Vorwort zur 2. Auflage
Gegenüber der vorangegangenen Auflage - Heilpflanzenkunde für Tierärzte - hat die 2. Auflage des Buches eine Änderung im Titel erfahren. Mit dem neuen Titel - Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis - soll zum Ausdruck gebracht werden, dass neben dem Tierarzt auch andere Personengruppen, die sich intensiv mit Tieren und deren Gesundheit beschäftigen, von den Erkenntnissen der Veterinärphytotherapie in ihrer alltäglichen Praxis profitieren können. Darüber hinaus konnte mit Herrn Prof. Rabinovich ein Autor gewonnen werden, der in besonderer Weise die osteuropäische bzw. russische Veterinärphytotherapie repräsentiert. Auf seinen Forschungen zur praxisorientierten Verwendung von Heilpflanzen in der Veterinärmedizin beruhen viele Angaben zur Verwendung und Dosierung der im Buch abgehandelten Heilpflanzen.
Die 2. Auflage wurde gründlich überarbeitet und durch 18 neue Pflanzenmonographien, die in einem aktualisierten Buch über Veterinärphytotherapie nicht fehlen dürfen, erweitert: Ackerschachtelhalm, Angelika, Benediktenkraut, Chinesischer Limonenbaum, Echter Alant, Fieberklee, Gelbes Katzenpfötchen, Ginseng, Goldrute, Mistel, Pestwurz, Seifenkraut, Sonnenblume, Spargel, Taigawurzel, Weißbirke, Wiesenklee und Ysop. Somit werden in der Neuauflage über 90 Heilpflanzen, nach Indikationsgebieten geordnet, für die Veterinärpraxis zugänglich gemacht. Die Heilpflanzen werden sowohl nach pharmazeutischen als auch nach medizinischen Gesichtpunkten beschrieben und bewertet. Auf der Basis aktueller pharmakologischer Erkenntnisse erhält der Leser so einen umfassenden Überblick über Indikationsgebiete, Rezepturen, Dosierungen, unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen von pflanzlichen Heilmitteln. Erweitert wurden auch das Sach- und das Literaturverzeichnis, wodurch es dem interessierten Leser leichter gemacht werden soll, sich auf dem Gebiet der Veterinär-Heilpflanzenkunde eigenständig weiterzubilden.
Dem Springer-Verlag, insbesondere Herrn Dr. Kraemer und Frau Dr. Ehlenbeck, sind wir für die angenehme Zusammenarbeit sehr dankbar. Unser besonderer Dank gilt aber Frau Wilbertz für ihre engagierte und konstruktive redaktionelle Unterstützung bei der Gestaltung und Drucklegung des Buches sowie für ihr Verständnis für unsere vielfältigen Wünsche.
Jürgen Reichling Juni 2008
Rosa Gachnian-Mirtscheva
Marijke Frater-Schröder
Reinhard Salier
Moisei Isaakovich Rabinovich
Wolfgang Widmaier
Vorwort zur 1. Auflage
Die Verwendung von Heil- und Gewürzpflanzen zur Behandlung von Erkrankungen und zur Unterstützung von Heilungsprozessen stellt die älteste bekannte Therapieform überhaupt dar. In allen menschlichen Kulturen werden Heilpflanzen seit Jahrtausenden bei Mensch und Tier zu Heilzwecken und zur Erhaltung der Gesundheit eingesetzt.
Vor der Entwicklung moderner chemischer Medikamente gehörten pflanzliche Arzneimittel in jede Hausapotheke. Dies galt nicht nur für die Humanmedizin, sondern auch für die Veterinärmedizin. Die traditionelle Verwendung von Heilpflanzen zur Behandlung von Erkrankungen bei Heim- und Nutztieren wird in verschiedenen alten Kräuterbüchern ausführlich dokumentiert. Diese richteten sich sowohl an den Tierarzt als auch an den Landwirt und andere Tierbesitzer direkt. Die ausführlichen Beschreibungen der Erkrankungen und die Rezepturen mit verschiedenen Heilpflanzen dienten wohl häufig als Nachschlagewerk für die Behandlung durch den Tierbesitzer.
Die Erkenntnisse zur Verwendung einer bestimmten Pflanze beruhten in erster Linie auf Anwendungsbeobachtungen. Heute dient dieses jahrhundertealte, traditionelle Wissen als Grundlage zur Entwicklung moderner pflanzlicher Präparate. Diese sollten heutzutage, in Bezug auf das verwendete Pflanzenmaterial und auch die Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Anwendung, höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden.
Die moderne Anwendung von Heilpflanzen basiert im Grunde auf der klassischen Schulmedizin und stellt keine gesonderte medizinische Theorie oder Heilkunde dar, wie z. B. die traditionelle chinesische Medizin oder Homöopathie. Diese zuletzt erwähnten Heilmethoden beinhalten ein anderes Verständnis der Mechanismen und Grundlagen, die für Gesundheit und Krankheit zuständig sind. Die Anwendung von Heilpflanzen ist in erster Linie als komplementäre Behandlungsmethode in der klassischen Schulmedizin und als Futterergänzung zu verstehen.
Im Gegensatz zur Humanmedizin, in der Heilpflanzen in den letzten Jahrzehnten basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen wieder vermehrt Eingang in die Arzneimitteltherapie fanden, sind im Veterinärbereich nur wenige wissenschaftliche Daten und Dokumentationen zur Wirkung und Dosierung von Heilpflanzen und Heilpflanzenzubereitungen aus neuerer Zeit bekannt. Die meiste Literatur beruht auf traditionellen Schriften und Kräuterbüchern.
Das Ziel dieses Buches ist es, den interessierten Tierärzten und Tierärztinnen die Grundlagen der Anwendung von Heilpflanzen näher zu bringen und einige Anwendungsmöglichkeiten in der Behandlung verschiedener Erkrankungen beim Tier aufzuzeigen. Die in diesem Buch aufgeführten Behandlungsvorschläge, Dosierungen und Rezepturen beruhen auf dokumentierten traditionellen Anwendungen beim Tier. Dennoch können Verfasser und Verlag eine Gewährleistung für die Richtigkeit von Dosierungsangaben nicht übernehmen. Die im
Buch angeführten Behandlungsvorschläge und Dosierungen stellen daher keine direkte Handlungsanweisung für die Behandlung von Tieren durch Laien dar. Die Behandlung von kranken Tieren mit Heilpflanzen und pflanzlichen Arzneimitteln gehört in die Hände von erfahrenen Tierärzten. Nur sie können im konkreten Einzelfall entscheiden, ob die im Buch angeführten Heilpflanzen, Dosierungen und Rezepturen zur Behandlung des kranken Tieres indiziert sind.
Dem Springer-Verlag, insbesondere Herrn Dr. Thomas Mager sind wir für die angenehme Zusammenarbeit sehr dankbar. Unser besonderer Dank gilt Frau Susanne Friedrichsen und Frau Dr. med. vet. Susanne Platt vom Springer-Verlag für ihre engagierte und konstruktive redaktionelle Unterstützung bei der Gestaltung und Drucklegung des Buches sowie für das Eingehen auf unsere vielfältigen Wünsche.
Jürgen Reichling August 2004
Rosa Gachnian-Mirtscheva
Marijke Frater-Schröder
Reinhard Salier
Assunta Di Carlo
Wolfgang Widmaier