Vorwort zur 7. Auflage
Die Justizprüfungsordnungen der Länder sehen die Grundzüge des Strafprozessrechts als festen Bestandteil der Juristenausbildung an den Universitäten vor; jeder Kandidat des ersten juristischen Staatsexamens muss sich darauf einstellen, zu dieser Materie befragt zu werden. Im Vorbereitungsdienst der Rechtsreferendare erfordern die Ausbildungsstationen bei einem Strafgericht oder der Staatsanwaltschaft schon vertiefte Rechtskenntnisse vom Strafverfahren. Bei einschlägigen Studiengängen an den Fachhochschulen - beispielsweise in der Ausbildung des Polizeivollzugsdienstes - kann das Strafverfahrensrecht gar zu einer zentralen Materie werden. Die vorliegende Abhandlung will dem Bedürfnis dieser Personenkreise nach einer komprimierten Einführung in das Strafverfahrensrecht entgegenkommen und dem Leser ein Grundraster strafprozessualer Kenntnisse vermitteln, ohne dass sich dieser in einer verwirrenden Vielfalt von Spezialproblemen verliert.
Ebenso kann der Praktiker vor der Notwendigkeit stehen, sich in einem angemessenen Zeitraum in das Strafverfahrensrecht einzuarbeiten. Ausgangspunkt einer auch für die Praxis brauchbaren Darstellung hat der Standpunkt der Rechtsprechung zu sein, der kritisch zu würdigen ist. Dagegen vermag sich eine einbändige Einführung in das Strafprozessrecht nicht mit der Gesamtpalette wissenschaftlicher Lehrmeinungen vertieft auseinander zu setzen; hier musste sich der Autor vielfach mit Hinweisen begnügen.
Unbestritten ist inzwischen, dass nicht selten bereits im Ermittlungsverfahren, dem sog. vorbereitenden Verfahren, und nicht erst im gerichtlichen Hauptverfahren die maßgeblichen Weichen für den Ausgang eines Strafprozesses gestellt werden, auch wenn die Vorstellungen des historischen Gesetzgebers andere waren. Eine zeitgemäße Darstellung des Strafprozessrechts muss daher bemüht sein, diesen Gewichtsverteilungen gerecht zu werden, z. B. bei der Behandlung der Grundrechtseingriffe zur Aufklärung von Straftaten. Diesem Bestreben verdankt die vorliegende Abhandlung auch ihren Untertitel "Ermittlung und Verfahren". Dennoch wurden das gerichtliche Verfahren und die Rechtsbehelfe geschlossen abgehandelt, wobei zur Vermeidung einer kopflastigen Darstellung dem Ermittlungsverfahren und dem Hauptverfahren gemeinsame Fragestellungen in eigenen Abschnitten "vor die Klammer gezogen" wurden.
Der didaktischen Erfahrung zufolge, dass sich eine Rechtsmaterie dem Lernenden am ehesten in Fällen verständlich erschließt, ist die Darstellungsform systematisch-induktiv, geht also im jeweiligen Lernschritt von der Praxis entnommenen Fällen aus und kehrt zu deren Lösung nach Erarbeitung der theoretischen Grundlagen zurück. Der weiteren Veranschaulichung dienen die Schaubilder. Die 7. Auflage behält das bewährte Grundkonzept und die Gliederung der Vorauflagen bei.
Seit dem Inkrafttreten des 1. Justizmodernisierungsgesetzes vom 24.8.2004 hat der Gesetzgeber weitere gravierende Änderungen im Strafprozessrecht vorgenommen, von denen als wichtigste das Gesetz zur Novellierung der forensischen DNA-Analyse vom 12.8.2005 und das Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG vom 21.12.2007 in der Neuauflage berücksichtigt wurden. Ebenso wurde die Rechtsprechung des BVerf-G, des BGH und des EGMR seit 2004 eingearbeitet, die insbesondere im Bereich moderner technischer Ermittlungsmaßnahmen wie der akustischen Wohnraumüberwachung richtungweisend ist.
Villingen-Schwenningen im November 2008
Bernhard Kramer