Vorwort
Religionsdidaktik bedenkt die Frage,
was
wem
durch wen
wann
warum
wozu
wo
wie
und womit im Religionsunterricht erschlossen werden soll.
Das vorliegende Buch will auf diese Fragestellungen tragfähige Antworten geben. Bei diesen sollen pädagogische und theologische Gesichtspunkte zu ihrem Recht kommen. Denn pädagogische Orientierung an den Schülerinnen und Schülern und theologische Bestimmtheit ergänzen sich in einem kind- und sachgerechten Religionsunterricht notwendig.
Das Kompendium geht in ersten Zugängen vom gegenwärtigen Ist-Zustand des Religionsunterrichts aus. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Interessen, Bedürfnissen sowie Lebens- und Glaubenswelten heutiger Kinder. Weitere Themen sind das Aufgaben-, Ziel- und Selbstverständnis der Religionslehrkräfte und die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Faches Religion an der Grundschule.
In einem zweiten Teil werden die Räume besichtigt, innerhalb derer Religion unterrichtet wird: Nach Klärung von grundsätzlichen Fragen (Brauchen Kinder Religion? Kann man Religion lernen? Wo kann man Religion lernen? Wie kann man Religion lernen?) werden die Ziele und Inhalte eines kind- und sachgemäßen Grundschulreligionsunterrichts vorgestellt. Dabei steht die konkrete religiöse Praxis der Kinder im Mittelpunkt.
Der dritte Teil erörtert Kriterien eines religionsdidaktisch verantworteten Methodeneinsatzes und zeigt exemplarisch Wege zu einem attraktiven Religionsunterricht durch kreative Methoden und religiöse Ausdrucksformen, die den Unterricht lebensnah machen.
Alle drei Teile können auch je für sich studiert werden, markieren aber in ihrem Zusammenhang das grundlegende Vorgehen der Religionsdidaktik: Wahrnehmen - Urteilen - Handeln.
Das vorliegende Kompendium ist bei aller grundlegenden Sachinformation, die in den einzelnen Kapiteln gegeben werden soll, auch ein positionelles Buch! Es ist einer praxisbezogenen, kind- und sachgemäßen Religionsdidaktik verpflichtet.
Dies findet zum einen darin seinen Ausdruck, dass immer wieder Äußerungen von Kindern selbst (und auch Lehrerinnen und Lehrern) zitiert und bedacht werden. Sie sind grafisch hervorgehoben und können z.B. in Lerngruppen ein Ausgangspunkt für Diskussionen sein, in denen die im Buch entwickelten Argumente aufgenommen und selbstständig weitergeführt werden.
Zum anderen bemühen wir uns um Anschaulichkeit. Dazu bringen wir immer wieder kurze Beispiele aus der Schulpraxis. Thematisch haben wir uns hierfür das Thema Schöpfungsglauben ausgewählt. Es ist grundlegend für religiöses Selbst- und Weltverständnis und so auch für Christsein; und es hat angesichts der technisierten Lebenswelt an Plausibilität verloren, muss also verstärkt unterrichtlich inszeniert werden.
Als Adressatinnen und Adressaten haben wir sowohl Studierende in der ersten Ausbildungsphase, Referendare in der zweiten Ausbildungsphase als auch Lehrkräfte in der Schulpraxis vor Augen, die ihre eigene Praxis reflektieren bzw. sich auf die Aufgabe vorbereiten wollen, Religion in ihrer Klasse zu erteilen.
Schließlich gilt es zu danken: Frau Claudia Maria Rüdiger B.A. für Hilfe bei der Fertigstellung des Manuskripts, Frau Astrid Padberg und Frau stud. theol. Lisa Königs für sorgfältiges Korrekturlesen und wichtige Anregungen.
Gewidmet sei das Buch den beiden Frauen, die seit Jahren für einen täglichen Kontakt der beiden Autoren zum (Religions-)Unterricht in der Grundschule sorgen: Beate Hannig-Grethlein und Astrid Lück.
Münster / Wuppertal am Erntedanktag 2005
Christian Grethlein / Christhard Lück