Vorwort
Mein Energierad hatte gebrochene Speichen
Vor ungefähr zehn Jahren brach mein Leben völlig zusammen. Ich hatte mich damals bis zur Erschöpfung überarbeitet und meine Beziehungen zu geliebten Menschen, Freunden und Bekannten waren fast wie auf Eis gelegt. Mein Körper versagte zusehends und ich litt unter Depressionen und Zukunftsängsten.
Eines Tages nahm das Unausweichliche seinen Lauf. Ich erlitt zu Hause in meiner Küche einen Kollaps. Man fand mich in unansprechbarem Zustand, ich blutete aus Nase und Ohr und hatte fürchterliche Kopfschmerzen. Umgehend brachte man mich in eine nahegelegene Klinik.
Als Erstes versuchten die Ärzte, eine vermutete, aber nicht lokalisierbare Gehirnhautentzündung mit Cortison zu bremsen, und nahmen gegen meinen Willen eine Rückenmarkspunktion vor. Dann wurde die Diagnose »chronisches Müdigkeitssyndrom« gestellt. Mein Zustand wurde jedoch stündlich kritischer und meine Familie bangte um mein Leben. Mein letzter Lebensfunke brachte mich zur Erkenntnis, dass es besser wäre, mein Ende - falls es tatsächlich nahte - im eigenen Bett und nicht zwischen Schläuchen und Messgeräten, die mir zunehmend Angst bereiteten, zu erwarten. Ich spürte deutlich, dass ich aus diesem für mich so bedrohlichen Umfeld fliehen musste. Ich unterschrieb alle nötigen Dokumente und verließ, trotz meines bedenklichen körperlichen Zustandes, die Klinik.
Damals konnte ich nicht ahnen, dass mir aus dieser meiner tiefsten Not das größte Geheimnis zur Gesundung offenbart würde. Ein Geheimnis von universeller Größe, zum Nutzen aller Lebewesen. Es war das Geheimnis um die Wirkung von pflanzlichen Schutzstoffen in herb, bitter oder scharf schmeckenden Pflanzen, um deren Wert die alte Medizinkultur Tibets seit Jahrhunderten weiß.
In Kontakt mit dieser Medizinkultur kam ich ganz unerwartet: Sie begegnete mir in Gestalt eines mongolischen Arztes, bei dem ich in meiner Not einen Termin für eine Konsultation bekam. Dem Arzt gelang es in der Folge, meine feinstofflichen Energien zu harmonisieren und meinen Zustand zu bessern, bis ich nach einigen Wochen und Monaten wieder ganz genesen war.
Es folgten weitere, für mein privates und berufliches Leben entscheidende Begegnungen. Ich möchte Sie in den folgenden Kapiteln teilhaben lassen an meiner Reise zu den Wurzeln der Tibetischen Medizin und Ihnen die vielfältigen Wirkebenen der Herb- und Bitterstoffe sowie anderer pflanzlicher Geschmäcker erläutern. Dieses Buch soll und kann den ärztlichen Rat und die sorgfältige Abklärung Ihrer Beschwerden durch die Schulmedizin nicht ersetzen.
Wie schon mein anderes Buch Die Tibetische Hausapotheke (s. Anzeige S. 172) soll es aber jenen Lebenshilfe bieten, die als mündige Menschen Heilpflanzen in ihre Lebensführung und Behandlung integrieren möchten. Möge es allen, die bereits einen leidvollen Weg mit einer unheilbaren oder schwer therapierbaren Krankheit gegangen sind, Inspiration und Quelle neuer Erkenntnis und Hoffnung auf Genesung sein.
Ich bin dem tibetischen Volk dankbar dafür, dass es mir ermöglicht hat, Wissen aus diesem großen Kulturschatz zu schöpfen, und möchte diese Erkenntnisse mit Ihnen teilen. Sehr häufig führen Reisen in andere Kulturen zurück zu den eigenen Wurzeln des Heilwissens. Auch in meinem Fall war das so. Mit dem Gedanken des aktiven Mitgefühls der Tibeter für alle fühlenden Wesen möchte ich Sie als Verbündete gewinnen, zum allumfassenden Schutz dieses medizinischen Weltkulturerbes.
Ihre Andrea Überall