Artikel werden geladen
Autoren:
Verlag:
Hohenheim Verlag Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhaltsverzeichnis | ||||||
| Vorbemerkung | 9 | |||||
| Vor der Wende | 11 | |||||
| Hinziehen, von wo andere weg wollen | 11 | |||||
| Fußball in der DDR | 15 | |||||
| Frühling | 19 | |||||
| Von der Schwierigkeit, einen Tisch zu kaufen | 22 | |||||
| Unter Freunden | 26 | |||||
| Wenn das Fotografieren des Sonnenuntergangs verboten ist | 29 | |||||
| Lafontaine benimmt sich wie zu Hause | 34 | |||||
| Zuflucht in der Bonner Vertretung | 36 | |||||
| Monza bei Schleiz | 38 | |||||
| »Speakers Corner« und Relegierungsverfahren | 44 | |||||
| Eine Zeitschrift für treue Genossen | 48 | |||||
| Jugend in der DDR | 51 | |||||
| Heiligabend in Ost-Berlin | 58 | |||||
| Das Jahr der Wende | 62 | |||||
| Die Mauer im Kopf | 62 | |||||
| Erich Honecker bläst zur Hasenjagd | 69 | |||||
| Unter den Betenden sind viele, die bleiben wollen | 72 | |||||
| Wo Honecker sich auf die Wildbahn wagt | 74 | |||||
| Bewegter Abschied vom jüngsten Opfer des Schießbefehls | 77 | |||||
| Der 13. Februar in Dresden | 79 | |||||
| Luxus vom Leipziger Brühl | 82 | |||||
| Am sozialistischen Dogma scheitert manche Rechnung | 85 | |||||
| Kommunalwahlen in der DDR | 90 | |||||
| Zum ersten Mal läuft in Neuglobsow nichts nach Plan | 95 | |||||
| Nach dem dreiundfünfzigsten Versuch ein wunder Finger | 99 | |||||
| Wie weit ist China von der DDR entfernt? | 103 | |||||
| Auch im Sozialismus kann nicht jeder Fenster und Türen offenlassen | 105 | |||||
| In Greifswald wird die Zerstörung nachgeholt | 110 | |||||
| Wie viele Handwerker kommen aus dem Urlaub zurück? | 115 | |||||
| Die Gewißheit der Rückkehr ist ihr stärkster Trost | 120 | |||||
| Das Innenleben der SED | 124 | |||||
| Markus Wolf: Gedanken im Laufstall des Antifaschismus | 129 | |||||
| Die Protestanten gehen aus der Kirche auf die Straße | 133 | |||||
| Ein Relikt bürgerlicher Zeiten in Karl-Marx-Stadt | 136 | |||||
| Noch schmeckt alles - fast überall - gleich | 141 | |||||
| Den Betriebskampfgruppen schallt es entgegen: Arbeiter-Verräter | 146 | |||||
| Die Polizei reagiert kopflos auf die Proteste | 151 | |||||
| Wach auf, du deutsches Land, blasen die Posaunen in der Kirche | 154 | |||||
| Vor dem ZK-Gebäude warten die Chauffeure | 158 | |||||
| Von Erich Honecker ist nirgends mehr die Rede | 159 | |||||
| Es dialogisiert - doch was heißt Dialog in der DDR? | 162 | |||||
| Einige Minuten ist es still vor dem Rathaus | 165 | |||||
| Das Aufatmen ist buchstäblich im ganzen Land zu hören | 169 | |||||
| Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen | 172 | |||||
| What's about Modrow? fragen die amerikanischen Journalisten | 178 | |||||
| In Lepzig ist Berlin weit weg | 181 | |||||
| Ganz Ost-Berlin war am Wochenende eine Warteschleife | 184 | |||||
| Wolf Biermanns Exil hat erst begonnen | 186 | |||||
| Jagdhütten und Nummernkonten | 191 | |||||
| Das böse Wort Ausverkauf | 194 | |||||
| In Dresden folgt man dem Kanzler aufs Wort | 199 | |||||
| Nach der Wende | 202 | |||||
| Ein Netz, das nicht hält | 202 | |||||
| Tag der offenen Tür in Wandlitz | 207 | |||||
| Die Vergreisung der ehemaligen Machthaber erschreckt den Staatsanwalt | 209 | |||||
| Die »Ko-Ko«, das Generalsekretärskonto und Schalck-Golodkowski | 213 | |||||
| Die Toten wurden in einem Wäldchen heimlich verscharrt | 216 | |||||
| Was bleibt, ist ein Gefühl der Unsicherheit | 220 | |||||
| Die neu entdeckten Massengräber wecken verdrängte Erinnerungen | 223 | |||||
| Zum Anfang kehren Abgeordnete in die Kirche zurück | 226 | |||||
| Die Volkskammer muß mühsam das Sprechen wieder lernen | 229 | |||||
| Die feinsinnigen Methoden der Machtsicherung | 232 | |||||
| Die letzten Schlangen enden an den Schaltern der Banken und Sparkassen | 235 | |||||
| Diestels Pilzsuche war erfolgreich | 238 | |||||
| Eine historische Stunde in Ost-Berlin | 241 | |||||
| Was bleibt von der DDR? | 243 | |||||
| Die Einheit ist da | 246 | |||||
| Nachtrag | 249 | |||||
| Alles gewußt, aber nichts kapiert | 249 | |||||
Vorbemerkung
Als ich an einem kalten Wintertag des Jahres 1987 mit einem Möbelwagen von Frankfurt am Main nach Ost-Berlin umzog, konnte ich nicht ahnen, daß ich hier zwei Jahre später von einem historischen Moment in den nächsten taumeln würde. Ich war nicht als Korrespondentin in die DDR gegangen, um über deren nahendes Ende zu berichten. Das zeichnete sich zur damaligen Zeit auch nicht ab. Ich wollte über die DDR berichten, wie sie wirklich war. Sie erschien mir - journalistisch gesehen - ein ungehobener Schatz. Denn was wußte ich, was wußten wir in Westdeutschland schon über dieses andere Deutschland? Heute weiß ich: so gut wie nichts - was vielleicht auch manches Mißverständnis zwischen den neuen und den alten Bundesbürgern erklärt.
Die DDR hatte sich im Vertrag von Helsinki 1975 zur Akkreditierung von »ausländischen« Medienvertretern verpflichtet, hielt ihre Zahl aber klein und erschwerte ihre Arbeit. Wir, die 14 »ausländischen« Korrespondenten aus der »BRD«, waren so etwas wie der geduldete Klassenfeind. Daß ich rundum überwacht werden würde, war mir bewußt, bevor ich in die DDR ging. Daß es dann genau so war, durfte mich nicht erschrecken. Ich mußte für jedes »journalistische Vorhaben« schriftlich beim Außenministerium um Erlaubnis nachsuchen. Die Antwort ließ oft Wochen auf sich warten oder blieb ganz aus. Als der Staatssicherheitsdienst merkte, daß mehr als dreißig Artikel von mir erschienen waren, ohne daß dafür eine Erlaubnis vorlag, beschloß er, mich härter an die Kandare zu nehmen.
Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur über den SED-Staat zu berichten. Ich wollte das ganz normale Leben in den Blick nehmen, merkte aber bald, daß so normal vieles schon nicht mehr war. Der Widerstand gegen die real existierenden Verhältnisse breitete sich schleichend aus: zwischen den Zeilen der Bücher, auf den Theaterbühnen, unter dem schützenden Dach der Kirchen. Die friedliche Revolution kannte, bevor sie sich auf die Straße wagte, viele Formen der Camouflage. Gleichzeitig baute die Partei- und Staatsführung immer mehr ab: Honecker war sterbenskrank, die Grenze wurde löchriger und Gorbatschow mächtiger. Dennoch gebe ich zu: Daß die DDR zusammenbrechen würde wie ein morsches Haus, hatte ich nicht erwartet. Vom Mauerfall wurde auch ich überrascht.
Nach dem 9. November 1989 war nichts mehr, wie es vorher war - auch nicht für mich als DDR-Korrespondentin. Das fing schon damit an, daß ein bis dahin abgeschottetes Berichterstattungsgebiet plötzlich offen war für viele Berichterstatter. Sie alle kamen und schrieben über die DDR. Dabei gab es die da in Wirklichkeit schon nicht mehr. Denn zu dem, was das Lebensgefühl in der DDR ausmachte, gehörte wohl unabdingbar die Unüberwindbarkeit der Grenze hinzu. Von diesem Leben hinter einem Eisernen Vorhang noch einen letzten Rest hautnah mitbekommen zu haben, dafür bin ich - so widersprüchlich das auch klingen mag - dankbar.
Insofern habe ich an den Reportagen aus einem untergegangenen Land auch im Nachhinein nichts verändert. Sie sind in diesem Buch so abgedruckt, wie sie damals (bis auf drei Ausnahmen) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen. Zwanzig Jahre danach mögen sie helfen, die Erinnerung an das, was einmal die DDR war, wiederzubeleben.
Magdeburg, im Februar 2009
M. Z.
»Wie war die DDR wirklich?« Diese Frage wird zwei Jahrzehnte nach der Wende häufig gestellt und beantwortet - von Historikern und Politikern, von ehemaligen DDR-Bürgern und Leuten, die sie nur von außen betrachtet haben, von Unberufenen ebenso wie von Berufenen. Zu letzteren darf man sicher Monika Zimmermann zählen. Die Journalistin zog an einem kalten Wintertag des Jahres 1987 von Frankfurt am Main nach Ost-Berlin - angespornt von journalistischer Neugier auf ein ihr unbekanntes Land, auf seine Menschen und auf ihr Alltagsleben. Ihre damaligen Reportagen zeichnen eine DDR, die sich längst im Umbruch befand, obwohl die Machthaber das nicht wahrhaben wollten. Auch zwanzig Jahre nach ihrem Erscheinen in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« leisten diese Reportagen einen Beitrag zur Beantwortung der Frage »Wie war die DDR wirklich?«.
ISBN 978-3-89850-181-1
Dr. phil. Monika Zimmermann, geboren 1949 in Bremen, hat in Göttingen Geschichte und Kunstgeschichte studiert. 1979 trat sie in die Redaktion der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« ein, für die sie 1987 als DDR-Korrespondentin nach Ost-Berlin ging. 1990 wurde sie Chefredakteurin der ehemaligen DDR-Zeitung »Neue Zeit«, von 1994 bis 2005 war sie Chefredakteurin u.a. beim »Tagesspiegel« in Berlin, beim »Münchner Merkur« und bei der »Mitteldeutschen Zeitung« in Halle an der Saale, danach Chefkorrespondentin des Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg in Berlin. Seit April 2006 ist sie in Magdeburg Regierungssprecherin des Landes Sachsen-Anhalt.