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Bauernregeln
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Vorwort zur 4. Auflage


Liebe Leserin, liebe Leser,
als im Jahre 1989 die 1. Auflage dieses Buches erschien, habe ich mir nicht vorstellen können, daß es einmal eine 4. Auflage geben würde. Aber wie ich auch aus vielen Zuschriften weiß, wird meine Begeisterung über die vorzügliche Naturbeobachtung unserer Ahnen und damit über die Güte der überlieferten Bauernregeln von einem großen Interessentenkreis geteilt. Darüber freue ich mich sehr, denn meine Absicht, mit den Bauernregeln auch eine verständliche Einführung in die Meteorologie zu geben, ist offensichtlich sehr positiv aufgenommen worden. Davon zeugen auch die vielen Vorträge, Zeitungs- und Rundfunkinterviews, die ich zu diesem Thema gehalten bzw. gegeben habe.

Mit jeder Auflage ist der Inhalt des Buches gewachsen. In der 2. Auflage erhöhte sich die Zahl der untersuchten Wetter-, Witterungs-, Klima- und Ernteregeln, in der 3. Auflage wurde die Frage des Mondeinflusses auf das Wetter aufgrund einer wissenschaftlichen Analyse zusätzlich behandelt. In der 4. Auflage kommen nun gleich vier weitere Kapitel hinzu, und zwar zu den hochaktuellen Themen Klima und Unwetterkatastrophen in Vergangenheit und Gegenwart.

Das Jahr 2002 war in Deutschland durch außergewöhnliche Wetterereignisse geprägt, nämlich durch die Orkanwetterfront vom 10. Juli und das Elbehochwasser Mitte August. Als Folge davon wurde in den Medien, der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft die Problematik einer Klimaveränderung bzw. Klimakatastrophe intensiv diskutiert. Insbesondere wurde die Frage gestellt, inwieweit menschliches Wirken für die globale Erwärmung, für Extremwetterlagen und deren Auswirkungen verantwortlich zu machen ist. Diese Diskussion möchte ich in dieser Auflage zum Anlaß nehmen, den Klimawandel und die außergewöhnlichen Wetterereignisse ausführlicher zu erörtern.

Von der Eiszeit über Altertum und Mittelalter bis in die Neuzeit hat es in Mitteleuropa immer wieder Klimaänderungen gegeben. So herrschte bei uns lange Zeit ein Klima, wie es heute nördlich des Polarkreises angetroffen wird und in dem es noch keine Bäume gab. Um 1200 n. Chr., als die Wikinger nach Westen aufbrachen und die damals eisfreien Küsten Grönlands entdeckten, war es dagegen recht warm. 1320 begann dann die sog. Kleine Eiszeit, die - nur von einigen wärmeren Jahrzehnten unterbrochen - rund 400 Jahre andauerte. In dieser Zeit verschwand aufgrund der Klimaverschlechterung der Weinanbau aus Norddeutschland und in England brach die Akkerbauwirtschaft zusammen. In vielen Gemälden dieser Zeit, unter anderen der großen niederländischen Maler, spiegelt sich diese Kälteepoche in schneebedeckten Landschaften und zugefrorenen Kanälen wider.

Nachgegangen wird in diesem Zusammenhang auch der Frage, woher die Wissenschaft über das Klima und seine Änderungen in früheren Zeiten Bescheid weiß, denn moderne Wetterbeobachtungen mit Meßinstrumenten gibt es erst seit rund 300 Jahren. So ist das Kapitel 12 den "Klimazeugen der Vergangenheit" gewidmet.

Einen breiten Raum nehmen auch die außergewöhnlichen Wetterereignisse, die Wetter- und Witterungskatastrophen, ein. Vor allem seit dem Mittelalter haben wir aus den Chroniken, insbesondere denen der Klöster, gute Kenntnisse über das Auftreten von ungewöhnlich kalten und milden Wintern, von Dürren und Überschwemmungen, von Hagelunwettern und Sturm. Aber auch in antiken Schriften sind schon einzelne Angaben über besondere Wettererscheinungen zu finden.

Die Beschreibung und Diskussion des wiederholten Klimawandels sowie die Chronik außergewöhnlicher Wetterereignisse sollen helfen, die klimatologische und meteorologische Gegenwart vor dem Hintergrund der Vergangenheit besser zu verstehen und einzuordnen. Es wird auch besser verständlich, wodurch ein Naturereignis zur Katastrophe wird und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

Berlin im Frühjahr 2003 Horst Malberg



Vorwort zur 3. Auflage


Bei der Beschäftigung mit den mittelalterlichen Bauernregeln kommt man früher oder später an einen Punkt, an dem man sich fragt, was an den mondbezogenen Bauernregeln Dichtung und was Wahrheit ist. In vielen Regeln wird ein geheimnisvolles Wirken unseres Erdtrabanten beschrieben. So kann man über Zusammenhänge zwischen den einzelnen Mondphasen einerseits und ihren Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und Menschen anderseits lesen. Man erfährt z. B., wann die günstigste Zeit zum Pflanzen und Ernten, für einen Baum- oder Haarschnitt, ja selbst zum Wäschewaschen oder zum Vertreiben von Maulwürfen ist. Ein Teil dieser Regeln befaßt sich aber auch mit Aussagen über den Zusammenhang von Mond und Wettergeschehen.

Seit dem Erscheinen der 2. Auflage hat mich der Gedanke beschäftigt, den Einfluß des Mondes auf die Atmosphäre zu untersuchen und die nächste Auflage um ein Kapitel über den Mondeinfluß zu erweitern. Mein Hauptaugenmerk lag dabei naturgemäß auf den wetterbezogenen Mondregeln. Doch habe ich in die Aufzählung auch eine kleine Auswahl von allgemeinen Mondregeln aufgenommen, ohne diese jedoch im einzelnen betrachten oder gar beweisen/widerlegen zu wollen. Eingehend untersucht wurden dagegen die möglichen Auswirkungen des Mondes auf das Wetter, d. h. auf die Bewölkung und den Niederschlag.

Über 25.000 Wetterdaten mußten dazu auf einen Zusammenhang mit den Mondphasen bearbeitet werden, bevor ich mir ein fundiertes Bild über die Auswirkungen des Mondes auf die atmosphärischen Prozesse machen konnte. Dabei sind die Ergebnisse über den Mondeinfluß recht aufschlußreich, insbesondere weil sie meine anfängliche Skepsis teils widerlegen, teils aber auch bestätigen.

Die hohe Aussagekraft der schon früher untersuchten Bauernregeln hat sich auch in den vergangenen Jahren wieder bestätigt. So ließen sich z. B. die Hochsommer anhand der Siebenschläferregel recht gut vorhersagen. Sogar der nach acht milden Wintern in Folge für viele unerwartete strenge Winter 1995/96 kam gemäß der Oktoberregel keineswegs überraschend.

Die Beschäftigung mit den alten Bauernregeln und die dabei gewonnenen Erkenntnisse haben in den letzten Jahren dazu geführt, meteorologisches Forschungsneuland zu betreten und intensive Untersuchungen über einen modernen Weg zur langfristigen Wettervorhersage aufzunehmen. So konnten unsere Vorfahren nur dann eine entsprechende Bauernregel aufstellen, wenn ihnen an dem Ort, an dem sie lebten, die Atmosphäre einen Hinweis auf die Witterung der nächsten Monate gab.

Die heutige Meteorologie kann aber nach solchen Hinweisen auf die künftige Wetterentwicklung in den Wetterdaten rund um den Globus forschen. Dieses haben ein junger Mitarbeiter und ich getan und eine Methode entwickelt, die es erlaubt, Temperaturvorhersagen für mehrere Monate im voraus zu machen. Auch Aussagen über die sommerliche Wassertemperatur oder die winterlichen Eisverhältnisse an der deutschen Ostseeküste werden bald möglich sein.

Wie man sieht, haben für mich die überlieferten mittelalterlichen Bauernregeln nichts von ihrer Faszination verloren, und ich hoffe, daß es weiterhin viele Leser gibt, die diese Begeisterung mit mir teilen.

Berlin, im Frühjahr 1999Horst Malberg



Vorwort zur 2. Auflage


Mit großer Freude habe ich seit dem Erscheinen der 1. Auflage feststellen können, daß meine Begeisterung für die jahrhundertealten Bauernregeln von einem breiten Publikum geteilt wird. In zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften ist das Büchlein wohlwollend besprochen worden, zu vielen Fernseh- und Hörfunksendern wurde ich eingeladen, um über die überlieferten Regeln zu sprechen. Eine große Zahl von Vorträgen habe ich zu diesem Thema gehalten. Auch langfristige Wetterprognosen über den zu erwartenden Winter oder Sommer wurden gemacht. Sie sind in einer Reihe von Zeitungen nachzulesen. So wurden z. B. die milden Winter der letzten Jahre alle gut anhand der Bauernregeln vorhergesagt.

Aber es gab auch Neues über die Interpretation der Regeln zu lernen. So setzte der aufgrund der Oktoberregel vorhergesagte Kälteeinbruch im Januar 1991 erst im letzten Monatsdrittel ein, so daß nach der Statistik nicht der Januar, sondern der Februar zu kalt wurde. Das spricht aber nicht gegen die betreffende Bauernregel, zumal in einer Form nach einem warm-trockenen Oktober auch der Februar als besonders kalt aufgeführt wird. Vielmehr zeigt diese Tatsache, wie willkürlich das starre Schema monatlicher Mittelwertbildung in bezug auf den Wetterablauf ist.

Mit dieser Schwierigkeit haben aber auch die heutigen Ansätze zur Langfristwettervorhersage zu kämpfen.

Neben dem gewachsenen Verständnis für die in den Bauernregeln enthaltenen Aussagen gab es aber auch vertiefte Erkenntnisse über eine Anzahl weiterer Bauernregeln. Dieses hat zum einen die Zahl der untersuchten Regeln um 100 auf über 400 erhöht. Zum anderen wurde zu den Regeln zur Wetter-, Witterungs- und Erntevorhersage eine vierte Gruppe eingeführt, die als kalendergebundene Klimaregeln bezeichnet werden. Die Aussagen zu diesen, in der Fachsprache als Singularitäten bezeichneten alljährlich fast regelmäßig wiederkehrenden Witterungsereignisse, wie z. B. die Schafskälte Mitte Juni, verdeutlichen, daß unsere Vorfahren auch über die klimatischen Verhältnisse ihrer Heimatregion gut Bescheid wußten.

Ein kleines Kapitel über die Geschichte unseres Kalenders soll die Betrachtungen über die jahrhundertealten Bauernregeln, den 100jährigen Kalender und die vom Aberglauben beherrschten Aussagen in der Bauern-Praktik abrunden.

Berlin, im Frühjahr 1993Horst Malberg



Vorwort zur 1. Auflage


"Alles bedenke zugleich
wenn den Jahresablauf du erforschst,
auf daß du leichtfertig nimmer,
die Wetterzeichen dir deutest."
Aratos (Gr.), 3. Jhd. v. Chr.

Liebe Leser,
in letzter Zeit bin ich recht häufig gefragt worden, wie ein moderner Klima-/Wetterwissenschaftler dazu kommt, sich mit den alten Bauernregeln zu beschäftigen. Nun, am Anfang stand der Telefonanruf einer älteren Dame. Sie fand den Wetterbericht des letzten Tages wenig zutreffend, vermißte außerdem langfristige Wettervorhersagen für den nachten Monat bzw. die nächste Jahreszeit und fragte mich im Laufe des Gesprächs, warum unsere Vorhersagemeteorologen denn nicht auch mit den Bauernregeln und dem 100jährigen Kalender arbeiteten.

Bei dieser Frage zuckt ein Wetterwissenschaftler von heute bis in die Zehenspitzen zusammen, ist er es doch gewohnt, mit Wetterradar, mit Satellitendaten und Computern umzugehen. Meteorologe zu sein, heißt Physik studiert zu haben, sich mit der Physik der Atmosphäre zu beschäftigen, denn auch das leichteste Lüftchen bewegt sich nicht ohne eine physikalische Ursache. Von dem augenblicklichen Wetterzustand soll der Vorhersagemeteorologe physikalisch fundiert auf den Wetterverlauf der nächsten Stunden, Tage und Wochen schließen. Und dann die Frage nach den Bauernregeln und dem 100jährigen Kalender!

Aber so ein Gespräch wirkt nach. Hat nicht schon Goethe gesagt: "Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." In diesem Sinne begann mein wissenschaftliches Hobby, begann ich mich mit den überlieferten Bauernregeln zu beschäftigen.

Im letzten Jahr hielt ich meinen ersten Vortrag darüber. Das Echo darauf war für einen Wissenschaftler, der gewöhnlich nur im Stillen arbeitet, gewissermaßen "vor sich hin forscht", geradezu überwältigend. In Tageszeitungen, Zeitschriften und im Radio wurde das Thema aufgegriffen. Viele Zuschriften erreichten mich, viele Bauernregeln wurden mir zugeschickt. Natürlich kann und will dieses Buch nicht den Anspruch erheben, alle Bauernregeln wiederzugeben. Es soll ein exemplarischer Versuch sein, ihnen wissenschaftliche Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Untersuchung weiterer Wetterregeln wird im Laufe der Zeit folgen. Ich hoffe, daß es mir gelingt, meine Begeisterung über die guten Wetterbeobachtungen unserer Vorfahren weiterzugeben, denn auch in Gegenwart und Zukunft wird eine gute Wetterbeobachtung stets die Voraussetzung für eine gute Wetterprognose sein.

Mein herzlichster Dank gilt Herrn Gerald Roll für die Unterstützung bei der Auswertung der Klimadaten und Frau Annett Wedler für die Erstellung der Abbildungen.

Berlin, Frühjahr 1989Horst Malberg





 
   


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