Zahlreich sind die Zeugnisse des monastischen Lebens in Europa. Klösterliche Küche und monastische Spiritualität erregen Neugier und Interesse. Klöster und Abteien ziehen alljährlich Tausende von Touristen und Kunstfreunden an. Gregorianischer Choral, der gottesdienstliche Gesang des abendländischen Mönchtums, gelangt unversehens in die Charts...
Doch was steckt hinter all diesen Steinen, Buchstaben und Ritualen? Welcher Geist hat die Beter, Hauherren und Pioniere von einst beseelt? Und welcher Geist lebt noch immer in den großen Bauten abendländischer Klöster, die da so unübersehbar in der europäischen Landschaft stehen?
Die Frage lässt sich nur beantworten, wenn man den Blick von der Gegenwart aus auf eine mehr als anderthalb Jahrtausende alte Geschichte richtet. Genau diese Geschichte bildet den roten Faden dieses Buches. Es zeichnet Mühen und Tiefen, Aufstieg und Verfall, Krisen und Neubeginn einer Lebensform und Institution nach. Und überraschend zeigt sich dabei, wie sehr die Geschichte des klösterlichen Lebens mit der allgemeinen Geschichte Europas verknüpft ist, die ohne das Wirken der Frauen und Männer im Ordensgewand nicht vorstellbar und nicht verständlich wäre.
Mönchtum ist eine der wenigen Lebensformen, in denen die sonst anonym bleibende religiöse Dimension des Menschen noch sichtbar und öffentlich greifbar zum Beruf wird, der zugleich die private Sphäre umschließt und beansprucht, eine denkwürdige Weise, etwas vom absoluten Atem des Religiösen anschaulich zu machen.
ISBN 3-429-02325-4