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Heilen mit Orgonenergie
Die medizinische Orgonomie

Gebundene Ausgabe, Lorber-Verlag/Turm-Verlag, Erschienen: Mai 2005, 272 Seiten, ISBN: 3799902716, EAN: 9783799902717

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Erschienen: Mai 2005
Seiten: 272
Sprache: ger
Preis: 23,00 €
Maße: 222x154x24
Einband: Gebundene Ausgabe
ISBN: 3799902716
EAN:9783799902717
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VORWORT



Um Wilhelm Reichs späte Forschungen ist es zurzeit still geworden. Nachdem die 68er Bewegung ihm in Deutschland, zehn Jahre nach seinem Tode, die erste wirkliche Beachtung und sogar eine breite Popularität verschafft hatte, war ihm auch ihr Schicksal zu teilen beschieden. Das Temperament seines Denkens, aufrührerisch gegen das Gewohnte, auf Veränderung drängend inmitten einer rigiden Gesellschaftsverfassung, verbunden mit einer großartig und tragisch zugleich zu nennenden Biographie, schien ihn damals zum idealen Verbündeten einer Revolution zu machen, für deren Lebenswertvorstellungen sich in seinem Werk großartige Begründungen und Formulierungen fanden. Dabei galt die Begeisterung der Studenten eigentlich eher dem "mittleren" Reich, dem Psychotherapeuten, dem SexPol-Aufklärer, dem Faschismus-Kritiker; sie nahm aber die späten Ideen trotz ihrer Befremdlichkeit mit in ihren Sog und überwand sogar die gar nicht verborgene Tatsache, daß Reich darin wie die Psychoanalyse auch den Marxismus längst hinter sich gelassen hatte und sich als Eideshelfer für idealistisch-illusionistische Gesellschaftsvisionen gar nicht eignete. In der Publikumsgunst, die immer flüchtig ist, hat die den Revolutionen jeder Art unweigerlich folgende Restauration so auch ihn, wie so manche Ideen neben ihm, zu den Akten gelegt. Viele verbinden mit seinem Namen jedenfalls längst das Historische und behandeln sein Werk als bloßes Kuriosum der Forschungsgeschichte.
Zu Unrecht. Es ist noch immer von Grund auf revolutionär, und wer ihm heute zum erstenmal begegnet und sich darauf mit wacher, beliebig auch kritischer Intelligenz einläßt, mag immer noch leicht "wie am ersten Tag" davon gepackt und überwältigt werden. Er begreift, daß Albert Einstein, als er mit dem Phänomen der Temperaturdifferenz im Akkumulator bekannt wurde, von einer "Bombe für die Physik" sprach, die um dieselbe Zeit allerdings mit ganz anderen Bomben beschäftigt war, und er wird nachdenklich bei der Überlegung, daß Reichs Orgonomie die einzige naturwissenschaftliche Forschungsrichtung ihrer Zeit war, bei der am Ende eben keine Bombe herausgekommen ist. War dies gar mit ein Grund für ihr unglückliches Schicksal? In einem tiefer übertragenen Sinn durchaus; in Reichs Begriff der "emotionalen Pest" stehen solche Kausalitäten beschrieben. Man sieht in seiner Rezeptionsgeschichte eine ganze Reihe von Zufällen zu einer wahren, geradezu tragischen Unglückskonstellation zusammentreffen: die Verdikte der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, der Kommunistischen Partei, schließlich der amerikanischen Justiz trieben ihn in die Außenseiterrolle und schließlich in eine Bewußtseinsisolation, die man, je nach Glaubensrichtung, paranoid nennen mag oder nicht. Aber nicht nur die Brisanz seiner Gedanken machte ihn zum sicheren Anwärter auf das historische Dutzendschicksal genialer Entdecker, von ihrer Fach-Zunft verkannt und befeindet zu werden; gerade auch die politische Bedeutung, die er schließlich erlangte, hat fraglos noch posthum mit bewirkt, daß die offizielle Wissenschaft ihm gegenüber berührungsscheu blieb; sie war an der Auseinandersetzung um ihn, wo sie stattfand, nicht beteiligt. Sie hat zwar in jeder Fülle ihre Meinung dazu gesagt, geringschätzig meist, ablehnend so gut wie immer; aber fragt man nach qualitativ gewichtiger Argumentation, nach einer Beweisführung gegen das Geringgeschätzte und Abgelehnte durch saubere Versuchsreihen, nach einer gelungenen Widerlegung gar, so greift man ins Leere.

Als ich, vor über einem Vierteljahrhundert, den Reich-Schüler Walter Hoppe aufsuchte, Psychiater in Tel Aviv, nun rückgekehrter Emigrant, hatte ich die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Widersprecher bereits hinter mir und als unergiebig, meist nichtssagend erkannt (und eindrucksvoll nur weniges gefunden, etwa die streitenden Gespräche mit Ernest Borneman, der selber bei Reich gelernt hatte); ich war aber aus der Beschäftigung mit dem Spätwerk durchaus mit genügend eigener Skepsis ausgerüstet, um irritiert zu sein, als ich Hoppe die Entdeckungen der Bione und der Orgonenergie durch Reich als "die größten wissenschaftlichen Entdeckungen seit Jahrhunderten" bezeichnen hörte. Ich sah ihm damals sehr aufmerksam ins Gesicht: ich sah die ruhige Entschiedenheit des Wissenschaftlers, in der - Reich hatte es sich so für den idealen Typus gewünscht - die Liebe zur Sache vereinigt war mit der Unbedingtheit der Wahrheitsstrebung; es gab keine Spur des Schwärmerischen darin. Diese Entschiedenheit ist mir vor Augen geblieben und hat dazu beigetragen, daß mir Reichs späte Forschungen als naturwissenschaftliche Perspektiven bis heute aktuell und diskutabel geblieben sind. Mein Freund Jorgos Kavouras, damals mitten im Medizinstudium, war davon ebenfalls so beeindruckt, daß er sich zu Hoppe in Therapie begab, eine Art vegetotherapeutischer Lehranalyse nach Reich, und ich hatte über Jahre Gelegenheit, an den eindrucksvollen Selbsterfahrungs-Prozessen des jungen Wissenschaftlers teilzunehmen. Wir bauten zusammen einen Akkumulator, und schon damals faßte er den Entschluß, Reichs Versuchsanordnungen zu erneuern und namentlich die medizinischen Anwendungen einer Überprüfung zu unterziehen. Diesem Vorsatz ist er durch mittlerweile drei Jahrzehnte gefolgt und treu geblieben.

Reichs Entdeckungen, Thesen und Hypothesen klingen heute immer noch so "unglaublich" wie ehedem. Auf sie differenziert einzugehen, auch den gegenwärtigen Diskussionsstand um sie zu referieren, ist ein Vorwort nicht der Ort; es soll nur in ein Buch geleiten, das sich ihnen auf präzis experimentellem Weg nähert und sich dabei bewußt beschränkt. Die Orgonomie ist eine Naturwissenschaft und die Medizin nur ein Teilgebiet ihrer Anwendung: dieses Teilgebiet wird von Dr. Kavouras in seinem Buch vorgestellt. Er ist, wie man so sagt, "Schulmediziner", ein befähigter Allgemeinarzt mit vielfältiger praktischer Erfahrung. Aber als solcher kennt er auch die - bei allen pharmakologischen Fortschritten nach wie vor anhaltende - Ohnmacht der Medizin, die beiden großen Biopathien, die Gefäß- und die Gewebeveränderungen, zu begreifen, und so stand er auch den Vorschlägen der Naturheilkunde von Anfang an mit ebenso kritischer wie vorurteilsloser und jedenfalls größerer Aufmerksamkeit gegenüber, als sie bei seinen Kollegen in der Regel zu finden ist. Er hat so - wie der Homöopathie, die er bei Georgos Vithoulkas in Griechenland studierte - auch der Orgonomie einen immer größeren Raum in seinen Therapien eingeräumt, und seine Erfolge sind, kurz gesagt, verblüffend. Das Reichsche Konzept verdankt ihm in vielen Fällen geradezu Pionierarbeit, so etwa bei der Arbeit mit dem Dorbuster, dessen Wirkung auf erkrankte Körperfelder nach Reich selber außer von Walter Hoppe und Eva Reich kaum praktisch erprobt worden ist.

Dr. Kavouras' Buch ist eine Aufforderung zum weiteren Experiment. Er berichtet von Erfahrungen und regt dazu an, eigene zu machen. Das geschieht ganz unspektakulär: es liegt ihm fern, Sensationen ausrufen zu wollen, so sensationell die eröffneten Perspektiven manchmal imgrunde auch sind; es legt seine Ergebnisse und Vorschläge mit bewußt schlichten Worten dar; es wirbt mit leiser Stimme einfach für eine gute Sache, für die Nutzung einer therapeutischen Chance. Man braucht kein Glaubensbekenntnis als Voraussetzung, um diese Chance beachtlich zu finden, muß dazu keiner Sekte angehören; man sollte, im Gegenteil eigentlich, nur die Toleranz mitbringen, auf dem großen, ja riesigen Gebiet des Unbekannten vieles Mögliche neu für möglich zu halten. Angesichts der trostlosen Fülle des Körperelends und der eher wachsenden als abnehmenden psychischen wie somatischen Funktionsentgleisungen gerade in der modernen Zivilisation wäre es wahrhaftig nur töricht, nicht alles zu nutzen, was die Aussicht auf Abhilfe erweitert, und Vorschläge, wie dieses Buch sie macht, mit dem gewohnten facheigenen Hochmut abzuweisen. Es steht vielmehr zu hoffen, daß es schließlich nicht nur dem Handwerk des Heilens neue Möglichkeiten erschließt, sondern von ihren Ergebnissen her auch zu einer wissenschaftlichen Neubewertung der Biophysik "Orgonomie" anzuregen hilft, über deren Chancenangebot, den schlechten Zustand der Welt erkennend und heilend zu verbessern, das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.


Dr. Hans Wollschläger