Vorwort
Es gibt zwei gegensätzliche Wege, auf denen wir Kindern Physik als eine Naturwissenschaft eröffnen können. Der erste wird vom Ende her geplant: von den Grundbegriffen und den mathematischen Strukturen der heutigen Physik, und geht darauf aus, sie einleuchtend zu machen.
Den Anfang des zweiten Weges sucht der Lehrende zu finden, indem er zusieht, wie aus unbeeinflußten jungen Kindern durch die Begegnung mit absonderlichen Naturphänomenen ursprüngliche Ansätze physikalischen Verstehens herausgefordert werden.
Indem der Lehrer den einen oder den anderen dieser beiden Zugänge wählt, trifft er eine erzieherische Entscheidung. Sie ist von Bedeutung für das Verhältnis des Heranwachsenden zur Natur wie zur Naturwissenschaft.
Für den zweiten, den "genetischen" Weg legen wir Zeugnisse vor in dem Wunsch, eine didaktische Hilfe zu bieten und zur Fortsetzung derartiger Dokumentationen anzuregen.
Die Reihenfolge der Beiträge der drei Autoren ist bestimmt durch die schrittweise zunehmende Einmischung des Erwachsenen in den Verstehensprozeß.
Im ersten Teil fehlt sie so gut wie ganz. Das problematische Phänomen löst sich durch seine Sonderbarkeit aus dem Gewohnten von selbst beunruhigend heraus und motiviert spontanes Fragen und kreatives Suchen nach Einordnung. Man erfährt davon aus den Notizen aufmerksamer Eltern oder aus den späten Erinnerungen der Kinder, nachdem sie Erwachsene geworden sind.
Die zweite Dokumentation unterscheidet sich hiervon dadurch, daß es ein Erwachsener ist, der das erstaunliche Phänomen schon ausgewählt hat und nun Schulkindern schweigend präsentiert. Was die Kinder sagen und tun, wird mitstenographiert.
Der dritte Beitrag beschreibt schon Schulunterricht (Grundschule). Auch hier stellt der Lehrer das motivierende Phänomen stumm vor, nun aber einer Kindergruppe. Sie erkennt die Frage und versucht sie in diszipliniertem Gespräch und Experiment zu entwirren. Der Lehrer ist höchst zurückhaltend. Das Gespräch wird auf dem Tonband festgehalten.
Dieses Buch möchte Lehrer und Eltern dazu ermutigen die Kinder nicht zu unterschätzen. Sie sind schon von sich aus "wissenschaftsorientiert" und bleiben es, wenn wir ihnen nicht den Wind aus den Segeln nehmen durch ein Übermaß an Belehrung.
Die Verfasser