Vorwort
Lange haben die deutschen Museen die Provenienzforschung an Raubkunst vor sich hergeschoben. Diesem Thema entkommt man auf Dauer allerdings nicht. Nach der »Washingtoner Konferenz« von 1998 und der im darauf folgenden Jahr veröffentlichten »Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz« haben es sich nur ganz wenige Museen in Deutschland bisher zur Aufgabe gemacht, ihre Bestände daraufhin zu untersuchen, ob sie einstmals in jüdischem Besitz waren und unrechtmäßig in das Eigentum der Museen übergingen.
Die Stadt Augsburg bemüht sich seit dem Jahr 2001 die Herkunft der Bestände der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung offenzulegen und den Nachlass eines auch im Dritten Reich tätigen Kunsthändlers, der unter anderem auch Werke für Hitlers geplantes »Führermuseum« in Linz lieferte, aufzuarbeiten. Die Untersuchungen zogen sich über Jahre hin und die Ergebnisse sind in diesem Band veröffentlicht. Aber auch schon vor Veröffentlichung der Aufarbeitung des Haberstock-Nachlasses haben Wissenschaftler, Auktionshäuser und Museen nicht nur aus Deutschland, sondern weltweit rege Einsicht in die vorhandenen Archivalien des Haberstock-Nachlasses genommen. Einige ungeklärte Fälle konnten insbesondere aufgrund der
Eintragungen in den Geschäftsbüchern der Galerie Haberstock aufgeklärt werden und führten in manchen Fällen auch zu Restitutionen.
Die Stadt Augsburg fördert mit dieser Publikation das schon seit langem begehrte Anliegen, die in den Kunstsammlungen nun seit Ende der 1990er Jahre begonnene Aufarbeitung des Haberstock-Nachlasses und die damit verbundenen Recherchen zu den zur Haberstock-Stiftung zugehörigen Gemälden und Grafiken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der offensive Umgang mit dieser Thematik liegt den Verantwortlichen sehr am Herzen.
Mit der Präsentation der aus Stiftung und Nachlass Haberstock stammenden Kunstwerke im Rahmen einer Sonderausstellung und der Offenlegung der Geschäftsbücher der Galerie Haberstock hofft die Stadt Augsburg einen substantiellen Beitrag zur Aufarbeitung der jüngeren Geschichte zu leisten.
Dr. Kurt Gribl
Oberbürgermeister der Stadt Augsburg