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Freundschaft, Liebe, Sympathie
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Vorbemerkung des Autors


Einiges von dem, was Sie in diesem Buch lesen werden, wird Ihnen so bekannt vorkommen wie eine alte Geschichte, die Sie schon sehr oft gehört haben.

Vieles, was mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat, ist Bestandteil des allgemeinen Wissens, vieles haben wir uns im Laufe unseres Lebens zu eigen gemacht.

Dieses Buch beruht jedoch auf einer wissenschaftlichen Grundlage. Viele Forscher haben ihr gesamtes Schaffen dem Studium der zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Einfluß, den diese auf unser soziales und emotionales Gleichgewicht haben, gewidmet. Auf die Früchte ihrer Arbeit stützt sich dieses Buch.

Die meisten Gedanken, die im Laufe des Buches vorgestellt werden, können sich auf verschiedene veröffentlichte Studien berufen. Zugunsten einer besseren Lesbarkeit des Textes, der sich vor allem an die Allgemeinheit richtet, haben wir weitestgehend auf bibliographische Angaben verzichtet. Im Vordergrund stand dabei für uns eine dem Inhalt angemessene Form der Darstellung.

Einige Zeilen weiter oben haben wir gesagt, daß vieles von dem, was zwischenmenschliche Beziehungen ausmacht, allgemein bekannt ist; wir denken jedoch, daß dieses Wissen häufig brachliegt und viele Menschen es nicht in ihrem Leben umsetzen können. Unser wichtigstes Anliegen ist es daher, Ihnen Dinge neu bewußt zu machen, die Ihnen zum Teil bekannt sind, und Ihnen dadurch Denkanstöße zu geben und Sie dazu zu motivieren, etwas in Ihrem Leben zum Besseren zu verändern - wenn Sie es für angebracht halten.

Freunde zu finden, enge Beziehungen zu ihnen aufzubauen, mit einem Unbekannten ein angenehmes, interessantes Gespräch zu führen oder eine Paarbeziehung einzugehen - dies alles sind wichtige Dinge, die eine Bereicherung für unser Leben darstellen. Für uns alle sind diese Ziele grundsätzlich erreichbar, aber nicht alle haben wir die Fähigkeiten entwickelt, die wir brauchen, um ihnen näherzukommen. Für diese Menschen wurde dieses Buch geschrieben.




Vorwort


Für die meisten Leute ist es etwas Erstrebenswertes, neue Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen anzufreunden. Aber nicht alle glauben daran, dieses Ziel auch erreichen zu können. Interessanten Leuten zu begegnen und sich einfach eine Weile nett mit ihnen zu unterhalten, Freundschaften zu pflegen oder eine Zweierbeziehung einzugehen - diese Dinge genießen im Leben vieler Leute absolute Priorität. Soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen ist etwas, was sie als sehr angenehm und bereichernd erleben und was sie immer wieder motiviert, unter die Leute zu gehen und aktiv am "Spiel der sozialen Beziehungen" teilzunehmen.

Aber nicht jeder erlebt diese sozialen Beziehungen auf dieselbe Weise. Es gibt eine große Anzahl von Menschen, für die der Aufbau einer Paarbeziehung oder einer Freundschaft viel mit Angst, Mißerfolg und Frustration zu tun hat.

Dabei handelt es sich im allgemeinen um Menschen, die
wenig Erfahrung im Umgang mit anderen haben,
mehrfach gescheitert sind in ihren Bemühungen, eine Zweierbeziehung aufzubauen,
unter Schüchternheit leiden,
traumatische Erfahrungen in einer früheren Beziehung bzw. bei der Trennung von einem Partner gemacht haben,
ein niedriges Selbstwertgefühl haben oder
sich selbst für wenig attraktiv halten bzw. irgendeinen körperlichen Makel haben, mit dem sie sich nicht abfinden können.

Diese Menschen empfinden das soziale Spiel nicht als prinzipiell angenehm, stimulierend und bereichernd, vielmehr ist es für sie eine Quelle von negativen Gefühlen wie Angst und Frust.

Es ist ganz natürlich, daß jemand, der den Wunsch verspürt, Beziehungen aufzubauen, und dem dies über längere Zeit nicht gelingt, irgendwann das Gefühl bekommt, ein Außenseiter zu sein.

Diese Sicht von sich selbst als jemand, der im Abseits steht und der keinen Anteil an einem wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens hat, nämlich dem der Freundschaften und der Paarbeziehungen, ist Ursprung von Unzufriedenheit und Frustration, vergleichbar etwa mit den Gefühlen eines Kindes, das vom Spiel der anderen ausgeschlossen ist.

Nicht immer hat der Betreffende einen besonderen Grund, sich unzulänglich, isoliert oder einsam vorzukommen, dies passiert, wie wir gesagt haben, oft einfach dadurch, daß seine Schwierigkeiten zu lange andauern.

Auch in Jugendlichen, bei denen der Faktor Zeit keine Rolle spielt, denen es aber häufig an Geschick und Erfahrung mangelt, kommt nicht selten die Angst auf, nicht mit den Altersgenossen mithalten zu können und außen vor zu bleiben.

Wenn sich bei einem Menschen das Gefühl einstellt, ausgeschlossen zu sein, beginnt sich die Vorstellung, die er von sich selbst hat, zu verändern. Er verliert an Sicherheit, sein Selbstwertgefühl leidet und seine Angst vor der Aufnahme zwischenmenschlicher Beziehungen wächst. Er hört auf, an sich und seine Aussicht auf Erfolg zu glauben, und in der Folge läßt er in seinen Bemühungen nach, andere Leute kennenzulernen und Beziehungen aufzubauen. Er versinkt in Passivität, gibt sich auf.

Aus sicherer Entfernung beobachtet er, wie seine Mitmenschen ihre sozialen Beziehungen genießen, wieviel Bedeutung sie ihnen beimessen und wie sie ihrem Leben durch die Kontakte, die sie pflegen, einen Sinn geben. Für alle anderen - so sieht es für ihn aus - ist es ein Kinderspiel, Leute kennenzulernen und Beziehungen aufzubauen - für ihn selbst dagegen ist es unglaublich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Anschluß zu finden.

Die Überwindung, die es ihn kostet, auf jemanden zuzugehen, die Erwartung, einen Korb zu bekommen, oder die Furcht, verletzt zu werden, sind einige der Faktoren, die ihn belasten und ihm Angst machen. Und diese Angst bewirkt, daß er sich immer mehr in sein Schneckenhaus verkriecht.

Andererseits ist ihm im allgemeinen schmerzlich bewußt, daß er etwas verpaßt und daß seine persönliche Entwicklung in einem wichtigen Bereich nicht so verläuft, wie er es sich wünscht, aber er weiß nicht, was er dagegen tun kann.

Wenn die Schwierigkeiten, ein befriedigendes Maß an sozialen Kontakten herzustellen, über längere Zeit andauern, kann es zu emotionalen Problemen wie Depressionen oder Ängsten kommen und dazu, daß der Betroffene immer weiter in die Isolation hineinrutscht. Hierin zeigt sich, wie wichtig es für das psychische und soziale Wohlbefinden des einzelnen ist, befriedigende Beziehungen zu seinen Mitmenschen zu unterhalten.

Meine Kollegen und ich stellen in unserer täglichen Praxis immer wieder fest, daß viele der Menschen, die wegen Depressionen oder Ängsten zu uns kommen, eigentlich unter den negativen Auswirkungen eines Mangels an befriedigenden Sozialkontakten leiden. Sie meinen, ihre Traurigkeit, Passivität, Unruhe, Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste seien die Auswirkungen einer Depression, was aber in vielen Fällen nicht zutrifft. Verfugten diese Menschen über befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen, hätten sich diese Symptome vermutlich niemals entwickelt.

Darüber hinaus ist es unter Psychologen seit langem bekannt, daß zahlreiche Menschen - vor allem Jugendliche - Alkohol und Drogen konsumieren, um auf diese Weise ihre sozialen Ängste zu überspielen.

Der Gedanke, daß ein großer Teil der Probleme, unter denen Menschen leiden, erst gar nicht entstehen würden, wenn sie gute und bereichernde Beziehungen zu anderen unterhielten, und die Feststellung, daß die Zahl der Menschen, die in diesem Bereich Schwierigkeiten haben, immer weiter zunimmt, hat mich dazu veranlaßt, dieses Buch zu schreiben.

Es gibt viele unterschiedliche Formen sozialer Beziehungen: zu Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten, Mitstudenten oder Arbeitskollegen, zum Lebenspartner usw. Beziehungen unterschiedlicher Art zu unterhalten und sich in ihnen wohl zu fühlen erhöht zweifellos die Aussicht darauf, ein erfülltes und glückliches Leben zu fuhren. In diesem Buch wollen wir uns vor allem auf zwei Beziehungsformen konzentrieren: Freundschaften und Paarbeziehungen. Es ist offensichtlich, daß ab einem bestimmten Alter die Zweierbeziehung eine zentrale Bedeutung für die meisten Menschen gewinnt, nicht nur, weil sie an sich als befriedigend erlebt wird, sondern weil in ihr die Möglichkeit liegt, eine stabile und bedeutsame Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen und affektiv und sexuell zu reifen. Schon allein aus diesem Grund ist es für viele Menschen so wichtig, an ihren sozialen Fähigkeiten zu arbeiten und zu lernen, auf andere zuzugehen und Kontakte zu knüpfen.





 
   


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