Vorwort
Seit einigen Jahren ist der Begriff der Evidenzbasierten Medizin (EBM) in aller Munde. Er steht für eine wissenschaftlich fundierte Medizin, die sich der methodischen Grundlagen der Informationsgewinnung bewusst ist. Auch in der Psychiatrie spielt die Evidenzbasierung eine immer wichtigere Rolle. In den neueren Psychiatrie-Lehrbüchern werden die grundlegenden Aussagen zunehmend mit Evidenz-Leveln versehen, die zeigen sollen, ob systematische Übersichtsarbeiten, randomisierte Studien oder andere Studien zum jeweiligen Thema vorliegen. Eine der Konsequenzen hieraus ist, dass evidenzbasierte Interventionen, für die es ausreichend Daten aus der wissenschaftlichen Literatur gibt, wonach sie relevante Ergebnisparameter bei der jeweiligen Patientengruppe verbessern, besonders empfohlen werden.
Für den deutschsprachigen Raum liegen jedoch kaum Arbeiten vor, die die methodischen Grundlagen der Evidenzbasierten Medizin speziell für die Psychiatrie darlegen. Diese Lücke versucht das vorliegende Buch zu füllen. Entscheidender als die Klassifikation wissenschaftlicher Studien ist deren systematische Qualitätsbewertung. In diesem Buch geht es daher in erster Linie um die Methodik der kritischen Beurteilung verfügbarer Evidenz in der Psychiatrie, nicht um die zusammenfassende Darstellung wirksamer Therapieverfahren. Anhand von Beispielen wird gezeigt, worauf bei der Evidenzrecherche, bei der Bewertung der Studien und deren Interpretation geachtet werden sollte. Damit sollen sowohl klinisch Arbeitenden in der Psychiatrie als auch in der Forschung Tätigen Kenntnisse und Fertigkeiten an die Hand gegeben werden, die eine unabhängige Beurteilung therapeutischer Optionen auf der Basis der publizierten Literatur erleichtern.
Für wertvolle Hinweise und Diskussionen danke ich insbesondere Frau Hilda Bastian, Herrn Professor Thomas Becker, Herrn Professor Wolfgang Gaebel, Herrn Professor Paul Glasziou, Herrn Markus Kösters, Herrn Privatdozent Stefan Lange, Herrn Professor Stefan Priebe und Frau Beate Zschorlich.
| Günzburg, im Herbst 2006 | Stefan Weinmann |