Vorwort: Mal was anderes
»Handle stets so, dass du die Anzahl deiner Möglichkeiten vergrößerst!«
Heinz von Foerster (1911-2002)
»Mal was anderes«, hatte mein Kollege in die Pausen-Runde gefragt, »gibt es eigentlich ein Buch, in dem wir diese ganzen Tricks und Techniken nachlesen können?«
Wir saßen in der Küche unserer Supervisorin um den großen Tisch herum und labten uns an dem Spontan-Büfett.
»Nee«, sagte die, »ich kenne keins, das müsstest du dann mal selbst schreiben.«
»Na ja«, sagte daraufhin mein Kollege, »so leicht ist das ja nicht. Aber praktisch wäre es schon.«
Dieses Gespräch liegt jetzt ungefähr zehn Jahre zurück - und an diesen Aussagen hat sich nichts geändert. Nur: Das Buch hat immer noch kein anderer geschrieben. So habe ich mich darangesetzt. Es ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis - und die praktische Ausbildung.
Das heißt: Seine Grundlage sind die Gespräche mit Rat suchenden Paaren und Familien, die uns aufgesucht haben. Es ist in diesem Sinne im gedanklichen Dialog mit ihnen entstanden und transportiert so das »Live-Gefühl« einer Beratungssitzung.
Wenn ich in diesem Buch von »wir« oder »uns« spreche, meine ich gleichzeitig meine Kolleginnen, mit denen ich in den letzten Jahren - in guter Balance der Geschlechter - zusammengearbeitet habe. Diese Kooperation als Beratungspaar hat sich sehr bewährt, und ich habe sie - trotz erhöhtem Abspracheaufwand - sehr zu schätzen gelernt. Darüber hinaus arbeite ich auch allein.
Bei der Zusammenstellung des Buches hatte ich die Rückseite eines Pixi-Buches vor Augen, auf der sich folgende Anregung findet:
Male auf Tonpapier kleine Tiere auf, schneide sie aus und befestige an jedem eine Büroklammer aus Metall. Lege die Tierbabys in einen Karton und halte einen Faden hinein, an dessen Ende du einen Magneten geknotet hast (aus dem Bastelgeschäft). Kannst du die Tierbabys aus dem Karton angeln?
Oder mal etwas anders:
Schreibe die kleinen Interventionen auf, die sich in deiner Arbeit bewährt haben. Schildere sie so konturiert, dass sie leicht verständlich haften bleiben. Sammle sie in einem übersichtlich gestalteten Buch und vertraue darauf, dass der Impuls der Leser/innen im Bastelgeschäft der Beratung zur passenden Intervention führt. Viel Spaß beim Angeln!
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die beschriebenen Dialoge aus unseren Beratungen in Vielem unterscheiden von Ihren Gesprächen. So ist sicher keine der beschriebenen Interventionen eins zu eins zu übertragen. Und schon gar nicht ist aus den geschilderten Ausschnitten auf die Gesamtberatung zu schließen.
Mein Bemühen war es, die konkrete Situation, in der der Magnet bei mir »klick« gemacht hat, nachzuempfinden und zu schildern. Die vielfältigen Theorien dazu finden Sie in anderen Büchern, unter anderem in den unter jeder Intervention genannten Titeln.
Es liegt auch in der Natur der Sache, dass ich nicht alle Interventionen aufnehmen konnte, die Sie kennen. Über jede Rückmeldung oder Vorschläge zur Erweiterung freue ich mich.
In diesem Sinn gilt weiterhin der oben zitierte ethische Imperativ von Heinz von Foerster, der mir in meiner Arbeit sehr wichtig geworden und die eigentliche Grundidee dieses Buches ist: »Handle stets so, dass du die Anzahl deiner Möglichkeiten vergrößerst!«(von Schlippe/ Schweitzer, 2003, S. 116)
Damit nicht nur meine und Ihre Klienten, sondern auch wir weiterhin sagen können: Mal was anderes.