Vorwort
Wir sind seit langem der Ansicht, daß Tolkien als Künstler ebensoviel Aufmerksamkeit verdient wie als Schriftsteller. Malen und Schreiben sind bei ihm eng miteinander verbunden, und in seinen Gemälden und Zeichnungen zeigte er eine bemerkenswerte Vorstellungskraft, die es mit seiner Sprachkraft aufnehmen konnte. Seine Bücher haben ungezählte Leser gefunden; seine Kunst jedoch haben nur sehr wenige zu Gesicht bekommen. Unser Buch beabsichtigt, so ausführlich wie möglich die unvermutete Spannbreite von Tolkiens Kunst zu zeigen und sie zu seinem Leben wie zu seinen Schriften, die ihn berühmt gemacht haben, in Beziehung zu setzen. Unser Rahmen ist erheblich größer als der von Pictures by J.R.R. Tolkien (1979): wir befassen uns nicht nur mit seinem vollendeten oder reifen Werk, sondern auch mit seiner frühen Kunst und mit vorbereitenden oder alternativen Fassungen von Bildern, die, wie die Manuskripte, wertvolle Einblicke in seine Arbeitsmethoden liefern. Gleichwohl streben wir keinen catalogue raisonné an.
Ein großer Teil von Tolkiens Kunst ist erhalten. Tolkien hatte die Seele eines Archivars: er scheint nahezu jedes Bruchstück seiner Kunst aufbewahrt zu haben - manchmal buchstäblich Schnipsel, auf Papier gekritzelt, das gerade zur Hand war. Einen Teil davon bewahrte er sorgsam in Umschlägen auf und nahm Bilder heraus, lange nachdem er sie gemalt hatte, um Eintragungen und Entstehungsdaten hinzuzufügen. Aber es gibt wohl kaum einen Archivar, der nicht hin und wieder vergäße, etwas abzulegen. Wir haben zum Beispiel keine Entwürfe für zwei der fünf Aquarelle gefunden, die er für den Hobbit anfertigte, und lediglich zwei Skizzen für Herr Glück, obgleich man mehrere erwarten würde; und wir wissen, daß Tolkien wenigstens drei seiner Zeichnungen verschenkte. Heute wird der größte Teil seines malerisches Werks, zusammen mit den Manuskripten, in der Bodleian Library, Oxford, oder in der Bibliothek der Marquette Universität, Milwaukee, Wisconsin, aufbewahrt.
In diesem Buch sind alle Bilder nicht größer wiedergegeben als die Originale. Nahezu alle ausgewählten farbigen Bilder sind farbig reproduziert; andernfalls haben wir ihre Farben im Text beschrieben. Bei der Beschreibung der Techniken haben wir die genauere Bezeichnung "Buntstift" anstelle von "Zeichenkreide" oder "Kreide" (eine Bezeichnung, die Tolkien selbst bevorzugte) gewählt. "Tusche" bezieht sich auf Feder- und auf Tuschzeichnungen. Hatten wir, um einen Standpunkt zu verdeutlichen, die Wahl zwischen einem veröffentlichten und einem unveröffentlichten Werk von gleicher Qualität, haben wir uns für das letztere entschieden, um mehr von Tolkiens Kunst wiedergeben zu können; zugleich haben wir andere Quellen angeführt, die seine Kunst reproduzieren, in erster Linie das Werk Pictures by J.R.R. Tolkien.
Wir haben notwendigerweise angenommen, daß der Leser zumindest mit den wichtigsten Büchern Tolkiens vertraut ist, also mit dem Hobbit, dem Herrn der Ringe und dem Silmarillion. Der "Das Silmarillion" benannte Komplex dokumentiert die Mythologie in allen Stadien ihrer Niederschrift, das Buch Das Silmarillion erschien 1977. Wenn wir aus Tolkiens Schriften zitieren, haben wir Versionen bevorzugt, die möglichst zeitgleich mit den behandelten Kunstwerken entstanden sind; wir haben darum ausgiebig zurückgegriffen auf Christopher Tolkiens unschätzbare History of Middle-Earth (Band 1 und 2 deutsch unter dem Titel Das Buch der verschollenen Geschichten Band 1 und 2); gelegentlich haben wir die Originalmanuskripte herangezogen. Die genauen Angaben von Werken von oder über Tolkien, auf die in den Anmerkungen häufig Bezug genommen wird, finden sich in der Auswahlbibliographie.
Unser besonderer Dank gilt Christopher Tolkien, der uns aufgefordert hat, dieses Buch zu schreiben, und der unsere Arbeit mit vielen hilfreichen Hinweisen und Vorschlägen unterstützt hat. Unser Dank gilt auch den anderen Mitgliedern der Familie Tolkien - Priscilla, John, Joanna und Michael George -, die uns Vertrauen schenkten und unsere zahlreichen Fragen beantworteten. Wir danken Pat und Trevor Reynolds, die mit uns viele Stätten in England aufsuchten, die Tolkien zeichnete, durch Brennesseln und Schlamm, Feuerleitern hinauf und Klippen hinab, um festzustellen, wo er stand oder saß; wir danken Denis Bridoux, vor allem für seine Vorschläge für die Kapitel 2 und 6, Carl Hostetter, Arden Smith, Patrick Wynne und Chris Gilson für ihren fachmännischen Rat in allen linguistischen Fragen, Judith Priestman und ihren Kollegen von der Bodleian Library, vor allem Colin Harris, Nicola Pound, Martin Maw, Dana Josephson und Charles B. Elston, Archivar der Marquette Universität, die stets geduldig und hilfsbereit waren.
Wir danken ebenfalls Mary Butler, unserer Lektorin bei HarperCollins, und ihrer Assistentin Ali Bailey; Cathleen Blackburn und F. R. Williamson; David Doughan; John Ellison; Mrs. Evans, Mrs. Clark und Mr. Underhill aus Gipsy Green; Charles Noad; John Rateliff und Janice Coulter; dem verstorbenen Taum Santoski; Eileen Terry; Angela Thompson; Peter Thornton; Robert Volz, Andrew Wells; den Damen aus Eastbury; und den Mitarbeitern der British Library, dem Institute of Archaeology, dem Staffordshire Local Record Office, dem Marion E. Wade Center am Wheaton College, dem Warwick Tourist Office, der Westminster University Library, dem Whitby Archives Heritage Centre und der Williams College Library. Nicht zuletzt möchten wir Rayner Unwin für seine Ratschläge und ständige Ermutigung danken.
Wayne G. Hammond & Christina Scull