Vorwort
Auf dem 3rd European Congress of Chemical Engineering 2001 in Nürnberg besuchte ich mit zwei Mitarbeitern die Sektion "Produktdesign". Wir waren sehr neugierig, was geboten wird, und erwarteten Definitionen, interessante Beispiele und neue Einsichten in ein Thema, dass in der Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnt. Nach meiner Überzeugung muss zur Sicherstellung eines zukünftigen Markterfolges auch die chemische Industrie den Regeln des Produktdesigns folgen, so wie es einige Hersteller von Lebensmitteln und von Konsumgütern vorgemacht haben.
"Die chemische Industrie wird zunehmend ihre Produkte in Leistung, Anwendung und Ästhetik den Wünschen ihrer Kunden anpassen bzw. auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Produkte entwickeln."
Zur Umsetzung des Produktdesigns ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Produkt- und Verfahrensentwicklern sowie dem Marketing unabdingbar. Das neue Fachgebiet deckt als Querschnittswissenschaft große Teile der Chemie, der Verfahrenstechnik sowie der Betriebswirtschaft ab und stellt das Produkt in den Mittelpunkt jeder Entwicklung.
Von diesen Zusammenhängen war auf der Tagung nicht die Rede. Die Vorträge beschränkten sich auf das Design von Partikeln und beschrieben so nur ein Bruchteil des Gebietes. Damals entstand die Idee, das "Produktdesign" in den wichtigen Dimensionen darzustellen, und zwar insbesondere mit dem Schwerpunkt chemischer Produkte, weil es auf diesem Fachgebiet nahezu keine praxisrelevanten Veröffentlichungen gab.
In meiner langjährigen Arbeit bei der HENKEL KGaA in der Verfahrensentwicklung mit der Zuständigkeit für innovative Verfahren und Produkte gab es häufig Diskussionen über die Leistung, die Handhabung und die Ästhetik von Produkten, also den Kernelementen des Produktdesigns. Als Markenartikelunternehmen war HENKEL bereits in der Vergangenheit stark am Produktdesign interessiert. Eine Hinwendung zum Design in Kombination mit anderen Qualitätsvorteilen ist in den letzten Jahren verstärkt zu beobachten. Aus den vielen Gesprächen, eigenen Arbeiten im Labor und im Technikum sowie bei Maschinen- und Apparateherstellern leitet sich meine Erfahrung und Kompetenz zur Bearbeitung des Themas ab.
Im Laufe der Niederschrift von Veröffentlichungen zum Thema "Produktdesign" sowie bei der Formulierung dieses Buches stellte sich zum einen heraus, dass die "Marke" als wesentliches Element mit dargestellt werden muss. Marken beherrschen nicht nur den Konsumentenmarkt, sondern werden zunehmend für chemische Spezialprodukte sowie für Geräte, Maschinen und Apparate angemeldet.
Zum anderen bestand die Notwendigkeit, eine Systematik zu erarbeiten, damit der Leser bei eigenen Entwicklungsarbeiten Nutzen ziehen und direkt alternative Anbietungsformen ableiten kann. Die vielen, mit Abbildungen unterlegten Beispiele sollen die Breite des Gebietes zeigen und das Lesen erleichtern. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Leser an Hand interessanter Beispiele dem Text leichter folgen kann.
Da ich das Gebiet "Betriebswirtschaft/ Marketing nicht studiert habe, fehlen sicherlich interessante Literaturhinweise. Wahrscheinlich sind einige Gedankengänge über Marken/ Märkte auch in anderen, mir bisher unbekannten Büchern zu finden. Die Aussagen im vorliegenden Buch stellen das Resultat eigener Überlegungen dar, die durch das laufende Lernen im Beruf angeregt wurden. Eine Wertung bestimmter Strategien ist nicht beabsichtigt und wurde auch nicht vorgenommen worden. Es geht einzig um eine anregende wissenschaftliche Diskussion an Hand von Beispielen, die das gesamte Gebiet der Investitions- und Konsumgüter sowie der chemischen Produkte abdecken.
Danksagungen:
Ich danke den vielen Firmen, die durch die wissenschaftliche Nutzung ihrer Bilder das Buch in dieser Form ermöglichten. Einige haben mir weitere Fotos in besserer Qualität zugesandt, die sich fast alle in Buch wieder finden.
Birgit Stevermann (Patente) korrigierte sorgfältig den gesamten Text. Die Kapitel über die "Marke" haben Gabriele Weiler (Marketing) und Christian Schröder sowie Bernd Carlos Jäcker (Markenrecht) durchgesehen und ergänzt. Der Leiter der Verpackungsentwicklung, Theo Janschuk, stellte mir einige seltene Fotos sowie Unterlagen zur Verfügung und überprüfte den Text des Verpackungskapitels. Die Bilder über "Enzyme" erhielt ich vom Betriebsleiter der BIOZYM Werner Pichler. Die Grafiken fertigte meine Assistentin Ulrike Ruffer in Power Point an. Sie ist verantwortlich für zahlreiche Produktfotografien und half mir engagiert bei vielen Fragen.
Ovid Dicoi, mit dem ich seit vielen Jahren zusammenarbeite, verdankte ich einige Bilder sowie etliche Literaturstellen. Meine Frau ertrug geduldig meine vielen Stunden vor dem Computer und gab wichtige Verbesserungshinweise.
Thomas Müller-Kirschbaum hat als Mitglied des Top Managements der HENKEL KGaA dieses Projekt in dankenswerter Weise unterstützt.
Wilfried Rähse
Düsseldorf, im Juli 2006