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Eingegangen in die ewigen Jagdgründe
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Vorwort

Wenn die Geschichte nicht wahr sein sollte, dann ist sie zumindest gut erfunden: Hans Mader, der als Pfarrer im schleswig-holsteinischen Ratzeburg schon aus beruflichen Gründen jahrelang Todesanzeigen gesammelt und sie in einem ebenso heiteren wie nachdenklichen Buch1 herausgebracht hat, gibt sie wieder. Da soll eine Anzeige mit folgendem Spruch erschienen sein: "Ruhe sanft auf beiden Seiten, wenn noch Platz: Auf Wiedersehen." Ein Beerdigungsunternehmen habe diesen merkwürdigen Spruch im Kundenauftrag bei der Anzeigenagentur einer Zeitung abgegeben. Doch der vermeintliche Kundenauftrag war - zumindest für dieses Medium - ein fataler Irrtum. Der Text war dem Merkzettel entnommen, den der Sohn des Verstorbenen für die Gestaltung der Kranzschleife notiert hatte. Auf beiden Seiten der Schleife sollte stehen: "Ruhe sanft" und wenn es darunter noch freien Raum geben sollte: "Auf Wiedersehen". Als Zeitungsanzeige musste der gut gemeinte Wunsch nur unfreiwillige Komik verbreiten ...

Von solch unfreiwilliger Komik sind nicht wenige Todesanzeigen geprägt. Manchmal entspringt sie der Unbeholfenheit der Hinterbliebenen im Umgang mit der Sprache: "Sprachliche Holprigkeiten weisen auf eine unbewusste Unsicherheit im Umgang mit dem Tod hin"2 : Wenn beispielsweise vom Ableben der "Ehefrau, Mutter, Oma, Schwester, Schwägerin und Tante" die Rede ist, dann wird damit nicht etwa ein Massaker in einem braven Bürgerhaus annonciert, sondern es handelt sich lediglich um eine grammatikalische Familientragödie. So gesehen ist natürlich auch die beliebte Formulierung fragwürdig, "mit Herrn XY starb ein Großer seines Fachs". Der Philologe wird fragen: "Also starben zwei?"3

Gelegentlich vergreifen sich die Freunde und Verwandte in den benutzten Bildern oder den Zitaten an wirklichen oder auch nur vermeintlich großen Dichtern. Ganz unerträglich wird es zumindest für Sprachästheten oftmals dann, wenn sich ein wohlmeinendes Glied der Trauergemeinde selbst in Gebrauchslyrik für triste Anlässe versucht. Kurzum: Todesanzeigen in Zeitungen sind nicht nur sachliche In-formationsträger - wenngleich sie das natürlich ganz überwiegend sind und bleiben -, sondern gelegentlich auch Quelle einer für den an sich ja eher traurigen Anlass unüblichen Heiterkeit.

Vor allem aber sind Todesanzeigen aussagekräftige Zeitzeugnisse. Sie dokumentieren Geschichte, Sozialgeschichte, Medizingeschichte, Brauchtum und regionale Besonderheiten, Politik und Zeitgeist. Sie sagen etwas aus über den Umgang der Menschen miteinander; das Verhältnis zum Tod ebenso wie die Sicht des Lebens; über Religion und Weltanschauung und die Beziehung der jeweiligen Zeitgenossen zu den so genannten "letzten Dingen". Kurzum: Todesanzeigen sind ein aufschlussreiches Spiegelbild der Gesellschaft.

Die Geschichte der veröffentlichten Todesanzeige in Deutschland ist gerade mal etwas über 250 Jahre alt. Im "Ulmer Intelligenzblatt" erschien im Jahr 1753 folgender Text: "In der Nach unterm 14. huj. ist Titl. Herr Johann Albrecht Cramer, weiland des Raths, Zeugherr und Handelsmann allhier, in einem Alter von 70 Jahren an einem Schlagfluss gestorben."4

Ursprünglich diente diese Art von Mitteilungen einem kommerziellen Zweck. Sie informierte nämlich die Handelspartner darüber, in wessen Händen nach dem Tod eines Geschäftsinhabers die Verantwortung für die Firma künftig lag und an wen als Erben oder Nachbesitzer sie sich somit zu wenden hatten. (Ein Relikt dieser ursprünglichen Intention sind bis heute die Nachrufe von Unternehmen auf verstorbene Mitarbeiter. Sie werden in der Regel aus dem Etat des Unternehmensbereichs "Public relations" finanziert, was ihnen dann zumeist auch anzumerken ist: Die Grenzen zur platten Produktwerbung sind, wie Beispiele zeigen, peinlich schwimmend.)

Vorläufer der gedruckten Todesanzeige war der "Leichenbitter", eine Art Amtsdiener, der die Aufgabe hatte, in der Öffentlichkeit den Tod eines Menschen bekannt zu machen und zur "Leich" - im Süddeutschen heute noch Synonym für Begräbnis - zu "bitten". Auch kündete früher die "Sterbeglocke", eine zumeist kleinere Einzelglocke im Geläut des Kirchturms, vom Tod eines Mitbürgers. Der Pfarrer gab die näheren Einzelheiten von der Kanzel herab in den "Vermeldungen" bekannt.

Gewandelt haben sich in diesen zweieinhalb Jahrhunderten sowohl der Inhalt als auch die Gestaltung der Todesanzeigen. So fand erst gegen 1890 der so genannte "Trauerrand", ein mehr oder weniger dicker schwarzer Rahmen um den Text, Eingang in die Zeitungsspalten.5

Heute zählt die Seite mit den schwarzumrandeten Meldungen zu den meistgelesenen jeder Tageszeitung. Hans Mader glaubt, dass dies vor allem mit dem Vergleich der Lebensdaten des Lesers mit denen des Verstorbenen zu tun hat: "Ist jemand aus meinem Jahrgang gestorben oder gar noch jünger gewesen als ich, dann überkommt mich ein leiser Schauer, und ein dumpfes Gefühl der Angst kriecht in mir hoch. Ich frage mich nach meinem Ende, nach der Zeit, die mir noch verbleibt. Mit wird bewusst, dass ich mit jedem Tag, mit jeder Stunde unaufhaltsam auch meinem Tod entgegengehe."6

Als gleichgewichtiges Motiv mag es allerdings auch jene "klammheimliche Freude" bei der Lektüre von Todesanzeigen geben, die - gerade bei persönlich bekannten Menschen - recht selbstzufrieden konstatiert: "Den habe ich überlebt!". Ein Kollege pflegte jedes Mal, wenn er vom Tod eines Jüngeren erfuhr, mit zufriedenem Grinsen zu kommentieren: "Das kann mir jedenfalls nicht mehr passieren, dass ich in diesem Alter das Zeitliche segne ..."

Todesanzeigen haben sich im Laufe der Zeit inhaltlich verändert. Sie sind "harmloser", glatter, rücksichtsvoller gegenüber ihren Lesern geworden, die heute in der Regel sehr ungern mit den Gründen konfrontiert werden, die - wie zum Beispiel schwere Krankheiten - zum Tod geführt haben.

Das Phänomen des Todes selbst ist zum Störfaktor in einer Gesellschaft geworden, die auf Jugendlichkeit, Leistung und Konsum setzt und in der Sterben und Tod verdrängt werden. Der natürliche Umgang mit dem Tod als integralem Bestandteil des Lebens, den die Vorfahren noch vor zwei bis drei Generationen ganz selbstverständlich pflegten, ist nahezu verschwunden.

Die Enge moderner Wohnungen und Hygienevorschriften müssen dafür herhalten, dass selbst in ländlichen Regionen die früher übliche dreitägige "Totenwache" mit Gebeten daheim in der Wohnstube am offenen Sarg verstorbener Verwandter der Vergangenheit angehört. Heute ist der Leichnam oft noch nicht richtig erkaltet, wenn er schon vom kommerziellen Bestattungsunternehmen "entsorgt", das heißt, bis zur Beisetzung in die Kühlkammer einer städtischen Leichenhalle abtransportiert ist.

Altenheime oder Hospize, Orte also, an denen gestorben wird, sollten möglichst nicht im Blickfeld liegen und sind daher in Wohngegenden nicht beliebt. Die Gründe für diese veränderte Sicht von Sterben und Tod sieht der Münsteraner Theologe Harald Wagner in einem Auseinanderfallen von Religion und Gesellschaft.7 Erwünscht wäre da ein Bewusstseinswandel auf breiter Ebene: "Ohne in ,Todesmystik' zu verfallen, müsste der Tod als etwas begriffen werden, das zum Leben dazu gehört - nämlich als dessen natürlicher Abschluss."

Der Umgang mit dem Tod sei gewiss nicht leicht, meint Wagner, und "das Ideal eines Franz von Assisi, der im ,Sonnengesang' auch den Tod einbaute in sein Lob der Schöpfung und des Schöpfers, ist auch für den Durchschnittsmenschen kaum erreichbar. Aber es gibt auch die Versuche, etwa im Spätmittelalter, eine so genannte ,Ars moriendi', also eine ,Kunst des Sterbens', für Sterbebegleiter - und letztlich für jedermann - zu entwickeln ... Man kann fragen, ob es nicht gelingen könnte, eine ,Ars moriendi* für heute zu entwickeln."8 Noch jedenfalls ist die Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland - in den alten ebenso wie in den neuen Bundesländern - davon weit entfernt. Der Tod ist weithin ein Tabu.

Dem widerspricht auch nicht, dass Todesanzeigen sich in steigendem Maß von der "letzten Nachricht" zu einem Ersatz für verloren gegangene religiöse Riten entwickeln.9 In der auffälligen Zunahme von Gedenkanzeigen, die mit zumeist einjährigem Abstand zum Tod dem Verlust noch einmal öffentlich Ausdruck geben, geschieht offenbar "öffentliches Ringen um die Bewältigung des Todes, das außerhalb der kirchlichen Tradition steht".10

Gelegentlich wurden gleichwohl auch Zweifel geäußert, ob der Rückgang religiöser Bezüge im Text von Todesanzeigen wirklich hinreichend eine Säkularisierung der Gesellschaft beweise11 . Vielleicht verhalte es sich umgekehrt: "Wenn manche Anzeigen den Toten aus dem metaphysischen Off melden lassen, ,dass ich mein Leben in die Hände des Schöpfers zurückgegeben habe', sprechen sie nur aus, was früher selbstverständlich war. In der rituell gebrauchten Formel jedoch nähren sie den Verdacht, dass sich die Trauergemeinde ob ihrer eigenen Zweifel trösten muss."12

Eine gewisse Gegenbewegung lässt sich in jüngster Zeit partiell bei der Angabe von Todesursachen feststellen. Die Kölner Sozialwissenschaftler Karl-Wilhelm Grümer und Robert Helmrich fanden bei der Auswertung von rund 2500 Todesanzeigen ab 182013 ein schleichendes Verschwinden von Krankheiten in den Anzeigen: Waren die Toten des vorigen Jahrhunderts in den Zeitungsanzeigen - noch sehr detailliert verzeichnet - an "Wassersucht", "hitzigem Fieber" oder "Schüttelfieber" verstorben, so wurde solche Chronistengenauigkeit später von allgemeinen Umschreibungen wie "kurzer Krankheit" oder "langem Leiden" abgelöst.14 In jüngster Zeit werden allerdings in steigendem Ausmaß zum Tode führende Krankheiten wie Krebs oder auch die Immunschwächekrankheit Aids in Anzeigen genannt, wie Beispiele dieses Buches zeigen. Auch der Drogentod "versteckt sich nicht mehr so verschämt, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war".15

Dieses "coming out" hat eine Parallele im gar nicht einmal mehr so seltenen Bekenntnis homosexueller Paare zueinander beim Tod eines der beiden Partner.

Gewandelt hat sich auch die Häufigkeit und die Größe von Todesanzeigen im Lauf der Jahrzehnte. Wurde im 19. Jahrhundert nur etwa an jeden fünften Verstorbenen durch eine Anzeige in der Zeitung erinnert, so wird heute - laut Statistik - jedem zweiten eine Todesanzeige gewidmet16 - mehr und größere übrigens Männern, weniger und kleinere Frauen.17 Generell aber sind sie größer geworden, die schwarz gerahmten Familiennachrichten: acht mal neun Zentimeter ist heute das gängige Maß bei privaten Anzeigen.18

Diesem Buch liegt eine Sammlung von rund 3000 Anzeigen aus über 35 Jahren zugrunde, von denen allerdings wegen des beschränkten Platzes nur eine geringe Anzahl im Faksimile wiedergegeben werden kann. Dank gilt Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden, die interessante "Fundstücke" für mich mitgesammelt haben!

Wie diese Sammlung entstand

Die erste Anzeige stammt also aus dem Jahr 1972. Anfang der 1990er Jahre war die Sammlung bereits auf rund 2000 Exemplare angewachsen - genug, um eine Zäsur zu machen, das vorliegende Material zu sichten und zu selektieren, um damit die Grundlage für eine geplante Buchveröffentlichung zu erarbeiten. Im Winter 1997 zog ich mich zu diesem Zweck mit einem Koffer voller Todesanzeigen auf die Insel Pellworm zurück. Dank der Freundlichkeit des Insel-Bürgermeisters und späteren Landtagsabgeordneten Jürgen Feddersen durfte ich den Sitzungssaal des zu dieser Jahreszeit ungenutzten Kurhauses in Beschlag belegen, der ein in diesem Stadium für mich wichtiges Requisit besaß: einen riesigen Tisch, auf dem ich die Frucht meiner damals 25-jährigen Sammlerleidenschaft ausbreiten und sortieren konnte.

Dann kam die Stunde der Kanzleibögen und des Leimtopfs. Als ich mich von der frostklirrenden Idylle der Insel, deren wahrscheinlich einziger Gast ich gewesen war, verabschiedete, waren die rund 2000 Anzeigen auf gut 400 der aussagekräftigsten "durchgeforstet", mit knappen Schlagworten in die von mir definierten Sachgebiete gegliedert - und übersichtlich in zwei Leitz-Ordnern abgeheftet. Die meisten Kapitel hatten auch schon die zum Verständnis der jeweiligen Themen nützlichen Interpretationstexte. Kurzum: Die Abgabe des Manuskripts beim

Verlag stand, so dachte ich, kurz bevor. Noch eine Woche der konzentrierten Arbeit und das Projekt würde abgeschlossen sein. Dachte ich. Ich dachte falsch.

In Köln gab es einen evangelischen Klinikseelsorger, der das gleiche Hobby hatte wie ich. Ich habe leider Reinhard Bieberstein, so sein Name, zu seinen Lebzeiten nie kennen gelernt. Durch Vermittlung eines gemeinsamen Freundes fiel mir seine Sammlung zu, die allerdings aus 48 prall gefüllten Leitz-Ordnern bestand. Das hatte ich bei der Zusage, die Sammlung Bieberstein übernehmen und in ein Buch einarbeiten zu wollen, nicht geahnt.

So gab es nunmehr für mich zwei Alternativen: Entweder konnte ich den Inhalt der 48 Ordner durch den Reißwolf jagen und so tun, als hätte es dieses gewaltige Konvolut nie gegeben. Das wäre zwar bequem gewesen, der Sache freilich nicht dienlich. Oder ich konnte Ordner für Ordner, Blatt für Blatt, und damit die gesamte Sammlung, sichten und auswerten, auch wenn das praktisch bedeuten musste, noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Bereits ein flüchtiger Blick in die Sammlung zeigte mir nämlich, dass ich dabei zumindest teilweise lohnendes Neuland betreten konnte. Der verstorbene Kölner Seelsorger hatte nämlich Zeitungen ausgewertet, die mir damals nicht zugänglich waren. Ergo schloss ich fürs erste einmal meine Ordner mit den formulierten Arbeitstiteln und Strukturanalysen der Todesanzeigen in deutschsprachigen Tageszeitungen und begann angesichts der Fülle zaghaft, die Neuzugänge hinein zu integrieren.

Die ziemlich bittere Erkenntnis, noch einmal von vorn beginnen zu müssen und eine Menge Zeit vertan zu haben, ließ mich aber dann Monate lang hinsichtlich des Buchprojekts in eine ziemliche Lethargie verfallen, aus der mich erst das telefonische Drängen des Verlags herausriss. Wann ich denn mit dem angekündigten Manuskript fertig sei, wurde ich mehrfach gefragt. Ich versprach hoch und heilig, das werde bis Weihnachten der Fall sein. Es wurde Weihnachten und leider auch Ostern, aber dann war es soweit - genau 36 Jahre nach der ersten Archivierung einer Anzeige, nämlich der des ehemaligen Generalfeldmarschalls Erhard Milch.

Noch einige Erläuterungen zu den Quellen und zur Präsentation. Von mir - beziehungsweise von dem von mir beerbten Geistlichen Reinhard Bieberstein wurden folgende Zeitungen auf bemerkenswerte Todesanzeigen hin "durchforstet".

Kölnische Rundschau
Kölner Stadtanzeiger
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt
Süddeutsche Zeitung
die tageszeitung
Tagesspiegel
Neue Zürcher Zeitung
Sächsische Zeitung
Luxemburger Wort
Grenzecho (Eupen/Ost-Belgien)
Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland

Im Interesse der Anonymisierung der hier wiedergegebenen Anzeigen wurden - sowohl aus Datenschutzgründen als auch aus Taktgefühl - wenn es mir angezeigt und erforderlich erschien und es sich nicht um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Interesses handelte, die Namen der Verstorbenen bis auf den Anfangsbuchstaben des Familiennamens eliminiert, ebenso deren Anschriften sowie die der Hinterbliebenen. Auf eine Anonymisierung verzichtet habe ich bei den Anzeigen aus Blättern der untergegangenen DDR. Hier waren trotz entsprechender Recherchen weder juristische Vorschriften zu diesem Bereich noch gängige Gepflogenheiten zu ermitteln. Die Inserenten von Todesanzeigen, die sich ja oft zum Zeitpunkt der Aufgabe des Textes in der Agentur in einer psychologischen Ausnahmesituation befinden, sollten nicht das Gefühl haben, "vorgeführt" zu werden - gerade wenn ihnen peinliche und ungeschickte oder geschmacklose Formulierungen unterlaufen waren.

Viel Vergnügen beim Lesen vermag ich nicht zu wünschen; schließlich handelt es sich beim Sterben nicht um eine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung, sondern um eine für den Betroffenen selbst wie für seine Hinterbliebenen höchst bittere Erfahrung. Nicht zu Unrecht spricht die Bibel vom "bitteren Tod". So bleibt mir nur die Hoffnung, dass meine Sammlung einen Beitrag zur Annahme der heute vielfach verdrängten Wahrheit leistet, dass der Tod nun einmal integraler Bestandteil unseres Lebens ist und es sich daher empfiehlt, beizeiten Sterben zu lernen, was der Lebensfreude keinen Abbruch tut. Im Gegenteil.

Helmut S. Ruppert

1 Mader, H.: "Es ist echt zu bitter", Hamburg, 1990

2 Der Spiegel 38/1990: "Nexende Schelmin - Todesanzeigen werden immer skurriler"

3 vgl. Dirschauer, Klaus: "Der totgeschwiegene Tod", Dissertation, publ. Bremen, 1973

4 Kupczik, Ingrid: Zum Tode des Schornsteinfegers: "Er kehrt nie wieder" in "Welt am Sonntag", Hamburg, 14.8.1994

5 Rahn, Karin: "Leinen los zur letzten Reise"; Deutsche Welle, Köln, Sendemanuskript Zentralredaktion Kultur/Abt."Gesellschaft", 21.7.1994

6 Mader, Hans, a.a.O., S. 13

7 Wagner, Harald, in: Jod und Sterben sind Störfaktoren", KNA-Interview 64,16.7.1996

8 Wagner, Harald, ebd.

9 Auf diese Entwicklung macht der Amberger Theologe Hansjörg Biener aufmerksam. Zit. nach epd in "Die Welt", Hamburg, 26.1.1996

10 ebd.

11 Diese These vertreten Jürgen Gerhards und Astrid Melzer in ihrem Beitrag "Die Veränderung der Semantik von Todesanzeigen als Indikator für Säkularisierungsprozesse?" in Zeitschrift für Soziologie, Ig. 25, Heft 4, Stuttgart 1996

12 "Aus dem Off - Was sagen Todesanzeigen?", in: FAZ, 11.9.1996

13 Ab 1820 "Kölnische Zeitung" und dann ab 1949 deren Nachfolgeblatt "Kölner Stadt-Anzeiger"

14 Die Ergebnisse der Studie von Helmrich und Grümer wurden in der Zeitschrift "Historische Sozialforschung" veröffentlicht. Hier zit. nach "Welt am Sonntag", a.a.O.

15 Die Kölner Sammlerin von Todesanzeigen Anne Tucker in einer Sendung des Deutschen Programms der Deutschen Welle (Autorin: Cornelia Benninghoven) vom 9.2.1992

16 Rahn, Karin, in Deutsche Welle, a. a. 0.

17 "Welt am Sonntag", a. a. 0.

18 ebd.


 
   


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