Vorwort
Innerhalb weniger Jahre haben sich unsere Therapiemöglichkeiten von primären und metastatischen Tumoren des Gehirns entscheidend verbessert. Selbst bei den bösartigsten primären Gehirntumoren, den Glioblastomen, konnten Fortschritte erzielt werden, welche die Prognose zumindest bei einem Teil der Patienten wesentlich verbessern. Darüber hinaus haben die Fortschritte im Verständnis der molekularen Entstehungsmechanismen dieser Tumoren und in der Behandelbarkeit einiger Tumorentitäten eine verstärkte Aufmerksamkeit auf die klinische Neuroonkologie gelenkt. Eine früher oftmals defensive, mitunter sogar nihilistische Haltung ist heute einer offensiveren Herangehensweise gewichen, die bei sorgfältiger Indikationsstellung für belastende Therapien die Verläufe von betroffenen Patienten erheblich verbessern kann.
Das vorliegende Buch »Neuroonkologische Therapie« soll ein systematischer Leitfaden zur Behandlung von Tumoren des Nervensystems sein. Es richtet sich an die »therapeutischen« Fächer Neurochirurgie, Neurologie, Radioonkologie, internistische Hämatoonkologie und pädiatrische Onkologie sowie an die diagnostischen Fächer Neuropathologie und Neuroradiologie. Sehr präzise und wenig belastende diagnostische Maßnahmen sind eine Grundvoraussetzung zur positiven Therapieentwicklung in der Neuroonkologie. Das Buch folgt einer stringenten Systematik: Zunächst werden die allgemeinen Behandlungsmaßnahmen dargestellt, die weitgehend unabhängig von der Tumorhistologie und Tumorklassifikation gelten. In einem zweiten Kapitel wird die histopathologische Einteilung und Gradierung anhand der revidierten Fassung der WHOKlassifikation für Tumoren des Nervensystems dargestellt, wobei sich das Kapitel bereits überwiegend auf die überarbeitete Version der WHOKlassifikation aus dem Jahre 2007 bezieht. Daran schließt sich in separaten Kapiteln eine Darstellung der speziellen Therapie der einzelnen Tumorentitäten des zentralen Nervensystems für primäre intrakranielle Tumoren, für metastatische intrakranielle Tumoren, für primäre und metastatische Tumoren des Rückenmarks sowie für die Tumoren des peripheren Nervensystems an. Die speziellen Therapiemodalitäten, die in Abhängigkeit von der Tumorentität eingesetzt werden - Strahlentherapie, Chemotherapie und experimentelle Therapieverfahren -, werden dann abschließend beschrieben. Ein Sachregister bietet bei einer konkreten klinischen Fragestellung eine unmittelbare Hilfestellung für die Therapieplanung.
Die Abbildungen 7.1 bis 7.5 sind in diesem Band in Schwarz-Weiß wiedergegeben. Wir halten die Abbildungen auch so für aussagekräftig, verweisen aber zum besseren Verständnis auf die Internetseite des Verlages (www.Kohlhammer.de), wo sie unter Service/Downloads/Medizin zum Herunterladen in Farbe zur Verfügung stehen.
Es wäre erfreulich, wenn dieser Band über die fachlichen Informationen zu Diagnostik und Therapie hinaus das Interesse an der Neuroonkologie als einem zunehmend therapeutisch erfolgreichen Fach wecken würde.
Bochum, Tübingen und Hamburg,
im April 2009
Uwe Schlegel
Michael Weller
Manfred Westphal