Vorbemerkung des Verfassers
Das Buch über den Rivonia-Prozeß verdankt seine Existenz einer jungen amerikanischen Universitätsabsolventin, Margaret Koff. Sie fragte noch während des Verfahrens bei mir an und wollte ein Buch über den Prozeß schreiben. Es sei wichtig für die ganze Welt, den Mut Nelson Mandelas und seiner Mitangeklagten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sollten sie hingerichtet werden oder im Gefängnis sterben. So lud ich sie ein, und sie kam auch. Doch ihr Aufenthalt war nur kurz. Die Sicherheitspolizei bekam Wind davon und ließ sie deportieren.
Deshalb schrieb ich das Buch selbst in meiner ersten Zeit in London, wo ich mir nach dem Prozeß und dem endgültigen Verlassen Südafrikas einen neuen Job suchte. Aber ich bin kein flüssiger Schreiber und kann als Rechtsanwalt lediglich akkurat über die Ereignisse informieren. Ich schickte deshalb mein fertiges Manuskript an Lionel (Rusty) Bernstein1, der als Angeklagter Nummer 6 freigesprochen worden war und nun auch in England lebte, und bat ihn um seinen Kommentar. Dann ist die Sache in Vergessenheit geraten, denn es fand sich kein Verleger für das Buch. Rusty erinnerte sich nach all den Jahren zwar noch daran, an dem Manuskript gearbeitet zu haben, aber nicht mehr an die Einzelheiten seines Beitrags. Als ich es nun für diese erste Veröffentlichung wieder las, dachte ich, Rusty muß eine Menge verbessert haben. Er bestritt das; aber ich denke schon, daß er einen großen Anteil an der Lesbarkeit des Buches hat.
Beim Wiederlesen wurde mir die damalige Vertrautheit mit den inzwischen großen südafrikanischen Persönlichkeiten fast etwas peinlich. Ich habe den Präsidenten Südafrikas "Nelson", den stellvertretenden Vorsitzenden des Afrikanischen Nationalkongresses "Walter", den stellvertretenden Vorsitzenden des Senats "Govan" und den Ministerpräsidenten des Ostkaps "Ray" genannt. Doch das Buch ist 1965 geschrieben, und damals haben wir uns alle mit Vornamen angeredet.
1 | Lionel Bernstein, Walter Sisulu, Govan Mbeki, Raymond Mhlaba und Wolfie Kodesh sind inzwischen verstorben. Der Senat, den es in der ersten Legislaturperiode einer demokratischen südafrikanischen Regierung (nach britischem Oberhaus-Vorbild) noch gab, gehört der Vergangenheit an. Er wurde durch den Rat der Provinzen ähnlich der deutschen Ländervertretung ersetzt. | |