Vorwort
Der vorliegende Band beschreibt die Erfahrungen, die von den Autoren im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts zur Nutzung von Mobiltelefonen für sozialwissenschaftliche Befragungen1 gemacht wurden. Sozialwissenschaftliche Umfragen über Mobiltelefone zu führen, stellt - nicht nur in der Bundesrepublik - gegenwärtig eine noch neue Strategie und damit eine besondere Herausforderung dar. Die Autoren haben sich vorgenommen, es Interessierten zu ermöglichen, ihre diesbezüglichen Einsichten zur Kenntnis zu nehmen und diese kritisch zu diskutieren.
Die Herausgeber sind sich sicher, dass die hier zur Debatte gestellte Technik zukünftig einen wichtigen und festen Platz im sozialwissenschaftlichen Methodenarsenal einnehmen wird. Auch telefonische Umfragen der Markt- und Meinungsforschung werden in Zukunft kaum an dieser Technik vorbei kommen. Dies gilt umso mehr, als angesichts sinkender Ausschöpfungsquoten generell neue Wege in der Umfrageforschung beschritten werden sollten. So ist eine denkbare Strategie, künftig die Kontaktierung der Zielpersonen bei bundesweiten Erhebungen generell über das Telefon, und zwar Festnetz und Mobiltelefon, stattfinden zu lassen. Dies empfiehlt sich, weil Telefonstichproben gegenwärtig und in nächster Zukunft in Deutschland die einzigen sind, die flächendeckend ungeklumpt und mit einem geringen Noncoverage-Fehler gezogen werden können. Die eigentliche Erhebung könnte dann in einem Mode durchgeführt werden, den sich der Respondent selbst aussucht, da er ihn für den bequemsten hält beziehungsweise dieser ihm am wenigsten Kosten verursacht. Dabei könnte es sich um eine persönlich-mündliche Befragung, eine Internetversion des Fragebogens oder die Umfrage gleich bei der Kontaktierung oder später am Telefon handeln.
Für die von uns durchgeführte empirische Studie wird im Text der Name CELLA verwendet. Er steht für Cel1-Phone, also Mobilfunk, und Land-Line, das heißt Festnetz. Damit ist bereits im Namen angelegt, dass es sich um eine Mixed-Mode-Befragung handelt. Die Feldzeit der Hauptstudie fand zwischen Oktober 2007 und Mai 2008 statt.
Der Band ist in fünf Teile gegliedert. Zunächst (Teil A) erfolgt eine allgemeine Würdigung telefonischer Befragungen über das Mobilfunknetz. Das im Rahmen der CELLA-Studie eingesetzte Mixed-Mode-Design wird hier ebenfalls beschrieben. Im Teil B geht es dann darum, das Auswahlprocedere für eine parallel über den Mobilfunk und über das Festnetz geführte Mixed-Mode-Befragung vorzustellen. Im Anschluss (Teil C) wird dargestellt, wie sich Personen verhalten, die über ihr Handy zu einer Umfrage aufgefordert werden. Da die Befragung im Rahmen der CELLA-Studie als Mixed-Mode-Ansatz konzipiert und umgesetzt worden ist, muss schließlich auch möglichen Mode-Effekten Rechnung getragen werden. Dies geschieht im Teil D. Abschließend werden im Anhang (Teil E) all jene Materialien dokumentiert, die erforderlich sind, um dem Leser das Vorgehen bei dieser Studie verständlich zu machen beziehungsweise um ihm deren Nachvollziehen zu ermöglichen.
In dem vorliegenden Band wird eine Reihe von Aspekten andiskutiert. Wir gehen aber selbstverständlich nicht davon aus, damit die Problematik bereits erschöpfend bearbeitet zu haben. Weitere Analysen, auch durch Dritte, sind angezeigt. Der Datensatz der CELLA-Studie wird deshalb demnächst an das Zentralarchiv der GESIS in Köln übergeben und steht dann für Sekundärauswertungen zur Verfügung.
Im Interesse einer besseren Lesbarkeit des Textes wird darauf verzichtet, den Leserinnen und Lesern jeweils die männliche und die weibliche Form zu präsentieren. Wenn es nicht anders vermerkt wird, so steht die männliche grammatikalische Form jeweils auch für die weibliche.
Auch im Namen der Autoren gilt an dieser Stelle unser herzlicher Dank Herrn Jakob Hasselgruber, Herrn Wolfgang Haag und Frau Laura Menze für die zuverlässige Unterstützung bei der Fertigstellung des Manuskripts. Ohne ihre Hilfe hätte der vorliegende Band nicht in dieser Form erscheinen können.
Michael Häder & Sabine Häder
1 Die Antragsteller bei diesem Projekt waren Michael Häder, Siegfried Gabler und Sabine Häder.