Vorwort
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Vorwort
Ein menschlicher Embryo hat so viel Anmut, dass der Unvoreingenommene ihn staunend bewundern muss. Dieser winzige und unscheinbare Embryo ist vielen fast unbekannt. Manche sehen ihn nur als dem Tierreich zugehörig, andere als den Menschen in seiner elementarsten Ursprünglichkeit. Das frühe Dasein des Menschen und der Umgang mit ihm kann so zu einem Problem werden.
Die Entwicklung des Menschen als Individuum (Individualentwicklung) beginnt mit der Befruchtung. Deshalb haben wir im Folgenden vor allem die Entwicklung vom Ei zum Embryo zur Kenntnis zu bringen.
Was im Folgenden von der Ontogenese des menschlichen Embryo und seinen frühen Leistungen dargestellt wird, ist lückenlos belegt durch unsere humanembryologische Dokumentationssammlung. Zahlreiche Originalphotographien und systematisch bearbeitete Zeichnungen wurden bereits 1973 unter dem Titel "Die pränatalen Organsysteme des Menschen" als Originaldokumentation veröffentlicht. Die ergänzenden wissenschaftlichen Erläuterungen sind in "Biokinetics and Biodynamics of Human Differentiation" 1977 publiziert. Eine vollständige Serie von Porträtabbildungen befindet sich im Science Centre in Toronto, Kanada.
Da es kein Verfahren gibt, aus anatomischen Untersuchungen an Tieren zu deduzieren oder nach Formeln zu berechnen, wie sich ein menschliches Ei zu einem menschlichen Embryo und dann zum Neugeborenen entwickelt, musste für die folgende Darstellung der menschliche Keim und seine Entwicklung selbst untersucht und durch Originalabbildungen wiedergegeben werden. Dazu war eine Jahrzehnte lange Geduld notwendig. Dann aber ergab sich der Befund, dass die Differenzierungen und ihre molekularen Prozesse biodynamisch geordnet sind. Diese Ordnung ist durch Bestimmung der Entwicklungsbewegungen genauer lokalisierbar. Die gewonnenen Resultate berechtigten, eine Beschreibung des heutigen Wissens von der menschlichen Ontogenese in einer Darstellung vorzulegen, die auch außerhalb der Fachgrenzen Interesse findet.
Wenn man ein langes Forscherleben dazu verwandt hat, immer und immer wieder den noch ungeborenen Menschen zu beobachten, zu befragen, verlässliche Auskünfte von ihm einzuholen, kann man sich nicht mit der herkömmlichen Vorstellung von der Evolution befreunden. Es hat uns keineswegs überzeugt, dass die Geschichte der Lebewesen auf dieser Erde nur und nichts anderes als eine Evolution gewesen sei. Wenn Entwicklung nichts anderes wäre als Evolution, dann wäre sie, wie das Wort unmissverständlich betont, ein Prozess mit einer einzigen Richtung von innen nach außen, ein Herauswickeln und damit zwangsläufig ein ständiger Fortschritt vom Einfachen zum Komplizierten. Das jedoch ist nirgends, auch nicht in der Ontogenese, nachzuweisen. Um dies zu belegen, beruft sich dieses Buch ausschließlich auf Originalbefunde, auf Befunde, die in Göttingen erarbeitet wurden, dann im Ausland vielerorts nachgeprüft und in der Carnegie Institution in USA katalogisiert sind.
Erich Blechschmidt
Die 5. und 6. Auflage wurde gründlich überarbeitet. In die neu bearbeitete, jetzt 7. Auflage wurden einige kurze Kapitel aufgenommen, insbesondere hinsichtlich der Konsequenzen, die sich aus den dargestellten Befunden für die Anerkennung des Menschen als Person ergeben. So kann die vorliegende Publikation in einer Zeit, in der menschliches Leben zur Diskussion und vielfach zur Disposition gestellt ist, zu einer Anthropologie beitragen, die, naturwissenschaftlich gestützt, ein realistisches Menschenbild vermittelt.
Der Verleger Arnold Guillet