Vorwort
Mit dem vorliegenden Buch werden frühere Arbeiten des Herausgebers zum Forschungsfeld Krisen- und Kriegskommunikation fortgesetzt. Explizit knüpft das Werk an die vor gut einem Jahrzehnt erschienene Aufsatzsammlung "Krieg als Medienereignis" an. Damaliger Ausgangspunkt war die als "Desert Storm" bezeichnete militärische Operation, mit der 1991 die Armee des irakischen Diktators Saddam Hussein aus dem besetzten Kuwait vertrieben wurde. Anders als der Vorläuferband geht "Krieg als Medienereignis II" jedoch nicht von einem spezifischen Konflikt aus. Der 2003 von den USA und ihren Alliierten geführte Krieg gegen den Irak wird in diesem Buch zwar differenziert analysiert; im Fokus der Beiträge steht jedoch eine konfliktübergreifende Perspektive.
Die Vorarbeiten für dieses Buch begannen in den Jahren 2000 und 2001 während einer Gastprofessur an der Atma Jaya University Yogyakarta (Indonesien). Dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der den Aufenthalt förderte, sei daher nochmals gedankt - auch für die Unterstützung bei der Organisation mehrerer internationaler Konferenzen, die wir seither als Beiträge zur Konfliktlösung und Krisenprävention in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Staat der Welt, unter Beteiligung weiterer Partner (darunter die Friedrich-Ebert-Stiftung) durchgeführt haben. Wie wichtig diese interkulturellen, interreligiösen und interethnischen Dialoge sind, zeigen nicht zuletzt die Terroranschläge der vergangenen Jahre.
In der journalistischen Berichterstattung, aber auch bei wissenschaftlichen Bemühungen, wird häufig vernachlässigt, dass die Opfer terroristischer Attentate und anderer gewaltsam ausgetragener Konflikte in vielen Regionen der Welt leben - oder sterben. Vor diesem Hintergrund bietet der vorliegende Sammelband Einblicke in die Werkstatt der Krisen- und Kriegskommunikationsforschung, bei der Konflikte - und der Umgang der Medien mit ihnen - nicht als isolierte Ereignisse begriffen werden. In den Blick genommen werden sowohl grundlegende Aspekte (wie etwa die Rolle von Öffentlichkeitsarbeit in Kriegszeiten), als auch aktuell diskutierte Fragen (wie die Chancen eines "Friedensjournalismus"). Überwiegend stammen die Beiträge von Wissenschaftlern. Gewonnen werden konnten darüber hinaus drei Vertreter einer militärisch geprägten Sicht auf das Themenfeld - darunter Generalmajor Walter Jertz, der während des Kosovo-Konfliktes (1999) als militärischer Sprecher der Nato agierte. Insgesamt bietet der Band somit ein facettenreiches Bild der Krisen- und Kriegskommunikationsforschung am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Allen Autorinnen und Autoren sage ich Dank für die konstruktive Zusammenarbeit und für die Geduld angesichts eines aufwändigen redaktionellen Bearbeitungsprozesses, der aber - so hoffen wir - der Qualität des Bandes mehr zu- als abträglich war. Besonders danken möchte ich in diesem Zusammenhang Thomas Hanitzsch, der als umsichtiger und durchsetzungsfähiger Redakteur wesentlich dafür verantwortlich ist, dass dieses Werk publiziert werden konnte. Unterstützung haben wir von weiteren Kolleginnen und Kollegen erhalten; hervorheben möchte ich Kersten Hoppe, die ein ansprechendes Titelbild entworfen hat, und Angelika Röpeke, die mit Kompetenz und Sorgfalt die Tücken der Korrektur- und Satzarbeiten minimiert hat.
Unverzichtbar für eine anwendungsorientierte Analyse der Krisen- und Kriegskommunikation und hilfreich bei der Konzeption des Bandes waren daneben Diskussionen mit Journalisten, Sicherheitspolitikern, Vertretern von Nicht-Regierungsorganisationen und Soldaten verschiedener Länder und Kulturen. Ermöglicht wurden die Gespräche durch diverse Forschungs- und Vortragsaufenthalte (u.a. in Abu Dhabi, Australien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Indien, Indonesien, Pakistan, Philippinen, USA) sowie durch Einladungen und Förderungen verschiedener Institutionen (Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr, Alexander von Humboldt-Stiftung, Auswärtiges Amt, Bundesverteidigungsministerium, Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Führungsakademie der Bundeswehr, Heeresführungskommando und anderen).
So wie der 1993 publizierte erste Band vermittelt "Krieg als Medienereignis II" einen Überblick über den Stand der internationalen Krisen- und Kriegskommunikationsforschung. Schon heute ist freilich klar: Es bedarf erheblicher weiterer Anstrengungen, um dieses komplexe Forschungsfeld empirisch und theoretisch besser zu durchdringen. Die vor einiger Zeit an der TU Ilmenau aufgebaute Internationale Forschungsgruppe Krisenkommunikation wird dazu ihren Beitrag leisten (www.crisis-communication.de).
| Erfurt, im Oktober 2004 | M.L. |