Vorwort zur 2. Auflage
Dem Vorwort zur 1. Auflage der deutschen Übersetzung meines EKG-Buches ist bezüglich des Vorworts zur erfreulicherweise schon jetzt notwendig gewordenen 2. Auflage nur wenig hinzuzufügen. Die Literatur wurde bereits während der Übersetzung aus dem englischen Original ins Deutsche aktualisiert und sogar das extrem seltene, eben erst entdeckte angeborene 'Short QT-Syndrom' als Analogie-Phänomen zum ungleich wichtigeren 'Long QT-Syndrom' in die deutsche Auflage neu aufgenommen. Da ansonsten auf dem Gebiet der konventionellen Elektrokardiographie inklusive Rhythmusstörungen seither nichts nennenswert Neues publiziert worden ist, darf die 2. deutsche Auflage guten Gewissens unverändert herausgegeben werden. Autor und Verlag wünschen dem Buch weiterhin viel Erfolg und freuen sich zudem auf die im Druck befindliche Übersetzung ins Chinesische (People's Medical Publisher, Peking).
Marc Gertsch, April 2008
Vorwort zur 1.Auflage
Vor 25 Jahren habe ich die Einladung eines Verlags, ein EKG-Buch zu verfassen, abgelehnt. Es war ein guter Entscheid. In den folgenden Jahrzehnten konnte ich nicht nur meine Erfahrung im "teaching" vertiefen, sondern auch die Kenntnisse bei der Analyse des EKG, die Rhythmusstörungen inbegriffen, erweitern, dies durch die Tätigkeit in den Intensivstationen und der Notfallpforte, im Konsiliardienst, im Herzkatheterlabor, bei der Implantation von zweitausend Schrittmachern und anhand klinischer und experimenteller Studien.
Zudem braucht es auch Zeit, ein Buch über ein so großes Gebiet zu schreiben (und nicht nur abzuschreiben). Diese nahm ich mir gegen Ende meiner offiziellen Berufstätigkeit mit einem 50%-Time-out während dreier Jahre.
In diesem Buch werden wichtige und häufige EKG-Befunde von weniger wichtigen, eher seltenen, aber interessanten Befunden abgegrenzt. Deshalb sind fast alle Kapitel in eine Sektion Auf einen Blick und eine Sektion Im Detail eingeteilt.
Einige Anregungen habe ich von Kollegen aufgenommen, zum Beispiel die Kapitel "Das normale EKG" (mit 40 Beispielen) und "Das Belastungs-EKG". Andere Ideen sind auf dem eigenen Mist gewachsen, so "Die Differentialdiagnose der pathologischen Q-Zacke", "Spezielle Wellen, Zeichen und Phänomene" und die ausführliche Liste über die Ätiologie der Elektrolytstörungen.
Wichtig schien mir auch, die Infarkt-EKGs mit den jeweiligen koronaren Veränderungen und der detaillierten Ventrikelfunktion abzustützen (in 85% der 110 Infarktbilder). Mit zahlreichen klinischen Daten und der Einstreuung von ungefähr 50 Fallbeispielen (oder "short stories") soll das EKG in den richtigen Zusammenhang gestellt und der Lesestoff aufgelockert werden.
Vom Aufbau her ist das Buch für Kardiologen, Internisten und Allgemeinmediziner gedacht und für besonders begabte und interessierte Medizinstudenten (die Lektüre der Sektionen Auf einen Blick umfasst lediglich 80 Seiten, plus natürlich ungefähr 250 EKGs).
Es freut mich sehr, dass bereits jetzt, fast gleichzeitig mit der italienischen, die deutsche Auflage des englischen Originals erscheint. Für die vorzügliche Übersetzung inklusive der mühseligen Neufassung des Sachwort- und EKG-Verzeichnisses danke ich meinem Freund Dr. Benjamin Fässler, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, ganz herzlich.
Marc Gertsch, August 2006
Vorwort des Übersetzers
Es war mir eine Ehre, das große Werk meines ehemaligen kardiologischen Lehrers und langjährigen Freundes übersetzen zu können. Dass Marc Gertsch ein unübertroffener Kenner des EKGs ist, dafür ist dieses Buch Zeuge genug. Er ist aber auch ein begnadeter klinischer und ein versierter invasiver Kardiologe. Was ihn bei seiner Arbeit außerdem auszeichnete, war die menschliche Wärme im Umgang mit seinen Patientinnen und Patienten und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und nicht zu vergessen sind seine kritische Haltung, sowohl seinem Fache wie auch sich selbst gegenüber, und sein Humor, der sich jeweils in seinen Zwischenbemerkungen kundtat. Auch in diesem Buch treffen wir ab und zu auf kritische Bemerkungen - und bisweilen blickt sein "Schalk in den Augen" zwischen den Zeilen hindurch.
Einige Bemerkungen zur Übersetzung und zur Schreibweise:
Bei gewissen Abkürzungen wird versucht, eine möglichst einheitliche Schreibweise zu benutzen. So bedeutet LV bzw. RV sowohl "linker Ventrikel" bzw. "rechter Ventrikel" wie auch "linksventrikulär" bzw. "rechtsventrikulär". Dasselbe gilt für LA bzw. RA, also entsprechend "linkes Atrium" bzw. "rechtes Atrium" und "linksatrial" bzw. "rechtsatrial". Obwohl die adjektivischen Formen, etwa "linksventrikulär", die überwiegenden Formen darstellen, werden die Abkürzungen mit einem Bindestrich versehen - z.B. LV-Überlastung -, weil sich diese Schreibweise eingebürgert hat. Dasselbe gilt für AV, also "atrioventrikulär". Dem Lateiner mag es seltsam vorkommen, dass "Pmitrale" einen Bindestrich enthält, aber auch diese Form ist offenbar zum Standard geworden.
Während die englische Fachsprache für die lateinischen Wörter "Atrium" bzw. "atrial" keine eigentliche englische Bezeichnung kennt, kommen in der deutschen Fachsprache sowohl diese lateinischen Begriffe wie auch der Begriff "Vorhof" vor. In der Übersetzung werden die Bezeichnungen "Atrium" bzw. "atrial" mehr in jenem Bereich verwendet, der in Bezug zur Anatomie steht, wie etwa bei "linksatrialer" Vergrößerung, was auch den Vorteil hat, dass die Abkürzung "LA" verwendet werden kann. Im Bereich der Rhythmusstörungen wird "atrial" hingegen mit dem Begriff "Vorhof" wiedergegeben - denn "atriales Flimmern" anstelle von "Vorhofflimmern" klingt für unsere Ohren doch eher befremdlich. Analoge Unterscheidungen gelten im Bereich von "Ventrikel" und "ventrikulär", die ebenfalls eher bei Begriffen, die in Beziehung zur Anatomie stehen, verwendet werden. Im Bereich der ventrikulären Rhythmusstörungen wird nach den in der deutschen Fachsprache geltenden Gepflogenheiten vorgegangen: Während von "ventrikulären Extrasystolen" die Rede ist, spricht man von "Kammertachykardie" und "Kammerflimmern".
Voll eingebürgerte englische Begriffe wie etwa "reentry" wurden so belassen. Andere, zum Teil weniger geläufige Begriffe werden, mitunter in Klammern, eingedeutscht oder es werden beide Versionen nebeneinandergestellt.
Zum Schluss darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Übersetzung in enger Zusammenarbeit mit dem Autor erfolgte. Dafür, dass ich bei Marc Gertsch immer ein offenes Ohr und entsprechende Hilfe - vor allem bei schwierigen Textstellen - fand, bin ich ihm dankbar.
Benjamin Fässler