Einführung
Es ist heute kaum noch vorstellbar, was es in früheren Zeiten bedeutete, zum Adel, zum Bürgertum oder zur Unterschicht zu gehören. Nur ein Adliger bekam eine gute Ausbildung, konnte eine hohe Stelle im Staatsdienst einnehmen (z. B. Minister werden), im Militär Karriere machen und zum Major oder gar General aufsteigen. Einem Bürgerlichen blieben diese Vorrechte selbst dann verwehrt, wenn er reich war. Ein Angehöriger der bürgerlichen Unterschicht (z. B. Kutscher, Diener, Bauer, Musiker) hatte überhaupt kein gesellschaftliches Ansehen.
Es war unmöglich, dass ein Adliger eine Bürgerliche heiratete. Er konnte aber eine bürgerliche Geliebte haben, neben seiner rechtmäßigen adligen Ehefrau. Wenn seine Geliebte ein Kind bekam, gab er ihr eine angemessene Summe Geld, damit sie das Kind aufziehen konnte. Vielleicht fand seine ehemalige Geliebte sogar einen bürgerlichen Mann, der sich geschmeichelt fühlte, sie heiraten zu dürfen. " Der Wert einer Goldmünze ändert sich nicht, ob man die Münze frisch aus der Prägeanstalt oder gebraucht von einem Bankler bekommt", meint eine wichtige Person in diesem Drama.
Schillers Theaterstück wurde 1784 uraufgeführt, also fünf jähre vor Ausbruch der Französischen Revolution, die die Vorrechte des Adels abschaffte. Die meisten Adligen mussten fliehen oder wurden hingerichtet.
Die Ideale der Französischen Revolution lauten:
| - | Freiheit (von der Unterdrückung durch den Adel), | |
| - | Gleichheit (aller Menschen vor dem Gesetz), | |
| - | Brüderlichkeit. | |
Das Theaterstück lässt erahnen, wie sehr Schiller den Idealen der Französischen Revolution verbunden war.
Zum Titel: "Kabale" ist ein veraltetes Wort für "Intrige". Eine Intrige spinnt man hinter dem Rücken eines Menschen, um ihm zu schaden. Der Untertitel "Bürgerliches Trauerspiel" bedeutet, dass die Hauptpersonen einfache Bürger sind.