"Das Ungeheuer gehörte zur Familie wie eine böse Tante, die uns ab und zu besuchte und der man nicht absagen konnte. Nach der ersten, großen Feuersbrunst lag meine Mutter meistens lange im Bett Ober ihr prangte eine große Fototapete mit einem Sonnenuntergang vor einer Palmeninsel. Zwischen den dunkelbraunen Umrissen der Palmwedel versank die Sonne im dunklen Meer, genau an der Stelle, an der ihr Kopf lag, und es sah aus, als würde sie mit ihrer verglimmenden Kraft den Himmel orange färben. Am anderen Ende des Zimmers saß in einem Stuhl mit übereinandergeschlagenen Beinen in dunklen Buntfaltenhosen mit hellbraunen Slipperschuhen der Tod und schaute uns zu." Um sich vor den ständigen Zurückweisungen und Demütigungen ihrer psychisch kranken Mutter zu schützen, flüchtete sich Katharina Ohana in eine Fantasiewelt und wenn auch das nichts mehr half, in ihre eigene Krankheit "Heimlich durchwanderte ich meinen Körper und versteckte mich hinter meinen Augen, denn von dort konnte ich ungerührt zusehen, was die Erwachsenen mit ihm machten. Ich saß in meinem Kopf in Sicherheit der Rest meines Körpers wurde zur Puppe. Sie sprachen über ihn wie über unsere Gefriertruhe, die auch immer kaputt war." Mit psychologischem Feingespür beschreibt sie ihre schwere Kindheit ihre Sehnsucht und die verzweifelten Versuche, durch Schönheit endlich Liebe und Anerkennung zu finden. Erst als sie fast daran zerbricht gelingt ihr die heilsame Wende.
Ihre persönliche Geschichte steht stellvertretend für die Probleme einer ganzen Generation: der Generation der Kriegsenkel. Unbewusst tragen sie die Last der vererbten unverarbeiteten Traumata des Krieges. Erst durch das tiefe Verstehen der über Generationen vererbten Ängste und psychischen Misshandlungen gelingt es Katharina Onana, die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
"Kindheit war schon immer ein gefährlicher Ort, selten verlässt ihn jemand unbeschadet."
Wenn Katharina Ohana als Kind von der Schule heimkam, "roch es manchmal nach Essen, manchmal nach Ärger und manchmal nach Depression, denn die Familie wurde von einem schrecklichen Drachen beherrscht, der meistens in einer Höhle schlief und von Zeit zu Zeit anfing, sein Unwesen zu treiben."
Mit großer Sprachkraft und eindrucksvollen Bildern beschreibt sie die Befreiung von den Traumata ihrer Familie. Ihr beeindruckendes Fazit lautet "Es geht nicht um die Frage der Schuld, sondern vielmehr um tiefes Verstehen und die Verantwortung für das eigene Leben."
ISBN 3-485-01085-5