Vorwort
Der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) - Eine Dateninfrastruktur zur Erforschung des demographischen Wandels
Individuelle und gesellschaftliche Alterungsprozesse gehören zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Europäische Kommission und der Europäische Rat riefen daher im Jahr 2000 in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, eine systematische und umfassende Datenbasis für die empirische Alternsforschung in Europa aufzubauen. Diese soll die Potentiale des demographischen Wandels identifizieren und Wege zu einer erfolgreichen Alters-, Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik aufzeigen.
Der am Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA - Universität Mannheim) koordinierte Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe (SHARE; http://www.share-project.org) baut seit 2002 - finanziert durch das 5., 6. und 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission (Generaldirektion Forschung) und ko-finanziert durch das US National Institute on Aging - eine solche multidisziplinäre, auf Mikrodaten beruhende Forschungsinfrastruktur auf. Die derzeitige Stichprobe des SHARE umfasst mehr als 35.000 Menschen ab einem Alter von 50 Jahren in 15 europäischen Ländern, von Skandinavien bis zum Mittelmeer, in West- und Osteuropa sowie in Israel.
SHARE beobachtet und misst die Altersprozesse der Befragten anhand detaillierter Längsschnittdaten zu ihrer gesundheitlichen, finanziellen, sozioökonomischen und familiären Situation. Der Basisdatenerhebung in den Jahren 2004-05, auf der die Beiträge des vorliegenden Bandes beruhen, folgte zwei Jahre später eine erste Wiederholungsbefragung. Die dritte Datenerhebungswelle, deren Schwerpunkt die retrospektive Erhebung der Lebensverläufe aller Studienteilnehmerinnen bildet, startet im November 2008.
SHARE ist das europäische Pendant zur US-amerikanischen Health and Retirement Study (HRS), die seit den frühen 1990er Jahren eine Fülle von Erkenntnissen für die volkswirtschaftliche, sozialwissenschaftliche und medizinischepidemiologische Forschung erbracht hat. Im Gegensatz zum HRS oder der seit 2002 durchgeführten English Longitudinal Study of Ageing (ELSA) ist SHARE jedoch international vergleichend konzipiert, was das Projekt einzigartig macht. Daher wurde SHARE vom Europäischen Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) als eine der 35 Säulen des Europäischen Forschungsraums identifiziert. Die SHARE-Infrastruktur soll zukünftig alle EU-Mitgliedstaaten, zuzüglich der Schweiz und Israel, aufnehmen und bis ins Jahr 2020 die Datenerhebung alle zwei Jahre wiederholen.
Die erhobenen Daten stehen über zwei Archive der Wissenschaftsgemeinschaft kostenfrei zur Verfügung. Bereits drei Jahre nach Veröffentlichung der Daten aus der SHARE-Basiserhebung gibt es fast 1000 registrierte Nutzerinnen aus den Disziplinen Demographie, Epidemiologie, Gerontologie, Gesundheitspolitik, Medizin, Ökonomie, Psychologie, Public Health, Soziologie und Statistik. Die acht Beiträge des vorliegenden Bandes spiegeln diese disziplinäre und thematische Vielfalt wider. Sie sollen einen Eindruck vom Forschungspotential des SHARE vermitteln, das durch die Möglichkeit von Längsschnittauswertungen zukünftig noch potenziert wird.
Mannheim, im November 2008
Axel Börsch-Supan, Karsten Hank, Hendrik Jürges, Mathis Schröder