Vorwort
"Da schau ich nicht durch. Das ist zu kompliziert für mich." Solche und ähnliche Redensarten hört man oft, wenn das Gespräch auf wirtschaftspolitische Fragen kommt. Viele kapitulieren vor der Vielzahl der ökonomischen Fachausdrücke und überlassen die Wirtschaftspolitik lieber "den Experten".
"Die Wirtschaft ist das Schicksal", erklärte schon 1921 der Wiederaufbauminister und spätere deutsche Außenminister in der Weimarer Republik, Walther Rathenau (DDP). Was damals galt, trifft heute erst recht zu. Mehr als je zuvor bestimmt die Wirtschaft unser tägliches Leben. Nur wer versteht, wie die Wirtschaft funktioniert, kann in politischen Fragen mitreden. Dieses Buch will helfen, dem wirtschaftlich nicht vorgebildeten Leser einen kleinen Einblick in die brennenden Probleme der Wirtschaftspolitik in Deutschland, aber auch in der Welt zu verschaffen.
Als ich 1973 die erste Auflage unter dem Titel "Bausteine der Volkswirtschaftslehre" veröffentlichte, war das Angebot an Lehrbüchern bereits groß. Trotzdem hatte ich mich damals entschlossen, dieses Angebot noch um ein weiteres Exemplar zu erhöhen. Grund: Die übrigen Lehrbücher sind in der Regel auf den Bedarf der Wirtschaftsstudenten an Universitäten und Fachhochschulen zugeschnitten, häufig sehr theoretisch gehalten, meist auch stark mathematisiert und wenig an der aktuellen Wirtschaftspolitik orientiert. Noch so gut geschriebene Einführungen in die theoretische Volkswirtschaftslehre legt der an aktuellen politischen Fragen interessierte Leser deshalb häufig enttäuscht wieder beiseite, weil die dargebotenen Theorien in einer abstrakten und für ihn unverständlichen Sprache geschrieben sind und ihm keine Antwort auf die ihn interessierenden Probleme des Tagesgeschehens liefern.
Mein Buch sollte diese Lücke schließen. Die hohen Verkaufszahlen und vielen Auflagen, die es inzwischen erlebt hat, zeigen: An einer leichtverständlichen Darstellung volkswirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Zusammenhänge besteht unverändert hoher Bedarf. Viele Leser der früheren Auflagen haben mir bestätigt, dass sie erstmals wirtschaftliche Zusammenhänge, die ihnen bisher ein Buch mit sieben Siegeln waren, verstanden haben und jetzt die täglichen Wirtschaftsnachrichten besser einordnen können. Selbst Wirtschaftsstudenten in mittleren und höheren Semestern lesen das Buch oft mit Gewinn, wird darin doch manches ganz einfach erklärt, wozu dicke wissenschaftliche Lehrbücher oft viele Seiten mit komplizierten mathematischen Formeln benötigen.
Das Buch setzt keinerlei volkswirtschaftliche Vorkenntnisse voraus und beginnt daher mit sehr schlichten Beispielen. Leser, die schon etwas weiter fortgeschritten sind, sollten sich von ihnen nicht abschrecken lassen. Die vielschichtigen wirtschaftlichen Zusammenhänge werden Schritt für Schritt entwickelt. In späteren Kapiteln wird der Text anspruchsvoller, ohne dass die Verständlichkeit darunter leidet. Ökonomische Fachbegriffe werden, wenn sie zum ersten Mal vorkommen, erklärt und im späteren Text dann als bekannt vorausgesetzt.
Das Buch wendet sich an alle, die sich für Wirtschaft interessieren und einen ersten, leicht verständlichen Einstieg in dieses komplexe Gebiet suchen. Studierende der Volks- und Betriebswirtschaftslehre an Universitäten und Fachhochschulen finden darin einen kompakten Überblick über die wichtigsten wirtschaftspolitischen Probleme, der ihnen das Verständnis anderer, weiterführender Lehrbücher erleichtern wird. Für Studierende der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Sozialkunde und der Sozialpädagogik sind die vermittelten, volkswirtschaftlichen Kenntnisse unverzichtbar, um politische und gesellschaftliche Probleme analysieren zu können. In der politischen Bildungsarbeit von Parteien, Gewerkschaften, politischen Stiftungen und Volkshochschulen soll das Buch helfen, solide Grundlagen für das eigene politische Urteil zu legen.
Berlin, im Januar 2009
Hermann Adam