Die ersten sieben Kapitel geben eine erstmalige Einführung in die Geschichte des teleologischen Denkens von Platon über Aristoteles, die Stoa, das Mittelalter, Leibniz, Kant, Fichte, Schelling und Hegel bis zu Nietzsche und zum 20. Jahrhundert.
Die letzten Kapitel sind nicht mehr aus historischer Distanz geschrieben, sondern greifen in die Debatte selbst, über die sie berichten, kritisch ein. Dabei nimmt das Evolutionsparadigma eine zentrale Stellung ein. Die Autoren verhalten sich gegenüber Bestätigung oder Falsifizierung der evolutionstheoretischen Hypothese neutral, stehen aber der teleologischen Deutung der Evolution als Orthogenese skeptisch gegenüber. Was sie bestreiten, ist die weltanschauliche Relevanz dieser Theorie und der überzogene Leistungsanspruch des sogenannten Evolutionismus. Letztlich geht es um die Alternative, das Aus-sein-auf natürlicher Lebewesen als irreduzibles Faktum anzuerkennen oder den Menschen selbst zum Anthropomorphismus zu erklären.
Neben Philosophen wendet sich das Buch an den gleichen Leserkreis wie die Arbeiten von Konrad Lorenz, Manfred Eigen und Rupert Riedl, gerade weil es weitgehend zu konträren Schlußfolgerungen kommt. Es handelt sich um eine überarbeitete und erweiterte Neuausgabe; erstmals 1981 erschienen löste das Buch eine lebhafte Diskussion zwischen Naturwissenschaftlern und Philosophen aus, die immer noch andauert.
Daß alles Lebendige, ebenso wie wir, auf etwas aus ist, das anzunehmen gehört zur Menschlichkeit des Menschen und ist in einer über zweitausendjährigen Tradition philosophischen Denkens immer wieder reflektiert worden.
Die Kenntnis dieser Geschichte teleologischen Denkens, die in diesem Buch erstmals ausführlich dargestellt wird, ist geeignet, szientistische Vorurteile in Frage zu stellen und der natürlichen Naturbetrachtung ihr gutes Gewissen zurückzugeben. Die Frage "Wozu", die uns in der Natur beheimatet, ist nicht zwingend, aber sie ist nicht weniger berechtigt als die Fragen "Woher" und "Wie", die wir stellen müssen, um unsere Herrschaft über die Natur voranzutreiben.
Es ist ein ebenso unbegründetes wie eingefleischtes Vorurteil, die Interpretation von natürlichen Prozessen unter dem Aspekt ihrer Zielgerichtetheit sei eine unzulässige Übertragung der Struktur menschlicher Willenshandlungen auf den Bereich organischen Lebens.
Eine der zentralen Thesen von Robert Spaemann besagt, daß willentliche Zwecksetzung überhaupt nur möglich ist, weil wir uns bereits als Wesen vorfinden, die von Natur auf etwas aus sind. "Natürliche Ziele" zeigt, daß alle Versuche, Teleologie loszuwerden oder durch ein szientismusverträgliches Als-ob zu ersetzen, sich in Widersprüche verwickeln und für unser Verhältnis zur Natur verhängnisvolle Konsequenzen haben. Das Buch plädiert dafür, die Vorentscheidungen erneut zu überdenken, die diesen Versuchen zugrunde liegen.
www.klett-cotta.de
ISBN 3-608-94121-5