Vorwort
Als 1990 das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gegründet wurde, war nicht bekannt, wie viele Schlösser oder Gutshäuser noch vorhanden waren. Heute kennt man ihre Zahl genau, es sind mehr als 1 500.
Seitdem im natursteinarmen Norddeutschland harte Ziegelsteine gebrannt wurden, errichtete man neben den großen Stadtkirchen der Gotik, den Burgen und Schlössern der Landesfürsten, überall dort wo Landwirtschaft betrieben wurde, Wohn- und Wirtschaftsbauten aus diesen Materialien. Neben Stallungen und Scheunen, Brennereien und Molkereien entstanden in den Dörfern Tagelöhnerkaten, Büdnereien und Schnitterkasernen, aber auch, meist als Mittelpunkt landwirtschaftlicher Betriebe (Güter), Wohnbauten für deren Besitzer, die sich durch Größe, architektonische Besonderheiten, Nebengebäude und der Lage im oder an einem Park von den übrigen Häusern in den Dörfern unterschieden. Viele unbekannte und bekannte Architekten lieferten dafür Entwürfe, die von einheimischen Bauleuten in sehenswerter Qualität umgesetzt wurden.
Aus dem Mittelalter sind nur noch wenige Burgen und Burgtürme erhalten geblieben. Aus der Renaissance und dem Barock findet man schon eine größere Zahl erhaltener, wenngleich auch oft umgebauter Bauwerke. Besonders im 19. Jahrhundert wurden viele Schlösser und Gutshäuser errichtet und Parks angelegt. Ausgangspunkt dafür war die sich durch wissenschaftlich-technischen Fortschritt auszeichnende, hohe Gewinne abwerfende, landwirtschaftliche Produktion. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs endet die Neubautätigkeit.
Die veränderte Weltwirtschaftssituation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedingte auch einen Niedergang der Landwirtschaft, was nicht selten zu Konkursen, Zwangsverkäufen und Neubesiedlungen der Güter mit eigenständig wirtschaftenden Bauern auf eigener Scholle führte, die bis dahin in der Landwirtschaft Mecklenburgs und Vorpommerns nur eine untergeordnete Rolle spielten. In diesem Zusammenhang wurden auch so manche Schlösser und Gutshäuser als Schulungs- oder Altersheim genutzt. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Schlösser und Gutshäuser Umsiedlern und Flüchtlingen als Wohnungen und wandelten sich zu Mehrfamilienhäusern. Die Parks lieferten Brennholz, was natürlich nicht spurlos an ihnen vorüberging. Umbauten, Neubauten, aber auch andere Nutzungen, wie z. B. Freilichtbühnen in den Parks, veränderten die bauhistorische Situationen in den Dörfern erheblich.
Durch den gesellschaftlichen Umbruch nach 1989/90 entstand hinsichtlich der Nutzung der Schlösser und Gutshäuser eine neue Situation. In der Regel gehörte dazu der Verlust jeglicher Nutzung als Wohnraum wie auch Arztstationen, Kindergärten, LPG-Verwaltungen, Dorfkonsum, Gaststätten, Ferien- oder Altersheime.
Allerdings brachte die Privatisierung auf dem Lande, auch der Schlösser und Gutshäuser, wieder andere Möglichkeiten, die Gebäude zu verwerten, mit sich, die von der Wohnung im Schloss über die Nutzung als Verwaltungssitze neuer landwirtschaftlicher Betriebe bis hin zu Ferieneinrichtungen und Hotels reicht. So weist nach Jahren der Stagnation in vielen Dörfern die Rekonstruktion der Schlösser und Gutshäuser bereits sehenswerte Erfolge auf, von denen in diesem Buch auch berichtet wird.
Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass viele Schlösser und Gutshäuser bis heute keinen neuen Eigentümer, keine neue Zweckbestimmung gefunden haben, was für alle sichtbar, zu schnellem Verfall führt, denn: "Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert" (Peter Joseph Lenné).
In diesem Band werden ausgewählte Bauwerke und Parks in den Kreisen Rügen, Nordvorpommern, Ostvorpommern, Demmin und Uecker-Randow, vorgestellt. Die Fotos entstanden zwischen Mai 2000 und Mai 2001. Für Hinweise und Ergänzungen sind die Autoren und der Verlag dankbar.
Neubrandenburg und Stäbelow bei Rostock im November 2001.
Dr. Neidhardt Krauß
Egon Fischer