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Unionsverlag Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
| Inhalt | ||||||
| Vorwort | 7 | |||||
| Susann Sitzler Grüezi und Willkommen - Die Schweiz für Fortgeschrittene | 13 | |||||
| Friedrich Dürrenmatt Schweizerpsalm | 33 | |||||
| Margrit Sprecher Die Mitte des Volkes - Expeditionen ins Innere der SVP | 41 | |||||
| Friedrich Glauser Musik | 51 | |||||
| Beat Sterchi Knorzen und Murksen beim Hosenlupf | 65 | |||||
| Jeremias Gotthelf Naturgeschichte der Käsereien | 70 | |||||
| Urs Hafner Der Bauer, das unbekannte Wesen | 84 | |||||
| Mathias Plüss E Zylete Wörter | 90 | |||||
| Mani Matter Si hei dr Wilhälm Täll ufgfüert | 92 | |||||
| Peter Bichsel Des Schweizers Schweiz | 95 | |||||
| Adolf Muschg Ein Land kommt sich abhanden | 108 | |||||
| Paul Widmer Die Schweiz als Sonderfall | 118 | |||||
| Niklaus Meienberg Die Kapellbrücke - Ein rentabler Brand in Luzern | 126 | |||||
| David Signer Heidi Superstar | 139 | |||||
| Flavian Cajacob Betty Bossi - Die Mutter Teresa des Kochbuchs | 146 | |||||
| Jost auf der Maur Eine süße Dreicksbeziehung: Die Toblerone | 149 | |||||
| Joachim Rittmeyer Instrument der politischen Vorsicht: Das Vernehmlassungsverfahren | 152 | |||||
| Robert Walser Bern | 156 | |||||
| Reinhardt Stumm Marsch der Masken durch Basel | 161 | |||||
| Al Imfeld Eine Rösti wie Sonne und Mond | 172 | |||||
| Isolde Schaad Zürich mündlich - Das Babylon der Umgangssprache | 176 | |||||
| Walter Muschg Zürcher Geist | 187 | |||||
| Max Frisch Café de la Terrasse | 201 | |||||
| Hugo Loetscher Über das Muff-Sein | 203 | |||||
| Sibylle Berg In der Standseilbahn | 208 | |||||
| Endo Anaconda furt | 211 | |||||
| Worterklärungen | 213 | |||||
| Autorinnen und Autoren | 215 | |||||
Vorwort
Willkommen in der Schweiz! Dieser Kulturkompass führt Sie durch deutschsprachige Regionen - weniger zu bekannten Idyllen und Mythen (Rütli, Rigi, Banken), eher auf Nebenstraßen, Alltagsplätze, in Hinterhöfe des Volkscharakters: zu Parteiversammlung, Dorftheater, Grillabend im Wohnblock. Ein Lesespaziergang durch Essays, Reportagen, Pamphlete, Gedichte, Lieder - geschrieben von Meistern ihres Fachs. Die Tonarten: heiter, streitlustig, frech. Die einleitende Wortstafette will Sie davor bewahren, beim helvetischen Orientierungslauf die Fährte zu verlieren.
Eben angekommen, verehrter Gast? Und müssen gleich hören: Die meisten Schweizer möchten lieber weg - an einen Ort, »der gleichzeitig eine bessere Schweiz und überhaupt keine Schweiz ist«. Susann Sitzler entdeckt die rätselhaften Rituale der Fernsucht, bei Töfffahrern, Freizeitindianern, Stündelern, Selbstmördern. Nationale Symbole stillen die Sehnsucht nicht. Beim Schweizerpsalm etwa kommen nur wenige über die ersten Zeilen hinaus.
»Was zum Teufel soll ich mit diesem Land anfangen?« Friedrich Dürrenmatt hat seinen eigenen Schweizerpsalm verfasst: »O Schweiz! Don Quijote der Völker! Warum muss ich dich lieben!«
Vaterlandsliebe - kein Problem für die Schweizerische Volkspartei SVP. Ein strammes Mitglied kann auch die Nationalhymne auswendig. Margrit Sprecher berichtet über ihre Expeditionen ins Innere der Partei, die ihre Delegiertenversammlung mit einem Trompetenstoß eröffnet, gefolgt von der Landeshymne - »Rituale mit garantierter Wirkung«. Christoph Blocher, damals Bundesrat, singt aus vollster Kehle.
Kein Bundesrat beehrte das 17. kantonal-zürcherische Musikfest 1929 in Winterthur, das Friedrich Glauser inspirierte. Hauptrollen spielen ein Festspieldichter und eine Tanzlehrerin plus ein empörtes Komitee, das den Tod nicht auf der Bühne will. Von der Fast-Liebesgeschichte bleiben nur die Siegerkränze der Musikgesellschaften; sie hängen »eingerahmt in den kleinen Beizen von Tägertschi und Koppigen als Wandschmuck neben dem seligen General Herzog, der sonst nur Spielkarten sehen würde«.
Der Siegerkranz gehört auch zum kantonalen Schwingfest der Berner. Beat Sterchi war dabei, als Käsermeister Niklaus Gasser zum dritten Mal die Lorbeeren aufs kraushaarige Haupt setzte. »Wohl und festgefügt sieht er aus, als wollte er überall, wo er hintritt, Wurzeln schlagen.«
Von bauernschlauen Käsermeistern und cleveren Käsehändlern handelt Jeremias Gotthelfs »Naturgeschichte der Käsereien«. Dass man Käse nicht nur auf der Alp, sondern auch im Tal herstellen kann, löste um 1834 eine Revolution aus. Wie Pilze schossen Käsereien aus dem Boden, die Bauern erhöhten schamlos die Preise und überhörten die »durchgängige Opposition der Weiber«, die ihre Obergewalt über das Milchgeschäft nicht preisgeben wollten.
Noch heute definiert sich die Schweiz als »Bauernstaat«, obwohl die Bauern nur mehr als Randgruppe existieren. Urs Hafner breitet die Fakten aus über das Verschwinden einer einst staatstragenden Schicht. Den Bäuerinnen hingegen bietet »die Erosion der traditional-patriarchalen Ordnung« die Chance, ihre Stellung auszubauen, ihre begehrten Produkte direkt zu vermarkten: Dörrobst, Sirup, Konfitüren, Brot, Guetsli.
Chüechlete, Chäsete, Schleglete ... Mathias Plüss listet berndeutsche Wörter auf - kleine Einstimmung auf Mani Matters Dorftheater »Si hei dr Wilhälm Täll ufgfüert«, das in eine wüste Schlägerei ausartet. Fazit: Wäre die Freiheit auf diese Art zu gewinnen, die Schweizer würden sie gewinnen.
»Wir sind das Land der Freiheit und mit Schiller und den Ausländern davon überzeugt, dass wir uns die Freiheit mit Revolutionen erkämpft hätten.« Nichts davon ist wahr, schreibt Peter Bichsel, der sich nicht vorstellen kann, dass die alten Eidgenossen idealere Gestalten waren als sein Nachbar und er. »Wir leben in der Legende, die man um uns gemacht hat.«
Auch für Adolf Muschg ist klar: Rütlischwur und Tellenschuss sind Legende und für die moderne Schweiz irrelevant. »Man erkennt das schweizerische Muster. Eine solche Nationallegende erübrigt nicht nur die Politik, sie erübrigt auch die Geschichte.« Ein irriger Glaube, sich nur als Sonderfall gegen die Zumutungen der Geschichte und vor eigenen Widersprüchen bewahren zu können.
»Die Schweiz ist ein Sonderfall - oder sonst keine Schweiz«, meint Diplomat Paul Widmer. Das Land tue gut daran, sich damit nicht bloß mürrisch abzufinden, sondern den Sonderfall bewusst zu pflegen, diese einzigartige Mitsprache in Staatssachen. Dem Land, schwankend »zwischen Größenwahn und Selbstzerknirschung«, wünscht er ein selbstbewusstes Gleichgewicht.
Wenig Selbstzerknirschung in der Stadt Luzern, selbst wenn das städtische Wahrzeichen, die Kapellbrücke, brennt. Niklaus Meienberg zeichnet das »entstellte Gesicht« der Leuchtenstadt, die japanische Hochzeitspaare zur Nachtrauung einlädt, anstatt einer normalen Industrie die Fremdenindustrie ausbaut und von einer »superkonservativen Mentalität« in eine »Touristen-Ausquetschmentalität« rutscht.
Nun, die Japaner lieben Luzern - fast ebenso wie Johanna Spyris »Heidi« (1880/81), das sie bereits 1920 übersetzten. Laut David Signer folgten vierundzwanzig Neuübersetzungen, Textanalysen, Bilderbücher, Comics, Filme. Die Kultfigur der Japaner ist in der Schweiz eine geschützte Marke mit unerschöpflichem Potenzial. Die Migros zum Beispiel verkauft Heidi-Produkte von der »reinen Schweizer Bergmilch« bis zu »Alp Öhis Zvieri-Plättli«.
Als Marke bewährt sich auch Betty Bossi. Die Dame verkörpert ein Stück Schweizer Koch- und Küchenkultur. Flavian Cajacob porträtiert die »Mutter Teresa des Kochbuchs«, deren Cornflakes-Schoggi-Häufchen noch heute zu den Favoriten der Kinderpartys gehören.
Noch populärer ist die Toblerone-Schoggi, verschränkt mit dem Image der Schweiz wie wenig andere Produkte, selbst wenn das Matterhorn nicht Pate stand und das Unternehmen längst dem US-Multi Philip Morris gehört. Jost Auf der Maur macht mit der süßen Dreiecksbeziehung aus Bern den Mund wässerig.
Bern, die Bundeshauptstadt, ist nicht nur der Ort feiner Schokolade, sondern auch des »leicht mürrischen, brötigen, eisenbahnwagenlangen Begriffs« Vernehmlassungsverfahren. Joachim Rittmeyer schlägt sich mit diesem Unding herum, »weil es etwas Robertwalserhaftes hat, etwas auf den Stockzähnen Lächelndes«.
Ob Robert Walser das Vernehmlassungsverfahren beschäftigt hat? Immerhin besuchte er eine Sitzung des Parlaments. Lächelnd porträtiert er die Beamtenstadt, schildert die enge Altstadt, die italienisch anmutenden Arkaden, die munteren Festlichkeiten; sie nehmen sich »im Rahmen unserer Stadt, die einem Gemälde gleicht, überaus schön aus«.
Als vollkommenes Modell eines demokratischen Festes wird gern die Basler Fasnacht beschrieben. Reinhardt Stumm fasziniert das strenge Ritual des montäglichen Morgenstreichs, das zügellose, heitere Durcheinander der Cliquen am Dienstag, diese jährliche »Neufundamentierung städtischen Selbstbewusstseins«: »Fasnacht in Basel, das hat die Qualität einer Religion.«
Nicht gerade eine Religion, aber doch umstrittene Glaubensfrage ist die Zubereitung der Rösti, einst das klassische Bauernfrühstück. Rohe oder gekochte Kartoffeln? Butter oder Schweinefett? »Eine goldgelbe Rösti auf dem Tisch war ein Mandala, das weit über das Essen hinauswies.« Al Imfeld kennt sich aus: »Die Rösti war das Luzerner und Berner Orakel.« Ein tadelloses Gericht verhieß der jungen Köchin nicht weniger als künftiges Liebesglück.
Weit weg vom Aberglauben der Bauernmädchen wird das Nationalgericht in der Röschti-Bar im Zürcher Hauptbahnhof Zürich fabriziert. Mit scharfem Strich zeichnet Isolde Schaad die verschiedenen Gesichter Zürichs: die »Hauptstadt des Mittelstandsglücks«, die Grüezi-Kultur mit ihrem Herzstück, dem Diminuti »Ausdruck eines Selbstbewusstseins, das aufs Kleine baut, im Kleinen bleibt, weil es als das Verlässliche gilt.«
Walter Muschg erinnert ebenfalls an die kleinlichen Züge, mit denen man den Ruhm der großen Gestalten schmälerte, die im Jahrhundert der Aufklärung Zürich beflügelten und die geistige Geschichte der Stadt prägten. Johann Jakob Bodmer, »die Seele des klassischen Zürich«; Gottfried Keller, »dem die Stellung der Kunst in diesem Land trostlos erschien«.
Einem Volk anzugehören, »das seine Künstler niemals durch Verwöhnung verdirbt«, habe auch seinen Segen, tröstet sich Max Frisch. Ihm fällt »das Verkrampfte« seiner Landsleute auf, der Mangel an Selbstvertrauen, Kleinmut, »das Unfreie« des Umgangs, die »Gesichter voll Fleiß und Unlust«.
Kleinmut als Volkscharakter? »Wir sind im Prinzip muff«, konstatiert Hugo Loetscher, der die Physiognomie des Muff-Seins ergründet, eine schweizerische Form von Missmut. »Wir sind bereit, freiwillig etwas vorwegzuleiden, um nicht unfreiwillig zum großen Leiden zu kommen.«
»Gibt es etwas wie den Charakter eines Volkes, so ist es beim Schweizer die größtmögliche Abwesenheit von Angst, die ihn definiert.« Diesen Schluss zieht Sibylle Berg nach einer Panne in der Standseilbahn; sie wünscht sich, in einem dieser ländlichen Orte geboren zu sein, dazuzugehören, »zu diesen furchtlosen netten Leuten«.
Nette Leute? Von ihnen hat der Abwart in Endo Anacondas Lied die Nase voll. Vom Bratwurstbraten mit den Kollegen jedes Wochenende. Er verschwindet aus dem Land - »u niemer weiss wieso«.
Unsere Gäste werden hoffentlich bleiben - trotz oder dank der Lektüre. Der literarische Orientierungslauf durch die Deutschschweiz will sie anziehen, nicht vertreiben. Sogar wenn Hugo Loetscher recht hätte mit dem »Muff-Sein«: Wir können vergnügt über unsere Schwächen reden - und sind gleich nicht mehr »muff«. In dieser heiteren Zwischenlage bewegt sich das Buch. Es will die Vielfalt der Stimmungen, Tonarten, Blickweisen ansprechen - kein repräsentatives Bild malen, schon gar nicht ein poliertes »Image Schweiz«. Eher ein unterhaltsam-dissonantes Selbstgespräch - nicht für allwissende Berufsschweizer, sondern für neugierige Schweiz-Anfänger aller Nationalitäten.
Franziska Schläpfer
»Was mich freut und mich ärgert, was mir Mühe und was mir Spaß macht, was mich beschäftigt, hat fast ausschließlich mit der Schweiz und den Schweizern zu tun.«
Peter Bichsel
»Wenn man in diesem Land Eisenbahnzug fährt,/ ist man in vier fünf Stunden von einer Grenze zur andern gekommen/und stochert sich im Speisewagen beim Anblick des Bodensees/die letzten Reste des Menüs aus den Zähnen, / das man in Genf begonnen hat.«
Friedrich Dürrenmatt
»Sie ist die Schutzpatronin aller Singles, die beste Freundin der Hausfrauen, Hausmänner und Herd(en)tiere, die Hüterin des eiligen Grills. Ihr Name: Bossi - Betty Bossi.«
Flavian Cajacob
» Wohin soll man als Schweizer flüchten, wenn man schon in der besten aller Welten lebt und trotzdem nicht glücklich ist?«
Susann Sitzler
»Die Käshändler machten die Erfahrung, dass auch die feinsten Berliner und Petersburger Nasen den Unterschied zwischen .Alpen- und Talkäs nicht merkten.«
Jeremias Gotthelf
»Unsere Heimat ist der Mensch; ihm gehört unsere Treue; dass sich Vaterland und Menschheit nicht ausschließen, darin besteht ja das große Glück, Sohn eines kleinen Landes zu sein.«
Max Frisch
»Schokolade war ursprünglich als Genussmittel der Aristokratie und damit als dekadent, teuer und unschweizerisch geächtet.«
Jost Auf der Maur
»Für die Demokratiefreaks ist eine Volksabstimmung vergleichbar mit dem Weihnachtsabend für den Christen oder der Matterhornbesteigung für den Hobbyalpinisten.«
Joachim Rittmeyer
» Wenn die Musik der Liebe Nahrung wäre, dann wäre die Schweiz ein Paradies.«
Friedrich Glauser
»Fasnacht in Basel, das hat die Qualität einer Religion.«
Reinhardt Stumm
»Im Großen und Ganzen ist Zürich eine Siedlung jener Art, um deren etwas ominösen Namen wir uns nicht herumdrücken wollen: Provinz.«
Walter Muschg
»Eine goldgelbe Rösti auf dem Tisch war ein Mandala oder ein Zeichen, das weit übers Essen hinauswies. Die Rösti holte die Sonne hervor; die Rösti schuf Zukunft.«
Al Imfeld
»Zürichs Szenensprache sagt >Ciao< statt »Grüezi« Sie ist die Botin des Take-off. Sie verheißt ein neues Kosmopolitentum.«
Isolde Schaad
»Die Schwinger müssen aus dem rechten Holz geschnitzt sein: stramm, stiernackig, von wortkarg tiefem Gemüt und unerschütterlichem Charakter sowohl im wie außerhalb des Sägemehlrings.«
Beat Sterchi
»Nach einer weiteren Viertelstunde ruckelte die Bahn und wurde zur Endstation gekurbelt, vermutlich von Schweizer Hand, die Türen wurden aufgestemmt, die Fahrgäste bedankten sich und gingen ihrer Wege.«
Sibylle Berg
Weltoffene Finanzdrehscheibe oder Außenseiter im Schmollwinkel Europas? Gastliches Touristenparadies oder fremdenfeindliche Festung? Hort der Demokratie oder Nation in geistiger Enge? Wer ins Land des höchsten Schokoladenkonsums, der weltweit größten Sparkonti und der blühenden Dialekte reist, betritt Neuland. Dieser Band versammelt erheiternde und erkenntnisfördernde Berichte von Kennern und Einsichten von großen Geistern, die sich an der Schweiz die Zähne ausgebissen haben.
»go hene go we mer chönnte mir giengte ja ou.«
Endo Anaconda
Herausgegeben von Franziska Schläpfer
Die »Bücher fürs Handgepäck« ...
... aus dem Unionsverlag geben jedem, der ein Land kennenlernen will, einen Schlüssel zu dem, was er sieht, hört und erlebt. Als Ergänzung zum klassischen Reiseführer öffnen sie den Blick für das, was unter der Oberfläche liegt.
Autorinnen und Autoren
Mit * gekennzeichnete Titel wurden für diese Anthologie vom Verlag gesetzt.
Endo Anaconda
geboren 1955 in Burgdorf als Sohn einer Österreicherin und eines Schweizer Polizisten. Lernte Serigraf in Wien, arbeitete, zurück in der Schweiz, als Hubstaplerfahrer, wurde 1985 Sänger der Band Die Alpinisten, gründete 1989 mit Balts Nill das Duo Stiller Has und hat sich auch als Kolumnist einen Namen erschrieben. Jüngstes Buch: Sofareisen. Ausgewählte und kommentierte Kolumnen 2001-2005 (2005).
»furt«, aus: Endo Anaconda, Hasentexte. © Limmat Verlag, Zürich 1999.
Jost Auf der Maur
geboren 1953, ist Autor bei der NZZ am Sonntag.
»Eine süße Dreiecksbeziehung: Die Toblerone«, aus: NZZ am Sonntag, 20. Januar 2008. © Jost Auf der Maur 2008
Sibylle Berg
geboren 1962 in Weimar. Wollte schon immer Bücher schreiben, war Clownschülerin und hatte verschiedene Jobs, bevor 1997 ihr Debütroman erschien, der sie als »Pop-Literatin« etikettierte: Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot. Sie schreibt Romane und Theaterstücke, Essays und Kolumnen. Ihr Musical Wünsch dir was wurde 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Sibylle Berg lebt in Zürich. Jüngstes Buch: Die Fahrt (2007).
»In der Standseilbahn«, aus: Neue Zürcher Zeitung 5. April 2008. © Sibylle Berg 2008.
Flavian Cajacob
geboren 1968 in Luzern. Lebt und arbeitet als Journalist und Autor in Zürich. Er schreibt für verschiedene Schweizer Publikationen.
»Betty Bossi - Die Mutter Teresa des Kochbuchs«*, aus: Neue Zürcher Zeitung, 17./18. Juni 2006. © Flavian Cajacob 2006.
Peter Bichsel
geboren 1935 in Luzern. Von 1955 bis 1968 Primarlehrer in Lommiswil und Zuchwil, wurde 1964 mit den Kurzgeschichten Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen auf einen Schlag bekannt. Seit 1968 schreibt er regelmäßig Kolumnen, seit Jahren für die Schweizer Illustrierte. Zwischen 1974 und 1981 war Bichsel als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig. Er lebt in Bellach bei Solothurn. Jüngstes Buch: Heute kommt Johnson nicht. Kolumnen 2005-2008 (2008).
»Des Schweizers Schweiz«*, aus: Peter Bichsel, Des Schweizers Schweiz. ©Verlag Die Arche, Zürich 1969.
Friedrich Dürrenmatt
geboren 1921 als Pfarrerssohn in Konolfingen bei Bern. Studierte Philosophie, Literatur- und Naturwissenschaften. Der »Drauflosdenker«, wie er sich nannte, lebte als Dramatiker, Erzähler, Essayist, Zeichner und Maler in Neuchátel, wo er 1990 starb. Sein Kriminalroman Der Richter und sein Henker (1952) gehört zur Standardlektüre an deutschsprachigen Schulen. Weltweiten Erfolg feierte er mit den Komödien Der Besuch der alten Dame (1956) und Die Physiker (1962).
»Schweizerpsalm«, aus: Friedrich Dürrenmatt, Das Mögliche ist ungeheuer. Ausgewählte Gedichte. © Diogenes Verlag, Zürich 1993.
Max Frisch
geboren 1911 in Zürich. Verfasste als Gymnasiast erfolglos erste Stücke, finanzierte eine ausgedehnte Auslandreise durch journalistische Beiträge, studierte Architektur (das Zürcher Freibad Letzigraben blieb sein einziger größerer Bau), leistete 650 Tage Aktivdienst, schrieb Theaterstücke, Romane, Tagebücher. Etablierte sich 1958 mit Biedermann und die Brandstifter als Dramatiker von Weltrang. Auch seine politische Stimme drang über das eigene Land hinaus. Er starb 1991 in Zürich. Letzte Veröffentlichung: Schwarzes Quadrat. Zwei Poetikvorlesungen (2008).
»Café de la Terrasse«, aus: Max Frisch, Tagebuch 1946-1949. © Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1950.
Friedrich Glauser
geboren 1896 in Wien, die Mutter Österreicherin, der Vater Schweizer. Wurde 1918 auf Betreiben des Vaters entmündigt und führte ein Leben auf der Flucht: Tuberkulose, Morphiumsucht, Selbstmordversuche, Fremdenlegion. Er starb 1938 in Nervi bei Genua. Erste Texte ab 1915.1936 erschien mit Wachtmeister Studer sein erster Kriminalroman. Mit Robert Walser der bedeutendste Schweizer Autor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, blieb Glauser zeitlebens verkannt. Seine Werke erscheinen in ihrer ursprünglichen Form im Limmat Verlag, als Taschenbücher im Unionsverlag.
»Musik«, aus: Friedrich Glauser, König Zucker. © Limmat Verlag, Zürich 1993.
Jeremias Gotthelf
geboren 1797 als Pfarrerssohn Albert Bitzius in Murten, studierte Theologie, wurde 1832 Pfarrer von Lützelflüh, eröffnete 1834 die Armenerziehungsanstalt Trachselwald, publizierte 1836 den Erstling Der Bauernspiegel und übernahm den Namen des Hauptdarstellers: Jeremias Gotthelf. Er schrieb unermüdlich (Die schwarze Spinne, Ueli der Knecht, Ueli der Pächter). Seine Werke (ab 1843 im Berliner Verlag Julius Springer) spiegeln das bäuerliche Leben im 19. Jahrhundert. Gotthelf starb 1854 in Lützelflüh.
»Naturgeschichte der Käsereien«, aus: Jeremias Gotthelf, Die Käserei in der Vehfreude. © Birkhäuser Verlag, Basel 1951.
Urs Hafner
geboren 1968 in St. Gallen. Promovierter Historiker und Journalist, wissenschaftlicher Redakteur beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und freier Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung. Jüngste Buchpublikation: Kult, Macht und Glaube. Eine kleine Geschichte des Zürcher Grossmünsters (2007).
»Der Bauer, das unbekannte Wesen«, aus: NZZ am Sonntag, 20./21. Mai 2006. © Urs Hafner 2006.
Al Imfeld
geboren 1935 im Luzerner Hinterland in einer kinderreichen katholischen Kleinbauernfamilie. Studierte Theologie, Philosophie, Soziologie, dann Agrarwissenschaften. Bereiste als Priester, Journalist, Entwicklungsexperte und Geschichtenerzähler die Welt und war mit sicherem Gespür stets da, wo die wichtigen Fragen gestellt wurden. Er hat diverse Bücher publiziert und lebt in Zürich. Jüngstes Buch: Lies und werde reich. Geschichten vom Geld (2007).
»Ein Rösti wie Sonne und Mond«, aus: Al Imfeld, Blitz und Liehe. Geschichten aus vier Kontinenten. © Rotpunkt Verlag, Zürich 2005.
Hugo Loetscher
geboren 1929 in Zürich. Studierte Philosophie und Politische Wissenschaften. Redakteur bei der Zeitschrift du (1958-1962) und bei der Weltwoche (1964-1969). Schon sein erster Roman Abwässer (1963) zeigt ihn als höchst politischen Autor. Regelmäßige Aufenthalte in Lateinamerika, in den USA und in Südostasien. Seit 1969 freier Schriftsteller. Gastdozent an Universitäten in der Schweiz, den USA, München und Porto. Jüngstes Buch: Es war einmal die Welt. Gedichte (2004).
»Über das Muff-Sein«, aus: Das Hugo Loetscher Lesebuch, hrsg. v. Georg Sütterlin. © Diogenes Verlag, Zürich 1984.
Mani Matter
geboren 1936. Schulen und Jurastudium in Bern. Rechtskonsulent des Gemeinderats der Stadt Bern, i960 erster Radioauftritt mit Dr Ferdinand isch gstorbe. Ab 1966 Auftritte mit den Berner Troubadours, ab 1970 auch solo oder mit Jacob Stickelberger und Fritz Widmer. Verunglückte 1972 tödlich auf dem Weg zu einer Vorstellung.
»Si hei dr Wilhälm Täll ufgfüert«, aus: Mani Matter, Us emene lääre Gygechaschte. © Ammann Verlag, Zürich 2003.
Niklaus Meienberg
1940 in St. Gallen geboren. Studierte Geschichte in Fribourg, Zürich und Paris, zunächst Paris-Korrespondent der Weltwoche, danach Produktionen für Radio DRS und Mitarbeiter beim Magazin des Tages-Anzeigers. Nach einem Schreibverbot dort schrieb er für den Stern, später für die WOZ und arbeitete als freier Schriftsteller. Niklaus Meienberg beging 1993 Suizid.
»Die Kapellbrücke - Ein rentabler Brand in Luzern«, aus: Niklaus Meienberg, Reportagen 2. © Limmat Verlag, Zürich 2000.
Adolf Muschg
geboren 1934 in Zollikon (Halbbruder des Literaturhistorikers Walter Muschg). Studierte Germanistik, Anglistik, Philosophie. Mit dem Erstling Im Sommer des Hasen schrieb er sich 1965 in die vorderste Reihe der Schweizer Autoren. 1994: Georg-Büchner-Preis für den Roman Der rote Ritter. 1970 bis 1999 Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich. Er äußert sich regelmäßig zu politischen Zeitfragen. Lebt in Männedorf und Berlin. Jüngstes Buch: Kinderhochzeit, Roman (2008).
»Ein Land kommt uns abhanden«, aus: Die Zeit, 26. März 1998. © Adolf Muschg 1998.
Walter Muschg
Geboren 1898 in Witikon bei Zürich, gestorben 1965 in Basel. Der Literaturhistoriker und Essayist, befreite Gotthelf vom Image des Heimatdichters und reihte ihn unter die Großen der Weltliteratur. Er wandte sich gegen die restriktive Schweizer Asylpolitik, setzte sich nach 1945 auch für die Rehabilitierung »verbrannter Dichter« ein. Zu seinen Hauptwerken gehört die Tragische Literaturgeschichte (1948).
»Zürcher Geist«, aus: Merian Zürich, Nr. 1, Januar 1983. ©Walter Muschg 1983.
Mathias Plüss
geboren 1973 in Zofingen, studierte Physik, Mathematik und Musikwissenschaften. 2001 bis 2007 Wissenschaftsredakteur bei der Weltwoche, seither freier Journalist mit Kolumne beim Magazin des Tages-Anzeigers.
»E Zylete Wörter«, aus: Das Magazin des Tages-Anzeigers, Dezember 2008, nach: Berndeutsches Wörterbuch, Cosmos Verlag 2005. © Mathias Plüss 2008.
Joachim Rittmeyer
geboren 1951. Kindheit und Jugend in St. Gallen. Lebt seit 1974 in Basel. Der Primarlehrer wurde 1970 wegen Dienstverweigerung entlassen, betätigte sich journalistisch, trat 1974 mit seinem ersten Soloprogramm als Kabarettist auf. 1978 Vorstellungen in Deutschland. Schweizer Kleinkunstpreis 2007. Premiere des jüngsten und 17. Solo-Stücks Verlustig am 15. Oktober 2008.
»Instrument der politischen Vorsicht: Das Vernehmlassungsverfahren«, aus: Die Schweiz in der Vernehmlassung, hrsg. v. Gerda Wurzenberger und Nicole Schiferer. © Verlag Kein & Aber, Zürich 2003.
Isolde Schaad
geboren 1944 in Schaffhausen. Gehört zu den namhaften Autorinnen der Achtundsechziger Generation. War Redakteurin bei der Weltwoche, seit 1974 freie Publizistin. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Stücke für Theater und Radio, Essays, Reportagen, Kolumnen: Ihre kritische Gesellschaftsbetrachtung betreibt sie mit Scharfsinn, Humor und sprachlicher Raffinesse. Isolde Schaad lebt in Zürich. Jüngste Publikation: Von Einem. Literatur und Geschlecht (2004).
»Zürich mündlich - das Babylon der Umgangssprache«, aus: Isolde Schaad, Grüezi, Salü, Ciao. © Isolde Schaad 1997.
David Signer
geboren 1964 in St. Gallen. Studierte Ethnologie, Psychologie und Linguistik, promovierte mit einer Kritik der Ethnopsychoanalyse, arbeitete mehrere Jahre im Flüchtlingswesen ( Überlebenskunst in Übergangswelten, 1999), führte eine Feldforschung über traditionelle Heiler in Westafrika durch. Seit 2002 Redakteur bei der Weltwoche. Jüngstes Buch: Keine Chance in Mori. Roman (2007).
»Heidi Superstar«, aus: David Signer, Grüezi. Seltsames aus dem Heidiland. © Kontrast Verlag, Zürich 2006.
Susann Sitzler
Geboren 1970 in Basel. Studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, lebt seit 1996 als freie Publizistin in Berlin. Expertin in Sachen Pannenvermeidung zwischen Schweizern und Deutschen. Jüngste Bücher: Überleben in Zürich (2008), Aus dem Chuchichäschtli geplaudert. Das ultimative Sprachlexikon für die Schweiz (2008).
»Grüezi und Willkommen: Die Schweiz für Fortgeschrittene«*, aus: Susann Sitzler, Grüezi und Willkommen - Die Schweiz und die Deutschen. © Christoph Links Verlag, Berlin 2004.
Margrit Sprecher
geboren 1936 in Chur. Studierte Zeitungs- und Theaterwissenschaften, 1983 bis 1999 Weltwoche-Redakteurin. Lebt und arbeitet in Zürich als Reporterin für in- und ausländische Zeitschriften. Veröffentlichte zahlreiche Bücher. Bündner Literaturpreis 2008 für ihre Arbeit als »brillante Porträtistin und unerbittliche Analytikerin«.
»Die Mitte des Volkes - Expedition ins Innere der SVP«*, aus: Margrit Sprecher, Die Mitte des Volkes. © Edition Patrick Frey, Zürich 2007.
Beat Sterchi
geboren 1949 in Bern als Metzgerssohn. Brach die Metzgerlehre ab, wanderte nach Kanada aus, studierte Anglistik, war Englischlehrer in Honduras, Schriftsteller in Spanien. Sein bisher einziger Roman heißt wie die Kuh, von der er handelt: Blösch (1983). Lebt als freier Autor wieder in Bern und trat erfolgreich auf mit Bitzius - ein Gotthelfprogramm mit Musik (2004).
»Knorzen und Murksen beim Hosenlupf«, aus: Merian Schweiz, Nr. 4, April 1991. © Beat Sterchi 1991.
Reinhardt Stumm
geboren 1930 in Berlin, lebt seit 1954 in der Schweiz. Langjähriger Feuilleton-Chef der Basler Zeitung. Doyen der Schweizer Theaterkritik mit spitzer Zunge und scharfer Feder. Erinnert sich in Komödie Basel. 50 Jahre Ach und Krach (2001) an das erste Kammertheater der Schweiz.
»Marsch der Masken durch Basel«*, aus: Merian Basel, Nr. 3, März 1987. © Reinhardt Stumm 1987.
Robert Walser
geboren 1878 in Biel, absolvierte eine Banklehre, publizierte 1989 erste Gedichte, zog 1905 nach Berlin, schrieb die Romane Geschwister Tanner, Der Gehülfe, Jakob von Gunten. Kehrte 1913 nach Biel zurück, lebte ärmlich, schrieb Kurzprosa, geriet gegen seinen Willen in die Psychiatrie, hörte 1933 in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau mit Schreiben auf und starb 1956 auf einem Spaziergang im Schnee. Gehört zu den rätselhaftesten Schriftstellern seiner Zeit und gilt heute als wichtigster Deutschschweizer Autor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
»Bern«, aus: Robert Walser, Europas schneeige Pelzboa. Texte zur Schweiz. © Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003.
Paul Widmer
Geboren 1949 im Toggenburg, studierte Geschichte und Philosophie, trat 1977 in den diplomatischen Dienst, wirkte 1992 bis 1999 in Berlin, dann als Botschafter in Kroatien und Jordanien. Derzeit ständiger Vertreter der Schweiz beim Europarat in Straßburg. Autor mehrerer politischer und historischer Bücher.
»Die Schweiz als Sonderfall«*, aus: Paul Widmer, Die Schweiz als Sonderfall © Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2007.
Die Herausgeberin
Franziska Schläpfer, geboren 1945, freie Kulturjournalistin und Autorin: u. a. Schweizer Lexikon der populären Irrtümer (2004), Schön schräg. Schweizerinnen der besonderen Art (2007).