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Trescher Verlag Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhalt | ||||||
| Vorwort der Herausgeber | 8 | |||||
| Wladimir Gilmanov Hörst du mich? | 11 | |||||
| Von den Anfängen bis zur Gründung des Königreichs Preußen | 19 | |||||
| Fritz Gause Die Gründung der Stadt | 20 | |||||
| Anonym Von dem Dr. Osiander | 24 | |||||
| Samuel Kiechel Ein Reisebericht aus dem 16. Jahrhundert | 24 | |||||
| Wilhelm Matull Von der großen Wurst | 25 | |||||
| Die Pest in Königsberg | 27 | |||||
| Grigorij K. Bogdanov Bericht über einen Besuch in Königsberg | 28 | |||||
| Peter der Große | ||||||
| Berichterstattung der Großen Gesandtschaft 1697 | 29 | |||||
| Johann von Besser Krönung in Königsberg | 31 | |||||
| Flögel Ausklang | 34 | |||||
| Königsberg im 18. und 19. Jahrhundert | 36 | |||||
| Peter Kakies Pregelbrücken und höhere Mathematik | 37 | |||||
| Andrej T. Bolotov Aus meinen Lebenserinnerungen | 38 | |||||
| Hans Hellmut Kirst Könige aus Preußen | 40 | |||||
| Hans Hellmut Kirst Der Sohn eines Sattlermeisters | 42 | |||||
| Lothar P. Manhold Kostprobe der Ewigkeit | 46 | |||||
| Immanuel Kant Königsberg am Pregelflusse | 52 | |||||
| Denis I. Fonvisin Brief an die Mutter | 52 | |||||
| Bogumil Goltz Das Unterwegs nach Königsberg | 52 | |||||
| Carl von Clausewitz Ein Brief aus Königsberg | 56 | |||||
| Anonym Napoleon in der Stadt 1812 | 57 | |||||
| Fjodor V. Rostoptschin Aus den >Reiseskizzen< | 58 | |||||
| Erwin Kroll Königsberg im Leben Richard Wagners | 59 | |||||
| Karl Rosenkranz Schlittenfahrt auf dem Pregel | 66 | |||||
| Karl Rosenkranz Königsberger Provinzialismen | 67 | |||||
| Von der Kaiserzeit bis zum Kriegsende | 70 | |||||
| Käthe Kollwitz Kindheit in Königsberg | 71 | |||||
| Hermann Sudermann Als Student in Königsberg | 77 | |||||
| Agnes Miegel Kindheitserinnerungen | 79 | |||||
| Walter Grosse Das Königsberger Schloß | 87 | |||||
| Walter Scheffler Ausflüge | 91 | |||||
| Agnes Miegel Königsberg (Dom) | 97 | |||||
| Wilhelm Matull Stille Winkel und Plätze | 99 | |||||
| Max Fürst Gefilte Fisch | 112 | |||||
| Paula Steiner Königsberg | 118 | |||||
| Robert Budzinski Die Hauptstadt des Landes | 131 | |||||
| Joachim Ringelnatz Königsberg in Preußen | 132 | |||||
| Hans Lohmeyer Ein Oberbürgermeister berichtet | 133 | |||||
| Heinrich Hauser Königsberg | 137 | |||||
| Otto Dikreiter Die Welt des Buches im Haus der Bücher | 142 | |||||
| Walter Scheffler An Königsberg | 149 | |||||
| Walter Scheffler Blutgericht | 150 | |||||
| Max Sommerfeld und Wilhelm Matull Der Widerstand | 150 | |||||
| Gertrud Papendick Der Gespensterzug | 155 | |||||
| Michael Wieck Zeugnis vom Untergang Königsbergs | 161 | |||||
| Margret Kuhnke Ostpreußische Passion | 188 | |||||
| Hans Graf von Lehndorff Ostpreußisches Tagebuch | 195 | |||||
| Gertrud Papendick Die Krähen schreien | 223 | |||||
| Otto Lasch So fiel Königsberg | 229 | |||||
| Hermann Matzkowski Ein Augenzeugenbericht | 235 | |||||
| Agnes Miegel Abschied von Königsberg | 239 | |||||
| Aus Königsberg wird die verbotene Stadt Kaliningrad | 240 | |||||
| Alla Nikolajewa Gedima Ankunft | 241 | |||||
| Marina Alexandrowna Klemeschowa Der Alltag der Neusiedler | 249 | |||||
| Juri W. Kostjaschow Die Deutschen | 255 | |||||
| Valentin Nikolajewitsch Sorin Zehn Träume von Königsberg | 268 | |||||
| Träume, Trauer und Beschwörungen | 287 | |||||
| Agnes Miegel Mein Dom | 288 | |||||
| Walter Neegeln Königsberg 1955 | 293 | |||||
| Agnes Miegel Sturmnacht | 299 | |||||
| Agnes Miegel lux Neujahrsnacht 1960/61 | 300 | |||||
| Elisabeth Schulz-Semrau Auf der Suche nach Karalautschi | 302 | |||||
| Alla Strunz Kaliningrader Episoden | 307 | |||||
| Erste Begegnungen Nach der Öffnung | 318 | |||||
| Ruth Kibelka Kant oder Lenin - Zur Entwicklung in Kaliningrad | 319 | |||||
| Sem Simkin Ziele | 328 | |||||
| Karl Schlögel Hannah Arendts Stadt | 331 | |||||
| Ralph Giordano Kaliningradskaja Oblast-der doppelte Alptraum | 342 | |||||
| Natalia Gorbatschowa Die Stadt | 363 | |||||
| Andreas Metz Ankunft | 364 | |||||
| Eine janusköpfige Stadt-Kaliningrad an der Jahrtausendwende | 369 | |||||
| Eva Reimann Am Gartenzaun | 370 | |||||
| Eva Reimann Wiedersehen mit Königsberg | 372 | |||||
| Eva Reimann Brücke der Begegnung | 373 | |||||
| Eva Reimann In Königsberg am Schloßteich - heute | 375 | |||||
| Andreas Metz Tanzende Sterne | 376 | |||||
| Karsten Laske Kaliningrad is alive | 379 | |||||
| Andrej Bolotov Abschied von Königsberg | 391 | |||||
| Anhang | 392 | |||||
| Überblick über die Stadtgeschichte | 393 | |||||
| Quellennachweis | 395 | |||||
| Über die Autoren | 399 | |||||
| Die Herausgeber | 405 | |||||
Vorwort der Herausgeber
Die vorliegende Sammlung von Texten über Königsberg-Kaliningrad aus sechs Jahrhunderten ist gleichsam eine literarische Chronik, Spiegel einer ungewöhnlich stürmischen Stadtgeschichte.
Neben bekannteren Berichten und Schilderungen aus der und über die Stadt, wie sie sich in den Werken von Agnes Miegel, Wilhelm Matull, Hans Graf von Lehndorff oder Käthe Kollwitz finden, wurde bewußt auch weniger Verbreitetes aufgenommen. Die Erlebnisberichte russischer Gesandter aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie kleinere Prosastücke beispielsweise aus dem Werk Hermann Sudermanns oder die gemütvollen Plaudereien Hans Hellmut Kirsts stehen hierfür. Sie wurden wegen ihrer literarischen Qualität in diese Anthologie aufgenommen, weil sie exemplarisch für ihre Zeit stehen und zudem das Bild der Stadt und ihrer Bewohner, ihrer Kultur und Traditionen auf jeweils ganz eigene Weise bereichern. In diesem Sinn weisen auch die ausgewählten autobiographischen Texte über die jeweilige Person des Verfassers hinaus. Überhaupt erfolgte die Auswahl mit dem Ziel, den Lesern in einer ansprechenden Mischung sowohl weniger Geläufiges - dabei aber nicht weniger Interessantes - vorzustellen als auch >klassischen< Stimmen Gehör zu verleihen. Manche der hier versammelten Autoren sind in Königsberg-Kaliningrad geboren und aufgewachsen oder verbrachten einen großen Teil ihres Lebens dort, andere erlebten die Stadt als Gast oder auf der Durchreise. Gemein ist ihnen, daß sie von der Stadt, ihrer Geschichte und Vielschichtigkeit beeindruckt waren.
Die Herausgeber haben versucht, so weit als möglich alle Epochen der Stadtgeschichte von der Gründung bis in die unmittelbare Gegenwart und auch möglichst viele literarische Genres zu berücksichtigen. So steht hier Lyrik neben Reisebericht, Erinnerungen neben beschreibenden Texten und auch Phantastischem. Naturgemäß stammen die meisten der greifbaren Texte über die Stadt aus deren Blütezeit etwa zwischen 1850 und 1945. Im Vergleich dazu liegen uns aus den Epochen vor dem 19. Jahrhundert weitaus weniger schriftliche Zeugnisse vor. Aus diesem Grunde, und um vor allen die Provinzstadt Königsberg in ihren vielen Facetten aus der Sicht verschiedenster Betrachter darzustellen, wurde in das Kapitel >Von der Kaiserzeit bis zum Kriegsende< eine besonders große Zahl von Texten und Textausschnitten aufgenommen. Die epochale Zäsur der Stadtgeschichte 1945/46 ist aus ähnlichem Grund mit zahlreichen Beispielen dargestellt. Die Texte spiegeln stets eine bestimmte Epoche der Stadtgeschichte, und daher sind manche von ihnen nicht gemäß ihrer Entstehungszeit, sondern in ihren zeitlichen Kontext eingeordnet.
Es war den Herausgebern ein besonderes Anliegen, diese Chronik der Stadt am Pregel nicht mit dem Jahr 1945 enden zu lassen. So wurde bewußt den Darstellungen breiter Raum eingeräumt, die nach dem Untergang des alten Königsberg im neuen Kaliningrad entstanden sind - Impressionen und Schilderungen der neuen Bewohner sowohl kurz nach ihrer Ankunft 1945/46 wie auch aus den sechzig Jahren danach.
Dabei ist auffällig, daß den Neusiedlern sehr schnell bewußt wurde, daß sie die 700jährige Geschichte der Stadt nicht umgehen konnten, sich allerdings dieser Geschichte aus sowjet-ideologischen Gründen zunächst nur zaghaft nähern konnten. Die Zeit nach 1991 ließ dann aber das Bewußtsein um das alte Königsberg auch bei den neuen Kaliningradern voll aufblühen. Auffallend ist das Ringen um die besondere eigene Identität; Kaliningrader zu sein ist für die heute dort lebenden Russen etwas Besonderes.
Ergänzt werden diese Reflexionen durch einige Texte deutscher Herkunft, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden und die Sehnsucht nach der damals unerreichbaren und verlorenen Heimat manifestieren. Diese Sehnsucht darf dann aber 1991 endlich in den ersten Begegnungen mit der Stadt aufgehen, die vier Jahrzehnte lang verschlossen geblieben war. Erstaunen, Erschütterung, Trauer prägen die meisten dieser ersten Berührungen. Doch setzt dann um die Jahrtausendwende etwas ein, das man womöglich als Normalität bezeichnen darf. Junge Leute, Studenten, Wissenschaftler aus dem Westen entdekken die Stadt am Pregel in ihrer seltsamen Exklavensituation, nähern sich ihr vorbehaltlos und begegnen auch ihrer Geschichte neu.
Die Ordnung in dem vorliegenden Buch ist chronologisch. Grundsätzlich wurden die originalen Schreibweisen - dazu zählen auch Auslassungen und Kursivsetzungen - beibehalten und damit leichte Abweichungen in Rechtschreibung und Zeichensetzung in Kauf genommen. Offensichtliche Fehler sind stillschweigend korrigiert, Auslassungen der Herausgeber sind mit eckigen Klammern [...] ausgewiesen.
Das vorliegende Buch will einen Beitrag leisten, um deutschen Lesern die Stadt mit ihrer dramatischen Geschichte und ihrer Vielfalt näherzubringen.
Alla Strunz und Gunnar Strunz, Berlin, im Frühjahr 2009
Seit den ersten Anfängen hat Königsberg, das heutige Kaliningrad, immer wieder seine Bewohner und Besucher zur literarischen Auseinandersetzung angeregt. Dieses Reise-Lesebuch präsentiert einen Querschnitt aus biographischen und autobiograpischen Schriften, Romanauszügen und Reiseberichten sowie Lyrik und Essays.
Die Texte beschreiben die Stadt von ihrer Gründung bis in die unmitttelbare Gegenwart. Sie stammen sowohl, von namhaften Autoren wie Agnes Miegel, Hermann Sudermann und Ralph Giordano als auch von unbekannten Chronisten. Die ganz unterschiedlichen Texte sind ein Spiegelbild der wechselvollen Geschichte der Stadt und zeigen, welche Faszination sie jahrhundertelang und bis heute auf ihre Bewohner und Gäste ausübte. Das >Reise-Lesebuch Königsberg-Kaliningrad< ist eine auf dem deutschsprachigen Markt einzigartige Anthologie.
ISBN 978-3-89794-140-3
v. Winfried Lipser und Kazimierz Brakoniecki, Bechtermünz Verlag
1996, S. 623-628. Simkin, Sem: Ziele, in: Meiner Heimat Gesicht. Ostpreußen im Spiegel
der Menschen und Landschaft, hg. v. Winfried Lipser und Kazimierz
Brakoniecki, Bechtermünz Verlag 1996, S. 142-145. Sommerfeld, Max; Matull, Wilhelm: Der Widerstand, in: Geliebtes
Königsberg, hg. v. Martin A. Borrmann, Gräfe und Unzer Verlag,
München 1967, S. 210-216. Sorin, Valentin Nikolajewitsch: Zehn Träume von Königsberg, in: Meiner
Heimat Gesicht. Ostpreußen im Spiegel der Menschen und Landschaft,
hg. v. Winfried Lipser und Kazimierz Brakoniecki, Bechtermünz Verlag
1996, S. 493-512. Steiner, Paula: Königsberg, in: Königsberg. Das Gesicht der östlichsten
Großstadt Deutschlands, hg. v. Paula Steiner, Gräfe und Unzer Verlag,
Königsberg/Pr. 1929, S. 7-21. Sudermann, Hermann: Als Student in Königsberg; Todgeweihtes Lieben,
in: Hermann Sudermann: Das Bilderbuch meiner Jugend, Cotta'sche
Buchhandlung, Stuttgart und Berlin 1922, S. 217-226. Wieck, Michael: Zeugnis vom Untergang Königsbergs, in: Michael Wieck:
Zeugnis vom Untergang Königsbergs, Verlag C. H. Beck, München
2005, S. 90-165.
Über die Autoren
Nicht zu allen Autoren waren ausführliche biographische Angaben zu ermittteln; mitunter liegen nicht einmal die genauen Lebensdaten vor.
Besser, Johann von: Von Besser war Hofzeremonienmeister König Friedrichs I.; keine Lebensdaten bekannt.
Bogdanov, Grigorij K.: Um 1620 -um 1680. Russischer Gesandter am Hof des deutschen Kaisers Ferdinand III., besuchte während dieser Zeit auch Königsberg und das Herzogtum Preußen.
Bolotov, Andrej T.: 1738-1833. Russischer Schriftsteller und Naturwissenschaftler, während der russischen Besetzung Königsbergs im Siebenjährigen Krieg als Offizier in der Stadt. In seinen Erinnerungen >Selbstdargestelltes ereignisreiches Leben< findet sich eine höchst präzise
Beschreibung der Stadt um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Budzinski, Robert: Geb. 1876 in Klein Schläfken bei Neidenburg, gest. 1955 in Warburg. Ostpreußischer Graphiker und Porträtmaler. Daneben verfaßte er die auch von ihm illustrierte Entdeckung Ostpreußens< (1929), in der er auf geistreiche und humoristische Weise Ostpreußen als Reiseland einem interessierten Publikum nahebrachte.
Fonvisin, Denis I.: 1744-1792. Russischer Schriftsteller, u. a. Verfasser zahlreicher Lustspiele. Er besuchte Königsberg mehrmals und schildert in seinem Tagebuch, dem er die Form von Briefen an seine Mutter gibt, seine Reiseeindrücke.
Fürst, Max: Geb. 1905 in Königsberg, gest. 1978 in Stuttgart. Tischler und Schriftsteller. Der bedeutendste jüdische Autor aus Ostpreußen konnte 1935 nach Palästina fliehen und kehrte 1950 nach Deutschland zurück, wo er überwiegend seinen ursprünglichen Beruf als Tischler ausübte. Seine Jugenderinnerungen >Gefilte Fisch - Eine Jugend in Ostpreußen< zählen zu den eindrucksvollsten Schilderungen des gesellschaftlichen Lebens in Königsberg nach dem Ersten Weltkrieg und in den zwanziger Jahren und befanden sich nach ihrem Erscheinen monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
Gause, Fritz: Geb. 1893 in Königsberg, gest. 1973 in Essen. Der letzte Leiter des Königsberger Stadtarchivs und des Stadtgeschichtlichen Museums war nach dem Krieg Lehrer in Essen. Von ganz besonderer Bedeutung ist sein dreibändiges Werk >Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen<, das seit der völligen Zerstörung des Stadtarchivs 1944/45 das wichtigste Quellenwerk zur Stadtgeschichte ist.
Gilmanov, Wladimir: Geb. 1955 in Kaliningrad. Durch zahlreiche Forschungsarbeiten und Vorträge über Kant, Hamann, Herder, Goethe und E.T.A. Hoffmann sowie über die Königsberger Geschichte ausgewiesener Kunst- und Literaturhistoriker der Kaliningrader Universität.
Giordano, Ralph: Geb. 1923 in Hamburg. Entstammt einer jüdischen Familie, die während der NS-Zeit versteckt in Deutschland lebte, um der drohenden Deportation zu entgehen. Giordano ist Fernsehdokumentarist und Autor. >Die Bertinis<, sein einziger Roman, in dem er die Geschichte einer deutschen jüdischen Familie nachzeichnet, wurde nach seinem Erscheinen 1982 zum Bestseller. In zahllosen Aufsätzen und Büchern wird er nicht müde, vor den Gefahren eines neu entstehenden
Antisemitismus und Nationalismus zu warnen.
Goltz, Bogumil: Geb. 1801 in Warschau, gest. 1870 in Thorn. Reiseschriftsteller.
Gorbatschowa, Natalia: Geb. 1959. Bibliothekarin, Journalistin der Kaliningradskaja Prawda und Autorin. Sie versucht, in ihrer Lyrik das eigentümliche Wesen der Doppelstadt Königsberg-Kaliningrad greifbar werden zu lassen. Natalia Gorbatschowa lebt und arbeitet in Kaliningrad.
Hauser, Heinrich: Geb. 1901 in Berlin, gest. 1955 in Dießen/Ammersee. Schriftsteller, Seemann, Abenteurer, Farmer und Fotograf, emigrierte 1939 und kehrte 1948 zurück. Er schrieb Romane, Essays und besonders Reisereportagen, denen philosophische Betrachtungen über das Verhältnis von Mensch, Natur und Technik innewohnen. Sein bedeutendstes Werk ist der postum erschienene Science-Fiction-Roman >Hirn<, in dem eine Maschine alles zivile und militärische Leben steuert und letztendlich die Weltherrschaft an sich reißen will.
Iwanow, Juri Nikolajewitsch: Geb. 1928 in Leningrad, gest. 1994 in Kaliningrad. Machte sich als einer der ersten nach der Öffnung des Kaliningrader Gebiets 1991 um die Aussöhnung zwischen ehemaligen und neuen Bewohnern verdient. Für ihn war es nicht möglich, in Kaliningrad zu leben, ohnen die Geschichte Königsbergs zu kennen.
Kant, Immanuel: Geb. 1724 Königsberg, gest. 1804 ebd. Der zweifellos bedeutendste Sohn der Stadt und einer der herausragenden neuzeitlichen Philosopen. Seit 1770 Professor für Logik und Metaphysik an der Königsberger Universität; wichtigste Werke: >Kritik der reinen Vernunft< (1781), >Kritik der praktischen Vernunft< (1788); >Kritik der Urtheilskraft< (1790).
Kiechel, Samuel: Geb. um 1560, Sterbedatum unbekannt. Sohn eines Ulmer Kaufmanns, unternahm zwischen 1585 und 1589 Reisen, die ihn durch Europa und bis nach Ägypten führten.
Kibelka, Ruth: Geb. 1958. Studierte osteuropäische Geschichte in Berlin, war Lehrbeauftragte an der Universität Klaipeda (Memel) sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thomas-Mann-Kulturzentrum in Nida (Nidden) und lebt heute als freie Autorin in Berlin. Bekannt wurde sie durch ihr Buch >Wolfskinder. Grenzgänger an der Memel<, das die Schicksale deutscher Waisenkinder in Ostpreußen in den Nachkriegs
Jahren beschreibt.
Kirst, Hans Hellmut: Geb. 1914 in Osterode/Ostpr., gest. 1989 in Ostfriesland. Autor der bekannten und auch verfilmten Romantrilogie >08/15< (1955), die im Ausland höchste literarische Anerkennung erzielte. Ebenso erfolgreich war der Roman >Fabrik der Offiziere< (1960). In beiden Büchern setzte sich Kirst kritisch mit der Frage von Befehl und Gehorsam in der deutschen Wehrmacht auseinander. Daneben verfaßte er zahlreiche humoristische Prosaarbeiten, in denen seine Heimat Ostpreußen im Mittelpunkt steht.
Kollwitz, Käthe: Geb. 1867 in Königsberg, gest. 1945 in Moritzburg bei Dresden. Bedeutendste deutsche Bildhauerin und Graphikerin im 20. Jahrhundert mit sozialer Tendenz, 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.
Kroll, Erwin: Geb. 1886 in Preußisch Eylau, gest. 1976 in Berlin. Musikkritiker und Musikreferent in Königsberg und Berlin. Nach 1945 wirkte er in gleichen Funktionen beim NWDR in Köln. Sein kompositorisches Schaffen schöpft aus der ostpreußischen Volksmusik.
Laske, Karsten: Geb. 1965. Regisseur und Dokumentarfilmer. Sein Fernseh-Vierteiler >Damals nach dem Krieg< erregte 2008 großes Aufsehen.
Lehndorff, Hans Graf von: Geb. 1910 in Steinort. Entstammte einem der ältesten ostpreußischen Adelsgeschlechter. Als Arzt leitete er 1945/46 ein Königsberger Krankenhaus. Heinrich Graf Lehndorff, der als Widerstandskämpfer des 20. Juli gehenkt wurde, war sein Vetter.
Metz, Andreas: Geb. 1970 in Frankfurt a. M. Journalist, war bis 2002 Wirtschaftsredakteur des >Wiesbadener Kurier< und danach zwei Jahre lang Lektor an der Kaliningrader Universität. Seit 2004 koordiniert er das Korrespondenten-Netzwerk Osteuropa >n-Ost<.
Matull, Wilhelm: Keine Lebensdaten bekannt. Vor 1933 in Königsberg als Musikkritiker tätig, danach in verschiedenen Industrieberufen. Nach dem Kriege war er Volkshochschuldirektor in Hannover und Direktor der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildungen. Sein Erinnerungsbuch >Liebes altes Königsberg< zählte Thomas Mann zum schönsten dieser Art.
Miegel, Agnes: Geb. 1879 in Königsberg, gest. 1964 in Bad Salzuflen. Größte deutsche Balladendichterin neben Annette von Droste-Hülshoff.
Auch ihre Prosaschöpfungen sind bedeutend. In ihnen nimmt die Geschichte Ostpreußens und seiner Hauptstadt Königsberg breiten Raum ein. Flucht und Vertreibung aus der von ihr über alles geliebten Heimat sind zentrale Themenkomplexe in ihrem Nachkriegsschaffen.
Papendick, Gertrud: Geb. 1890 in Königsberg, gest. 1982 in Hamburg. Hauptberuflich bis 1945 im Königsberger Schulwesen als Konrektorin tätig, daneben schrieb sie zahllose Feuilletons für die >Königsberger Allgemeine Zeitung< und einige unterhaltende, doch sehr poetische Romane über Ostpreußen. >Wo der Birnbaum stand< (1969), eine Idylle von der Kurischen Nehrung, bezeichnete sie selbst als ihr liebstes Werk.
Peter I. (>Der Große<): 1672-1725. Russischer Zar, 1697 anonym mit der sogenannten Großen Gesandtschaft in Königsberg. Die Adeligen und Offiziere in dieser Gesandtschaft wollten die Beziehungen Rußlands mit seinen westlichen Nachbarn verbessern und dabei auch das Leben in diesen Ländern besser kennenlernen.
Reimann, Eva: Geb. 1924 in Königsberg. Arbeitete nach der Flucht aus ihrer Heimatstadt als Holzbildhauerin und Lehrerin. Sie verstand sich als Chronistin Königsbergs, das sie in zahllosen Gedichten und Prosaarbeiten dichterisch verklärte. Es geht ihr nach eigenen Worten um die >Bewahrung erlebter Geborgenheiten^
Ringelnatz, Joachim: (Eigentlich Hans Bötticher): Geb. 1883 in Würzen, gest. 1934 in Berlin. Humoristischer Dichter, Kabarettist und Maler.
Rosenkranz, Karl: Geb. 1805 in Magdeburg, gest. 1879 in Königsberg. Philosoph, 1833 auf den Lehrstuhl Kants berufen. Er schrieb neben philosophischen auch literarische und literaturhistorische Werke höchst geistvollen und geistreichen Charakters. In Königsberg zählte er um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den populärsten und geachtetsten Hochschullehrern.
Rostoptschin, Fjodor V.: 1763-1826. Während der napoleonischen Belagerung Generalgouverneur Moskaus. Auf verschiedenen Reisen besuchte er mehrmals Königsberg.
Scheffler, Walter: Geb. 1880 in Königsberg, gest. 1964 in Hamburg. Eine plötzliche Ertaubung mit 16 Jahren zwang ihn, Trost in der Dichtkunst zu suchen. Seine schlichten, aber tief innerlichen Verse sowie seine stillen, poetischen Prosa-Arbeiten (u.a. >Die Lehrjahre des Walter von der Laak<),
die er unter dem gleichen Pseudonym (Laak hieß die Königsberger Straße seiner Kindheit) veröffentlichte, ließen ihn zu einer der liebenswürdigsten Erscheinungen unter den ostpreußischen Dichtern werden.
Schlögel, Karl: Geb. 1948 in Memmingen. Historiker, Professor für osteuropäische Geschichte an der Viadrina in Frankfurt/Oder. In Schlögels Historiographie ereignet sich Geschichte immer in einem spezifischen Raum, wobei dessen jeweilige Kontur an ihr mitschreibt. Zahlreiche Preise für seine Buchveröffentlichungen.
Schulz-Semraur Elisabeth: Geb. 1931 in Königsberg. Ihr Roman >Auf der Suche nach Karalautschi - Report einer Kindheit, der 1984 in Leipzig erschien, war die einzige Publikation zum Thema Ostpreußen in der DDR. Die Autorin unternimmt hier einen fiktiven Spaziergang durch ihre Geburtsstadt, der sie wegen der Zensur ihren litauischen Namen Karaliauci-Karalautschi gibt und die sie erst nach 1990 besuchen durfte. Dennoch gelingt ihr eine höchst realistische Schilderung Kaliningrads in den letzten Jahren der Sowjetära.
Simkin, Sem: Geb. 1937 in Orenburg. Kam nach dem Krieg nach Kaliningrad, zunächst als Matrose tätig, später jedoch ausschließlich schriftstellerisch. Er ist heute einer der bedeutendsten in Kaliningrad lebenden Autoren. Er übersetzt deutsche Dichter wie E.T.A. Hoffmann, Johannes Bobrowski und insbesondere Agnes Miegel ins Russische.
Sorin, Valentin Nikolajewitsch: Geb. 1930 in Leningrad. Fuhr nach dem Krieg zur See und diente danach in der sowjetischen Luftwaffe. Später arbeitete er bei Presse und Rundfunk in Sotschi am Schwarzen Meer. Seit 1952 veröffentlichte er insgesamt 17 Bücher mit Prosawerken, in denen er oft Erinnerung und Gegenwart auf der Suche nach der eigenen Identität verbindet.
Sudermann, Hermann: Geb. 1857 in Matzicken, heute Macikiai/Litauen, gest. 1928 in Berlin. Neben Gerhart Hauptmann der bedeutendste Vertreter des literarischen Naturalismus um die Wende zum 20. Jahrhundert, oft >Balzac des deutschen Ostens< genannt. Sudermann-Theaterpremieren waren bis zum ersten Weltkrieg gesellschaftliche Großereignisse. In seinem umfangreichen Prosawerk, in dem die litauischen Geschichten< (1917) am bedeutendsten sind, setzte er unter anderem seiner Heimatregion am Unterlauf der Memel ein unvergängliches literarisches Denkmal.
Wieck, Michael: Geb. 1928 in Königsberg. Nachkomme von Clara Wieck-Schumann, als Violinist beim RSO Stuttgart tätig. Sein Erinnerungsbuch über seine Jugend in Königsberg >Zeugnis vom Untergang Königsbergs< ist das vielleicht faszinierendste zeitgeschichtliche Dokument über Königsberg im Dritten Reich.
Die Herausgeber
Alla Strunz: Jahrgang 1966, ist gebürtige Kaliningraderin, studierte dort Pädagogik und leitete über zehn Jahre die Städtische Tschechow-Bibliothek in Kaliningrad. Heute leitet und koordiniert sie internationale Jugendprojekte.
Gunnar Strunz: Geboren 1961 in Feilitzsch/Oberfranken, ist promovierter Geologe, Lehrbeauftragter an der FU Berlin und seit vielen Jahren journalistisch tätig, arbeitet in der Erwachsenenfortbildung und leitet Studienreisen insbesondere nach Polen, Rußland, ins Baltikum und in die alten Habsburgerlande. Zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem im Trescher-Verlag die Reiseführer Königsberg entdecken und Bratislava entdecken^ sowie zusammen mit dem Fotografen Wolfgang Korall der Bildband >Reise durch Ostpreußen< (Verlagshaus Würzburg). Beide leben in Berlin, Kaliningrad und Feilitzsch (Oberfranken).
»Die Herausgeber haben für diesen Band Ausschnitte aus sechs Jahrhunderten zusammengestellt und bieten damit dem Leser eine literarische Chronik einer ungewöhnlich stürmischen Stadtgeschichte.« (Buchprofile)