Artikel werden geladen

    Honecker bläst zur Hasenjagd

    Reportagen aus einem untergegangenen Land

    € 18,00 in den Warenkorb
    Alle Preise inkl. MWSt. versandkostenfrei     zzgl. 3 € Versand
    Honecker bläst zur Hasenjagd
    Reportagen aus einem untergegangenen Land

    Autoren:

    Verlag:
    Hohenheim Verlag  Weitere Titel dieses Verlages anzeigen

    Erschienen: März 2009
    Seiten: 256
    Sprache: Deutsch
    Maße: 212x145x28
    Einband: Leinen (Buchleinen)
    ISBN: 3898501817
    EAN: 9783898501811

    Inhaltsverzeichnis

    Inhaltsverzeichnis
    Vorbemerkung9
    Vor der Wende11
    Hinziehen, von wo andere weg wollen11
    Fußball in der DDR15
    Frühling19
    Von der Schwierigkeit, einen Tisch zu kaufen22
    Unter Freunden26
    Wenn das Fotografieren des Sonnenuntergangs verboten ist29
    Lafontaine benimmt sich wie zu Hause34
    Zuflucht in der Bonner Vertretung36
    Monza bei Schleiz38
    »Speakers Corner« und Relegierungsverfahren44
    Eine Zeitschrift für treue Genossen48
    Jugend in der DDR51
    Heiligabend in Ost-Berlin58
    Das Jahr der Wende62
    Die Mauer im Kopf62
    Erich Honecker bläst zur Hasenjagd69
    Unter den Betenden sind viele, die bleiben wollen72
    Wo Honecker sich auf die Wildbahn wagt74
    Bewegter Abschied vom jüngsten Opfer des Schießbefehls77
    Der 13. Februar in Dresden79
    Luxus vom Leipziger Brühl82
    Am sozialistischen Dogma scheitert manche Rechnung85
    Kommunalwahlen in der DDR90
    Zum ersten Mal läuft in Neuglobsow nichts nach Plan95
    Nach dem dreiundfünfzigsten Versuch ein wunder Finger99
    Wie weit ist China von der DDR entfernt?103
    Auch im Sozialismus kann nicht jeder Fenster und Türen offenlassen105
    In Greifswald wird die Zerstörung nachgeholt110
    Wie viele Handwerker kommen aus dem Urlaub zurück?115
    Die Gewißheit der Rückkehr ist ihr stärkster Trost120
    Das Innenleben der SED124
    Markus Wolf: Gedanken im Laufstall des Antifaschismus129
    Die Protestanten gehen aus der Kirche auf die Straße133
    Ein Relikt bürgerlicher Zeiten in Karl-Marx-Stadt136
    Noch schmeckt alles - fast überall - gleich141
    Den Betriebskampfgruppen schallt es entgegen: Arbeiter-Verräter146
    Die Polizei reagiert kopflos auf die Proteste151
    Wach auf, du deutsches Land, blasen die Posaunen in der Kirche154
    Vor dem ZK-Gebäude warten die Chauffeure158
    Von Erich Honecker ist nirgends mehr die Rede159
    Es dialogisiert - doch was heißt Dialog in der DDR?162
    Einige Minuten ist es still vor dem Rathaus165
    Das Aufatmen ist buchstäblich im ganzen Land zu hören169
    Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen172
    What's about Modrow? fragen die amerikanischen Journalisten178
    In Lepzig ist Berlin weit weg181
    Ganz Ost-Berlin war am Wochenende eine Warteschleife184
    Wolf Biermanns Exil hat erst begonnen186
    Jagdhütten und Nummernkonten191
    Das böse Wort Ausverkauf194
    In Dresden folgt man dem Kanzler aufs Wort199
    Nach der Wende202
    Ein Netz, das nicht hält202
    Tag der offenen Tür in Wandlitz207
    Die Vergreisung der ehemaligen Machthaber erschreckt den Staatsanwalt209
    Die »Ko-Ko«, das Generalsekretärskonto und Schalck-Golodkowski213
    Die Toten wurden in einem Wäldchen heimlich verscharrt216
    Was bleibt, ist ein Gefühl der Unsicherheit220
    Die neu entdeckten Massengräber wecken verdrängte Erinnerungen223
    Zum Anfang kehren Abgeordnete in die Kirche zurück226
    Die Volkskammer muß mühsam das Sprechen wieder lernen229
    Die feinsinnigen Methoden der Machtsicherung232
    Die letzten Schlangen enden an den Schaltern der Banken und Sparkassen235
    Diestels Pilzsuche war erfolgreich238
    Eine historische Stunde in Ost-Berlin241
    Was bleibt von der DDR?243
    Die Einheit ist da246
    Nachtrag249
    Alles gewußt, aber nichts kapiert249



    Vorwort

    Vorbemerkung

    Als ich an einem kalten Wintertag des Jahres 1987 mit einem Möbelwagen von Frankfurt am Main nach Ost-Berlin umzog, konnte ich nicht ahnen, daß ich hier zwei Jahre später von einem historischen Moment in den nächsten taumeln würde. Ich war nicht als Korrespondentin in die DDR gegangen, um über deren nahendes Ende zu berichten. Das zeichnete sich zur damaligen Zeit auch nicht ab. Ich wollte über die DDR berichten, wie sie wirklich war. Sie erschien mir - journalistisch gesehen - ein ungehobener Schatz. Denn was wußte ich, was wußten wir in Westdeutschland schon über dieses andere Deutschland? Heute weiß ich: so gut wie nichts - was vielleicht auch manches Mißverständnis zwischen den neuen und den alten Bundesbürgern erklärt.

    Die DDR hatte sich im Vertrag von Helsinki 1975 zur Akkreditierung von »ausländischen« Medienvertretern verpflichtet, hielt ihre Zahl aber klein und erschwerte ihre Arbeit. Wir, die 14 »ausländischen« Korrespondenten aus der »BRD«, waren so etwas wie der geduldete Klassenfeind. Daß ich rundum überwacht werden würde, war mir bewußt, bevor ich in die DDR ging. Daß es dann genau so war, durfte mich nicht erschrecken. Ich mußte für jedes »journalistische Vorhaben« schriftlich beim Außenministerium um Erlaubnis nachsuchen. Die Antwort ließ oft Wochen auf sich warten oder blieb ganz aus. Als der Staatssicherheitsdienst merkte, daß mehr als dreißig Artikel von mir erschienen waren, ohne daß dafür eine Erlaubnis vorlag, beschloß er, mich härter an die Kandare zu nehmen.

    Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur über den SED-Staat zu berichten. Ich wollte das ganz normale Leben in den Blick nehmen, merkte aber bald, daß so normal vieles schon nicht mehr war. Der Widerstand gegen die real existierenden Verhältnisse breitete sich schleichend aus: zwischen den Zeilen der Bücher, auf den Theaterbühnen, unter dem schützenden Dach der Kirchen. Die friedliche Revolution kannte, bevor sie sich auf die Straße wagte, viele Formen der Camouflage. Gleichzeitig baute die Partei- und Staatsführung immer mehr ab: Honecker war sterbenskrank, die Grenze wurde löchriger und Gorbatschow mächtiger. Dennoch gebe ich zu: Daß die DDR zusammenbrechen würde wie ein morsches Haus, hatte ich nicht erwartet. Vom Mauerfall wurde auch ich überrascht.

    Nach dem 9. November 1989 war nichts mehr, wie es vorher war - auch nicht für mich als DDR-Korrespondentin. Das fing schon damit an, daß ein bis dahin abgeschottetes Berichterstattungsgebiet plötzlich offen war für viele Berichterstatter. Sie alle kamen und schrieben über die DDR. Dabei gab es die da in Wirklichkeit schon nicht mehr. Denn zu dem, was das Lebensgefühl in der DDR ausmachte, gehörte wohl unabdingbar die Unüberwindbarkeit der Grenze hinzu. Von diesem Leben hinter einem Eisernen Vorhang noch einen letzten Rest hautnah mitbekommen zu haben, dafür bin ich - so widersprüchlich das auch klingen mag - dankbar.

    Insofern habe ich an den Reportagen aus einem untergegangenen Land auch im Nachhinein nichts verändert. Sie sind in diesem Buch so abgedruckt, wie sie damals (bis auf drei Ausnahmen) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen. Zwanzig Jahre danach mögen sie helfen, die Erinnerung an das, was einmal die DDR war, wiederzubeleben.

    Magdeburg, im Februar 2009
    M. Z.

    Klappentext

    »Wie war die DDR wirklich?« Diese Frage wird zwei Jahrzehnte nach der Wende häufig gestellt und beantwortet - von Historikern und Politikern, von ehemaligen DDR-Bürgern und Leuten, die sie nur von außen betrachtet haben, von Unberufenen ebenso wie von Berufenen. Zu letzteren darf man sicher Monika Zimmermann zählen. Die Journalistin zog an einem kalten Wintertag des Jahres 1987 von Frankfurt am Main nach Ost-Berlin - angespornt von journalistischer Neugier auf ein ihr unbekanntes Land, auf seine Menschen und auf ihr Alltagsleben. Ihre damaligen Reportagen zeichnen eine DDR, die sich längst im Umbruch befand, obwohl die Machthaber das nicht wahrhaben wollten. Auch zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« leisten diese Reportagen einen Beitrag zur Beantwortung der Frage »Wie war die DDR wirklich?«.


    ISBN 978-3-89850-181-1

    Autor

    Dr. phil. Monika Zimmermann, geboren 1949 in Bremen, hat in Göttingen Geschichte und Kunstgeschichte studiert. 1979 trat sie in die Redaktion der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« ein, für die sie 1987 als DDR-Korrespondentin nach Ost-Berlin ging. 1990 wurde sie Chefredakteurin der ehemaligen DDR-Zeitung »Neue Zeit«, von 1994 bis 2005 war sie Chefredakteurin u.a. beim »Tagesspiegel« in Berlin, beim »Münchner Merkur« und bei der »Mitteldeutschen Zeitung« in Halle an der Saale, danach Chefkorrespondentin des Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg in Berlin. Seit April 2006 ist sie in Magdeburg Regierungssprecherin des Landes Sachsen-Anhalt.