Untersuchungen wie PISA zeigen, dass Schulleistungen und Lernmotivation auch vom Geschlecht abhängig sind. Ebenso offenbart die Praxis, dass sich Mädchen und Jungen manchmal unterschiedlich verhalten. Geschlechtsbezogene Pädagogik ist somit ein durchdringendes Anliegen, das jegliches Handeln betrifft. Guter Unterricht führt meistens ans Ziel, aber ohne ergänzende Blicke auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler, das gesamte Schulhaus oder die Eltern fehlen entscheidende Entwicklungsfelder. Was können Lehrpersonen und andere Beteiligte also tun, um geschlechterbewusste Unterrichts- und Schulentwicklung zu realisieren?
«Dieses Buch liefert interessante Hintergrundinformationen, Impulse und spannende Praxisvorschläge zu Themen wie Medienkompetenz, Migration, sexuelle Orientierungen, Gewalt, Krisenintervention und vielen mehr.» Kompetenzzentrum Forschung, Entwicklung und Beratung der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen
Zu diesem Buch
Liebe Leserin Lieber Leser
Ist nicht schon alles gesagt zur Rolle der Geschlechter? Wir alle wissen doch, dass böse Mädchen überall und lesende Jungen nirgends hinkommen. Es heißt, das hänge mit Rollenverhalten, Förderprogrammen, Hirnfunktionen und elterlicher Bildung zusammen. Ob das aber die ganze Geschichte ist? Es stellen sich in der Schule stets neue Fragen, die mit dem Geschlecht zusammenhängen, beispielsweise: «Wie nutzen Mädchen und Jungen Medien?» könnte eine sein. Oder: «Wie begegnen wir Gewalt und Mobbing unter Mädchen und Jungen?», «Welche Faktoren von Heterogenität fließen in die Schule ein und was haben sie mit Geschlecht zu tun?» Bilden und Erziehen ist eine komplexe und anspruchsvolle Tätigkeit. Entsprechend vielfältig sollte auch die geschlechtsbezogene Arbeit sein. In diesem Sinn erweitert das vorliegende Buch den Horizont über die eigentliche Lektion hinaus. Es geht Fragen nach wie: «Was soll und kann das Ziel einer geschlechterbewussten Schule sein? Welche Annahmen verbergen sich hinter unserem Handeln? Was heißt das für die Praxis?» Der Anspruch ist, systemischer zu blicken und geschlechterbewusstes Handeln auf allen Ebenen von Schule mit einzubeziehen. Vier «Brillen» und daraus abgeleitete Strategien im Umgang mit den Geschlechtern sollen zur Reflexion anregen und Werkzeuge für die tägliche Arbeit sein.
Beim Lesen werden Ihnen Texte auf grauem Hintergrund begegnen. Sie dienen der Orientierung und stammen von uns Herausgebenden. Es ist somit möglich, das Buch von vorne nach hinten zu lesen. Oder Sie wählen einzelne, Sie interessierende Themen punktuell aus. Abschnitte, die mit einem Ausrufezeichen versehen sind, liefern ihnen Tipps für die Praxis.
Denkanregungen sind mit einer Glühbirne gekennzeichnet.
Da im deutschsprachigen Raum verschiedene Begriffe existieren, klären wir an dieser Stelle die wichtigsten:
Oft wird von Gender gesprochen und geschrieben. Dieser Begriff wird in Abgrenzung zu Geschlecht (sex) gebraucht. Geschlecht beschreibt das biologische Geschlecht, das (fast immer) aufgrund körperlicher Merkmale feststellbar ist. Gender bezieht sich auf das soziale Geschlecht, also beispielsweise darauf, was wir Menschen als weiblich oder männlich wahrnehmen und verstehen.
Es ist uns ein Anliegen, dass Frauen, Männer, Schülerinnen und Schüler umfassend genannt werden. Deshalb werden dort, wo beide Geschlechter gemeint sind, beide erwähnt. So sind zum Beispiel mit «Schülern» lediglich Jungen gemeint.
In den deutschsprachigen Ländern gibt es für junge Menschen männlichen Geschlechts verschiedene Bezeichnungen. In diesem Buch wird unabhängig vom Alter von Jungen geschrieben.
Für den gemeinsamen Unterricht verwenden wir den Begriff Koedukation, für den nach Geschlechtern getrennten Unterricht Seedukation.
Auch die Bezeichnung der Schulstufen ist im deutschsprachigen Raum alles andere als einheitlich. Wir gebrauchen folgende: Die Primarstufe umfasst das Alter vom 1. bis zum 6. Schuljahr und ist eingeteilt in Unterstufe (1. bis 3. Schuljahr) und Mittelstufe (4. bis 6. Schuljahr). Die Sekundarstufe besuchen die Jugendlichen unabhängig von ihrem schulischen Niveau ab dem 7. Schuljahr.
Abschließend gilt unser großer Dank allen Mitautorinnen und -autoren! Ohne ihr spezifisches Fachwissen und ihre Erfahrungen könnte dieses Buch nie ein so breites Feld verschiedener Zugänge zum Thema Geschlecht und Schule abdecken.
ISBN 978-3-258-07223-4