Vorwort
Dieses Buch hat - so weit uns bekannt - weltweit nur ein einziges Werk (allerdings nur mit Einschränkung) als "Vorgänger". Gemeint ist A. J. Grout's "Mosses with hand-lens and microscope" (1903), hervorgegangen aus seinem Buch "Mosses with a hand-lens". Eine für die damalige Zeit lobenswerte Einführung in die Welt der Laubmoose. Fast ausschließlich illustriert mit den vorzüglichen Bildern aus W. P. Schimper's "Synopsis muscorum" (1860). Seine beschreibenden Texte sind zwar für eine erste Einordnung hilfreich, ansonsten kann auf den Gebrauch eines Mikroskops, was Grout auch einräumt, jedoch kaum verzichtet werden. Weitere Angaben, so zur Standortökologie, Verbreitung etc. fehlen.
Der entscheidende Anstoß für die Erarbeitung des "Exkursionstaschenbuchs" war ein Treffen mit E. Vernon Watson, dem Autor einer vorzüglichen Einführung in die Welt der britischen Moose (2nd ed. 1968). Er war an einer deutschsprachigen Übersetzung sehr interessiert. Leider zeigten zwei große deutsche Botanik-Verlage auf Anfrage kein Interesse ("es gibt genügend deutsche Moosbücher"). Dies motivierte den Erstautor, ein Moosbuch zur Lupenbestimmung selbst zu erarbeiten - das "Exkursionstaschenbuch der Moose", welches seine ersten fünf Auflagen im DDH-Verlag, Bad Münstereifel erfuhr. Die vorliegende Auflage wird nun - unter Abänderung des Titels - erstmals im Quelle & Meyer Verlag, Wiebeisheim, herausgegeben.
Zum Inhalt des Buches. Im Allgemeinen Teil hilft dem Leser auch wieder eine Fülle wichtiger methodischer Hinweise zur Beschäftigung mit Moosen. Hinzu kommen Kapitel über unbedingt Wissenswertes über die Moose überhaupt. Informationen, die man in vergleichbaren Werken gewöhnlich vermisst.
Im Speziellen Teil wird eine Auswahl der wichtigsten mitteleuropäischen Moose nach Lupen-, wie auch nach Standortsmerkmalen gebracht. Sie werden so charakterisiert, dass eine Erkennung dieser Arten im Allgemeinen auch ohne Mikroskop möglich ist. Anmerkungen zur Herkunft der wissenschaftlichen Namen, zur Entdeckung und Erstbeschreibung, zum etwaigen Nutzen und zu bemerkenswerten ökologischen Einpassungen der Arten werden gegeben. Die ausführlichen Angaben zur Standortökologie, zum ökologischen Zeigerwert, zur Empfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung sowie auch zur Höhen und Flächenverbreitung sind ebenfalls umfangreicher als in den meisten gängigen Werken. Neu sind u.a. die Angaben zur Höhenverbreitung und dazu wurden die Standortsbeschreibungen, wie auch die Bestimmungsschlüssel, völlig neu bearbeitet.
In der vorliegenden Auflage werden wieder zahlreiche weitere Arten es sind 69, ausführlicher behandelt, d.h. als "Hauptarten" beschrieben. Von z. Zt. insgesamt ca. 1000 aus Deutschland bekannten Moosen wurden 282 Arten (davon 88 Lebermoose und 194 Laubmoose) ausführlich behandelt. Ebenso findet der Benutzer dazu eine ganze Reihe neuer "Nebenarten". Insgesamt also etwa die Hälfte der deutschen Moose. Alle übrigen deutschen Moose sind entweder im allgemeinen selten bis sehr selten und höchstens im höheren Gebirge häufiger bzw. im Gelände (und oft auch mikroskopisch) nicht sicher zu erkennen. Zur genaueren Verbreitung vgl. "Deutschlands Moose" (Bd. 1.: Düll & Meinunger 1989 und Bd. 2. & 3.: Düll 1994).
Durch das freundliche Entgegenkommen des Quelle & Meyer Verlages können nunmehr die meisten Arten auch farbig illustriert werden. Allerdings wäre die Bebilderung ohne die großzügige Hilfe einiger Moosfreunde, insbesondere durch meine Freunde Gottfried Schwab und Dr. Günter Rebing weniger attraktiv geworden. Letzterer und meine Frau Irene Düll haben sich auch mit Fleiß dem Korrekturenlesen gewidmet. Dafür allen unser herzliches Dankeschön.
Die Nomenklatur wurde weitgehend - wenn es auch manchmal lästig ist - der in der "Referenzliste der Moose Deutschlands" empfohlenen angepasst. Zur Erleichterung wurden die verworfenen Namen jeweils als Synonym angeführt.
Zur großen Freude des Erstautors zeichnet erstmals auch seine Tochter Barbara als hilfreiche und kompetente Mitautorin.
Wir alle wünschen, dass dieses neu gestaltete Buch den Moosen und der Mooskunde nicht nur viele neue Freunde schaffen, sondern auch Argumente für die Erhaltung unserer Mitwelt liefern wird. Moose und ihre Lebensweise zu kennen bedeutet auch, mehr zu sehen, mehr Wahrnehmung und damit mehr Freude an unserer Mitwelt. Schon lange vor unserer Zeit hat Francis Bacon eine solche Sicht unserer Welt in seinem "Avancement of learning" 1605 besonders schön formuliert
"Denn alle Kenntnis und alles Erstaunen ist schon von sich aus ein Vergnügen".