Vorwort
Rund einhundert Jahre ist es her, dass Moïse Briquet, Albert Schramm und die Pioniere der Papier- und Buchgeschichte ihre Werke vorgelegt haben. Einhundert Jahre, in denen viel geforscht und geschrieben wurde. Eine bloße Auflistung allein der über Papier erschienenen Titel füllt bereits über 1200 Seiten. Mittlerweile sind auch wichtige Handbücher und Kompendien erschienen, die den Experten der Buch- und Papiergeschichte, den Restauratoren, Bibliothekaren, Händlern und Museen ihre maßgeschneiderte Fachliteratur bereitstellen. Bei diesen steht oft das Historische im Vordergrund. Oder es sind Lehrbücher mit praktischen Anweisungen für den richtigen Umgang mit historischen Dokumenten im Archiv oder bei der Restaurierung. Den Überblick über dieses weite Themenfeld zu behalten, fällt da nicht leicht. Wer kennt sie nicht, die Frage «Wie war das noch gleich?». Dieses Lexikon mag helfen, den einen oder anderen Weg in die meist schwer zugängige Spezialliteratur zu vermeiden oder zu erleichtern. Wie schnell lassen neue Techniken alte in Vergessenheit geraten, etwa den Begriff Chromalgraphie, die alte Bezeichnung für mehrfarbigen Flachdruck. Oder was machen wir, wenn wir uns die etwas eigenwillige Sprache der Setzer nicht recht merken können, wenn sie z.B. eine einzelne, letzte Zeile eines Abschnitts als Hurenkind beschimpfen, sobald diese auf einer neuen Spalte zu stehen kommt. Das Lexikon bietet hier schnelle Abhilfe, dient der Übersicht. Vor allem an den Praktiker richtet sich daher das hier vorgelegte Werk, gedacht als schnelle Orientierungshilfe, ein Vademecum mit praktischen Tipps und nützlichen Zusammenstellungen. In diesem Punkt unterscheidet es sich von anderen. In den letzten Jahren erschienen bereits mehrere Lexika zum Thema Buch oder Papier. Es wäre falsch, das zu verschweigen. Sie sind aber in der Regel nur einem Aspekt, dem Papier, dem Buch, dem Einband etc. gewidmet. In der Praxis hat man es aber mit allen Aspekten gleichzeitig zu tun. Kein Buch ohne Papier, keine Bibliothek ohne Bücher, keine Bücher ohne Autoren, keine Autoren ohne Verlage. Und genau diese Brücken müssen geschlagen werden. Gerade die Fragen zum Verlagswesen und Buchhandel kommen in den bisher erschienenen Nachschlagewerken zu kurz. Oder kennen Sie auf Anhieb den Unterschied zwischen Verlags- und Urheberrecht und allen den Autoren zustehenden Nebenrechten? Schauen Sie nach! Gerade solche Stichworte, die mit Übersichtstafeln, Tabellen und Checklisten versehen sind, machen das Lexikon so praxisnahe und geben dem Leser ein unverzichtbares Nachschlagewerk in die Hand. Sie sind es, die eine alphabetische Stichwortliste zu einem wirklichen Nachschlagewerk machen. Vielleicht fallen in diesem Band die beigefügten Notfallmaßnahmen, Verhaltenscodices, Beispiele und Zusammenstellungen reicher aus, als es ein Lexikon erwarten lässt. Den Leser reitzt's zum Schmökern, der Praktiker dankt's!
Martin Kluge
Wissenschaftlicher Leiter Basler Papiermühle
Schweizerisches Museum für Papier, Schrift und Druck