Vorwort
Schon seit vielen Jahren faszinieren mich die Natur und unser menschliches Bewusstsein. Durch ausgiebige Studienreisen lernte ich nicht nur unseren wunderschönen Planeten kennen, sondern auch Techniken, die das menschliche Bewusstsein verändern können. Mir fiel dabei auf, dass psychoaktive Pflanzen oftmals ein Hilfsmittel sind, um das Bewusstsein zu verändern.
Während meines Studiums hatte ich die Möglichkeit, mich mit diesem Themenbereich vertiefend zu beschäftigen. So interessierte mich weitgehend alles, was mit Spiritualität, Natur und unserem Bewusstsein zu tun hat. Natürliche Rauschmittel waren dabei die eindeutige Schnittmenge, da diese uns von der Natur zur Verfügung gestellt und mit Religiosität und Spiritualität in Verbindung gebracht werden. Außerdem können sie nur durch unser hochkomplexes Gehirn auf unser Bewusstsein wirken, denn ohne die spezifischen Rezeptoren in unserem Gehirn würden Naturdrogen keine Wirkungen hervorrufen.
Die Chance, eine Diplomarbeit über Naturdrogen zu schreiben und mich somit auf interdisziplinärer Ebene wissenschaftlich mit der Thematik auseinanderzusetzen, ließ ich mir nicht entgehen. Dass diese Diplomarbeit nun in Form eines Buches einem größeren Leserkreis zugänglich wird, freut mich von ganzem Herzen. Ich kann sogar behaupten, dass bis heute noch kein vergleichbares kompaktes Werk über den Gebrauch von Naturdrogen existiert, welches einen solchen Charakter aufweist und die aktuelle rechtliche sowie epidemiologische Situation wiedergibt. Dieses Buch kann den in der präventiven Arbeit tätigen Personen als Leitfaden dienen, um das tatsächliche Risikopotenzial der zurzeit am häufigsten gebrauchten Naturdrogen besser einschätzen zu können.
Ich hoffe, mit dem vorliegenden Buch diese klaffende Lücke zu schließen und wünsche der Leserschaft viel Erhellung bei der Lektüre dieser Arbeit.
Alexander Ochse
Kassel im Sommer 2006
Vorwort: Dr. habil. Jochen Gartz (Leipzig)
Psychoaktive Pflanzen und Pilze üben seit Jahrtausenden eine besondere Faszination auf Menschen in den unterschiedlichsten Kulturkreisen aus. Die beim Verzehr oder bei der Inhalation entsprechender Zubereitungen oder auch schon der unbearbeiteten, frischen Rohprodukte erzielten Wirkungen sind sehr vielseitig und reichen von der Kreislaufstimulation bis hin zu charakteristischen visionären Wahrnehmungen. Durch den spezifischen und unmittelbaren Effekt auf die Psyche werden solche, dem Zeitgeist entsprechend "Naturdrogen" genannte Präparationen auch schon seit Jahrhunderten kontrovers angesehen und z. T. staatlich verfolgt. Diese Verfolgung resultiert aus religiös-ideologischen Gründen bis hin zu - meist mehr vermuteten - gesundheitlichen Folgen, aber teilweise auch zur Unterdrückung unliebsamer Konkurrenz zur legalen Alkohol-, Tabak- und Pharmaindustrie, deren Produkte recht ähnliche Wirkungen erzeugen können.
Die Faszination der Naturdrogen für den Erforscher dieser Wirkstoffe erklärt sich vor allem aus der notwendigen interdisziplinären Vorgehensweise, die geradezu vorbildlich bei der "Entzauberung" der so genannten mexikanischen Zauberpilze durch R. G. Wasson, R. Heim und A. Hofmann ab 1953 zur Isolation der Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin führte. Bei meiner 25-jährigen botanischen und chemischen Erforschung vieler weiterer solcher Pilzarten rund um die Welt erwies sich dieser methodische Ansatz genauso notwendig und sinnvoll wie es bei diesen klassischen Untersuchungen vorbildlich demonstriert wurde. Es ist das Verdienst des Autors, das Gebiet der Naturdrogen umfassend und unter Berücksichtigung der interdisziplinären Aspekte darzustellen.
Die wichtigsten Pflanzen und Pilze dieses Bereiches werden hinsichtlich der Botanik, der geschichtlichen Aspekte und ihrer heutigen Verwendung vorgestellt Gleichzeitig wird mit Recht darauf verwiesen, dass oftmals die Sachverhalte um ihre Verwendung und mögliche Gesundheitsfolgen oft einseitig dargestellt werden, so von Autoren, die in Suchtkliniken arbeiten und denen sowohl die Kenntnis der Ethnopharmakologie, der Botanik und des Gebrauchs außerhalb ihrer speziellen Klientel fehlt. Auch scheint in diesen Fällen das Wissen über die historische "Meskalin-Perioden" nach dem Religionswissenschaftler Karl Kerenyi (1897-1973) völlig zu fehlen. Es ist daher sehr verdienstvoll, dass der Autor sich kritisch mit einzelnen rezenten Darstellungen auseinandersetzt, die dem interdisziplinären Charakter der Betrachtung solcher Pilze und Pflanzen nicht entsprechen. Ich begrüße es daher, dass diese Untersuchung, die ursprünglich als Diplomarbeit ("sehr gut") eingereicht wurde, einem nun größeren Leserkreis in Buchform zugänglich wird.