Vorwort
Es mangelt nicht an Publikationen in Buch- und Artikelform zum Thema klinische Diagnostik. Warum ein neues Lehrbuch der klinisch-psychologischen Diagnostik? Während im englischsprachigen Bereich in den letzten Jahren eine stattliche Zahl von Übersichten und Lehrbüchern zur klinischpsychologischen Diagnostik erschienen ist, sind Publikationen im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema recht rar geblieben. In den englischsprachigen Publikationen sehen wir, dass kontinuierlich über neue diagnostische Modelle, Klassifikationssysteme und Instrumente berichtet wird. Dabei werden auch immer wieder störungsspezifische Kenntnisse vermittelt, die den Leser befähigen, sich den Problemlagen von Patienten modelltheoretisch zu nähern und entsprechende diagnostische Instrumente auszuwählen.
Im deutschsprachigen Bereich dominieren entweder modellspezifische Publikationen zu Problemanalyse und Fallkonzeptionen oder es wird Spezialwissen für die Diagnostik bestimmter Gruppen bzw. Vorgehensweisen angeboten oder man orientiert sich vornehmlich an der Diagnostik bestimmter therapeutischer Schulen. Wir legen nun ein Buch vor, das helfen kann, eine bestehende Lücke zu füllen.
Was haben Leser vom vorliegenden Band konkret zu erwarten? Der allgemeine Teil übermittelt Grundkenntnisse zu den Zielen, Aufgabenstellungen, Vorgehensweisen bzw. Prozessen und Arten der klinisch-psychologischen Diagnostik. Dazu werden Modelle der Klassifikation und Modelle behandlungsorientierter Diagnostik präsentiert und erläutert. In die modifikationsorientierte klinisch-psychologische Diagnostik wurde dabei sowohl therapieschulenübergreifend als auch schulenspezifisch eingeführt (wobei kognitiv-behaviorale Modelle eine besondere Rolle spielen). Bei den schulenspezifischen Zugängen wurde bewusst eine Auswahl getroffen, und zwar in Hinsicht auf Modelle der kognitivbehavioralen, der psychoanalytischen sowie der gesprächspsychotherapeutisch und systemisch orientierten klinisch-psychologischen Diagnostik. Damit sind die in der Praxis weit verbreiteten Verfahren vertreten.
Im Abschnitt über Erhebungsmethoden findet sich ein allgemeiner Überblick zu Methoden der klinisch-psychologischen Diagnostik, wie Interview, Fragebogen, Verhaltensbeobachtung, Erhebung kognitiver Strukturen und Prozesse, psychophysiologische und objektive Untersuchungsverfahren. Prozess- und Verlaufsdiagnostik werden als wichtige Formen einer modifikationsorientierten Diagnostik, auch im Kontext einer kontrollierten Praxis, in einem gesonderten Kapitel vorgestellt. Dass Ressourcen des Patienten bei einer problemorientierten Diagnostik und Therapie systematisch einbezogen werden, ist in den letzten Jahren immer selbstverständlicher geworden. Daher ist die Ressourcendiagnostik hier auch mit einem gesonderten Kapitel aufgenommen. Im störungsspezifischen Teil des Lehrbuchs finden sich klassifikatorisch wie auch modifikationsorientiert angelegte Zugänge. Dieser Teil informiert auch über die wichtigsten Messinstrumente bei den ausgewählten Störungen, speziell aus dem deutschsprachigen Bereich.
Das Lehrbuch der klinisch-psychologischen Diagnostik wendet sich an Studierende wie an Praktiker. Es thematisiert die wichtigsten Grundsätze sowie Neuerungen klinisch psychologischer Diagnostik; so eignet es sich auch als Nachschlagewerk. Das vorliegende Buchkonzept hat es uns ermöglicht, mit ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine vielfältige Expertise zu gewinnen. Wir haben keinen Aufwand gescheut und auch den Autoren einiges zugemutet, um mit einem größtmöglichen Maß an Homogenität der Darstellung die Lektüre zu erleichtern.
Manche Dinge dauern etwas länger. Mit dem vorliegenden Buch hoffen wir, dass sich die Geduld sowohl der Autorinnen und Autoren als auch der Leserinnen und Leser gelohnt hat.
Allen Autorinnen und Autoren sei für ihre Bereitschaft gedankt, bis zur Fertigstellung dieses Lehrbuchs dabeizubleiben. Dieser Dank gilt auch dem Kohlhammer-Verlag, und hier insbesondere Herrn Dr. Ruprecht Poensgen, der sich für die Drucklegung des Buchs in dieser Form engagiert und erfolgreich eingesetzt hat.
Ein besonderer Dank gilt Gerlind Schlottke, die sich mit großem persönlichem Einsatz um die Korrekturen und die Register gekümmert hat.
Im April 2008
Bernd Röhrle Marburg
Franz Caspar Bern
Peter F. Schlottke Tübingen