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Die Gabe des Lachens. Sonderausgabe
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Vorwort


Die Idee zu diesem Buch entstand in der Cheltenham Town Hall unter den Augen eines tausendköpfigen Publikums. Man hatte mich gebeten, Sir Peter Ustinov im Oktober 1999 anlässlich des Cheltenhamer Literaturfestivals über seinen neuen Roman Monsieur René zu interviewen. Natürlich ließ ich mir die Chance nicht entgehen, und um der Sache nur ja gewachsen zu sein, nahm ich mir seinen Memoirenband Dear me* noch einmal vor. Dabei stellte ich fest, dass er schon 1977 erschienen war und er ihn nie auf den neuesten Stand gebracht hatte, obwohl es ihn - im Gegensatz zu zwei früheren Biographien, die beide vergriffen sind - immer noch als Taschenbuch gab.

Wir verbrachten eine vergnügliche Stunde auf der Bühne, in der ich nur einen Bruchteil der Fragen los wurde, die ich ihm hatte stellen wollen; ich hatte schon früh gelernt, dass man einen guten Erzähler in voller Fahrt niemals unterbrechen soll. Beim anschließenden Abendessen fragte ich Sir Peter, ob er mir erlauben würde, seine Biographie zu schreiben, und ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, sagte er ja.

Einen Monat später kam er aus der Schweiz angeflogen, um bei der Buchmesse in Guildford wieder über seinen Roman zu sprechen - diesmal mit Michael Billington vom Guardian. An diesem Sonntag machte ich mich frühzeitig auf den Weg zum Yvonne Arnaud Theatre, sodass wir zwei uns noch eine Stunde lang absprechen konnten, wie wir weiter vorgehen wollten, bevor Michael zur Vorbereitung der Abendveranstaltung eintraf.

Ich sagte zu Sir Peter, ich würde ihn gern jedes Mal befragen, wenn er im Lande weilte, was in den kommenden zweieinhalb Jahren viel häufiger der Fall war, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Als ich fortfuhr, ich wollte gern mit möglichst vielen Familienmitgliedern reden, erwiderte er mit gespielter Grabesstimme: "Soweit sie noch unter den Lebenden weilen."

Seither war er mir stets behilflich, seine alten Freunde und Kollegen rund um den Globus ausfindig zu machen, und bald schon stellte ich fest, wie sehr sie ihm ausnahmslos zugetan sind und welche Hochachtung sie zugleich für seine zahlreichen Talente empfinden.

Letztere bereiteten mir ein erstes Problem, wie ich die Darstellung seines Lebens und Wirkens denn strukturieren sollte, die ich durch gelegentliche Rück- und auch Ausblicke ineinander zu weben versucht habe, wenn das eine oder andere Projekt einmal längere Zeit vor sich hin schmorte. Wieder und wieder war es Sir Peter, der mir - manchmal eher auf verschmitzten Umwegen - das Stichwort lieferte, wie sich das eine zum andern fügte und was seinen Blick aufs Leben geprägt hat.

Gewiss war für die meisten seiner Generation der Kriegsdienst eine gravierende Erfahrung, aber bei ihm flössen die beim Militär verbrachten Jahre unübersehbar in seine Weltanschauung und Arbeit ein. Als ich seine sämtlichen Theaterstücke und sonstigen Bücher in chronologischer Reihenfolge durchlas, wurde mir klar, wie sehr die Erfahrung des einfachen Landsers in der gesamten Kriegszeit seine Sicht von der militärischen Denkweise und überhaupt von der Obrigkeit geformt hat. Ihr auch entlehnte er ein paar Vorbilder für seine urkomischsten Darbietungen.

Vermutlich wird man sich seiner vor allem der letzteren wegen erinnern, aber in seine mittlerweile siebzigjährige, funkelnde Erfolgslaufbahn sind zahllose andere Elemente eingeflossen, die ich durchweg wiederzugeben versucht habe. Als wir uns einmal über König Lear unterhielten, fragte ich ihn, worin sich für ihn die Darstellung tragischer und komischer Rollen unterscheide. "Tragik", sagte er, "ist für mich schwerer zu spielen als Komik. In tragischen Rollen muss ich mich manchmal anstrengen, keine Grimassen zu schneiden. Für die Tragödie muss man einen gewissen Grad von Selbstmitleid aufbringen, und das liegt mir gar nicht. Ich bin nun mal keiner, der sich selbst bemitleidet, das ist für mich vergeudete Zeit, und das kann ich mir nicht leisten."

Zeitverschwendung: Dieser Vorwurf trifft wohl kaum einen Mann, der so überreich mit Talenten gesegnet ist, wie die folgenden Seiten hoffentlich zeigen werden. Desgleichen hoffe ich, dass sie nicht bloß einen einmalig begabten Künstler, sondern zugleich einen der wahrhaft großen Menschen unserer Zeit offenbaren.


John Miller, 2002




*

Erschien 1978 auf Deutsch zunächst u. d. T. Ach du meine Güte, sodann 1990 in Neuübersetzung als Ich und Ich.




 
   


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