Vorwort
Die wachsende Schar derer, die die Morgan-Vorlesungen hielten, erinnert sich sicher begeistert der Tage an der Universität Rochester, an denen sie von Professor Alfred Harris und seiner Frau sowie den gastfreundlichen Kollegen fürstlich bewirtet und von einer Gruppe von Studenten so rege kritisiert und (manchmal) verteidigt wurde, wie man es an einem Frühlingstag erhoffen konnte. Studenten wie Kollegen danke ich für die vielen anregenden Hinweise, die in dieses Buch eingegangen sind.
Drei meiner vier Morgan-Vorlesungen bilden die ersten drei Kapitel des vorliegenden Buchs. Anstelle der vierten Vorlesung, die inhaltlich eher in eine in Arbeit befindliche Monographie über die Symbolik des Jagdrituals bei den Ndembu gehört, habe ich zwei neue Kapitel hinzugefügt. Diese befassen sich hauptsächlich mit dem in Kapitel 3 dieses Buches angeschnittenen Problem des "Schwellenzustands" ("Liminalität") und der "Communitas". Das Buch untergliedert sich in zwei Hauptabschnitte. Der erste behandelt in der Hauptsache die symbolische Struktur des Ndembu-Rituals und die Semantik dieser Struktur; der zweite, der etwa in der Hälfte des dritten Kapitels beginnt, versucht, weniger die symbolischen, als einige der sozialen Merkmale der Schwellenphase des Rituals zu erforschen. Meine besondere Aufmerksamkeit gilt einer "außer"- oder "meta"-strukturellen Modalität der Sozialbeziehung, die ich "Communitas" nenne. Des weiteren untersuche ich Verbindungen zwischen Communitas, strukturellem Außenseitertum und struktureller Inferiorität - Verbindungen, die, außerhalb der Ethnologie, in der Literatur, der politischen Philosophie und in der Praxis komplexer, "universalistischer" Religionen betont worden sind.
Ich bin dem verstorbenen Professor Allan Holmberg, dem damaligen Vorsitzenden des Anthropologischen Fachbereichs in Cornell, zu Dank verpflichtet, weil er mich, als ich die Morgan-Vorlesungen ausarbeitete, teilweise von meinen Lehrverpflichtungen befreite, und danke meinem Freund Bernd Lambert für die Übernahme vieler meiner Veranstaltungen in dieser Zeit.
Die Überarbeitung der Morgan-Vorlesungen und das Schreiben der zusätzlichen Kapitel fielen in die Zeit meines Aufenthalts als Forschungsstipendiat der Gesellschaft für Geisteswissenschaften an der Cornell University. Ich danke Professor Max Black, dem Direktor, und den Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft für die mir gebotene Gelegenheit, unbehindert durch Lehrverpflichtungen und Verwaltungsaufgaben, die in der letzten Morgan-Vorlesung formulierten Gedankengänge zu entwickeln. Professor Blacks geistvolle, doch immer sachliche Art des Denkens, sein Witz, seine Liebenswürdigkeit und sein Charme waren in diesem Stipendiatsjahr ein Geschenk des Himmels. Wichtig war außerdem, daß ich unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft mit Studenten aller Studienphasen und Fähigkeitsniveaus aus den verschiedenen Fachbereichen ein interdisziplinäres Seminar veranstalten konnte, in dem wir über viele der "Schwellen-, Übergangs- und Grenz"-Probleme im Ritual, im Mythos, in der Literatur, der Politik, in utopischen Vorstellungen und Praktiken nachdachten. Einige Erkenntnisse aus diesem Seminar haben die letzten beiden Kapitel des vorliegenden Buchs beeinflußt; andere werden erst später Früchte tragen.
Wie immer waren die redaktionelle und ermutigende Hilfe und Unterstützung meiner Frau von entscheidender Bedeutung.
| Mai 1968 | Victor W. Turner |