Vorwort zur zwanzigsten Auflage
Viele positive Stellungnahmen zur neunzehnten Auflage der POHL'schen Einführung in die Mechanik, Akustik und Wärmelehre haben uns ermutigt, eine weitere Auflage herauszugeben. Damit bot sich gleichzeitig eine gute Gelegenheit, uns wichtig erscheinende Ergänzungen einzufügen. Neben zusätzlichen oder überarbeiteten Kommentaren und einigen sachlichen Klarstellungen im Text sind dies vor allem weitere Videofilme und eine Aufgabensammlung. Auch die Paragraphen zu Osmose und Diffusion aus früheren Auflagen wurden wieder aufgenommen.
Die Filme entstanden diesmal in eigener Regie im neuen Göttinger Hörsaal, ein paar auch in Zusammenarbeit mit der Physik-Didaktik der FU Berlin. Bei der Themenauswahl ließen wir uns wiederum davon leiten, einerseits Abbildungen "lebendig" zu machen und andererseits typisch Pohl sehe Schauversuche zu dokumentieren, die teilweise heute selbst in Göttingen nicht mehr vorgeführt werden.
Der Grundstock der Aufgaben stammt aus einer früheren englischsprachigen Auflage (1932!), es handelt sich also um POHL'sche Originalaufgaben. Wir fanden es aber sinnvoll, dieser Sammlung weitere Aufgaben hinzuzufügen, und zwar an Fragestellungen orientiert, die sich entweder direkt aus Videofilmen oder Abbildungen ergeben oder Experimente ergänzen, die manchmal aus Platzgründen im Text nur knapp beschrieben sind. Diese Aufgaben besitzen also weniger den Charakter von Übungsaufgaben, sie sollen vielmehr dem Leser zum besseren Verständnis der auch in diesem Band oft schwierigen Physik etwas Hilfestellung geben und darüber hinaus auch einige ergänzende Informationen liefern.
Die Arbeit an dieser Auflage wäre ohne die jeweilige Unterstützung unserer Institute nicht möglich gewesen. So danken wir wiederum ganz besonders Herrn Prof. Dr. K. Samwer und allen seinen Mitarbeitern im 1. Physikalischen Institut der Universität Göttingen für die großzügige Gastfreundschaft und vielfältige Hilfestellung, die uns die Bearbeitung auch dieser Auflage ermöglicht hat. Auch dem Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin sind wir für die Arbeitsmöglichkeit im Institut und die tatkräftige Mithilfe vieler Institutsmitglieder, insbesondere bei Computerarbeiten, sehr dankbar. Ganz besonders möchten wir den Herren Prof. Dr. G. Beuermann, J. Feist und Dr. J. Kirstein für ihren großen Einsatz danken, ohne den die vielen neuen Videofilme nicht zustande gekommen wären. In einigen dieser Filme, die jetzt alle auch gesprochenen Text enthalten, erklärt Herr Beuermann POHL'sche Experimente, so wie er sie schon früher in vielen Vorlesungen vorgeführt hat. Gerne danken wir auch wieder dem Springer-Verlag, insbesondere Herrn Dr. T. Schneider, für die angenehme Zusammenarbeit.
Berlin, Göttingen, Juni 2008 K. Lüders
R. O. Pohl
Aus dem Vorwort zur neunzehnten Auflage (2004)
Über dreißig Jahre, von 1919 bis 1952, hat R.W. Pohl an der Göttinger Universität für Studenten aller Fachrichtungen die Einführungsvorlesung über Experimentalphysik gelesen. Das dreibändige Werk, das daraus entstand, verfolgte lange Zeit einen doppelten Zweck. Einmal sollte es beim Leser das Interesse an der Physik wecken und zum anderen als Lehrbuch interessierten Studenten die Grundlagen der Physik beibringen. Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten die studentische Ausbildung immer mehr den beruflichen Bedürfnissen durch Spezialvorlesungen angepasst wurde, ist diese Zielsetzung bis heute aktuell. Wir sind daher überzeugt, dass die POHL'schen Bücher nichts von ihrer Faszination für die experimentelle Erforschung physikalischer Phänomene eingebüßt haben und immer noch einen Platz auf dem Schreibtisch der Studierenden verdienen. Dies ist der Grund für die vorliegende Neuauflage, zunächst der "Mechanik, Akustik und Wärmelehre". Ein zweiter Band soll dann die wichtigsten Kapitel der Elektrizitätslehre und Optik enthalten.
Die für die meisten Leser auffallendste Besonderheit der POHL'schen Bücher ist die Fülle der ausführlich beschriebenen und illustrierten Experimente, in denen gezeigt wird, wie man die Natur befragt, um ihre Geheimnisse zu ergründen. Dazu gehören natürlich auch die Schattenrisse, die den Blick auf das Wesentliche lenken. Darüber hinaus möchten wir aber hier dem Leser Gelegenheit geben, die Experimente so mitzuerleben, wie sie im Göttinger Hörsaal seit nun schon über 80 Jahren vorgeführt werden. Deshalb wurde diese Auflage durch zwei CD-ROMs mit kurzen Videofilmen ergänzt. Der erste Film ist eine Originalaufnahme einer Vorlesung von R.W. Pohl aus dem Jahr 1952 (Videofilm 1). Wir hoffen, dass die Leser bei der Betrachtung dieser Videofilme eben soviel Freude haben werden wie wir bei den Dreharbeiten.
Um die Lebendigkeit des "Pohls", wie die Bücher oft genannt wurden, zu erhalten, erschien es uns wichtig, an der Darstellungsweise des Autors möglichst wenig zu ändern. Da aber allein der erste Band in nicht weniger als vierzehn verschiedenen Fassungen vorlag, mussten wir eine Auswahl treffen. Der vorliegende Band basiert auf der 16. Auflage, erschienen 1964. Gelegentlich griffen wir aber auch auf andere Auflagen zurück, vor allem auf die 13. (1955) und auf die 18. (1983). Texteingriffe unsererseits wurden weitgehend vermieden. Zu den Ausnahmen gehört u.a. eine verminderte Scheu bei der Verwendung von Vektoren und Integralen, also Dingen, mit denen der Leser heutzutage im Allgemeinen wohlvertraut ist. Auch haben wir Symbole und Einheiten dem modernen Sprachgebrauch anzupassen versucht, um dem Leser unnötige Übersetzungsarbeit zu ersparen. Unsere eigenen Versuche zur Bereicherung des Textes haben wir auf Kommentare am Rand beschränkt, die vor allem sowohl direkte Erläuterungen zum Text als auch Hinweise auf neuere Entwicklungen enthalten.
Berlin, Göttingen, Januar 2004
K. Lüders R. O. Pohl
Dies Buch enthält den ersten Teil meiner Vorlesung über Experimentalphysik. Die Darstellung befleißigt sich großer Einfachheit. Diese Einfachheit soll das Buch außer für Studierende und Lehrer auch für weitere physikalisch interessierte Kreise brauchbar machen.
Die grundlegenden Experimente stehen im Vordergrund der Darstellung. Sie sollen vor allem der Klärung der Begriffe dienen und einen Überblick über die Größenordnungen vermitteln. Quantitative Einzelheiten treten zurück.
Eine ganze Reihe von Versuchen erfordert einen größeren Platz. Im Göttinger Hörsaal steht eine glatte Parkettfläche von 12 x 5 m2 zur Verfügung. Das lästige Hindernis in älteren Hörsälen, der große, unbeweglich eingebaute Experimentiertisch, ist schon seit Jahren beseitigt. Statt seiner werden je nach Bedarf kleine Tische aufgestellt, aber ebensowenig wie die Möbel eines Wohnraumes in den Fußboden eingemauert. Durch diese handlichen Tische gewinnt die Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit der einzelnen Versuchsanordnungen erheblich. Die meisten Tische sind um ihre vertikale Achse schwenkbar und rasch in der Höhe verstellbar. Man kann so die störenden perspektivischen Überschneidungen verschiedener Anordnungen verhindern. Man kann die jeweils benutzte Anordnung hervorheben und sie durch Schwenken für jeden Hörer in bequemer Aufsicht sichtbar machen.
Die benutzten Apparate sind einfach und wenig zahlreich. Manche von ihnen werden hier zum ersten Male beschrieben. Sie können, ebenso wie die übrigen Hilfsmittel der Vorlesung, von der Firma Spindler & Hoyer, G.m.b.H. in Göttingen, bezogen werden.
Der Mehrzahl der Abbildungen liegen photographische Aufnahmen zugrunde. Viele Bilder sind als Schattenrisse gebracht. Diese Bildform eignet sich gut für den Buchdruck, ferner gibt sie meist Anhaltspunkte für die benutzten Abmessungen. Endlich erweist ein Schattenriss die Brauchbarkeit eines Versuches auch in großen Sälen. Denn diese verlangen in erster Linie klare Umrisse, nirgends unterbrochen durch nebensächliches Beiwerk, wie Stativmaterial u. dgl.
Göttingen, März 1930
R. W.Pohl