Nur 80 Jahre dauerte die glanzvolle Zeit des Bruchsaler Schlosses. 1802 gelangte die ab 1722 errichtete Residenz der Fürstbischöfe von Speyer in den Besitz des Landes Baden. Nach 1832 verfiel die Anlage zusehends und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder als kunsthistorisch wertvolles Ensemble erkannt. Heute zählt das Schloss nach den Zerstörungen von 1945 zu den großen Wiederaufbauleistungen der Nachkriegsjahrzehnte.
Balthasar Neumanns berühmtes Treppenhaus, die Malereien der Erdgeschossräume, aber auch Reste der barocken Gartenkonzeption zeugen von dem kenntnisreichen Bauherrn Kardinal Damian Hugo von Schönborn, der in der Anlage Einflüsse unterschiedlichster Herkunft verarbeiten ließ. Unter seinem Nachfolger Franz Christoph von Hutten entstanden die prunkvollen Rokokodekorationen der Festsäle und der heute verlorenen Appartements der Beletage. Im Schlossgarten mit seinem reichen Baumbestand haben auch das 19. und 20. Jahrhundert ihre Spuren hinterlassen.
Der Silbergraue Führer begleitet den Besucher durch die Schlossanlage und erläutert deren wechselvolle Geschichte, die mit der geplanten Wiedereinrichtung der Beletage auch in Zukunft weitergeschrieben wird.
Bruchsal, die Residenz des Fürsten Bischofs von Speyer, ist durch ihre vortreffliche Anlage und Bauart bekannt. Das Schloß ist gewiß eines der edelsten und schönsten Werke in ganz Deutschland. Sein Ansehen, seine Form, seine Colonnade beym Eingang, worüber ein Altan sich erhebt, die Structur seines Eintritts, die prächtigen Säle, worunter sich der Marmorsaal ganz besonders ausnimmt, die bequeme Verbindung aller Zimmer, ihre reiche und feine Auszierung, alles vereinigt sich, ein herrliches Werk der Architektur und des Geschmacks darzustellen. Alle Nebengebäude, wozu auch besonders die Kirche gehört, machen ein treffliches Ganzes aus.
Christian Cay Lorenz Hirschfeld, aus: Theorie der Gartenkunst, Leipzig 1779