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Antike Medizin
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Vorwort


Das Thema "Antike Medizin" erfreut sich, befördert durch neue interdisziplinäre Ansätze wie z.B. Historische Anthropologie oder Gender Studies, in den letzten Jahren eines besonderen Interesses, sowohl in der Fachwelt als auch in einer weiteren Öffentlichkeit. Der Forschungsstand zur antiken Medizingeschichte hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm differenziert. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts führen nationale und internationale Arbeitskreise (darunter die regelmäßigen Konferenzen der "Colloque International Hippocratique" und "Colloque Galeniquo") die beteiligten Forscher der unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Die wissenschaftliche, an Universitäten betriebene Medizingeschichte der Antike ist interdisziplinär angelegt. Thematisch wird sie seit jeher als ein Teil der Medizin verstanden und ist daher an den Instituten für Geschichte der Medizin angesiedelt. Das Thema "Antike Medizin" gehört jedoch auch zu den Altertumswissenschaften, besonders zur Alten Geschichte und zur Klassischen Philologie, die gerade in Deutschland eine lange Tradition der Erforschung der antiken Medizin haben. Andere, an der antiken Medizin interessierte Fächer sind Byzantinistik, Arabistik, Mediävistik und Archäologie.

Die Kulturgeschichte der Antike ist durch Nachschlagewerke gut erschlossen. Der jüngst fertiggestellte, 15bändige "Neue Pauly" läßt, gemeinsam mit dem Jahrhundertprojekt der älteren vielbändigen "RE", dem "Kleinen Pauly", weiterhin auch dem (Lexikon der Alten Welt), kaum ein Phänomen der antiken Kultur unberücksichtigt. Und doch ist gerade die Medizin in diesen Lexika ein Randbereich, der hauptsächlich über Artikel zu den antiken Ärzten abgehandelt wird. Lediglich der "Neue Pauly" weist auch Sachstichwörter aus dem medizinischen Bereich auf.

Hingegen enthält das vorgelegte Lexikon rund 1000 Artikel sowohl zu Personen als auch zu zahlreichen Sachstichwörtern, die bislang in dieser Form, d. h. konzentriert auf die medizinischen Aspekte, in keinem Nachschlagewerk abgehandelt wurden.

Im Mittelpunkt des Lexikons steht die griechisch-römische Kultur; der zeitliche Rahmen erstreckt sich von der archaischen Zeit Griechenlands bis in die Spätantike. Byzantinische Namen und Sachstichwörter dieser Epoche sind vereinzelt aufgenommen. Ausgeschlossen bleiben hingegen Namen und Begriffe, die eindeutig in andere Epochen bzw. Kulturen fallen (Lateinisches Mittelalter, Islam). Diese Themenkreise werden hier in Überblicksartikeln skizziert. Derartige Übersichtsartikel finden sich auch für die ägyptische und mesopotamische Medizin. Wichtigste Quellengattung sind Texte, während die Beiträge, die Archäologie und Paläopathologie zur Kenntnis der antiken Medizin beisteuern, wiederum in Überblicksartikeln erfaßt sind.

Die Sachstichwörter decken alle Bereiche der antiken Heilkunde ab. Neben Begriffen direkt medizinischen Charakters wie "Abszeß" oder "Abtreibung" sind daher Stichwörter wie "Alter" und "Armenversorgung", "Sklave" und "Wunderheilung" abgehandelt. Medizin der Antike meint nicht nur das Wirken und Denken derjenigen, die sich selbst als "Ärzte" (griech. iatroi, lat. medici) verstanden, sondern alle am (Gesundheitsmarkt) beteiligten Gruppen und sämtliche Phänomene, die mit Gesundheit und Krankheit zu tun haben.

Bei den Artikeln zu Personen (Ärzte, Heiler, Philosophen, sonstige Persönlichkeiten) werden zunächst deren Biographie und Ergographie skizziert, gefolgt von einem inhaltlichen Überblick über Hauptaspekte ihres Werkes, gegebenenfalls ergänzt durch Angaben über die Rezeption des betreffenden Autors in der Antike. Je nach Autor kann auch die nachantike Rezeption thematisiert werden, dies gilt insbesondere für Autoren mit wirkmächtiger Tradition wie Aristoteles, Galen, oder Hippokrates. Auf den Artikel folgen Angaben zu Ausgaben der Werke dieses Autors, danach Forschungsliteratur, alphabetisch nach modernen Autoren geordnet. Querverweise im Text führen auf sinnverwandte Namen und Begriffe und schaffen so insgesamt ein Netzwerk.

Bei den Sachstichwörtern beginnt der Artikel mit einem terminologischen Überblick, der die Wortfelder in griechischer und lateinischer Sprache abgrenzt. Es folgt eine Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Problems, die chronologisch oder systematisch aufgebaut ist. Ein Grundgedanke des vorliegenden Werkes besteht darin, die Aussagen durch Quellenbelege im Text des Artikels zu stützen.

Bei zahlreichen Lemmata handelt es sich um eingedeutschte griechische Begriffe, z.B. "Anthrax", "Epilepsie", "Satyriasis". Die jeweiligen Artikel erläutern den antiken Gehalt dieser Begriffe (unter Hinweis auf Unterschiede zu deren moderner Verwendung). Andere Lemmata bezeichnen heute in der Medizin geläufige Handlungen oder Phänomene, z. B. "Anamnese", "Diagnose", "Kunstfehler", "Visite", für die es in der antiken Medizin keine festen Begriffe oder Vorstellungen gab. Auch hier war die Lesbarkeit, die den Schritt vom Vertrauten zum Fremden begleitet, vorrangig. Hierzu gehört, alle griechischen Wörter in lateinischer Umschrift, unter Verwendung einfacher Sonderzeichen, kursiv wiederzugeben (z.B. "gr. epilēpsia"). Diese Art der Umschrift bedeutet keinen Verlust an wissenschaftlicher Substanz; die zurückgehende Kenntnis des Griechischen, nicht nur unter den allgemein Interessierten, sondern auch unter Historikern allgemein ist ein Faktum. In englischsprachigen Publikationen ist diese Umschrift schon seit längerem üblich. Ähnliches gilt für die Umschrift von Wörtern aus orientalischen Sprachen.

Das vorliegende Lexikon versucht als handliches Nachschlagewerk für Forschung und Lehre, ferner für interessierte Laien, den aktuellen Forschungsstand zuverlässig und knapp darzubieten.

Das Buch wurde in einer interdisziplinären und internationalen Zusammenarbeit geschaffen. Der erste Gedanke entstand im Herbst 1996, und schnell konnte ich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen verschiedener mit dem Thema "antike Medizin" befaßter Fachgebiete als potentielle Beiträger gewinnen. 90 Gelehrte aus Deutschland, den Niederlanden, England, Österreich, Italien, der Schweiz, Griechenland, Israel, den USA und Kanada verfaßten Artikel, die Themenschwerpunkte ihrer eigenen Arbeit betreffen. Mein erster Dank gilt diesen Autorinnen und Autoren für ihre Mitwirkung, auch für ihre Geduld und Nachsicht gegenüber den z.T. (un-)vermeidbaren Fehlern und Schwächen des Herausgebers.

Anfänglich empfing ich Ratschläge und Anregungen von Gerhard Fichtner, Klaus-Dietrich Fischer, Dietlinde Goltz, Rudolf Hiestand, Paul Potter, Heinrich von Staden und Renate Wittern. Besonderen Dank weiß ich Hellmut Flashar, Fridolf Kudlien und Wolfgang Kullmann für ihre wohlwollende Unterstützung. Sibylle Ihm, Otta Wenskus und Manfred Horstmanshoff trugen in der ersten Phase in großherziger Weise zur inhaltlichen Ausrichtung und (Qualitätssicherung) des Projektes bei.

Der Verlag C.H.Beck, München, fand sich sogleich bereit, das auf lange Dauer angelegte Werk in sein Programm aufzunehmen. Die Universität Freiburg förderte das Projekt durch eine Anschubfinanzierung von 1997 bis 1999, wofür dem Rektor, Magnifizenz Wolfgang Jäger, und Simone Schwer herzlich gedankt sei. Über Jahre konnten so zunächst Oliver Hellmann, anschließend Alexis Heede an dem Projekt mitwirken. Ihre gründlichen und sorgfältigen Recherchen, ihre Materialsammlungen und redaktionellen Tätigkeiten trugen wesentlich zum Gelingen bei.

Die Fritz Thyssen Stiftung förderte das Projekt über einige Jahre mit einer großzügigen Sachbeihilfe, die es ermöglichte, Marion Stamatu als wissenschaftliche Mitarbeiterin einzustellen. Sie verfaßte fachkundig ein Fünftel der Artikel und beteiligte sich an der Redaktion des Gesamtwerkes. Das Buch entstand nicht in einem Zug. Eine erste Arbeitsphase reichte von 1997 bis 1999. Für etwas mehr als zwei Jahre mußte die Arbeit dann unterbrochen werden, bedingt durch neue Aufgaben und Verpflichtungen. Die zweite Chance bot sich im Juli 2002. Seither ging die Arbeit intensiv weiter. In dieser Phase unterstützten mich besonders Elisabeth Demuth, Bernd Grün, Frans Schlesinger und Christian Schulze.

Über viele Jahre begleiteten meine Freiburger Institutskollegen mit Rat und Tat die Arbeit am Lexikon; herzlich danke ich Ulrich Tröhler, Nicholas Eschenbruch, Hans-Georg Hofer, Cay-Rüdiger Prüll und Thomas Schlich. Lutz Sauerteig gab mir entscheidende Hinweise zur Organisation des Projekts. Dank gebührt weiterhin Natascha Beyer und Heike Breuer. Generationen von studentischen Hilfskräften unterstützten meine Arbeit; hervorgehoben seien Florian Braune, Stefanie Ellinghaus, Silvia Haslauer, Veronika Klaus, Manfred Kleimaier, Sabine Klingan, Petra Leute, Petra Meedt, Elisabeth Ritter, Georg Schomerus und Annette Thierauf. Unermüdlichen und klugen Beistand erfuhr ich zuletzt von Carolin Küppers, Nadine Metzger, Jonas Özbay und Anis Towfiqh. Beim Lesen der Korrekturen halfen mir Thomas Koch und Bernd Nothofer.

Über den gesamten Zeitraum empfing ich von Manfred Horstmanshoff freundschaftlichen Rat, wichtige Hinweise und Aufmunterung. Weiterhin verdanke ich meinem Lehrer Eduard Seidler einen besonderen Ansporn. Marion Stamatu weiß ich Dank für eine stets erfreuliche Zusammenarbeit und besonders dafür, daß sie nach Beendigung ihrer Tätigkeit am Projekt ihre Präzision und Effektivität in die Schlußphase der Redaktion einbrachte. Stefan von der Lahr, Lektor des Verlags C.H.Beck, unterstützte mich kompetent und liebenswürdig über acht Jahre hindurch, zugleich beharrlich und geduldig, Frau Andrea Morgan glich sorgfältig die Korrekturen ab.


Den größten Dank sage ich meiner Familie, meiner Frau und unseren Kindern, für ihr Verständnis und ihre Ermunterung. Über Jahre saß das Lexikon unsichtbar bei uns mit am Tisch, und manches Lego-Schiff blieb ungebaut wegen des "Buches".



Freiburg, am 11. November 2004

Karl-Heinz Leven




 
   


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