkels und Herausgebers Rudolf Hübner. Es handelt sich um die erste Seite des Manuskripts der Jenaer Antrittsrede aus dem Jahre 1851 - eines Manuskripts, das im Vergleich zu Droysens Handschrift relativ leicht zu lesen und zu transkribieren ist. Da es sich um die Abschrift eines lateinischen Textes handelt, dürften auch die Eingriffe in die Textgestalt relativ gering sein.
(5) Der Text des fünften Faksimiles (Text 35), das ebenfalls dem Vorlesungs-Manuskript über die Alte Geschichte entnommen ist, enthält zahlreiche Ergänzungen mit unterschiedlichen Stiften (Bleistift und Buntstifte), ist in der Regel aber mit Tinte geschrieben. Einige Passagen sind so dick durchgestrichen, daß man die gestrichenen Passagen und Sätze nicht mehr rekonstruieren kann. Andere Passagen sind nur durch Bleistift gestrichen. Was im unteren Teil des Blattes so aussieht wie zwei Augen, sind gewöhnliche Punkte aus Klebstoff, mit dem im Laufe der Bearbeitung ein kleiner Zettel aufgeklebt worden war. (Dabei handelte es sich offensichtlich um einen Ausschnitt aus einer früheren Fassung des Vorlesungs-Manuskriptes43 .) Es lassen sich also nicht in allen Fällen sämtliche Fassungen einer mehrfach gehaltenen Vorlesung rekonstruieren. (Das gilt auch, wie Bd. 3 zeigen wird, für die Historik-Vorlesung.) Sicher aber ist bei allen Schwierigkeiten, die der Text dieses Faksimiles dem Transkribenten und Editor bereitet, die Datierung: »Freitag 30/10 57. II«.
In den Nachdrucken werden die Seitenzahlen der Originale - sei es die der Druckorte oder auch die der handschriftlichen Befunde - jeweils als Marginalien zum laufenden Text angegeben (z.B.: [37]; [3 193] oder [15r ]). Das beeinträchtigt zwar die Lesbarkeit der Texte ein wenig; dies scheint mir dennoch aus verschiedenen Gründen sinnvoll zu sein, u.a. um Zitationen in der Forschungsliteratur problemlos nachvollziehbar zu machen. Was die handschriftlichen Befunde betrifft, so sind auch diese ...
1Für bibliographische Nachweise s. meine Droysen-Bibliographie [Stuttgart-Bad Cannstatt 2007; im folgenden: D.-Bibl.], Kap. I, Nr. 206 (handschriftlicher Text von 1857 oder 1858), Nr. 210 u. 222 (»Manuskript-Druck«, Jena 1858 bzw. Berlin 1862), Nr. 249 (Leipzig 1868), Nr. 274 (Leipzig2 1875) u. Nr. 305 (Leipzig31882), ferner Nr. 337 (Halle 1925), Nr. 353 (Historik, München 1937, S.317ff.) sowie Nr. 401 (Historik, Stuttgart-Bad Cannstatt 1977, S. 395-411 u. S. 413 ff.). Vgl. Peter Leyh: Vorwort des Herausgebers, in: Droysen: Historik, 1977 (wie u. Anm. 7), S. ix-xxix, hier XIII f.
2Droysen hat einmal in zwei aufeinanderfolgenden Semestern eine
Historik-Vorlesung gehalten: sowohl im SS 1859 als auch im WS 1859/60.
Dies erklärt sich aus dem Wechsel von der Universität Jena nach Berlin.
Vgl. Horst Walter Blanke u.a.: Historik als akademische Praxis. Eine
Dokumentation der geschichtstheoretischen Vorlesungen an
deutschsprachigen Universitäten von 1750 bis 1900, in: Dilthey-Jahrbuch
für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften 1 (1983), S.
182-255, hier S. 240 mit Anm. 290 u. S.219 mit Anm. 165. Vgl. Leyh 1977
(wie Anm. 1), S. ixf., xin.
3 Johann Gustav Droysen: Die Freiheitskriege, Vorlesungs-Ms. Kiel WS 1842/43, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, HA VI, Nachl. J.G. Droysen, Nr. 149c ; ders.: Vorlesungen über die Freiheitskriege, 2 Bde., Kiel 1846 (Gotha2 1886). Vgl. D.-BibL, Kap. II, Nr. III.149C bzw. Kap. I, Nr. 077 (sowie Nr. 313).
4 S. D.-BibL, Kap. I, Nr. 229 (1863), 238 (1866) u. 242 (1867).
5 Christian D. Pflaum: J.G. Droysens Historik in ihrer Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft, Gotha 1907, S. 68-115 (Anhang. Sachlich bedeutsame Materialien zur Vorgeschichte von Joh. Gust. Droysens Grundriss der Historik)', Joachim Wach: Das Verstehen. Grundzüge einer Geschichte der hermeneutischen Theorie im 19. Jahrhundert, Bd. 3: Das Verstehen in der Historik von Ranke bis zum Positivismus, Tübingen 1933 [Reprint: Hildesheim 1966], S. 134-88. - Zur knappgehaltenen Editionsgeschichte s. Leyh 1977, S. xiv-xvi.
6 Johann Gustav Droysen: Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, hg. v. Rudolf Hübner, München 1937. S. D.-BibL, Kap. I, Nr. 350, Nr. 356 (2 1943), Nr. 372 (3 1958), Nr. 378 (4 1960), Nr. 386 (5 1967), Nr. 392 (6 1971), Nr. 394 (7 1974) sowie Nr. 398 (8 1977).
7 Johann
Gustav Droysen: Historik. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1:
Rekonstruktion der ersten vollständigen Fassung der Vorlesungen (1868),
Grundriß der Historik in der ersten handschriftlichen (1857/1858) und
in der letzten gedruckten Fassung (1882), hg. v. Peter Leyh,
Stuttgart-Bad Cannstatt 1977. - Von dieser Ausgabe erschien eine
seitengleiche Studienausgabe.
8 Ebd., Schutzumschlag bzw. Klappentext S. 3.
9 S.u. S. 352 (Text Nr. 34).
10 Nr. 2, 7, 13,34,39,41.
11 Nr. 9, 10, 50; vgl. auch Nr. 12.
12 Nr. 16, 43-48.
13 Nr. 5, 6, 11,12,40.
14 Nr. 1,3, 4.
15 Nr. 15.
16 Nr. 25.
17 Nr. 8, 14, 17-23, 27-32, 35-38, 49.
18 Vgl. Blanke u.a. 1983 (wie Anm.2), S. 197-99; vgl. auch Leyh 1977 (wie Anm. 1), S.xvi, xix. Als eindrucksvolles Beispiel sei genannt: Leopold von Ranke: Aus Werk und Nachlaß, hg. v. Walther Peter Fuchs u. Theodor Schieder, Bd. 4: Vorlesungseinleitungen, hg. v. Volker Dotterweich u. Walther Peter Fuchs, München/Wien 1975.
19 Nr. 24. Vgl. - die Einleitung in diese Vorlesung - Nr. 27.
20 Nr. 8, 33,42.
21 Nr. 26.
22 Nr. 1-7.
23 Nr. 8-14.
24 Nr.
15-31. - Die Frankfurter Zeit, Droysens Paulskirchen-Engagement ist im
Rahmen der vorliegenden Fragestellung nicht von Belang. Jedenfalls, was
explizite Texte betrifft. Gleichwohl sind Erfahrungen der Frankfurter
Zeit in einzelnen Texten verarbeitet. (Vgl. etwa Nr. 31 u. Nr. 32
miteinander.)
25 Nr. 32-40.
26 Nr. 41-50.
27 S. die Nachweise in D.-BibL, Kap. II, Nr. III.142-152b .
28 Beispielhaft seien hier genannt: Horst Walter BLANKE/Dirk Fleischer (Hg.): Theoretiker der deutschen Aufklärungshistorie, 2 Bde. (Bd. 1: Die theoreti
29 Nr. 1, 3-6, 9-12, 16, 25, 26, 40, 42, 43, 50; auch Nr. 13, 34 u. 39.
30 Das trifft etwa zu auf Nr. 1, 3-6, 9-12, 16 u. 40.
31 Posthum veröffentlicht: Nr. 13 u. 41; auch Nr. 25, 34 u. 39. Ausschnittsweise publiziert: v.a. Nr. 31 u. 32.
32 Nr. 15.
33 Nr. 2, 7 u. 33. Vgl. die Nachweise in D.-BibL, Kap. III.
34 Nr. 8, 14, 17-24, 27-32, 34-38 u. 44-49. Vgl. D.-BibL, Kap. II.
35 Nr. 1, 3-6, 9-12, 16, 25, 26, 40, 42, 43, 50; vgl. auch Nr. 13.
36 Nr. 8, 14f., 17-24, 27-32, 34-39, 41, 44-49.
37 Nr. 2, 7, 33. - Anders als P. Ganz unterscheide ich nicht im Druckbild und Status (Haupttext, Anmerkungsapparat, Anhang) zwischen autobiographisch und apographisch überlieferten Texten. (Vgl. Jacob Burckhardt: Über das Studium der Geschichte. Der Text der Weltgeschichtlichen Betrachtungen auf Grund der Vorarbeiten von Ernst Ziegler nach den Handschriften hg. v. Peter Ganz, München 1982.) Es geht mir um Texte, nicht um Manuskriptbefunde.
38 S. Leyh 1977 (wie Anm. 1), S. xxvif.
39 S.u. S. 568 [Anm. a zu Text 8].
40 Nach »Beweis« (S. 36 2.14): »sie enthalten genug, um mit dem Gang der geistigen Entwickelung im Griechischen Volk zu bezeichnen«. Präzisiert.
41 S. etwa die u. S. 568 [Anm. a zu Text 8] genannte Ergänzung.
42 Die römischen Zahlen beziehen sich in aller Regel auf die jeweilige Vorlesungsstunde.
43 D. h. aber auch, daß - schon die Streichungen werfen Probleme auf - nicht alle Fassungen der Vorlesungs-Manuskripte rekonstruierbar sind, da sie verlorengegangen sind.