Vorwort
zur völlig überarbeiteten und erweiterten 2. Auflage
Fünf Jahre ist es her, dass die erste Auflage dieses Buches erschienen ist. Natürlich fragt man sich als Autor bei der neuen Auflage: "Und, habe ich etwas bewegt? Wenigstens ein kleines bisschen?" Schließlich wurde das Buch viele Male gekauft. Aber hat man sich auch die Zeit genommen, es zu lesen? (O-Seufzer: "Ihr Buch habe ich zwar im Bücherschrank stehen, ich bin aber leider noch nicht dazu gekommen..., Sie wissen ja, die Zeit"). Haben dann wenigstens diejenigen, die es tatsächlich gelesen haben, das Wesentliche für sich herausgefiltert und - mehr noch - individuell umgesetzt?
Eben diese Reihenfolge beschreibt den Weg zum potenziellen Nutzen für den "Zeitsuchenden": Lesen → Wesentliches markieren → selbstkritisch reflektieren und mit objektiver Vertrauensperson diskutieren → Ursachen erkennen → Maßnahmen festlegen → einleiten → diszipliniert und konsequent umsetzen. Dann ist der gewünschte Erfolg garantiert.
Die Erkenntnisse zeigen jedoch, dass mein Vorwort für die erste Auflage weiterhin Gültigkeit besitzt, weshalb ich es im Anschluss - bis auf inzwischen anachronistische Passagen - beibehalten habe. Dafür wurde der Inhalt um neue Erkenntnisse bei der Stressbewältigung, Steigerung der Konfliktsouveränität, Selbsteinschätzung und Stärkung der Abwehr gegen Zeitdiebe erweitert. Vor allen Dingen dem Komplex der körperlichen und geistigen "Fitness" als Grundvoraussetzung einer stabilen Unternehmerkonstitution wurde ein angemessener Raum gewährt. Bei diesem Thema bin ich dankbar für die Mitwirkung Ihrer Berufskollegin, meiner Frau Rose M. Merz. Neben ihrer beruflichen Betätigung als Steuerberaterin, hat sie sich zur "ganzheitlichen Gesundheitsberaterin, ärztl. geprüft" und zur "Fastenleiterin" qualifiziert. Dabei hat sie sich bewusst und intensiv mit den branchentypischen Anforderungen des steuerberatenden Berufsstandes auseinandergesetzt und, gestützt auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, darauf spezialisiert.
Bedanken möchte ich mich bei allen, die mich auch bei diesem Buch durch Gespräche, sachliche Prüfung und durch ihre Zustimmung Kanzleiinterna verwenden zu dürfen, unterstützten.
| Stein-Bockenheim, im September 2005 | Gerd J. Merz |
Gekürztes Vorwort zur 1. Auflage
"Endlich Zeit für das Wesentliche" ist nicht nur der Untertitel dieses Buches, sondern klingt wie der verzweifelte Ruf nach einer befreienden Lösung, aber auch wie der befreiende Seufzer, wenn man die Lösung gefunden hat.
Zwischen Suchen und Finden liegt ein beschwerlicher, aber durchaus gangbarer Weg. Auf diesem möchte Sie dieses Buch nicht nur begleiten. Es soll Sie dorthin führen, wo Sie (typischerweise) bereitwillig und aus freien Stücken folgen. Es soll Sie dort vorantreiben, wo der "innere Schweinehund" (erfahrungsgemäß) wieder die Oberhand gewinnen möchte. (Sie werden das am Sprachgebrauch erkennen und hoffentlich verzeihen: Zuckerbrot und Peitsche, Schalmaienklänge und imperative Provokation!)
Frage: "Haben Sie schon einmal versucht sich das Rauchen abzugewöhnen oder ein paar überflüssige, weil störende, Pfunde loszuwerden?" Antwort: "Einmal? Hundertmal!!!!" Dann wissen Sie ja, was ich meine!
Seit fast 30 Jahren beschäftige ich mich mit der unternehmerischen Erwachsenenbildung. Davon seit 20 Jahren ausschließlich für Angehörige der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe. Dabei zeigten sich immer wieder ähnlich gelagerte Problembereiche, die man mit dem Begriff "Selbstmanagement" umschreiben kann. Recht früh bezog ich dies als Kombination von Stressbewältigung und Zeitorganisation in mein Seminar-, Vortrags- und Beratungsangebot mit ein.
Zwangsläufig ergaben und ergeben sich dabei ungezählte Situationsschilderungen und Diskussionen mit Menschen in unterschiedlichen Kanzleisituationen, verschiedenen Alters und ungleicher Mentalität. Und dennoch: Die geschilderten Probleme glichen und gleichen sich ebenso, wie die branchentypische "Ohnmacht" damit umzugehen.
Vor allem sind es immer wieder die gleichen Störfaktoren und Zeitdiebe, die einem zu schaffen machen. Und es sind immer wieder die gleichen oder ähnlichen Ursachen, die dafür verantwortlich sind, dass man sich mit diesen eher arrangiert, als dass man ihnen konsequent und professionell den Kampf ansagt.
Zugeschnitten auf Ihren Berufsstand hoffe ich Ihnen dazu Hilfestellungen für die tägliche Arbeit geben zu können. Dabei werden wir uns in einem ersten Teil mit den Ursachen und Auswirkungen des Steuerberaterstresses und mit den Problemlösungsmöglichkeiten befassen. Der zweite Teil setzt sich mit einer daraus resultierenden, formalistischen Konsequenz auseinander, der Zeitorganisation, neudeutsch: Timemanagement
Der Weg zu einem erfolgreichen, die Lebensqualität steigernden Selbstmanagement wird auch durch die Niederungen des Egos gehen. Er wird Ihnen Ungewöhnliches, aber, und das verspreche ich Ihnen, niemals Unmögliches abverlangen.
Bei einigen Vorschlägen höre ich jetzt schon ein vertrautes: "Wie stellt der sich das denn vor? Wann soll ich denn das auch noch machen?" Es hat m.E. nichts mit Blauäugigkeit oder Realitätsverlust zu tun, wenn ich mich, trotz Kenntnis Ihrer branchentypischen Belastung, nicht davon abhalten lasse, letztlich praktikable Wege aufzuzeigen. Wege, die sich nicht nur in der Kanzlei meiner Frau, sondern zudem in vielen von mir beratenen Kanzleien bewährt haben.
Wenn Sie von der Nützlichkeit bestimmter Vorgehensweisen überzeugt sind, ist es Ihre Aufgabe als Manager einen gangbaren Weg zu finden!
Allerdings: Alleine sind Sie machtlos. Sie können noch so sehr versuchen, sich an Timemanagement-Regeln zu halten. Sie werden recht schnell feststellen, dass Sie auf die Mitwirkung Ihres Umfeldes angewiesen sind.
Seien es Mandanten, die meinen etwas Besseres zu sein, seien es Sozietätspartner, die sich nicht an gemeinsam vereinbarte Standards halten, seien es Mitarbeiter, denen emotionale Grüppchenbildung wichtiger ist, als mandantenorientierte Teamarbeit: es ist wie Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen, wenn andere unkontrolliert, ungehindert und ungefiltert auf Sie Zugriff haben. Es ist die reinste Sisyphusarbeit, wenn Sie sich aus Ihrer scheinbaren Verantwortung für alles und für jeden einspannen lassen.
An diesem Punkt müssen Sie diszipliniert mit einem Gemisch aus Phantasie und Bauernschläue den Hebel ansetzen und wo es nicht anders geht auch mit brachialer, u.U. sogar kaltschnäuziger, eigennütziger Konsequenz vorgehen! Aber, lieber ein Löwe am Abgrund, als ein Esel vor dem Karren.
Manchmal hilft jedoch auch eine gehörige Portion Beharrungsvermögen und abwartende Leidensfähigkeit. Ich bedauere in diesem Zusammenhang, dass der Begriff "Aussitzen" durch missbräuchliche Nutzung mancher Führungsgrößen so stark negativ behaftet ist.
Die Reihenfolge in diesem Buch wird bestimmt durch die einzelnen "Module", aus denen sich das Gesamtthema zusammensetzt. Die nachstehende Grafik wird Ihnen die Systematik dieses Buches aufzeigen. Eine derartige Möglichkeit, schnell und umfassend ein "Problem" darzulegen, werden wir im Kapitel 3.3.5 näher kennen lernen.
Noch eine stilistische Randbemerkung: Wenn in diesem Buch von dem Steuerberater (dem Mandanten, dem Kollegen, dem Mitarbeiter), also in der männlichen Form die Rede ist, so bitte ich Sie, sehr geehrte Leserin, dies weder als Respektlosigkeit, noch als Zeichen chauvinistischer Gesinnung zu werten (wer mich kennt, weiß, dass man mir damit bitter Unrecht tun würde).
Aber es schreibt und liest sich flüssiger, wenn nicht jedes Mal peinlichst darauf geachtet werden muss, ob frau/man auch mit der geschlechtlich korrekten Anrede bedacht wurde. Und mit dem großen "I" (SteuerberaterIn) konnte ich mich bis heute nicht anfreunden. Und selbstverständlich sind nicht nur Steuerberater, sondern gleichermaßen auch alle Steuerbevollmächtigten und Wirtschaftsprüfer (und solche, die es werden wollen) angesprochen.
| Stein-Bockenheim, im August 2000 | Gerd J. Merz |