Vorwort zur 5. Auflage
Steuerreformen und kein Ende. Jedes Jahr wird das Steuerrecht nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums durch Reformen verbessert. Dem Bürger hingegen erscheint das Steuerrecht immer schwieriger. Zwar mag jede einzelne Änderung für sich gesehen sinnvoll oder notwendig sein, das Steuerrecht als Ganzes betrachtet wird dadurch aber nicht besser, sondern immer komplizierter. Und immer häufiger zweifelt der Bundesfinanzhof als oberstes Steuergericht an Regelungen des deutschen Steuerrechts. Noch nie gab es so viele Verfassungsbeschwerden im Steuerrecht. Selbst die Finanzverwaltung nimmt notgedrungen die Festsetzungen der Einkommensteuer in vielen Punkten nur vorläufig vor. Der Steuerbescheid bleibt insoweit änderbar und der Bürger weiß über Jahre hinweg nicht, wie hoch seine Steuerlast dieser vorläufig festgesetzten Jahre letztlich sein wird.
Ein "einfaches" Steuerrecht scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Wer mehr verdient, muss auch mehr Steuern zahlen, so die sicherlich richtige These des Bundesfinanzministers. Die progressive Einkommensteuer steht für den Gedanken der Verteilungsgerechtigkeit. Ein Viertel der "hochverdienenden" Steuerzahler zahlen drei Viertel der Einnahmen aus der Einkommensteuer. Spitzenverdiener müssen seit der Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 45 Prozent wieder mehr Einkommensteuer zahlen.
Nach einem Focus-Bericht sind seit dem Jahr 2000 fast 5 Mio. Deutsche aus der Mittelschicht in die Randzonen der Gesellschaft abgewandert. Vor allem die Zahl der Niedrigverdiener stieg. Jeder Vierte gilt als Niedrigverdiener. Während vor sieben Jahren noch 62,3 Prozent der Bevölkerung über ein mittleres Einkommen verfügten, ging der Anteil bis 2006 auf 54,1 Prozent zurück, wie aus einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Die Einkommensschere öffnet sich weiter. Das mittlere Jahreseinkommen in Deutschland lag laut Erhebung zwischen 2000 und 2006 im Durchschnitt bei knapp über 16.000 Euro netto. Als Mittelschicht wird die Bevölkerungsgruppe bezeichnet, die 70 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens verdient. Zu den Niedrigverdienern zählen die DIW-Forscher Bezieher von Einkünften unter 70 Prozent des Durchschnitts. Spitzenverdiener hingegen liegen mehr als 150 Prozent über dem mittleren Einkommen. Freiberufler gehören damit eher zu den besser verdienenden Bürgern in Deutschland. Sie gehören damit zu den starken Schultern, die die Last des Staates tragen sollen. So wird die Einbeziehung der Freiberufler in die Gewerbesteuer angestrebt, Betriebsprüfungen werden intensiviert. Die Bürokratie wird ins Unermessliche gesteigert; man denke hierbei nur an das korrekte Ausfüllen der Anlage EÜR bei vereinfachter Gewinnermittlung. Auch wenn der Freiberufler einen Steuerberater hat, muss er sich zusätzlich auch selbst um seine Steuern kümmern, damit seine Steuerlast auf das notwendige Maß reduziert werden kann.
Ziel dieses Buches ist es, den Angehörigen der freien Berufe die Möglichkeit zu geben, sich rasch über die sie betreffenden Steuerfragen, Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten zu informieren. Zu diesem Zweck sind in alphabetischer Reihenfolge steuerlich bedeutsame Einzelvorgänge, steuerliche Rechtsbegriffe sowie die Grundzüge der wichtigsten Steuerarten abgehandelt. Besonderen Raum nehmen dabei u.a. Ausführungen zur Abgeltungsteuer, zur Erbschaftsteuerreform, zur steuerlichen Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten, zum Mini-Job sowie zur Unternehmensteuerreform 2008 ein. Zahlreiche Beispiele sollen das Verständnis komplizierter Zusammenhänge erleichtern und zur Vermeidung steuerlicher Gefahrenquellen beitragen.
Weinheim, im Mai 2008
Holger Meyer